Wirtschaft
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Entlassener Vincenz: «Die U-Haft war unnötig und ihre Länge völlig unverhältnismässig» 



Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ist wieder auf freiem Fuss. Der frühere Manager, gegen den wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung ermittelt wird, wurde am Dienstag aus der Untersuchungshaft entlassen, wie der Blick berichtet. Der 62-Jährige war Ende Februar verhaftet worden.

Pierin Vincenz, CEO Raiffeissen orientiert an einer Medienkonferenz in Zuerich am Freitag, 28. Februar 2014 ueber das vergangene Geschaeftshjahr. Raiffeisen hat den Gewinn 2013 um fast 13 Prozent auf 717 Mio. Fr. gesteigert. Das bessere Ergebnis der nach UBS und Credit Suisse drittgroessten Schweizer Bankengruppe kam einerseits durch den Wegfall von ausserordentlichen Pensionskassenzahlungen, anderseits aber auch durch Ertragssteigerungen zustande. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Pierin Vincenz wurde aus der U-Haft entlassen. Bild: KEYSTONE

Die Zürcher Staatsanwaltschaft gab am Mittwoch bekannt, Vincenz sei am Dienstag aus der Haft entlassen worden. Ebenfalls auf freiem Fuss ist seit Dienstag Vincenz’ früherer Geschäftspartner bei der Kreditkartengesellschaft Aduno. Beide waren Verwaltungsräte der Aduno. Die Untersuchung sei «weit fortgeschritten», heisst es weiter in der Mitteilung. Deshalb seien die beiden Männer «unter Auflage verschiedener Ersatzmassnahmen» aus der Haft entlassen worden.

Vincenz bestätigt seine Freilassung und liess seine Kommunikationsagentur folgende Erklärung verbreiten:

«Was ich in den letzten Wochen erlebt habe, wünsche ich niemandem. Es geht mir den Umständen entsprechend gut und ich danke allen, die in dieser schwierigen Zeit zu mir stehen und mich unterstützen. Die Eröffnung des Strafverfahrens kam für mich völlig überraschend. Die Untersuchungshaft war aus meiner Sicht unnötig und ihre Länge völlig unverhältnismässig. Die Themenkreise des Verfahrens liegen Jahre zurück und sind bestens dokumentiert. Die im Rahmen des Strafverfahrens gegen mich erhobenen Vorwürfe bestreite ich nach wie vor und ich werde mich mit allen Mitteln dagegen wehren.»

Laut Oberstaatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen gegen «sämtliche Beschuldigten» weiter. Nebst Vincenz und dem anderen Verwaltungsrat wird gegen weitere Personen aus deren Umfeld ermittelt.

Vincenz und dessen Geschäftspartner waren am 27. Februar in Untersuchungshaft versetzt worden. Im Mai war diese vom Gericht verlängert worden.

Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung

Vincenz wird vorgeworfen, bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und sich persönlich bereichert zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vincenz bestreitet die Vorwürfe.

Auslöser für das Strafverfahren ist eine Anzeige von Aduno vom Dezember 2017. Nachdem die Zürcher Justiz die Raiffeisen-Bank über das Strafverfahren informiert hatte, reichte Raiffeisen ebenfalls eine Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Chef ein. Bei Raiffeisen geht es um verdeckte Treuhandverhältnisse, dank derer sich Einzelpersonen möglicherweise bereichert haben. (sda)

Der Fall Vincez: Was ist passiert?

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Bild: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hierundjetzt 13.06.2018 14:47
    Highlight Highlight Scheinbar ist der VP ja bereits in Morcote (IT) gesichtet worden. Soll recht schön da sein. Da er ja mehrere Immobilien im Tessin hat, sollte es ja kein Problem sein, sich zu entspannen....
  • Alterssturheit 13.06.2018 14:00
    Highlight Highlight Bla...bla...bla...scheint mir einfach nur logisch, dass ein Betroffener gegen das bisher geschehene wettert...würde ich auch tun. Vor allem wenn ich sowieso nichts zugeben will und weiss, dass ich noch mit zig- Topanwälten dagegen vorgehen werde. Dafür hat er sicher noch etwas im Geldsäckli vorig.
  • Der Rückbauer 13.06.2018 10:51
    Highlight Highlight Ob die U-Haft unnötig war, das werden zu gegebener Zeit die Richter entscheiden. Ich nehme an, dass PV sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen wird, wie bei allen (wenigen), die heute wegen Wirtschaftskriminalität angeklagt werden. Der Kanton Zürich ist ja nicht bekannt dafür, potentielle Wirtschaftskriminelle rigoros zu verfolgen und anzuklagen. Aber im Fall PV gehe ich schon davon aus, dass Fleisch am Knochen ist.
  • Staatsgebeutelter 13.06.2018 10:08
    Highlight Highlight Natürlich war die U-Haft unnötig und unverhältnismässig lang. Aber solches ist halt die gängige Praxis in der Schweiz und es geht bei der U-Haft hauptsächlich darum den Angeklagten zu zermürben um ihn damit zu Aussagen zu nötigen. Bei Vinzenz ging diese Praxis leider nicht auf. Ich kenne Leute welche 8 Monate oder über 2 Jahre unschuldig in H-Haft gehalten wurden, so gesehen kam Vinzenz noch gut weg.
    • zeromaster80 13.06.2018 12:52
      Highlight Highlight Was kennst Du nur für Leute... Ich würde am Umgang arbeiten.
    • Aki Zeta 5 13.06.2018 13:01
      Highlight Highlight Da hast du aber tolle Bekannte.
      Die durchschnittliche U-Haftdauer (falls sie eine hatten) bei Schuldig gesprochenen liegt bei gerademal 37 Tagen und nur 1% dieser Personen sass länger als 6 Monate in U-Haft.

      Bei den Freigesprochenen dürfte sie noch wesentlich tiefer sein, von "gängiger Praxis" ganz zu schweigen.

      Fun Fakt: Ende 2017 lag die Anzahl der Personen in U-Haft bei 1'673, davon hatten 904 keinen offiziellen Wohnsitz in der Schweiz.
    • .ch 13.06.2018 13:39
      Highlight Highlight Die U-Haft wird in der Regel so kurz gehalten wie nötig. Das wird wahrscheinlich auch im vorliegenden Fall so gewesen sein. Aber wir können es nicht beurteilen, darüber (über die Gründe der Länge der U-Haft, nicht über den Tatverdacht an sich) steht im Artikel wenig, und nur die Sicht des Angeklagten, nicht die Sicht des Staatsanwalts.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Vanessa_2107 13.06.2018 09:48
    Highlight Highlight Ich finde die U-Haft auch extrem lang. Er wird behandelt wie ein Schwerverbrecher oder einer der die Staatsgeheimnisse verraten hat. U-Haft heisse 23 Stunden pro Tag eingeschlossen zu sein, ohne Internetzugang ohne telefonieren zu dürfen. Das sei für einen Normalbürger eine existenzielle Erfahrung, darum gäbe es Leute, die sich am Anfang der Haft etwas antun. Für CH-Verhältnisse finde ich das krass. Hätte er nicht eine hohe Kaution stellen können?
    • bokl 13.06.2018 10:20
      Highlight Highlight Die U-Haft wurde angeordnet, damit P.V. sich nicht mit Mittätern absprechen und/oder Beweise vernichten kann. Kaution bringt da gar nichts...
    • Theor 13.06.2018 10:39
      Highlight Highlight Sie scheinen nicht ganz zu wissen, wofür Untersuchungshaft angeordnet wird. Im Falle von Herrn Vincenz wurde sie angeordnet, um die Kollusionsgefahr - also die Gefahr, dass er Beweise vernichtet und sich mit Zeugen und Mittätern zwecks Alibi abspricht - zu bannen.

      Das ist nichts, was man mit einer Kaution sicherstellen könnte.
    • Hierundjetzt 13.06.2018 10:41
      Highlight Highlight Du verkennst möglicherweise den Tatbestand. Es geht nicht um einen Chügelidealer von der Langstrasse.

      Es geht um die Vermeidung von Absprachen und Verdunkelung eines Betruges in der Höhe von 200 Mio.

      Hätte er kooperiert wie ein Chügelidealer, er wäre schon lange draussen
    Weitere Antworten anzeigen
  • sherpa 13.06.2018 09:24
    Highlight Highlight "Die Untersuchungshaft war aus meiner Sicht unnötig und ihre Länge völlig unverhältnismäßig" Das sieht der Staatsanwalt vermutlich nicht ganz so unnötig war sie vermutlich auch nicht, nach dem sie durch den Haftrichter immer wieder verlängert wurde. So unschuldig wie Herr Vincenz zu tut, ist er mit Bestimmtheit nicht
    • .ch 13.06.2018 13:36
      Highlight Highlight Natürlich ist er nicht unschuldig, aber die U-Haft sollte nur solange aufrecht erhalten bleiben, wie die Gefahr besteht, dass der Angeklagte untertaucht, das Land verlässt, Absprachen mit Zeugen macht, Beweismittel vernichtet oder eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt. Wie es sich im konkreten Fall verhält, kann ich nicht beurteilen, wahrscheinlich hat der Staatsanwalt aber schon korrekt entschieden.
    • chäsli 13.06.2018 13:42
      Highlight Highlight Ich glaube kaum, dass Sie das beurteilen können acove. Vielleicht hat Vincenz anfangs keine oder nur mangelhafte Aussagen gemacht und konnte deshalb nicht freigelassen werden. Zudem bestand in so einem Fall akute Kollisionsgefahr usw. Ich kann Ihnen versichern, dass jeder Staatsanwalt/wältin von der Oberstaatsanwaltschaft überwacht wird.
  • chandler 13.06.2018 08:49
    Highlight Highlight Die Länge der U-Haft ist ziemlich sicher nicht das einzig unverhältnismässige in diesem Fall lieber Herr Vincenz...
  • Denk nach 13.06.2018 08:14
    Highlight Highlight Die im Rahmen des Strafverfahrens gegen mich erhobenen Vorwürfe bestreite ich nach wie vor und ich werde mich mit allen Mitteln dagegen wehren.»

    -> genau weil er sich mit allen Mitteln wehren will, ist wohl die U-Haft sinnvoll? Er gibt ja selbst die Antwort
    • Hierundjetzt 13.06.2018 10:42
      Highlight Highlight Das Zwangsmassnahmengericht war ja bis heute überaus beeindruckt von seiner Argumentation... 😂😂😂
  • Sanduuh 13.06.2018 07:55
    Highlight Highlight Wieso wird immer nur vo dem «anderen Verwaltungsrat» gesprochen?

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