Wirtschaft
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ARCHIV - ZU DEN HALBJAHRESZAHLEN DER SWISS, AM DIENSTAG, 31. JULI 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG ---- Eine Boeing 777-300 von Swiss Airlines startet auf der Piste 16, am Mittwoch, den 29. November 2017 in Zuerich-Kloten. (KEYSTONE/Christian Merz)

Die Swiss befördert immer mehr Passagiere, trotz Klima-Debatte. Bild: KEYSTONE

Geld oder Klima? Was die Swiss unter Nachhaltigkeit versteht

Der Airline Swiss geht es blendend. Gewinn und Passagierzahl erreichten 2018 einen Rekordwert. Gleichzeitig gerät der Luftverkehr in der Klimadebatte unter Druck. CEO Thomas Klühr wehrt sich.



Die Swiss ist die Nachfolgerin der legendären Swissair. Im Alleinflug hatte die Airline nie wirklich abgehoben, 2005 wurde sie an die Lufthansa verkauft. Heute geht es der Swiss besser denn je. Sie erzielte 2018 einen Betriebsgewinn von 636 Millionen Franken und beförderte 17,9 Millionen Flugpassagiere. Beides ist ein Rekordwert in der 17-jährigen Geschichte der Fluggesellschaft.

Dazu beigetragen hat die anhaltende Reiselust der Schweizer Bevölkerung. Sie legt heute mit dem Flugzeug eine grössere Strecke pro Kopf und Jahr zurück als mit Zug oder Auto. Damit gerät die Fliegerei ins Visier der Klimadebatte. Sie hat mit der Klimastreik-Bewegung an Dringlichkeit gewonnen. Dieser Tatsache kann sich CEO Thomas Klühr nicht entziehen.

CEO Thomas Kluehr speaks at the Annual Media Conference of Swiss International Air Lines (SWISS), on Thursday, 14 March 2019 in Kloten, Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Swiss-CEO Thomas Klühr an der Medienkonferenz vom Donnerstag. Bild: KEYSTONE

Neben den Finanzen und Neuheiten wie einer Premium-Economyklasse widmete der Deutsche einen grossen Teil der Jahres-Medienkonferenz am Swiss-Hauptsitz in Kloten dem Thema Nachhaltigkeit. Und liess durchblicken, dass ein Ende des Wachstums nicht in Sicht ist. Im Gegenteil: «Das Buchungsvolumen steigt auch in diesem Sommer an.»

CO2-neutral gewachsen

Beim Klimaschutz setzt der Airline-Chef auf Technologie («Die Swiss verfügt über eine der modernsten und effizientesten Flotten in Europa. Wir sind in den letzten zwei Jahren in Zürich CO2-neutral gewachsen.») und auf globale Programme wie Corsia. Von nationalen Massnahmen wie einer CO2-Steuer oder dem EU-Emissionshandel hält Thomas Klühr nichts.

Im Anschluss an die Medienkonferenz hat watson ihm einige Fragen gestellt:

Am Freitag findet der nächste weltweite Klimastreik statt. Was halten Sie von der Bewegung?
Thomas Klühr:
Man hört oft den Vorwurf, dass sich gerade die Jungen zu wenig in der Öffentlichkeit engagieren. Deshalb habe ich Respekt vor diesem Engagement. Aber es liegt auf der Hand, dass ich nicht alle Positionen inhaltlich teile, die von der Bewegung vertreten werden.

Die Jungen haben ihre Zukunft noch vor sich und wollen, dass etwas gegen den Klimawandel unternommen wird, der ihre Lebensgrundlage bedroht.
Dieses Ziel teilen wir alle. Und wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf: Das Thema Klimaschutz ist nicht die Erfindung dieser Generation. Die Existenz zahlreicher grüner Parteien zeigt, dass sich auch die Generation davor ernsthaft damit auseinandergesetzt hat. Die spannende Frage ist, warum es nicht gelungen ist, das Thema dermassen in den Vordergrund zu rücken, dass wir bessere Fortschritte gesehen haben. Ich meine damit aber nicht nur den Luftverkehr.

Häufig läuft es doch auf die Fliegerei hinaus, etwa wenn Politiker den Jungen vorwerfen, sie würden heute für das Klima streiken und morgen nach Berlin fliegen, um Party zu machen.
Das ist so, und man muss das überhaupt nicht emotional betrachten. Die Jungen fliegen einfach mehr als die ältere Generation. Man ist globaler geworden, stärker vernetzt, man studiert im Ausland und hat dort Freunde. Deshalb ist die Frage berechtigt, wie sich die Jungen die Mobilität in den nächsten Jahrzehnten vorstellen. Ich finde das Engagement der Klimastreik-Jugend stark, aber es muss auch erlaubt sein, Fragen zu stellen.

Eine dieser Fragen könnte lauten, warum die Fliegerei von fast allen Steuern befreit ist, im Vergleich mit anderen Mobilitätsarten.
Man muss korrekterweise sagen, dass der Luftverkehr die einzige Branche ist, die sich selbst finanziert und ohne Subventionen auskommt, etwa wenn man den Querverweis macht auf die Bahn. Am Ende finanziert sich der Luftverkehr aus den Ticketpreisen. Deshalb reicht dieser Vorwurf zu kurz, wenn man das Gesamtbild betrachtet.

Trotzdem lassen verschiedene Umfragen darauf schliessen, dass Flugticketabgaben in der Schweiz mehrheitsfähig sind. Ist das bloss Gewissensberuhigung?
Ich sehe das leider so. Unsere Branche ist global unterwegs, deshalb greifen lokale Massnahmen nicht. Wenn wir wirklich etwas für das Klima machen wollen, haben wir als Airline erst einmal die Hausaufgabe, dass wir neuste Flugzeugtechnologie einsetzen. Das machen wir gerade bei Swiss, wir investieren innerhalb von zehn Jahren acht Milliarden Franken in neue, effizientere und damit auch umweltfreundlichere Flugzeuge. Ausserdem müssen wir Instrumente vorantreiben, die gerade von der älteren Generation mit viel Engagement entwickelt wurden.

Was meinen Sie konkret?
Ein Beispiel ist das globale CO2-Kompensationsprogramm Corsia. Ein anderes Beispiel ist der Single European Sky: Unser europäischer Luftraum ist derart zersplittert, dass wir Umwege fliegen müssen und nicht modernste Technologie einsetzen. Mit einer gemeinsamen Luftraumüberwachung könnten 12 Prozent CO2-Emissionen eingespart werden. Ich würde mich wirklich freuen, wenn die Politik oder die junge Generation auch auf diese Themen hinweist und mithilft, dass sich etwas tut.

Ferienzeit ist Vielfliegerzeit

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Video: srf

Sie haben auf das anhaltende Wachstum des Luftverkehrs verwiesen. Ist ein Programm wie Corsia nicht eine Alibiübung?
Es ist eine grosse Leistung, mehr als 70 Staaten dazu zu bringen, sich gemeinschaftliche Ziele zu setzen. Und die Schweiz, bei allem Respekt, wird nicht der Wachstumsmotor im Bereich Luftverkehr sein. Das Wachstum wird in Asien stattfinden. Deswegen müssen wir nicht nur unsere Hausaufgaben machen, sondern Instrumente finden, die global wirken.

Was ist Corsia?

Das Wachstum des Luftverkehrs soll ab 2020 CO2-neutral erfolgen, unter anderem durch Klimaschutzprojekte. Dazu haben sich mehr als 70 Staaten im Rahmen des Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation (Corsia) der UNO-Luftfahrtorganisation ICAO verpflichtet. Swiss-CEO Thomas Klühr bezeichnet sich als «glühender Anhänger» von Corsia. Er betont aber auch, das Ziel sei «sehr, sehr ehrgeizig». Er verweist auf Regionen wie Asien, «wo das Fliegen erst entdeckt wird».

Man wurde den Eindruck nicht los, dass Thomas Klühr die Klimadebatte ein Stück weit für aufgebauscht hält («Wir sind in einem Wahljahr»). In einem Punkt immerhin zeigte der CEO sich selbstkritisch. Die Möglichkeit, Flüge mit Myclimate zu kompensieren, sei bei der Swiss noch nicht kundenfreundlich ausgestaltet: «Wir müssen sie besser in den Buchungsprozess integrieren.»

Priorität in Sachen Nachhaltigkeit scheint bei der Swiss-Führung ohnehin weniger die Umwelt zu haben als die Finanzlage. Mehrfach hoben Klühr und Finanzchef Michael Niggemann «die Nachhaltigkeit in der Ergebnisentwicklung der letzten Jahre» hervor. Die Bedeutung des Luftverkehrs für die Schweiz gehe in der Klimadebatte «etwas unter», meinte Klühr bedauernd.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Muselbert Qrate 15.03.2019 06:41
    Highlight Highlight Ich gratuliere zum Rekordergebnis! Swiss macht einen Top-Job! 💪👍
  • Marex1950 15.03.2019 06:04
    Highlight Highlight Dass Swiss keine Subventionen erhält ist nicht richtig. Das Flugbenzin ist weitgehend von Mineralsteuer befreit. Ist das nichts?? Die am Freitag streikenden Jungen fliegen am Samstag für ein Trinkgeld nach London, Paris, Berlin oder in die Ferien. Luxus wollen alle haben, aber Klima schützen sollen andere. Auf Handy‘s und all den Elektroschrot will keiner verzichten. Die Schweiz ist ein Fliegensch.... auf der Weltkarte, sie kann die Welt nicht retten. Die Grossen, China, Russland, USA, Indien werden nicht behelligt, man darf die Wirtschaft nicht gefährden. Eine Doppelzüngigkeit von Allen.
  • koks 14.03.2019 20:33
    Highlight Highlight Nachhaltigkeit hat nun mal verschiedene Dimensionen, dass weiss doch jedes Kind.

    "Geld oder Klima? Was die Swiss unter Nachhaltigkeit versteht"

    Es muss also nicht entweder oder sein, sondern UND. Nachhaltigkeit die bloss einen Kapitalstock stärkt (bsp nur Umwelt), ist eine schwache Nachhaltigkeit. Sinnvoller ist es, mehrere oder alle Kapitalstöcke zu stärken.
  • pumpkin42 14.03.2019 19:09
    Highlight Highlight Recht hat er in mindestens einem Punkt. Es geht nicht um die Schweiz, sondern um die Welt. Und die Post geht definitiv vor allem in den sich entwickelnden Ländern ab, und dementsprechend vor allem in Asien. Eine Milliarde wohlhabende Menschen mehr oder weniger macht extrem viel aus.
    • Gipfeligeist 15.03.2019 00:24
      Highlight Highlight Ich stimme zu, dass Asian viel stärker ins Klimagewicht fällt. Aber nur deswegen faul in der Matte zu hängen, ist der falsche Ansatz. Wir müssen als entwickeltes Land auch entwickelten Klimaschutz leisten
    • #fuckhate 15.03.2019 06:35
      Highlight Highlight Richtig! Dazu ein Buchtippp: Peter Frankopan, The New Silk Roads
  • Wasser99 14.03.2019 19:07
    Highlight Highlight "CO2-neutral gewachsen" - Dass ich nicht lache!
    • tomtom1 15.03.2019 01:27
      Highlight Highlight Ihr alle macht doch genau das gleiche wenn ihr zb auf myclimate.org euer gewissen erleichtert. Abfall produzieren und fürs gewissen spenden, das macht die swiss halt genauso.
    • Wasser99 15.03.2019 12:41
      Highlight Highlight ihr alle? ich fliege nicht. das nennt man konsequenten klimaschutz.
  • Stormrider 14.03.2019 18:55
    Highlight Highlight Und wie gesagt: Wir sprechen beim Luftverkehr weilweit von 3% bis 4% des gesamten CO2 Ausstosses. Die Tendenz ist flach, da die neuen Triebwerke das Wachstum, das vor allem in Asien stattfindet, wettmachen. Die ganze Diskussion um Ticketpreise ist ein absoluter Nebenkriegsschauplatz und nicht zielführend.
  • Bangarang 14.03.2019 18:37
    Highlight Highlight Nun, die Swiss fliegt, das ist ihr Business.

    Die Swiss wäre happy, würde jeder flug weltweit mit CO2 Abgaben besteuert, denn die Premimukunden stört das nicht.

    Hier von der Swiss etwas zu verlangen ist unfair, die Politik ist gefrgagt um den Rahmen zu setzen.
  • dan2016 14.03.2019 18:28
    Highlight Highlight die Swissair hat Ihre Lobbyisten ja auch in der Klimaleugnerpartei platziert. Insofern ist zum vornherein klar, was vom Klimageschwafel dieser Airline zu halten ist.
  • PrinzVince 14.03.2019 17:58
    Highlight Highlight Setzt endlich auf solarbetriebene thermochemische Verfahren um Sprit zu gewinnen. Wenn nötig mit Steuern auf Flugbenzine, damit herkömmliche Varianten unökonomisch werden. Dann können wir uns die CO2-Debatte fürs Fliege sparen.

    Btw. ist unsere gute ETH ziemlich weit in der Erforschung und ENI baut einen Reaktor in Spanien.
  • fireboltfrog 14.03.2019 17:57
    Highlight Highlight Mit einem Airline CEO über Umweltschutz zu sprechen, erachte ich etwa so sinvoll wie mit einem Monopolysieler übers sparen zu sprechen. Sein Job ist es diese Airline Gewinnbringend zu unterhalten, was sollte er dann sagen? CO2 Steuern wären ganz eigentlich ein vernünftiges Instrument und würden die Industrie stark beinflussen (e.g. alle was in unter 5 Studenden ohne Flugzeug ereicht werden kann, würde mal wegfallen...)
  • Posersalami 14.03.2019 17:57
    Highlight Highlight Viel heisse Luft um nichts. Die Swiss interessiert einzig ihr Gewinn und das Wohl der Share Holder.

    „Die Möglichkeit, Flüge mit Myclimate zu kompensieren, sei bei der Swiss noch nicht kundenfreundlich ausgestaltet: «Wir müssen sie besser in den Buchungsprozess integrieren.»“
    Ja wie schwer kann es sein, Myclimate in den Buchungsprozess zu integrieren? Ist ja wirklich keine Raketentechnologie, meine Güte..
  • simiimi 14.03.2019 17:53
    Highlight Highlight Luftfahrt unter Druck wegen der Klimadiskussion? Das ist leider Wunschdenken. Die ewig neuen Rekorde am Flughafen Zürich zeigen dass die Nachfrage ungebrochen wächst.
  • ubu 14.03.2019 17:53
    Highlight Highlight Die Zivilluftfahrt braucht nicht noch mehr Feigenblätter, die Zivilluftfahrt braucht Kostenwahrheit. Wenn ich mit dem Zug nach Berlin fahre zahle ich Steuern und Gebühren in einem Umfang über den sich die Airlines schlapp lachen. Es macht einfach keinen Sinn, dass man umsonst CO2 und andere Schadstoffe in die oberen Luftschichten injizieren darf, wo sie auch noch eine viel grössere Wirkung entfalten, als hier unten am Boden.
    • Juliet Bravo 14.03.2019 22:18
      Highlight Highlight Du zahlst sogar die Bahninfrastruktur. Das ist wiederum beim Fliegen nicht so.
  • Supermonkey 14.03.2019 17:46
    Highlight Highlight Derr Herr nennt Fakten welche von den Klimastreikers leider oft nicht wahrgenommen werden. Ich bin Stark dafür dass wir etwas unternehmen müssen und unterstütze Klimaaktivisten. Jedoch sollte man stets bei den Fakten bleiben und nicht ständig illusorische und realitätsfremde Argumente in den Raum werfen. Dies bringt uns auch nicht weiter. Andernorts wie zb in Asien China wird in der Luftfahrt aufs klima gesch***en. Hierzulande nicht. Klar muss auch wirtschaftlich gedacht werden. Sind auch Arbeitsplätze, die schweizer Wirtschaft und vorallem die Bedürfnisse des CH Volkes zu berücksichtigen.
    • Stormrider 15.03.2019 16:56
      Highlight Highlight Es ist aber nicht so, dass die Chinesen gar nichts machen. Bei der Luftfahrt lohnt es sich einfach nicht weil man von 3% bis 4% des gesamten Ausstosses von CO2 ist. Die Chinesen bauen mehr AKW um die Stromproduktion mit Kohle zu reduzieren, bauen die Wind- und Solarenergie aus, bauen mehr elektrische Autos etc... Das ist der Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag. Beim Fliegen gibt es noch keine vernünftige Alternative zu fossilen Brennstoffen.

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