Wirtschaft
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In this photo taken on Friday, Nov. 28, 2014, customers walk at an Apple Premium reseller inside the Moscow GUM State Department store in Moscow, Russia. Russia’s economy has been battered this year by uncertainty over the conflict in Ukraine, the falling price of oil, Western sanctions and retaliatory Russian import bans which have poor and middle-class Russians feeling the pinch. (AP Photo/Alexander Zemlianichenko)

Apple-Filiale im Moskauer Einkaufszentrum GUM: Aufruf zum Geldausgeben.  Bild: Alexander Zemlianichenko/AP/KEYSTONE

Russland droht Inflation

Währung im Sturzflug: Apple schliesst russischen Online-Shop

Der rapide Wertverfall des Rubel hat in Russland einen wahren Kaufrausch ausgelöst. Doch nicht alle Unternehmen sind damit glücklich. Apple zum Beispiel – der Computerriese hat den Onlinehandel vorerst eingestellt. 

17.12.14, 08:37 17.12.14, 10:51

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Apple hat wegen der Wirtschaftskrise in Russland den dortigen Verkauf über das Internet eingestellt. Grund seien die extremen Schwankungen des Rubel, erläuterte das Unternehmen am Dienstag. Apple überarbeitet nun seine Preisgestaltung. 

In den vergangenen Monaten hat Apple bereits verschiedene Versuche unternommen, mit dem schwankenden Rubel umzugehen. Der Konzern hob Ende November von heute auf morgen die Preise für seine iPhones, iPads und MacBooks um im Schnitt mehr als 20 Prozent an. Einige Fans der Marke hatten sich bereits die Geräte gesichert, die auf einmal billiger waren als in Europa.

Auch Ikea hatte Anfang Dezember angekündigt, wegen der Talfahrt des Rubel in Kürze die Preise anheben zu wollen und damit einen massiven Kundenansturm ausgelöst. Vor den Möbelhäusern bildeten sich lange Schlangen, die Wartezeit betrug mehrere Stunden. 

Der dramatische Kurssturz des Rubel hat in den vergangenen Tagen die Gefahr einer erneuten Staatspleite Russlands heraufbeschworen. Die Wirtschaft des Landes wird von westlichen Sanktionen und dem Verfall des Ölpreises gebeutelt. Die Haushalte leiden vor allem unter dem Wertverlust der Währung, die seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel ihres Wertes im Vergleich zum Euro verloren hat. Durch den Währungsverfall sind die Preise für russische Verbraucher erheblich gestiegen, sodass die Zentralbank für das Jahresende eine Inflationsrate von rund zehn Prozent annimmt.

ikea

Ikea Russland: Preisanstieg angekündigt. ikeaclub.org

Bevölkerung im Kaufrausch

Als Folge davon sind nicht nur die Ikea-Filialen voll. Russlands Bevölkerung ist erfahren mit Wechselkurs- und Inflationsmechanismen. Sie hat in den vergangenen 25 Jahren schon mehrere schwere Währungskrisen durchgemacht und ihre Ersparnisse in Rauch aufgehen sehen. «In diesem Punkt unterscheidet sich Russland von Industrieländern, in denen die Menschen anfangen zu sparen, wenn eine Krise beginnt», sagt der Wirtschaftswissenschaftler Igor Nikolajew. «Bei uns geht das mit einer starken Herabwürdigung des Geldes einher und die Leute geben mehr aus, was die Situation für eine gewisse Zeit entspannt», fügt der Analyst des Beratungsunternehmens FBK hinzu.  

Auch die Handelskette MVideo für Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik hat Anfang Dezember mehr Kunden gezählt. Dies lag zum einen an den Weihnachtseinkäufen, die in Russland immer früher beginnen, zum anderen aber auch an der Talfahrt des Rubels. «Die Käufer wollen vom Wert ihrer Ersparnisse in Rubel profitieren und sie in Elektronik investieren», sagt Anton Pantelejew, Sprecher von MVideo. «Die Leute haben sich beeilt, teure Waren wie Fernseher, Computer, Laptops zu kaufen, um ihre Rubel zu retten, die dramatisch an Wert verlieren», bestätigt Maria Wakatowa von der Beratungsfirma Watcom, die den Handel beobachtet. 

Absturz absehbar

Russische Medien wie die beliebte Zeitung «Argumenty i Fakty» rieten ihren Lesern kürzlich, noch vor Jahresende elektronische Geräte, Autos, Kleidung und importierte Waren zu kaufen, genauso wie unverderbliche Lebensmittel, deren Preise vor den Feiertagen angehoben werden dürften. Auch der Automarkt freute sich im November über eine «ausserordentliche» Nachfrage nach den grossen ausländischen Marken, wie der Händlerverband AEB feststellte. 

Nach Einschätzung des Ökonomen Igor Nikolajew wird die Kauflust «noch ein oder zwei Monate» anhalten – solange noch Rubel zum Ausgeben übrig seien. «Aber dann beginnt das Schwierigste», warnt er. Die russische Regierung rechnet für 2015 mit einer Rezession. Genauso die Weltbank, die vorhersagt, dass die Kauflaune der privaten Haushalte nächstes Jahr so niedrig sein wird wie zuletzt 2009. (mik/Reuters/AFP)



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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