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Republican presidential candidate Donald Trump prepares to leave after speaking at a campaign rally, Monday, Oct. 3, 2016, in Loveland, Colo. (AP Photo/ Brennan Linsley)

Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung. Bild: Brennan Linsley/AP/KEYSTONE

Vergesst «Miss Piggy» – Trump ist ein Business-Loser

Nicht Miss Universum oder die Steuern werden Donald Trump zum Verhängnis, sondern seine Milliarden-Verluste als Unternehmer.



Über das Wochenende hat die «New York Times» (NYT) enthüllt, dass Donald Trump wahrscheinlich 18 Jahre lang keine Einkommenssteuern bezahlt hat. Das hat dem Immobilien-Mogul weniger geschadet, als zu erwarten war. Doch nun hat die NYT nachgelegt und trifft dort, wo es ihm wirklich weh tut: Bei seinen gewaltigen Verlusten als Geschäftsmann.

Zusammengezählt hat Donald Trump Mitte der Neunzigerjahre Verluste in der Höhe von rund einer Milliarde Dollar eingefahren:

«Dass ein einzelner Unternehmer solche Verluste ausweist, ist so aussergewöhnlich, dass verschiedene Buchhalter und Anwälte, die wir befragt haben, erbleichten.»

New York Times

Wie die Verluste entstanden sind, lässt sich nicht genau sagen, da Trump seine Bücher nicht offenlegt. Die Rekonstruktion der NYT ist deshalb spekulativ, aber plausibel. Das zeigt die Tatsache, dass weder Trump noch seine Anhänger die Verluste bisher dementiert haben.  

1990 hatte Trump Schulden in der Höhe von rund 3,4 Milliarden Dollar, meist in Form von Junk Bonds, risikoreiche Obligationen, für die ein hoher Zins bezahlt werden muss. Persönlich musste er damals für 832,5 Millionen geradestehen. Er hatte gerade eine Yacht für 29 Millionen, das Plaza Hotel in Manhattan für 407 Millionen und eine marode Airline für 365 Millionen Dollar erworben.  

Gleichzeitig schrieben seine vermeintlichen Einnahmequellen rote Zahlen: 1990/91 erlitt sein Kasino in Atlantic City einen Verlust von 93,2 Millionen Dollar. Das Trump Regency Hotel verlor 8,3 Millionen, das Trump Plaza Casino 29,2 Millionen Dollar. Die Situation war so prekär, dass die Casino-Behörde des Bundesstaates New Jersey vor der Möglichkeit eines «totalen finanziellen Kollapses der Trump-Organisation» warnte.

Wie auf der Titanic

Auch im Hause Trump war die Stimmung mies. Abraham Wallach, der damals eine vermeintliche Spitzenposition angetreten hatte, schildert sie wie folgt: «Alle waren bedrückt. Es war wie auf der ‹Titanic›, bevor Frauen und Kinder auf die Rettungsboote geladen wurden.»

Trumps Reserven schmolzen wie ein Schneeball in der Hölle. Er war wieder einmal auf die Hilfe seines Vaters angewiesen. Dieser schickte einmal gar seine Anwälte in das Kasino von Atlantic City und wies sie an, Spielchips in der Höhe von 3,3 Millionen Dollar zu erwerben und sie nicht einzulösen.  

FILE - This Feb. 29, 2012 file photograph shows the Trump Plaza Hotel and Casino and Caesars Atlantic City Hotel and Casino, left back, in Atlantic City, N.J. Republican presidential candidate Donald Trump once owned three Atlantic City casinos, but cut most ties with the city by 2009. Having lost ownership of the company to bondholders in a previous bankruptcy, Trump resigned as chairman of Trump Entertainment Resorts. (AP Photo/Mel Evans, File)

Trump-Hotels in Atlantic City. Sie verloren in den 90er Jahren viel Geld. Bild: Mel Evans/AP/KEYSTONE

Erst Mitte der Neunzigerjahre gelang es Trump langsam, sich aus der finanziellen Falle zu befreien. Er brachte seine Kasinos an die Börse und erhielt so frisches Kapital. Gleichzeitig liess er verschiedene seiner Unternehmen pleite gehen. Das Nachsehen hatten die Kleinunternehmer und Arbeiter, die ihre Forderungen und Löhne teilweise abschreiben mussten.  

450'000 Dollar Spesen pro Monat

Trump selbst war – wie man heute sagt – «too big to fail». Hätte er seine Bilanzen deponieren müssen, dann hätte das zu unkontrollierbaren Folgen geführt. Daher wurde er mit Samthandschuhen angefasst. Die Banken gewährten ihm gar ein persönliches Spesenkonto in der Höhe von 450'000 Dollar – monatlich.  

Nach wie vor weigert sich Trump hartnäckig, seine Steuern offenzulegen, nicht weil er wahrscheinlich keine Einkommenssteuern bezahlt hat, sondern weil sein Versagen als Unternehmer zutage käme. «Es würde aufzeigen, dass die Regierung ihn aus seiner katastrophalen Lage gerettet hat», stellt die NYT in einem redaktionellen Kommentar fest.  

FILE - In this Jan. 28, 2016 photo, Moderator Megyn Kelly waits for the start of the Republican presidential primary debate in Des Moines, Iowa. A lawyer for Roger Ailes is denying that the Fox News Channel chief executive sexually harassed network star Megyn Kelly. A statement on Tuesday, July 19, came amidst a swirl of contradictory reports that Ailes had been ousted as head of the influential network. (AP Photo/Chris Carlson, File)

Geht auf Distanz zu Trump: Fox-Moderatorin Megyn Kelly. Bild: Chris Carlson/AP/KEYSTONE

Trump selbst hat bisher weder seine Verluste dementiert, noch die Tatsache, dass er fast 20 Jahre lang keine Einkommenssteuern bezahlt hat. «Das macht mich smart», hat er bekanntlich im Duell mit Hillary Clinton geantwortet. Es macht ihn jedoch vor allem scheinheilig. In den Vorwahlen hat er verschiedentlich Hedge Funds angeklagt, die Milliarden verdienen und keine Steuern bezahlen würden.  

Trump ist nur die Spitze des Eisbergs

Die Tweets dieser Zeit werden ihm nun genüsslich um die Ohren gehauen, nicht nur vom Clinton-Lager. Selbst Megyn Kelly, Moderatorin des sehr trumpfreundlichen TV-Senders FoxNews, fordert nun vehement, dass Trump endlich Klarheit in Sachen Steuern macht und bezichtigt ihn der Heuchelei.  

Die ganze Affäre könnte mehr sein als der letzte Sargnagel der Kandidatur von Donald Trump. Er ist keineswegs der Einzige, der das marode US-Steuersystem zu seinen Gunsten ausnutzt. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat ergeben, dass allein die 58 reichsten US-Unternehmen dem Staat insgesamt 212 Milliarden Dollar schulden. Würden alle 500 sogenannten Fortune 500 Unternehmen ihre regulären Steuern bezahlen – sprich auf die Steuerschlupflöcher verzichten –, dann würden dem Staat zusätzlich 717.8 Milliarden Dollar zufliessen.  

Trump kümmert dies kaum. In seiner bekannten Unverschämtheit erklärt er: Gerade weil er alle diese Tricks kenne, sei er am besten geeignet, das Steuersystem zu reformieren.

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