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Geldpolitik
Oft kommentiert: Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank in der Presse.
Oft kommentiert: Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank in der Presse.
Bild: KEYSTONE

Die Schweizer Presse ist sich einig: Der Negativzins ist eine Notwendigkeit

19.12.2014, 06:2819.12.2014, 11:20

Die Kommentatoren der Schweizer Presse zeigen Verständnis für den Plan der Schweizerischen Nationalbank, Negativzinsen einzuführen. Der Schritt wird als unschön, aber notwendig beurteilt. Einige vermuten, dass weitere Massnahmen gegen die Frankenstärke folgen könnten.

Tages-Anzeiger: «Negativzinsen sind dennoch nichts, was man sich wünschen würde.»

Die Schweizerische Nationalbank handelt konsequent, wenn sie nun Negativzinsen für Einlagen von Banken einführt. Der Schritt ist notwendig geworden. Denn die Androhung unbeschränkter Devisenkäufe reichte nicht mehr, um die Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro aufrechtzuerhalten. ... Negativzinsen sind dennoch nichts, was man sich wünschen würde. Das Zinsniveau in der Schweiz wird dadurch generell noch weiter sinken und alle damit zusammenhängenden Risiken erhöhen, wie eine weiter zunehmende Hypothekarverschuldung und überhitzte Immobilienpreise. ... Gut möglich, dass die SNB dann [bei Einführung der Negativzinsen am 22. Januar] gleich wieder nachlegen muss – etwa mit Zinsen noch tiefer im Minusbereich.

Blick: «Auch für Sparer geht die Rechnung auf.»

Ein Wundermittel sind Negativzinsen nicht. Doch sie helfen der Notenbank, den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken zu verteidigen. Ohne den Zinsschritt müsste die Nationalbank weiter Euro in Milliardenhöhe kaufen. Das will niemand. Auch für Sparer geht die Rechnung auf. Die Leier über ihre angebliche Enteignung ist hohles Geschwätz. Es geht um höhere Interessen: Ohne Mindestkurs würden Tausende von Jobs verschwinden. Das wäre bei weitem schlimmer als Zinsen am Nullpunkt.

Fast keine Zinsen mehr für Kleinsparer.
Fast keine Zinsen mehr für Kleinsparer.
Bild: KEYSTONE

Neue Zürcher Zeitung: «Sachte, aber logisch»

[Der] Schritt, den die SNB am Donnerstag verkündet hat, [ist] sachte, aber logisch. ... Das sowieso schon unter Druck stehende Schweizer Bankensystem gerät durch die Negativzinsen unter zusätzlichen Druck. Soll das nicht böse enden, werden gelegentlich wieder normalere Verhältnisse einkehren müssen. Leider ist jetzt das Gegenteil der Fall. Das ist nicht der SNB anzulasten. Für eine Normalisierung muss die reale Wirtschaft in Europa gesunden. Solange dies nicht in Sicht ist, wird die Lage für die Schweizer Geldpolitik schwierig bleiben. Der Preis der Stabilität könnte noch höher werden.

Basler Zeitung: «Das ist kein geringer Erfolg.»

Trotz düsteren Aussichten scheint man bei der SNB kühlen Kopf zu bewahren. Das zeigt die Art, wie sie den Negativzins umsetzt. Die Massnahme zielt darauf ab, die direkten Ursachen der gegenwärtigen Frankennachfrage zu bekämpfen, und sie versucht mit bemerkenswerter Präzision Kollateralschäden zu vermeiden. Das Bild eines Noteninstituts, das im Sturmtief den Kunstflug versucht, ist deshalb sicher nicht verwegen. Bleibt die Frage, ob am Ende die sichere Landung gelingt. Selbstredend weiss das die SNB genauso wenig wie ihre Beobachter. Aber offensichtlich werden die Bemühungen der SNB in den Märkten ernst genommen. Das ist kein geringer Erfolg.

Nordwestschweiz: «Das kleinere Übel»

Die Schweiz wird praktisch für ihre Stabilität bestraft. Für Kleinsparer mag das ärgerlich sein, weil sie auf ihrem Sparkonto fast keine Zinsen erhalten. Letztlich ist das aber das kleinere Übel. Eine weitere Aufwertung des Frankens wäre viel schlimmer. Damit würde es für Schweizer Exportfirmen noch schwieriger, ihre Produkte im Ausland zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Das würde Arbeitsplätze gefährden – und die Schweizer hätten bald gar kein Geld mehr, das sie auf ihre Sparkonten einbezahlen können.

Berner Zeitung/Landbote: «das wohl grösste geldpolitische Schweizer Experiment der Schweiz »

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Der Einsatz des unkonventionellen Instruments der Negativzinsen hat sich abgezeichnet. Doch die Einführung erfolgt rascher als allgemein erwartet. ... Der Aufwertungsdruck auf den Franken war so stark, dass die SNB wieder Euros kaufen musste. Mit ihrem gestrigen Entscheid zeigt sie, dass sie dem Aufwertungsdruck auf den Franken mit einem zweiten Instrument entgegenwirken will. Das ist richtig. ... Erst in ein paar Jahren wird sich zeigen, ob das wohl grösste geldpolitische Schweizer Experiment der Schweiz aufgehen wird. Doch eine bessere Strategie als diejenige, die die Nationalbank verfolgt, hat bislang noch niemand vorgeschlagen.

Neue Luzerner Zeitung: «die Schattenseiten der Währungsturbulenzen»

Die Schweiz zahlt einen hohen Preis für ihre Währung. Die Nationalbank läutet die nächste Runde im Kampf gegen den Aufwertungsdruck mit einem Negativzins ein. Mit ihm kommen die Schattenseiten der Währungsturbulenzen endgültig bei den Bürgern an. ... Die Nationalbank hat ihren beschränkten Spielraum bisher geschickt genutzt. Mit dem Negativzins besitzt sie jetzt ein weiteres Instrument, das sich situationsgerecht einsetzen lässt. Die Vorteile: Sie braucht ihren Devisenbestand nicht mit weiteren Euro-Milliarden zu fluten, und die Währungsspekulanten zahlen ebenfalls ihren Preis, wenn sie den Franken für ihre Zwecke nutzen.

Der EZB zuvorgekommen: Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Der EZB zuvorgekommen: Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: AP

St. Galler Tagblatt: «SNB zu weiteren Schritten zwingen»

Mit ihrem Coup kommt die SNB für einmal der Europäischen Zentralbank zuvor. Denn diese dürfte über kurz oder lang ein Aufkaufprogramm für Staatsanleihen auf den Weg bringen, was den Euro weiter schwächen und neuen Aufwertungsdruck auf den Franken und den Mindestkurs erzeugen wird. Das könnte die SNB zu weiteren Schritten zwingen. ... Mit Devisenkäufen, vor allem Euro, zur Verteidigung des Mindestkurses hat die SNB ihre Bilanz bereits verfünffacht. Diesen Berg an Fremdwährungen will die SNB auch wieder einmal abtragen und versucht nun, mit Negativzinsen entsprechende Anreize zu schaffen. Ob das gelingt, hängt zum Grossteil von der globalen Entwicklung ab. (kad/sda)

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