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Kryptowährungen im freien Fall: Wenn der Bogen überspannt wird, fliesst Blut

19.05.2021, 17:01

Sämtliche Kryptowährungen sind heute Mittwoch innerhalb weniger Minuten um ein Vielfaches eingebrochen. Bitcoin verlor zwischenzeitlich über 20 Prozent und notierte kurzfristig unter 30'000 Dollar. Das ist im Vergleich zu vor einem Monat rund die Hälfte. Auch die Nummer zwei, Ether, die Nummer drei, Binance Coin, und sämtliche anderen Währungen mit den höchsten Marktkapitalisierungen verloren massiv Boden.

Offenlegung der Interessensverbindung
Der Autor besitzt Bitcoin, Ether und andere Kryptowährungen.

Starke Kurskorrekturen sind bei Kryptowährungen üblich – derart massive Verschiebungen sind aber selten. Während des letzten Höhenflugs 2017 bis zum damaligen Höchststand von knapp 20'000 Dollar im Februar 2018 korrigierte Bitcoin sechs Mal mit 30 Prozent oder mehr. Aber nur einmal vergleichbar stark wie heute.

Ob der Preis weiter taucht, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Denn auch auf die Dauer eines solchen Erdbebens ist kein Verlass. 16, 3, 35, 14, 5 – so viele Tage dauerte es 2017 jeweils, bis die Talsohle erreicht war. Aktuell sind wir 35 Tage vom Bitcoin-All-Time-High entfernt.

Der Bitcoin-Kurs fiel für einige Sekunden sogar unter 30'000 Dollar.
Der Bitcoin-Kurs fiel für einige Sekunden sogar unter 30'000 Dollar.
bild: screenshot tradingview.

Tatsächlich sind einige Gemeinsamkeiten zwischen dem aktuellen Sturzflug und dem Platzen der Blase von 2017/2018 nicht von der Hand zu weisen: Wie 2018 nahmen zuletzt die Irrationalitäten überhand.

Damals wurde bei sogenannten ICOs – «Initial Coin Offerings» – jeder noch so hanebüchenen Schnapsidee Geld nachgeworfen. Hauptsache, das Kompositum Blockchain wurde erwähnt. Die meisten Projekte versprachen viel und hielten wenig. Der Grossteil davon existiert heute nicht mehr.

Eine andere 2017er-Taktik bestand darin, sich öffentlich blockchainfreundlich zu geben – meist ohne die Vor- und Nachteile davon zu kennen – oder über Sinn und Unsinn zu reflektieren. Kodaks Aktienkurs verdreifachte sich Anfang 2018, nachdem der krisengeschüttelte Konzern ein unausgegorenes Blockchainprojekt präsentiert hatte. Ein paar Monate später dümpelte der Kurs wieder in alten Gefilden und aus der Idee wurde ... nichts.

Ähnlich fundamentlos sind zuletzt gehypte Projekte wie der Dogecoin. Trotzdem explodierte sein Kurs so, dass auch eingefleischte Kryptoexperten sich verwundert die Augen rieben. 2021 ist, wenn ein Milliardär zum Meme wird – und damit Märkte bewegt.

Doch Doge war nur die Speerspitze. Mit Shiba Inu erreichte der nächste Hundecoin innerhalb von nur zwei Tagen eine Marktkapitalisierung von über einer Milliarde (es waren sogar über acht Milliarden). Folglich schossen die Hundecoins wie Pilze aus dem Boden. «Ass» (es ist nicht so, wie du denkst) ist so ein Projekt – «Ass» steht für «Australian Safe Sheperd» und hoffte, sich etwas vom Erfolgskuchen von Doge abzugreifen. Konkreter Nutzen: Zero. Ass ist ein reines Spekulationsobjekt. Kein Hundecoin, dafür genau so gemeint, wie du es denkst, ist CumRocket. Die Coins dafür heissen Cummies – sie erreichten beim Höhepunkt eine Marktkapitalisierung von fast 400 Millionen. Aktuell (16:27 Uhr) sind davon noch 65 Millionen übrig. Kontrollieren lässt sich dies nur mit viel Geduld. Zurzeit sind viele Kryptohandelsplattformen und verwandte Webseiten überlastet und können nicht aufgerufen werden.

Wie schon 2017/2018 wurde auch in den letzten Wochen der Bogen überspannt. Kernwerte wie Dezentralisierung, Zensurresistenz, Sicherheit und Stabilität spielten bei der Beurteilung von Projekten keine Rolle mehr. Ein Börsensprichwort besagt: «Der Markt kann länger irrational sein als du solvent.» Offensichtlich brachten Musks Tweets und das vom chinesischen Finanzindustrieverband ausgesprochene Verbot für Krypto-Geschäfte das Fass zum Überlaufen.

Und nun noch etwas für Abergläubige: 2018 erreichte Ether 28 Tage nach Bitcoin seine zwischenzeitliche Höchstbewertung. 2021 waren es ... erneut genau 28 Tage. Danach war die Herrlichkeit für eine Weile vorbei.

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