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Eine Demonstration des Ku Klux Klan in Washington im Jahr 1926. bild: shutterstock

Ziehen die weissen Herrenmenschen ins Weisse Haus ein?

Donald Trump setzt systematisch die Schutzmassnahmen der Demokratie ausser Kraft. Selbst bei Konservativen wächst das Unbehagen.



Die amerikanischen Gründungsväter ­konzipierten die US-Demokratie nach dem Prinzip: Sie sollte so genial konstruiert sein, dass sie auch von einem Idioten verwaltet werden kann. Die Idee ist brilliant, doch Thomas Jefferson, James Madison, Alexander Hamilton & Co. hatten nicht mit Donald Trump gerechnet. Er ist im Begriff, die berühmten «checks and balances» der US-Demokratie auszuhebeln, die Mechanismen, die ein Abgleiten in eine Diktatur verhindern sollen.  

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Konservativer Kritiker Trumps: David Frum.

Kein Linker, sondern ein Konservativer warnt vor der Gefahr. David Frum war einst Mitglied des Stabs von George W. Bush und hatte den Ausdruck «die Achse des Bösen» geprägt. In der Zeitschrift «The Atlantic» listet er die Verfehlungen Trumps auf.

«Trump ist mehr als ein beschädigter Politiker, er ist ein unanständiger Mensch.»

Thomas Friedman

Politiker, Journalisten, Manager – kurz alle – wissen längst, dass Trump immer und zu allem lügt. Bekannt ist auch, dass er die Aufmerksamkeitsspanne eines Dreijährigen und das Vokabular eines Primaschülers hat, dass er sich bestens mit Diktatoren und Oligarchen versteht, dass er Frauen begrapscht und Behinderte verhöhnt. Oder wie es Thomas Friedman in der «New York Times» formuliert: «Trump ist mehr als ein beschädigter Politiker, er ist ein unanständiger Mensch.»  

Bereits bei seinem Aufstieg zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner hat Trump sich um die Schutzwälle der Demokratie foutiert. In den «Federal Papers», der Gebrauchsanweisung zur US-Verfassung gewissermassen, stellt James Madison fest, wie wichtig es sei, dass man die Männer, die das öffentliche Vertrauen geniessen, auch auf ihre Tugenden prüfe.

«Trump ist ein Mobber, Bluffer, Frauenfeind und Schauspieler.»

Mitt Romney

Sein Co-Autor Alexander Hamilton ergänzte, dass man es mit List allenfalls zu einem Amt in einem Bundesstaat bringen kann. «Aber es braucht andere Talente und andere Verdienste, um die Achtung und das Vertrauen der gesamten Union zu erreichen.» Demut ist jedoch ein Begriff, dessen Bedeutung Trump nicht einmal erahnt. Er ist, wie selbst sein Parteikollege Mitt Romney feststellt, ein «Mobber, Bluffer, Frauenfeind und Schauspieler».

Normale Politiker versprechen im Wahlkampf mehr, als sie einhalten können. Trump hingegen lügt schamlos. Er erfindet feiernde Muslime nach 9/11, lügt über seine Zuwendungen an wohltätige Organisationen, seinen Reichtum, seine Opposition gegen den Irakkrieg. Selbst der erzkonservative Senator Ted Cruz konstatiert: «Der Mann ist vollkommen unmoralisch. Moral existiert für ihn nicht.»

«Trump will nicht der Präsident aller Amerikaner sein, er will der Anführer der weissen Amerikaner sein.»

David Frum

Von einem Präsidenten wird erwartet, dass er zumindest eine Ahnung von Politik hat. «Donald Trump ist mit Sicherheit der Präsidentschaftskandidat einer grossen Partei, der am Politik-ignorantesten ist», stellt Frum fest. Seine Partei scheint dies nicht zu kümmern. «Die Republikaner stellen Willenskraft über Intellekt und Kämpfertum über Expertise», so Frum.

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Ku Klux Klan eine mächtige Bewegung. Er verfolgte nicht nur Schwarze, sondern auch Katholiken und Juden. bild: shutterstock

Der Grand Old Party ist auch vollkommen egal, dass Trump gegen alle Dogmen verstösst, die ihnen heilig sind. So plädiert er offen für einen neuen Protektionismus. Geradezu absurde Züge nimmt dieses Phänomen bei den Evangelikalen an. Ausgerechnet der Playboy Trump fordert sie auf, ihm in Sachen traditioneller Heirat zu vertrauen, um am nächsten Tag den Schwulen zu versprechen, sich für ihre Rechte einzusetzen.

In militärischen und Fragen der nationalen Sicherheit hat Trump keine Ahnung. Keine Sorge, beruhigen seine Anhänger. Im Weissen Haus werde er sich mit Experten umgeben, die das im Griff hätten. Mag sein, aber was, wenn nicht? Trump ist der geborene Zerstörer. «Sein Instinkt rät ihm stets, seine Freunde und Alliierten zu verlassen, Bündnisse, die bisher den Frieden gesichert haben, aufzubrechen und eine Welt zu schaffen, in der jeder gegen jeden kämpft», schreibt Frum.

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Wie die weissen Herrenmenschen der Alt-right-Bewegung mit Trump werben. Video: YouTube/American Renaissance

Die USA sind in den letzten Jahrzehnten zu einer wahrhaft multikulturellen Nation geworden. Die Weissen sind im Begriff, ihre Mehrheit zu verlieren. Deshalb sind es überwiegend weisse Männer, die für Trump stimmen. «Trump will nicht der Präsident aller Amerikaner sein», so Frum. «Er will der Anführer der weissen Amerikaner sein.»

Sind die USA auf dem Weg zu einer neuen Herrschaft von weissen Herrenmenschen? Nach dem skandalösen Vorgehen des FBI-Chefs besteht die Möglichkeit, dass Donald Trump tatsächlich als 45. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weisse Haus einzieht. Dann ist alles möglich.

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