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Anekdoteles

bild: watson

Nimm diese Peitschenhiebe, du Wasser der Bitternis! 



Was ist «Anekdoteles»?

Abgesehen davon, dass es sich hier um einen ungemein gelungenen Wortwitz handelt, ist Anekdoteles unser neues Kurzformat für schmissige historische Anekdoten.

480 v. Chr. ist es endlich so weit. Der persische Grosskönig Xerxes hat sein riesiges Heer ausgehoben, gemäss Herodot – dem alten Übertreiber – sollen es über fünf Millionen Männer gewesen sein. Natürlich ist das gelogen, die alten Griechen pflegten einen ziemlich sorglosen Umgang mit der Wahrheit, dafür sind ihre «historischen» Berichte die zauberhaftesten Fundgruben für Anekdoten.

Xerxes' Armee soll nach heutigen Schätzungen aus etwa 50'000 bis allerhöchstens 200'000 Männern bestanden haben. Ihren Kern bildeten die 10'000 Elite-Infanteristen, die sogenannten Unsterblichen.

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So gruselig sehen die Unsterblichen im Film «300» (2006) aus, als sie den Spartanern in der Schlacht bei den Thermopylen im August 480 v. Chr. den Garaus machen. gif: tumblr

Mit diesen wollte er sich an den aufständischen Griechen rächen, die seinem Vater Dareios zehn Jahre zuvor in der Schlacht von Marathon eine peinliche Schlappe beigebracht hatten. Es galt nun, die Vormachtstellung des Perserreichs in diesen rebellischen Stadtstaaten wiederherzustellen.

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Das Perserreich erstreckte sich um 500 v. Chr. über die Gebiete der heutigen Türkei, Zypern, Iran, Irak, Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Syrien, Libanon, Israel, Ägypten und Libyen. Auch Teile Griechenlands, Bulgariens, Pakistans sowie Gebiete im Kaukasus, Sudan und Zentralasien gehörten zeitweise dazu. Im Jahr 330 v. Chr. beendete Alexander der Grosse die Herrschaft der Achämeniden.  bild: wikipedia/watson

Um sein Landheer von Asien auf den europäischen Kontinent zu bringen, liess Xerxes zwei Schwimmbrücken über den Hellespont (heutige Dardanellen; zur Türkei gehörende Meerenge im Mittelmeer, zwischen Ägäis und Marmarameer) bauen. Die eine bauten Ägypter mit Seilen aus Papyrus, die andere wurde von Phöniziern unter Verwendung von Flachs erstellt. Laut Herodot waren die Brücken etwa 1400 Meter lang. 

Leider hielten sie dem Sturm, der sich nun über dem Meer zusammenbraute, nicht stand. Die Brücken wurden restlos zerstört. Und als man Xerxes davon in Kenntnis setzte, wurde er fuchsteufelswild. Sofort befahl er, den verantwortlichen Brückenbauern die Köpfe abzuschlagen.

Dann wies er seine Männer an, der bösen Meerenge 300 Peitschenhiebe zu geben – und zusätzlich ein paar Fussschellen im offenen Meer zu versenken. Selbst Henker wurden an den Tatort geschickt, um den aufsässigen Wellen Brandmale aufzudrücken. 

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Xerxes I. lässt den Hellespont auspeitschen. bild: wikimedia/bearbeitung watson

Während die Männer den Strafbefehl ihres Königs ausführten, mussten sie die folgenden Worte ans Meer richten:

«Du Wasser der Bitternis, unser Herr legt dir diese Strafe auf, weil du ihn beleidigt hast, ohne dass er dir ein Unrecht tat. König Xerxes wird über dich hinwegfegen, du magst wollen oder nicht. Dir aber opfert mit Recht kein Mensch, weil du nur schmutziges Salzwasser bist.»

Herodot, «Historien»

Xerxes hatte es nach persischen Begriffen dem griechischen Meeresgott Poseidon so richtig gezeigt. «Welch Hybris! Welch anmassende Selbstüberschätzung!», wettert da unser griechischer Berichterstatter Herodot über das feindliche Gebaren.

Die Schiffsbrücken, die der frevlerische König nun aus über 600 Ruderschiffen bauen liess, erfüllten ihre Aufgabe. Das persische Heer gelangte nach Thrakien, marschierte über Makedonien – und landete schliesslich in Griechenland.

Doch den Krieg gegen die Griechen gewann Xerxes nicht.

(rof)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Joe Kerr 09.03.2018 20:17
    Highlight Highlight Bitte mehr davon! :D
  • TheMan 09.03.2018 10:32
    Highlight Highlight Es gab bis jetzt und auch in Ferner Zukunft keinen Staat Palästina. Das Gebiet dort heisst Palästina. Aber ein Staat gab es Nie.
    • Anna Rothenfluh 09.03.2018 11:31
      Highlight Highlight Völlig richtig, danke dir, ist korrigiert.
    • TheMan 09.03.2018 18:50
      Highlight Highlight @Anna Ist es wirklich korrigiert? Staaten Türkei, Zypern, Iran, Irak, Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Syrien, Libanon, Israel, Palästina, Ägypten und Libyen.
  • Hardy18 09.03.2018 09:19
    Highlight Highlight Damals wusste man es nicht besser wie die Welt funktioniert (was bei manchen heute noch so ist). Aber ich hätte mir gern das Spektakel angesehen mit dem Wissen von heute 😂🍸
  • Menel 09.03.2018 07:45
    Highlight Highlight Wieso kann ich mir vorstellen, dass Trump so eine Bestrafung auch in Auftrag geben könnte!? 😆
  • Knety 08.03.2018 20:43
    Highlight Highlight Cooles Format!
    Ich freue mich auf mehr.
    Merci!
  • reamiado 08.03.2018 19:45
    Highlight Highlight Wie ihr es auch schon gesagt habt ;D
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  • pazüsen 08.03.2018 19:36
    Highlight Highlight Mehr mehr mehr!

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