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epa04148330 View into a single cell of the detention center Landsberg am Lech in Landsberg, Germany, 31 March 2014. German Bayern Munich football club boss Uli Hoeness is expected to serve his three and half years jail sentence at the Landsberg am Lech prison although it is yet unclear when his jail term will begin. A spokesman for the prosecutors office on 17 March said that Hoeness would most likely start his jail term in about six weeks. The written reason for the judgement had to be published first, then the written argument explaining the court's reasoning would take about four weeks to arrive, and the court could then issue paperwork summoning Hoeness to prison, which would take another two weeks.  EPA/Karl-Josef Hildenbrand

Bild: EPA/DPA

Zehn-Quadratmeter-Zelle

Hier sitzt Uli Hoeness seine Strafe ab

Wenn der verurteilte Steuerhinterzieher Uli Hoeness seine Haft antritt, muss er sich auf einfache Verhältnisse einstellen. In den ersten Tagen wird er sich wohl sogar seine Zelle mit einem weiteren Häftling teilen müssen. Ein Besuch in der JVA Landsberg. 

Ein Artikel von

Spiegel Online

björn hengst, landsberg am lech, spiegel online

Ein Bett mit dünner Matratze, ein Spind, ein Wandregal, ein Stuhl mit Schreibtisch. Dazu beigefarbene Bodenfliesen, gelbliche Wände, eine Toilette in der Ecke neben der Metalltür und ein Waschbecken vor weissen Kacheln. Gitter vor dem quadratischen Fenster. Das war's auch schon – so sieht sie aus, die typische Gefängniszelle in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech, wo Ulrich Hoeness in wenigen Wochen seine Haft antreten wird. Unfreiheit auf rund neun Quadratmetern. 

Zelle 034 zum Beispiel ist derzeit noch leer. Sie könnte also schon bald Platz für den verurteilten Steuersünder bieten. Es gab schon viele prominente Häftlinge in der Anstalt, die von 1905 bis 1908 errichtet, später erweitert und modernisiert wurde: Der Oetker-Entführer Dieter Zlof etwa oder Karl-Heinz Wildmoser jr., ehemaliger Geschäftsführer des ewigen Bayernrivalen 1860 München, der im Zusammenhang mit dem Bau der Münchner Allianz-Arena wegen Bestechlichkeit und Untreue verurteilt worden war. Adolf Hitler landete hier nach seinem gescheiterten Putsch 1923, wälzte Literatur und schrieb den ersten Band von «Mein Kampf». 

«Keine Exklusiv- oder Sonderklasse»

Aber wohl nie zuvor war das Interesse an dem Gefängnis so gross wie in diesen Tagen, seitdem klar ist, dass Hoeness hier seine Haft antreten wird. Die Anstalt sah sich deshalb zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst: Mehr als 150 Journalisten konnten sich am Montag in einer rund zweieinhalbstündigen Führung einen Eindruck vom Gefängnisinneren verschaffen, in dem nur männliche Häftlinge untergebracht sind. Ein Tag der offenen Tür, wenn man so will. Man sei von einer Vielzahl von Anfragen regelrecht «überrannt worden», sagte Hannes Hedke, Sprecher des bayerischen Justizministeriums, zur Begründung dieses Schritts. 

Der Millionär Hoeness muss sich in Landsberg auf ein einfaches Leben einstellen, das sich nicht von dem seiner Mithäftlingen unterscheiden dürfte. Zwar lobte Franz Röck, Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes, das «sehr entspannte Klima» in der JVA Landsberg, betonte aber auch, dass es in dem Gefängnis «keine Exklusiv- oder Sonderklasse» gebe. 

Für Hoeness dürfte das unter anderem bedeuten, dass er in den ersten Tagen seiner Haft die Zelle mit einem weiteren Gefangenen teilen wird. Neue Häftlinge kämen in der Regel zunächst in einen zehn bis zwölf Quadratmeter grossen Zwei-Mann-Haftraum, sagte ein Vertreter des Justizministeriums. Zugangsabteilung, so heisst das im Jargon des Strafvollzugs. In dieser Zeit spreche der Häftling etwa mit Psychologen und Sozialpädagogen, erklärte Anstaltsleiterin Monika Gross. Dabei gehe es unter anderem um Vorlieben und persönliche Verhältnisse. In der Zugangsabteilung, so Gross, finde die «Persönlichkeitserforschung» des Häftlings statt. 

Die sogenannte Zugangsphase ist den Angaben der Justizvollzugsanstalt spätestens nach 14 Tagen abgeschlossen, in den ersten drei Monaten der Haft wird dann ein Vollzugsplan für den Häftling erstellt. Ob ein Häftling in den Genuss des offenen Vollzuges komme, entscheide sich stets erst nach einer Prüfungsphase. Dies könne Wochen oder Monate in Anspruch nehmen und sei zudem abhängig von der Reststrafe. 

Die Sprache auf Schildern und Hinweisen ist nüchtern und unmissverständlich: «Die Spülküche ist kein Aufenthaltsraum! Nichtbeachtung wird disziplinarisch geahndet», heisst es etwa. Die disziplinarischen Massnahmen richten sich nach der Schwere des Vergehens und reichen vom Verweis über die Einkaufs- und Fernsehsperre bis hin zum Besuchsverbot und im härtesten Fall bis zum maximal vierwöchigen Arrest. 

Bayern Munich President Uli Hoeness arrives for the verdict in his trial for tax evasion at the regional court in Munich March 13, 2014. A German court convicted Hoeness of tax evasion on Thursday and sentenced the soccer manager who turned Bayern Munich into one of the world's most successful clubs to three years and six months in jail. Judge Rupert Heindl ruled Hoeness's voluntary disclosure - that he had failed to pay taxes - was incomplete and thus did not meet a vital requirement needed for amnesty under German tax laws designed to encourage tax evaders to come clean.                        REUTERS/Christof Stache/Pool (GERMANY  - Tags: SPORT SOCCER CRIME LAW BUSINESS HEADSHOT)

Bild: Reuters

Kein Handy, kein Computer

Die JVA Landsberg verfüge über ein «recht umfangreiches Freizeitangebot», betonte Anstaltsleiterin Gross am Montag. So gibt es etwa im Gefängnishof ein grosses Schachfeld und vier Tischtennisplatten. Neben einem umfangreichen Sportangebot steht eine Bibliothek zur Verfügung. Und dennoch wurde deutlich, dass das Leben in dem Gefängnis vor allem von strikten Regeln und klaren Geboten bestimmt ist: Das sogenannte allgemeine Wecken ist morgens um 5.50 Uhr, das Frühstück folgt 30 Minuten später, um 7 Uhr ist Arbeitsbeginn. Die Mittagszeit beginnt um 12 Uhr, gegessen wird in einem grossen Speisesaal mit langen Tischen. Gegen 15.40 Uhr wird das Abendessen ausgegeben, ab 17 Uhr ist Freizeit, um 19 Uhr folgt der «Generaleinschluss» in der Zelle. Besuche sind zweimal im Monat für jeweils zwei Stunden möglich, in bestimmten Fällen werden drei Besuche genehmigt. Handy und Computer sind verboten. 

Sollte sich der frühere Präsident des FC Bayern München nach einem Fussballplatz sehnen, hat er Glück – auch den gibt es in der JVA Landsberg. Der Rasen ist allerdings ziemlich holprig. Und vor allem: Seinen Blick kann er nie auf gefüllte Zuschauerränge wie in der Münchner Allianz-Arena schweifen lassen. Stattdessen sind stets zu sehen: eine Gefängnismauer, ein Gitter mit Stacheldraht und ein Wachturm. 



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