Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Entlassener Vincenz: «Die U-Haft war unnötig und ihre Länge völlig unverhältnismässig» 

13.06.18, 08:07 13.06.18, 11:22


Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ist wieder auf freiem Fuss. Der frühere Manager, gegen den wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung ermittelt wird, wurde am Dienstag aus der Untersuchungshaft entlassen, wie der Blick berichtet. Der 62-Jährige war Ende Februar verhaftet worden.

Pierin Vincenz, CEO Raiffeissen orientiert an einer Medienkonferenz in Zuerich am Freitag, 28. Februar 2014 ueber das vergangene Geschaeftshjahr. Raiffeisen hat den Gewinn 2013 um fast 13 Prozent auf 717 Mio. Fr. gesteigert. Das bessere Ergebnis der nach UBS und Credit Suisse drittgroessten Schweizer Bankengruppe kam einerseits durch den Wegfall von ausserordentlichen Pensionskassenzahlungen, anderseits aber auch durch Ertragssteigerungen zustande. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Pierin Vincenz wurde aus der U-Haft entlassen. Bild: KEYSTONE

Die Zürcher Staatsanwaltschaft gab am Mittwoch bekannt, Vincenz sei am Dienstag aus der Haft entlassen worden. Ebenfalls auf freiem Fuss ist seit Dienstag Vincenz’ früherer Geschäftspartner bei der Kreditkartengesellschaft Aduno. Beide waren Verwaltungsräte der Aduno. Die Untersuchung sei «weit fortgeschritten», heisst es weiter in der Mitteilung. Deshalb seien die beiden Männer «unter Auflage verschiedener Ersatzmassnahmen» aus der Haft entlassen worden.

Vincenz bestätigt seine Freilassung und liess seine Kommunikationsagentur folgende Erklärung verbreiten:

«Was ich in den letzten Wochen erlebt habe, wünsche ich niemandem. Es geht mir den Umständen entsprechend gut und ich danke allen, die in dieser schwierigen Zeit zu mir stehen und mich unterstützen. Die Eröffnung des Strafverfahrens kam für mich völlig überraschend. Die Untersuchungshaft war aus meiner Sicht unnötig und ihre Länge völlig unverhältnismässig. Die Themenkreise des Verfahrens liegen Jahre zurück und sind bestens dokumentiert. Die im Rahmen des Strafverfahrens gegen mich erhobenen Vorwürfe bestreite ich nach wie vor und ich werde mich mit allen Mitteln dagegen wehren.»

Laut Oberstaatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen gegen «sämtliche Beschuldigten» weiter. Nebst Vincenz und dem anderen Verwaltungsrat wird gegen weitere Personen aus deren Umfeld ermittelt.

Vincenz und dessen Geschäftspartner waren am 27. Februar in Untersuchungshaft versetzt worden. Im Mai war diese vom Gericht verlängert worden.

Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung

Vincenz wird vorgeworfen, bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und sich persönlich bereichert zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vincenz bestreitet die Vorwürfe.

Auslöser für das Strafverfahren ist eine Anzeige von Aduno vom Dezember 2017. Nachdem die Zürcher Justiz die Raiffeisen-Bank über das Strafverfahren informiert hatte, reichte Raiffeisen ebenfalls eine Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Chef ein. Bei Raiffeisen geht es um verdeckte Treuhandverhältnisse, dank derer sich Einzelpersonen möglicherweise bereichert haben. (sda)

Der Fall Vincez: Was ist passiert?

Raiffeisen Pierin Vincenz Grafik Zeitstrahl Was ist passiert?Raiffeisen Pierin Vincenz Grafik Zeitstrahl Was ist passiert?Raiffeisen Pierin Vincenz Grafik Zeitstrahl Was ist passiert?Raiffeisen Pierin Vincenz Grafik Zeitstrahl Was ist passiert?Raiffeisen Pierin Vincenz Grafik Zeitstrahl Was ist passiert?

Bild: watson

Das sind die schönsten Banknoten der Welt

Das könnte dich auch interessieren:

Ist Trump nun ein Faschist oder nicht?

Die 7 schlimmsten Momente, die du an einer Prüfung erleben kannst

Die Grünen sind die unverbrauchten Linken

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

«In einer idealen Welt wären Solarien verboten»

Diese Nachricht lässt jede Playstation 4 sofort abstürzen – so schützt du dich

30 Millionen Facebook-Profile gehackt. User-Daten weg. So merkst du, ob du betroffen bist

Diese Inder löschen Pornos und Gräuel-Bilder aus dem Netz – und leiden dabei Höllenqualen

Warum Tabubrecher triumphieren und was die Schweiz damit zu tun hat

Swisscom erhöht Abopreise um 191%: So reagieren die Kunden auf den erzwungenen Abowechsel

Mit diesen 10 Tricks und Tipps holst du das Beste aus Spotify raus

Wir haben die Kantonsgrenzen neu gezogen – so sieht die Schweiz jetzt aus

Diese 7 Frauen hätten einen Nobelpreis verdient – nur eine könnte ihn noch bekommen

GoT-Star Natalie Dormer meint: «MeToo war absolut notwendig!»

Alpentourismus kämpft mit Gigantismus um Gäste: Kann das gut gehen?

Der Staat soll Stillpausen für berufstätige Mütter bezahlen

Wie AfD-Weidel mit falschen Schweizer Asylzahlen Hetze gegen Ausländer macht

Diese Tweets zeigen dir, was mit Menschen passiert, wenn sie zu lange keinen Sex haben 😂

Sorry, Bundesrat Berset, aber es ist Freitag und wir hatten nichts Besseres zu tun ...

«Einmal Betrüger, immer Betrüger» – 7 Leute erzählen von ihrem Beziehungsende

11 Schritte für mehr Nachhaltigkeit in deinem Alltag

präsentiert von

Du denkst, du kennst die Kommaregeln? Ha!

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

33
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hierundjetzt 13.06.2018 14:47
    Highlight Scheinbar ist der VP ja bereits in Morcote (IT) gesichtet worden. Soll recht schön da sein. Da er ja mehrere Immobilien im Tessin hat, sollte es ja kein Problem sein, sich zu entspannen....
    15 1 Melden
  • Alterssturheit 13.06.2018 14:00
    Highlight Bla...bla...bla...scheint mir einfach nur logisch, dass ein Betroffener gegen das bisher geschehene wettert...würde ich auch tun. Vor allem wenn ich sowieso nichts zugeben will und weiss, dass ich noch mit zig- Topanwälten dagegen vorgehen werde. Dafür hat er sicher noch etwas im Geldsäckli vorig.
    17 1 Melden
  • wasps 13.06.2018 11:39
    Highlight 23 Stunden isoliert in Einzelhaft, und das wochenlang. Das ist schon krass und grenzt an Folter. Egal, wen es trifft.
    17 23 Melden
    • Aki Zeta 5 13.06.2018 13:22
      Highlight Davon kann er sich jetzt ja in einem Luxus-Kurhotel in den Schweizer Bergen erholen.
      16 5 Melden
    • wasps 13.06.2018 14:01
      Highlight Er schon. Und die anderen?
      5 9 Melden
    • Aki Zeta 5 13.06.2018 14:44
      Highlight Gut gekontert.

      Als jemand der schon mal in der -Schweiz- in Isolations-"haft" war (mit dem einzigen Unterschied, dass es in einer psychiatrischen Klinik und ich keiner Straftat verdächtigt war), muss aber sagen, dass er diesbezüglich völlig übertreibt und es nicht annähernd so dramatisch ist. Da war es übrigens wesentlich spartanischer eingerichtet, als die Bilder die der Tagi von der "Gefängnis"-Zelle zeigt.

      Herr Vincenz hat halt einfach das erste Mal in seinem Leben am eigenen Leib erfahren, was es tatsächlich bedeutet: Die Freiheit zu verlieren.
      *Lacrimosa
      12 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Rückbauer 13.06.2018 10:51
    Highlight Ob die U-Haft unnötig war, das werden zu gegebener Zeit die Richter entscheiden. Ich nehme an, dass PV sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen wird, wie bei allen (wenigen), die heute wegen Wirtschaftskriminalität angeklagt werden. Der Kanton Zürich ist ja nicht bekannt dafür, potentielle Wirtschaftskriminelle rigoros zu verfolgen und anzuklagen. Aber im Fall PV gehe ich schon davon aus, dass Fleisch am Knochen ist.
    43 4 Melden
  • Staatsgebeutelter 13.06.2018 10:08
    Highlight Natürlich war die U-Haft unnötig und unverhältnismässig lang. Aber solches ist halt die gängige Praxis in der Schweiz und es geht bei der U-Haft hauptsächlich darum den Angeklagten zu zermürben um ihn damit zu Aussagen zu nötigen. Bei Vinzenz ging diese Praxis leider nicht auf. Ich kenne Leute welche 8 Monate oder über 2 Jahre unschuldig in H-Haft gehalten wurden, so gesehen kam Vinzenz noch gut weg.
    20 60 Melden
    • zeromaster80 13.06.2018 12:52
      Highlight Was kennst Du nur für Leute... Ich würde am Umgang arbeiten.
      22 5 Melden
    • Aki Zeta 5 13.06.2018 13:01
      Highlight Da hast du aber tolle Bekannte.
      Die durchschnittliche U-Haftdauer (falls sie eine hatten) bei Schuldig gesprochenen liegt bei gerademal 37 Tagen und nur 1% dieser Personen sass länger als 6 Monate in U-Haft.

      Bei den Freigesprochenen dürfte sie noch wesentlich tiefer sein, von "gängiger Praxis" ganz zu schweigen.

      Fun Fakt: Ende 2017 lag die Anzahl der Personen in U-Haft bei 1'673, davon hatten 904 keinen offiziellen Wohnsitz in der Schweiz.
      20 3 Melden
    • Unangemeldeter Nutzer 13.06.2018 13:39
      Highlight Die U-Haft wird in der Regel so kurz gehalten wie nötig. Das wird wahrscheinlich auch im vorliegenden Fall so gewesen sein. Aber wir können es nicht beurteilen, darüber (über die Gründe der Länge der U-Haft, nicht über den Tatverdacht an sich) steht im Artikel wenig, und nur die Sicht des Angeklagten, nicht die Sicht des Staatsanwalts.
      15 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Vanessa_2107 13.06.2018 09:48
    Highlight Ich finde die U-Haft auch extrem lang. Er wird behandelt wie ein Schwerverbrecher oder einer der die Staatsgeheimnisse verraten hat. U-Haft heisse 23 Stunden pro Tag eingeschlossen zu sein, ohne Internetzugang ohne telefonieren zu dürfen. Das sei für einen Normalbürger eine existenzielle Erfahrung, darum gäbe es Leute, die sich am Anfang der Haft etwas antun. Für CH-Verhältnisse finde ich das krass. Hätte er nicht eine hohe Kaution stellen können?
    18 112 Melden
    • bokl 13.06.2018 10:20
      Highlight Die U-Haft wurde angeordnet, damit P.V. sich nicht mit Mittätern absprechen und/oder Beweise vernichten kann. Kaution bringt da gar nichts...
      64 1 Melden
    • Theor 13.06.2018 10:39
      Highlight Sie scheinen nicht ganz zu wissen, wofür Untersuchungshaft angeordnet wird. Im Falle von Herrn Vincenz wurde sie angeordnet, um die Kollusionsgefahr - also die Gefahr, dass er Beweise vernichtet und sich mit Zeugen und Mittätern zwecks Alibi abspricht - zu bannen.

      Das ist nichts, was man mit einer Kaution sicherstellen könnte.
      52 3 Melden
    • Hierundjetzt 13.06.2018 10:41
      Highlight Du verkennst möglicherweise den Tatbestand. Es geht nicht um einen Chügelidealer von der Langstrasse.

      Es geht um die Vermeidung von Absprachen und Verdunkelung eines Betruges in der Höhe von 200 Mio.

      Hätte er kooperiert wie ein Chügelidealer, er wäre schon lange draussen
      44 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • sherpa 13.06.2018 09:24
    Highlight "Die Untersuchungshaft war aus meiner Sicht unnötig und ihre Länge völlig unverhältnismäßig" Das sieht der Staatsanwalt vermutlich nicht ganz so unnötig war sie vermutlich auch nicht, nach dem sie durch den Haftrichter immer wieder verlängert wurde. So unschuldig wie Herr Vincenz zu tut, ist er mit Bestimmtheit nicht
    124 21 Melden
    • Unangemeldeter Nutzer 13.06.2018 13:36
      Highlight Natürlich ist er nicht unschuldig, aber die U-Haft sollte nur solange aufrecht erhalten bleiben, wie die Gefahr besteht, dass der Angeklagte untertaucht, das Land verlässt, Absprachen mit Zeugen macht, Beweismittel vernichtet oder eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt. Wie es sich im konkreten Fall verhält, kann ich nicht beurteilen, wahrscheinlich hat der Staatsanwalt aber schon korrekt entschieden.
      6 1 Melden
    • chäsli 13.06.2018 13:42
      Highlight Ich glaube kaum, dass Sie das beurteilen können acove. Vielleicht hat Vincenz anfangs keine oder nur mangelhafte Aussagen gemacht und konnte deshalb nicht freigelassen werden. Zudem bestand in so einem Fall akute Kollisionsgefahr usw. Ich kann Ihnen versichern, dass jeder Staatsanwalt/wältin von der Oberstaatsanwaltschaft überwacht wird.
      5 0 Melden
  • chandler 13.06.2018 08:49
    Highlight Die Länge der U-Haft ist ziemlich sicher nicht das einzig unverhältnismässige in diesem Fall lieber Herr Vincenz...
    56 12 Melden
  • Denk nach 13.06.2018 08:14
    Highlight Die im Rahmen des Strafverfahrens gegen mich erhobenen Vorwürfe bestreite ich nach wie vor und ich werde mich mit allen Mitteln dagegen wehren.»

    -> genau weil er sich mit allen Mitteln wehren will, ist wohl die U-Haft sinnvoll? Er gibt ja selbst die Antwort
    88 20 Melden
    • Hierundjetzt 13.06.2018 10:42
      Highlight Das Zwangsmassnahmengericht war ja bis heute überaus beeindruckt von seiner Argumentation... 😂😂😂
      17 1 Melden
  • Sanduuh 13.06.2018 07:55
    Highlight Wieso wird immer nur vo dem «anderen Verwaltungsrat» gesprochen?
    23 0 Melden

Der umstrittenste Whistleblower der Schweiz und sein doppeltes Spiel

Der umstrittenste Whistleblower der Schweiz steht vor dem Bundesgericht. Es geht um drei Fragen: Muss er ins Gefängnis? Wie weit geht das Bankgeheimnis im Ausland? Und wie soll der Fall Elmer in die Geschichte eingehen?

Rudolf Elmers Welt ist klein geworden. Die Golfbälle schlägt er von einem Plastikteppich in seinem Vorgarten in Rorbas ZH direkt ins Netz vor der Hecke. Früher verkehrte er auf Golfplätzen der Karibik. Heute ist er Hausmann, damals verwaltete er Millionen als Offshore-Banker im Steuerparadies. Dazwischen nahm sein Leben eine spektakuläre Wende, und er stand mit Wikileaks-Gründer Julian Assange vor der Weltpresse.

Elmers Geschichte wird am 10. Oktober vor dem Bundesgericht in Lausanne aufgerollt. …

Artikel lesen