Wirtschaft
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Basler Taxifahrer wechseln die Fronten – und gehen zu Uber

Der Ärger in der Basler Taxiszene über den Fahrdienst Uber ist gross. Unlängst kam es nach einem Streit zu wüsten Szenen. Traditionelle Taxi-Chauffeure sehen ihren Berufsstand bedroht. Manche aber schlagen neue Wege ein: Sie wechseln die Fronten.

Benjamin Rosch / bz Basel



3200 Franken verdient ein Taxichauffeur monatlich mit einer 53-Stunden-Woche. Brutto. Diese Zahl geht aus dem Zürcher Lohnbuch hervor.

Kurt Schaufelberger ist Geschäftsführer der Datenfunkzentrale (DFZ) der 22er, 33er und 77er-Taxis in Basel. Er hält diesen Lohn auch für Basler Taxichauffeure für realistisch: «Natürlich ist diese Zahl abhängig von verschiedenen Faktoren und kann variieren. Im Mittel dürfte sie jedoch in etwa hinkommen.» Er rechnet damit, dass dies nicht allen zum Leben reicht: «Es gibt sicher einige Taxifahrer, die Beiträge vom Sozialamt erhalten», sagt Schaufelberger.

The entrance to the world watch and jewellery show Baselworld in Basel, Switzerland, on Wednesday, March 26, 2014. Baselworld opens it's doors from March 27 to April 3, 2014. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Fahrziel Messeplatz: Dank Baselworld und anderen Messen lockt das schnelle Geld. Bild: KEYSTONE

4500 Franken verdient ein professioneller Uber-Fahrer im Monat. Ebenfalls brutto. Dies erklärt ein Chauffeur des US-Fahrdienstes gegenüber der «BZ». Er hat ein Taxibillett, war früher für die traditionellen Unternehmen in der Stadt unterwegs. Heute chauffiert er seine Kunden im Privatauto ohne Leuchtsignet auf dem Dach.

Unter der Woche fährt er unter der Flagge Uber Pop, an Wochenenden Uber X. Der Unterschied: Pop ist günstiger, die Fahrer sind Gelegenheitschauffeure. Gesetzlich erlaubt ist ihnen der Arbeitseinsatz nur sporadisch. Uber X dagegen lässt die Fahrer Ruhezeiten einhalten, verlangt einen Fahrtenschreiber und eine spezielle Bewilligung. Für Pop wie X gilt: Die Fahrer sind selber dafür verantwortlich, Sozialabgaben zu bezahlen.

250 Uber-Fahrer soll es in der Region geben, weder das Basler Justiz- noch das Wirtschaftsdepartement wollen diese Zahl kommentieren.

Reibach dank Grossanlässen

Bei Uber lockt das schnelle Geld. Zwar ist es manchmal nicht viel, das die Uber-Fahrer einnehmen. Doch jetzt sorgen Grossanlässe für mehr potenzielle Fahrgäste in der Stadt: Fasnacht, Baselworld, danach Art Basel. Publikum auch, das den Fahrdienst längst kennt.

In solchen Fällen regiert bei Uber das Prinzip von Angebot und Nachfrage: Der Preis steigt. Und damit auch die Gewinnspanne für die Fahrer. Kein Wunder, wechseln manche traditionelle Täxeler den Arbeitgeber.

«Uber ist nicht nachhaltig.»

Pascal Pfister, SP-Grossrat

Das sieht auch Pascal Pfister. Der Basler SP-Grossrat und Gewerkschafter hat sich wiederholt mit den gesetzlichen Bestimmungen befasst, die der Fahrdienst gut auszuloten weiss. «Es ist klar, dass sich die Taxifahrer die beste Lösung zurechtlegen.» Bei Uber könne man sich auf jene Zeiten konzentrieren, in denen sich die Arbeit lohnt. In manchen Schichten fressen die Standzeiten über 60 Prozent der Arbeitszeit.

Dennoch: «Uber ist nicht nachhaltig», sagt Pfister. Im Alter rächen sich etwa die Lücken in der AHV, neben der Allgemeinheit würden sich die Fahrer auch selbst betrügen.

«Schwarzarbeit als Geschäft»

Zudem glaubt Pfister an einen hohen Anteil von Schwarzarbeitern: «Das System begünstigt dies ja, indem Uber die Verantwortung als Arbeitgeber an die Angestellten abtreten will.» Nur: Manche Uber-Fahrer wollen gar keine AHV, zahlen auch nicht in eine private Pensionskasse ein.

Die Rechnung gehe sowieso nicht auf, sagt der Transportverantwortliche der Unia, Roman Künzler: «Ich kenne Menschen, die dadurch verarmt sind, weil sie nicht alle Kosten berücksichtigen – etwa die angemessene Versicherung oder die Kosten am Fahrzeug.»

Schaufelberger glaubt indes nicht, dass die «Taxi-Chauffeure in Scharen zu Uber laufen», es seien vielmehr Einzelfälle. Die soziale Sicherheit, welche traditionelle Unternehmen anböten, würden von den meisten höher gewichtet. «Wir hatten auch Fälle von Fahrern, die zurückgekommen sind», sagt Schaufelberger. (bzbasel.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Barracuda 01.03.2017 10:38
    Highlight Highlight Zahlt UBER etwa auch Arbeitgeberbeiträge? Ist bei diesem Betrag AHV/IV/EO, ALV, Pensionskasse und weitere Versicherungen und Beiträge schon abgezogen? Wurden bei diesem Betrag die Anschaffungskosten, der Unterhalt und Betrieb des Fahrzeugs bereits miteingerechnet?

    Die Fragen kann man alle mit NEIN beantworten!

    Wer also ernsthaft behauptet, dass man bei UBER jeden Monat einen Tausender mehr auf dem Konto hat, der outet sich höchstens als Mathe-Niete und belügt sich selbst. Die Rechnung folgt nicht erst im Pensionsalter, sondern schon viel früher;-)
  • Blue_Toastbrot 01.03.2017 08:50
    Highlight Highlight Uber ist sicher keine Lösung für die Taxifahrer in der Zukunft, aber so wie die Taxis heutzutage gebraucht werden ebenfalls nicht!
    An sich ist das Uber-System ja genial. Effizienter und günstiger als Uber ist fast unmöglich (siehe UberPool in den USA)
    Die Taxi-Firmen müssen sich zusammensetzen und gemeinsam handeln. Sonst werden sie irgendwann ersetzt durch Uber, Lyft, etc.
  • Donald 01.03.2017 08:40
    Highlight Highlight "Verdienen" ist definitiv das falsche Wort, lieber Autor.
    • Posersalami 01.03.2017 09:06
      Highlight Highlight Wieso ist das falsch? Taxifahrer arbeiten wenigstens noch für ihr Geld!
    • Charlie Brown 01.03.2017 11:39
      Highlight Highlight @Posersalami: Weil "Umsetzen" das richtige Wort wäre. Weil Umsatz nicht Verdienst ist bei einem Selbständigerwerbenden.
  • Grundi72 01.03.2017 08:20
    Highlight Highlight Uber und/oder Lyft werden sich durchsetzten. Warum: weils der Kunde will! Da können Gewerkschäfteler noch so stämpfelen.

    Die Taxibranche hat die Digitalisierung verpennt und wird brutal disrupted. Die guten Nachrichten für den Taxifahrer? Er kann zu Uber, die grad brutal im Wachstum..!
    • bebby 01.03.2017 09:11
      Highlight Highlight In Basel hat die 33er Taxizentrale bereits seit Jahren eine super App, also verpennt würde ich das nicht nennen.

      Am Ende ist hier doch das Problem, dass die Anforderungen an die Taxifahrer viel zu tief sind, so kann jeder Taxifahrer werden und entsprechend lohnt es sich weniger für den Einzelnen. Als Kunde hätte ich lieber halb so viele Taxifahrer, dafür nur die Guten.
    • äti 01.03.2017 10:33
      Highlight Highlight *stämpfelen *disrupted *brutal . Quelle langue.
    • Bits_and_More 01.03.2017 11:31
      Highlight Highlight Jap, einzelne Städte haben eigene Apps. Doch gerade wer viel unterwegs ist, sei es privat oder geschäftlich, möchte nicht für jede Stadt ein neues App, inklusive Registrierung usw. Da ist Uber halt schon praktischer, besonders wenn auch gleich die Firmenkreditkarte hinterlegt ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • johnnyenglish 01.03.2017 08:03
    Highlight Highlight 4500 in der Woche? Das wär mir auch Brutto und in Eigenorganisation eventuell fehlender Sozialabgaben recht.
    • Dubio 01.03.2017 09:59
      Highlight Highlight Denke, das ist wohl eher Umsatz. Da gehen dann noch die 30% für Über weg, 20% Sozialversicherung, Autoversicherung, Haftpflicht für Fahrgäste, Abschreiber und Unterhalt des Fahrzeugs weg. Dann kommt man wohl auf ein klein wenig mehr als der angestellte Taxifahrer.
  • El Vals del Obrero 01.03.2017 07:59
    Highlight Highlight So traurig. Die Kleinen müssen sich gegenseitig fertigmachen und sich mittels Dumping unterbieten, damit z.B. ein BaselWorld-Besucher wenige Franken sparen kann, obwohl er sich nachher für das zigtausendfache der Taxifahrt Schmuck kauft.

    Manchmal kommt mir das vor wie Hutu und Tutsi. Wenn man sich in so verschiedenen Sphären bewegt, ohne die Chance, dass die einen aufschliessen können, dann beginnt man irgendwann sich gegenseitig gar nicht mehr als Menschen anzusehen.

    Und statt dass die "Kleinen" sich gegen oben wehren, trampeln sie einfach nach noch weiter unten
    (Arme gegen Ausländer usw.)
    • Donald 01.03.2017 08:53
      Highlight Highlight Sorry, aber ich fahre auch Taxi und kaufe mir keinen teuren Schmuck.

      Wer sind die kleinen, welche sich fertigmachen?
    • äti 01.03.2017 10:37
      Highlight Highlight Ich denke mir auch, ein Wandel ist gegeben. In der Gegend hier gibt es auch 10Fr Taxi für den Rayon. Nur als Beispiel. Neben Uber gibt es Alternativen.
  • Süffu 01.03.2017 07:57
    Highlight Highlight Wenn uber-Fahrer wirklich 18000Fr im Monat verdienen würden, wie es im Text steht, gäbe es wohl nicht mehr viele andere Jobs.. hier der Ausschnitt: "4500 Franken verdient ein professioneller Uber-Fahrer in der Woche."
    • Kstyle 01.03.2017 08:07
      Highlight Highlight Hab mir auch gleich überlegt uberfahrer zu werden. Bei 18000 kann ich 5000 fürs alter auf die seite legen😂😂😂.
    • wat? 01.03.2017 08:25
      Highlight Highlight hat jemand eine ahnung was bei diesen 4500 und 3200fr. noch alles abgezogen wird? bzw. was wirklich hängen bleibt? finde die beträge so betrachtet sehr sehr seehr hoch
    • Wehrli 01.03.2017 08:35
      Highlight Highlight Uber-Escort Fahrer sollte es heissten. An.d.Red.
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