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«Blue Marble», die Erde fotografiert von Apollo 17, 1972

Die Erde ist für uns winzige Wesen ein Planet der Extreme. Bild: NASA

Wetten, du kennst nicht alle dieser 14 höchsten Hochs und tiefsten Tiefs der Erde?



Wäre die Erde so gross wie ein Ei, wir würden mit unseren Fingern nur eine glatte Schale spüren – selbst der Mount Everest wäre nur eine kaum wahrnehmbare Störung auf der Oberfläche. Doch für uns winzige Wesen erscheinen die Gebirge gewaltig – uns erscheint die Erde als ein Planet der Extreme. 14 davon stellen wir hier vor.  

Höchster Berg #1

Mount Everest

Der bekannteste der höchsten Berge: Mount Everest im Himalaja.  Bild: Shutterstock

Jeder kennt den höchsten Berg der Welt: Der Gipfel des Mount Everest ist mit 8848 Meter über Meer der höchste Punkt des Planeten. Der 1953 erstmals bestiegene Koloss im Himalaja-Gebirge liegt in Nepal an der Grenze zu Tibet und ist mehr als 200 Meter höher als der zweithöchste Berg, der K2 im Karakorum. 

Höchster Berg #2

Chimborazo

Sein Gipfel ist der Sonne am nächsten: Der Chimborazo. Bild: Shutterstock

Der Chimborazo ist mit 6310 Meter über Meer (andere Messung: 6267 m) der höchste Berg in Ecuador, aber lange nicht der höchste der Anden. Und doch kann der Vulkan mit gewissem Recht den Titel «höchster Berg der Erde» für sich beanspruchen. Wie ist das möglich? Der Grund liegt in der Form der Erde (Flacherdler bitte nicht weiterlesen), die eben keine perfekte Kugel ist, sondern ein Rotationsellipsoid. Aufgrund der durch die Erdrotation verursachten Fliehkraft ist der Erdradius am Äquator nämlich grösser und an den Polen kleiner. Der fast am Äquator gelegene Chimborazo ist vom Erdmittelpunkt aus gemessen (6384,557 km) mehr als zwei Kilometer höher als der weiter nördlich gelegene Mount Everest (6382,414 km). 

Höchster Berg #3

Mauna Kea, Hawaii

Vulkanriese mit Fuss im Meeresboden: Mauna Kea auf Hawaii.  Bild: Shutterstock

Nicht genug mit den zwei kontinentalen Riesen: Auf der Insel Hawaii befindet sich noch ein weiterer Anwärter auf den Titel. Der Mauna Kea, dessen Gipfel 4205 Meter über dem Meeresspiegel thront, ist dann der höchste Berg der Erde, wenn man vom Meeresboden aus misst, der sich dort in etwa 6000 Meter Tiefe befindet. So gemessen erreicht der Vulkan eine Höhe von 10'203 Metern. Noch höher, nämlich über 17'000 Meter, wird der Mauna Kea, wenn man von seinem Fuss aus misst, der aufgrund seines enormen Eigengewichts tief in den Meeresboden eingesunken ist. 

Höchste Steilwand

Mount Thor

Steil und hoch: Wand des Mount Thor.  Bild: Shutterstock

Dieser Berg ist ein Traum für Bergsteiger – oder ein Albtraum. Die Steilwand des Mount Thor auf der kanadischen Baffininsel ist mit 1250 Metern mehr als siebenmal so hoch wie das höchste Gebäude der Schweiz, der Roche-Turm. Die Wand weist einen Durchschnittswinkel von 105 Grad auf und ist damit die höchste mindestens senkrechte Steilwand der Welt. 

Höchstgelegene Stadt

La Rinconada, Peru
Von Hildegard Willer - Blog from Hildegard Willer, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5782415

Bild: Wikimedia/Hildegard Willer

Wer in La Rinconada wohnt, verbringt seinen Alltag in einer Höhe, die weit über den höchsten Alpengipfeln liegt: Der Ort in der peruanischen Provinz San Antonio de Putina befindet sich auf 5100 Meter über Meer und ist damit die höchstgelegene Stadt der Welt. Die höchstgelegene Stadt in Europa liegt übrigens in der Schweiz: Es ist Davos – der Bündner Kurort befindet sich allerdings in einer vergleichsweise bescheidenen Höhe von lediglich 1560 Meter über Meer.  

Tiefster Punkt #1

epa03138809 A handout image made available 09, March 2012. Crews continue in-water testing in Australia of DEEPSEA CHALLENGER, the submersible that explorer and filmmaker James Cameron will pilot to the bottom of the Mariana Trench. The vessel is the centerpiece of DEEPSEA CHALLENGE, a joint scientific project by Cameron, the National Geographic Society and Rolex to conduct deep-ocean research.  EPA/Mark Thiessen / DEEPSEA CHALLENGE One time editorial use only. NO SALES NO ARCHIVE MANDATORY CREDIT

Probetauchgang: James Cameron in seinem Tauchboot «Deepsea Challenger».  Bild: EPA

Um die Ehre der tiefsten bekannten Stelle der Weltmeere streiten sich zwei Orte, die beide im Marianengraben im Pazifik liegen: Da ist zum einen das Witjastief 1 (manchmal auch «Witjastief 2» genannt), bei dem 1957 ein sowjetisches Forschungsschiff eine Tiefe von 11'034 Meter unter dem Meeresspiegel mass. Diese Messung konnte aber nie bestätigt werden. Zum andern gibt es noch das Challengertief (engl. «Challenger Deep»), das sich 10'984 Meter (± 25 m) unter dem Meeresspiegel befindet. Diese Stelle erreichte 2012 der Regisseur James Cameron mit einem Tauchboot; 52 Jahre zuvor waren ganz in der Nähe der Schweizer Jacques Piccard und der Amerikaner Don Walsh mit ihrem Tauchboot «Trieste» bis auf den Grund getaucht. Sie massen beim sogenannten Triestetief eine Tiefe von 10'916 Metern. 

Tiefster Punkt #2

Karte: Lage des Litketiefs im Nordpolarmeer
https://ipfs.io/ipfs/QmXoypizjW3WknFiJnKLwHCnL72vedxjQkDDP1mXWo6uco/wiki/Litke_Deep.html

Nicht so tief wie der Marianengraben, aber näher beim Erdmittelpunkt: Litketief im Nordpolarmeer.  Bild: IPFS.io

Wie beim höchsten Punkt kommt es auch beim tiefsten darauf an, worauf Bezug genommen wird. Die geringste Entfernung vom Erdmittelpunkt weist nämlich nicht der Marianengraben auf, sondern das vergleichsweise wenig bekannte Litketief (engl. «Litke Deep») im Nordpolarmeer. Wir erinnern uns: Aufgrund der an den Polen abgeplatteten Form der Erde befinden sich die Polregionen näher beim Erdmittelpunkt als die äquatornahen Breitengrade. Das Litketief ist 6351,61 Kilometer vom Zentrum des Planeten entfernt – der Marianengraben befindet sich im Vergleich dazu 14,7 Kilometer weiter vom Erdmittelpunkt weg. 

Tiefster Punkt #3

Karte: Lage des Bentley-Subglazialgrabens in der Antarktis.

Diesen tiefsten Punkt kann nicht einmal James Cameron besuchen: Der Bentley-Subglazialgraben in der Antarktis ist von einer dicken Schicht aus Gletschereis bedeckt.  Bild: Wikimedia/watson

Der tiefste Punkt der Erdoberfläche, der nicht vom Meer bedeckt ist, befindet sich in der Antarktis. Da erstaunt es nicht, dass er unter einer dicken Eisschicht liegt. Der Bentley-Subglazialgraben (engl. «Bentley Subglacial Trench») ist eine Senke im westantarktischen Marie-Byrd-Land, deren tiefster Punkt 2496 Meter unter dem Meeresspiegel liegt – damit ist diese Depression tiefer als der Grand Canyon. 

Tiefster Punkt #4

This photo provided by the University of Rhode Island shows three research ships breaking through arctic ice a few miles from the North Pole as scientists drill deep below the surface in August 2004. Their research found that this region was a subtropical paradise 55 million years ago. (AP Photo/Stockholm University, Martin Jakobsson)

Nordpolarmeer in der Nähe des geografischen Nordpols.  Bild: AP UNIVERSITY OF RHODE ISLAND

Der tiefste zugängliche Punkt auf der gesamten Erd- und Meeresoberfläche ist – gemessen an der Distanz zum Erdmittelpunkt – der Meeresspiegel des Nordpolarmeers beim geografischen Nordpol. Die Distanz zum Zentrum der Erde beträgt 6356,77 Kilometer. Auch hier ist die Gestalt der Erde der Grund für die Nähe zum Erdmittelpunkt. Am Südpol, wo der Erdradius ebenfalls kleiner ist als am Äquator, ist die Erdoberfläche weiter vom Erdmittelpunkt entfernt als am Nordpol, denn der südliche Pol liegt auf einem Kontinent. Über dem Südpol befindet sich zudem noch eine fast drei Kilometer hohe Eisschicht.   

Tiefster Punkt #5

Ufer des Toten Meeres

Der Wasserspiegel des nördlichen Teils des Toten Meeres sinkt aufgrund fortschreitender Austrocknung jedes Jahr um mehr als einen Meter.   Bild: Shutterstock

Der tiefste nicht von Wasser oder Eis bedeckte Punkt der Erde – bezogen auf den Meeresspiegel – ist weitherum bekannt: Es handelt sich um das Ufer des Toten Meeres, das sich Jordanien, Israel und das von Israel besetzte Westjordanland teilen. Das Ufer liegt derzeit 432,65 Meter unter dem Meeresspiegel, doch da der Wasserspiegel des Toten Meeres allmählich sinkt, kommen jedes Jahr etwa 100 bis 120 Zentimeter dazu. 

Tiefstes Bohrloch

Tiefstes Bohrloch der Welt: Kola-Bohrung bei Murmansk

Knapp 0,2 Prozent auf dem Weg zum Erdmittelpunkt zurückgelegt: Kola-Bohrung bei Murmansk. Bild: thevintagenews.com

Hoch oben im Norden Europas, 158 Kilometer nördlich von Murmansk, finden wir die Kola-Bohrung (engl. «Kola superdeep borehole») – das bisher tiefste Bohrloch der Welt. 12'262 Meter tief ist das Bohrloch SG-3 in der Erdkruste, tiefer als der Marianengraben im Pazifik: Nirgendwo sonst ist der Mensch tiefer ins Erdinnere vorgestossen. Allerdings entspricht diese Tiefe nur gerade knapp 0,2 Prozent des mittleren Erdradius. Die geologische Bohrung wurde noch zu Sowjetzeiten – von 1970 bis 1989 – vorgenommen und diente ausschliesslich wissenschaftlichen Zwecken. Sie wurde gestoppt, als die Temperatur in der Tiefe zu hoch wurde. Manche Anhänger eines obskuren Weltbilds glauben deshalb, das Loch habe die Hölle angebohrt. 

Tiefster See

In this image taken from video which was filmed with camera fixed on the Mir-2 mini-submersible, showing Russian Prime Minister Vladimir Putin as he looks through a porthole of Mir-2 during a dive into the waters of Lake Baikal, the world's largest fresh water lake, about 4200 kilometers (2,600 miles) east of Moscow, Saturday, Aug. 1, 2009.(AP Photo/RIA Novosti, Pool)

Der russische Präsident Wladimir Putin besuchte 2009 im Tauchboot Mir-2 die Tiefen des Baikalsees.  Bild: AP RIA Novosti

Der Wasserspiegel des Baikalsees im südlichen Sibirien liegt auf 455,5 Meter Höhe über Meer, doch es ist sein Grund, der uns hier interessiert. Mit einer Tiefe von 1642 Metern ist der Baikal der tiefste Süsswassersee der Welt; der Seeboden liegt 1186 Meter unter dem Meeresspiegel. Der Baikal ist zugleich der älteste Süsswassersee der Welt und – obwohl er in Sachen Fläche erst an sechster Stelle der Süsswasserseen kommt – auch der volumenreichste.   

Tiefste Höhle

Die tiefste bekannte Höhle der Welt: Veryovkina-Höhle in Georgien

Der Eingang der Höhle liegt auf über 2300 Metern Höhe, doch ihr tiefster Punkt befindet sich nur noch knapp hundert Meter über Meer. Bild: Youtube

Erst seit diesem Jahr trägt die 2212 Meter tiefe Veryovkina-Höhle in der abtrünnigen georgischen Provinz Abchasien den Titel als tiefste bekannte Höhle der Welt. Zuvor hatte die ebenfalls in Georgien gelegene, 2197 Meter tiefe Krubera-Höhle als tiefste gegolten. Der Eingang der Veryovkina-Höhle liegt 2309 Meter über dem Meeresspiegel; das bedeutet, dass der tiefste bekannte Punkt der Höhle sich nur noch knapp hundert Meter über dem Spiegel des Schwarzen Meeres befindet. 

Tiefstgelegene Stadt

Jericho, Westjordanland

Alt und tiefgelegen: Jericho im Westjordanland.  Bild: Shutterstock

Jericho liegt am Westufer des Jordans im israelisch besetzten Westjordanland und erhebt Anspruch darauf, die älteste Stadt der Welt zu sein. Zugleich ist sie die am tiefsten gelegene Stadt der Welt: Das Zentrum der Stadt liegt in einer Oase im Jordangraben und damit 258 Meter unter dem Meeresspiegel. Die tiefstgelegene Stadt in Europa ist übrigens nicht Amsterdam, sondern Astrachan an der Mündung der Wolga ins Kaspische Meer. Das Zentrum der russischen Stadt liegt 28 Meter unter dem Meeresspiegel. 

Bonus: Der schnellste Gipfel

Gipfel des Cayambe in Ecuador

Der Vulkan Cayambe ist der dritthöchste Berg von Ecuador – und der schnellste.  Bild: Shutterstock

Wie? Wie passen das Substantiv «Gipfel» und das Adjektiv «schnell» zusammen? Der Grund dafür liegt in der Rotation der Erde. Alle Punkte der Erdoberfläche mit Ausnahme der beiden Pole drehen sich mit, allerdings in einer Geschwindigkeit, die von der Entfernung von der Erdachse abhängig ist. Diese Entfernung ist mit 6383,95 Kilometern auf dem Gipfel des Cayambe, des dritthöchsten Bergs von Ecuador, am grössten. Er bewegt sich mit einer Geschwindigkeit 1675,89 km/h – verglichen mit 1481,67 km/h, die der Gipfel des wesentlich höheren Mount Everest erreicht. 

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • just sayin' 29.08.2018 23:55
    Highlight Highlight super artikel!
    User Image
    4 0 Melden
  • inquisitio 29.08.2018 19:10
    Highlight Highlight Artikel des Jahres! Danke!
    4 0 Melden
  • Aussensicht 29.08.2018 14:52
    Highlight Highlight Zu Punkt No3. Diese „Theorie“ hat mich schon als Kind gestört als ich es das erste Mal gehört habe. Finde es unlogisch. Man kann jeden Berg vom Meeresgrund aus messen. Auch den Mount Everest vom Marianengraben aus. Oder etwas naheliegender z.B. die Gipfel der Sierra Nevada de Santa Marta zur tiefsten Stelle des Atlantik. Oder den Bürgenstock vom Grund des 4WSS.
    1 3 Melden
  • AfterEightUmViertelVorAchtEsser 29.08.2018 13:59
    Highlight Highlight Den Fakt, dass der Chimbo in Ecuador der höchste Berg ist, kenne ich, da ich da war. Nicht auf dem Gipfel, aber im Refugio.

    Btw. Interessant wäre der Geschwindigkeitsunterschied zwischen dem Chimbo und dem Cayambe.

    Und wie schnell ist eigentlich der Cotopaxi? Ziemlich sicher schneller als der Mount Everest.
    0 1 Melden
  • Kaspar Floigen 29.08.2018 07:58
    Highlight Highlight Ich dachte immer der grösste Berg sei der Mauna Loa, nicht Mauna Kea. Wikipedia bestätigt das...ein bisschen (ein bisschen, da auch Mauna Kea im Artikel genannt wird, https://de.wikipedia.org/wiki/Mauna_Loa).

    Wie verhält es sich jetzt genau? Weiss das jemand?
    0 0 Melden
  • James McNew 28.08.2018 23:44
    Highlight Highlight "das Witjastief 1 (manchmal auch «Witjastief 2» genannt)"... 🤔
    46 0 Melden
  • geissenpetrov 28.08.2018 23:24
    Highlight Highlight Rotationselipsoid und abgeplattete Kugel.
    Solcherlei Begriffe freuen den Geodäten.
    Gute Arbeit hier!
    42 0 Melden
  • derEchteElch 28.08.2018 22:48
    Highlight Highlight Wirklich coole Fakten Hubi! Hat grossen Spass gemacht, deinen Artikel zu lesen! Bitte weiter so 😃👍
    87 5 Melden
  • w'ever 28.08.2018 22:23
    Highlight Highlight alles sehr sehr interessant. danke
    26 1 Melden
  • leu84 28.08.2018 22:13
    Highlight Highlight Als Geologieinteressierter ein interessanter Beitrag.
    34 1 Melden

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

Wir schreiben das Jahr 1935. Tausende russische Gulag-Gefangene werden ins sibirische Niemandsland verfrachtet. Zuvor hatten Geologen beim Lontokoiski-Kamen-Gebirge riesige Nickelvorkommen gefunden. Was jetzt noch fehlte, waren Arbeiter für den Gewinn der Bodenschätze. Eine Stadt musste her. 

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