Wissen
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Zwischenstadien in der Nachbildung des Kopfes eines vierjaehrigen Neandertalkindes, basierend auf einer computerunterstuetzten Rekonstruktion des Schaedels zeigt ein undatiertes Handout des Anthropologischen Instituts der Universitaet Zuerich. Im August 1856 stiessen bei Sprengungen im Neandertal in der Naehe von Duesseldorf Arbeiter auf das Skelett eines Eiszeitmenschen. Auf einer Pressekonferenz in Leipzig wollen internationale Forscher des Max-Planck-Instituts fuer evolutionaere Anthropologie am Donnerstag, 12. Februar 2009, Details ihrer Arbeit an der Sequenzierung des Neandertaler Genoms vorstellen. Mittels speziell fuer dieses Projekt entwickelter Methoden konnten die Forscher in den vergangenen drei Jahren mehr als eine Milliarde DNA-Fragmente sequenzieren, die aus drei verschiedenen kroatischen Neandertaler-Fossilien extrahiert wurden. (AP Photo/Anthropologischen Instituts der Universitaet Zuerich, Philippe Plailly) * NO SALES * EDITORIAL USE ONLY * MANDATORY CREDIT * --- ** FILE ** In this undated photo provided by the Anthropological Institute of the University Zurich, Switzerland, in 1999 phases of the reconstruction of a Neanderthal Man child are seen. At a news conference in Leipzig, Germany, on Thursday, Feb. 12, 2009 scientists plan to report on the results of their three-year-long research to sequence the genome of the Neanderthal Man. By especially designed methods the international research team of the Max-Planck-Institute for evolutionary Anthropology said it has extracted more than a billion DNA fragments from three Croatian Neanderthal fossils.  (AP Photo/ Anthropological Institute of the University Zurich, Philippe Plailly) * NO SALES * EDITORIAL USE ONLY * MANDATORY CREDIT *

Nachbildung eines Neandertaler-Schädels Bild: AP, Anthropologisches Institut Universität Zürich

Anthropologie

Harte Zeiten für Rassisten

Neonazis glauben, dass arisch blaue Augen und blonde Haare nicht vom schwarzafrikanischen Homo Sapiens her stammten, sondern vom Neandertaler. Das stimmt. Aber überliefert worden ist das arische Aussehen vom Homo Sapiens, der sich mit dem Neandertaler paarte.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Frank patalong, Spiegel online

Was definiert den Menschen, was macht uns besonders? Der Abgleich unseres Genoms mit dem der Neandertaler liefert ständig neue Erkenntnisse. Das neue Wissen wird unser Selbstbild verändern. Gut so: Das macht es immer schwerer, Rassist zu sein.

Der Skandinavier V. gehört zu den schillerndsten Figuren der rechtsradikalen Szene. Rund eineinhalb Jahrzehnte saß er wegen Mordes hinter Gittern. Zahlreiche Wirrköpfe hindert das nicht, seinen kruden Theorien zu folgen, die er per Internet verbreitet. Seit einiger Zeit hat er eine Neue: Wir Europäer seien eigentlich Neandertaler. Das beweise, dass wir nicht von Schwarzafrikanern abstammten. Von deren Genom, phantasiert er in völliger Verdrehung der Fakten, fänden sich nur Spuren in unserem. Europäer seien nur zu «0,3 Prozent Homo sapiens». Der Rest: Neandertaler.

Der missverstandene Darwin

Solcher Unsinn muss selbst hartnäckigen Rassisten wehtun. Fast könnten sie einem leidtun: Bisher klangen ihre Abstammungmythen doch völlig anders. Seit jeher hatte die blond-blauäugige Fraktion – und nicht nur der Teil, der einem klitzekleinen, dunkelhaarigen Österreicher anhing – ihre Überlegenheitsphantasien mit einer imaginierten Höherwertigkeit der «kaukasischen Rasse» begründet. Ihr unfreiwilliger Kronzeuge: Charles Darwin. Dessen Evolutionslehre interpretieren Rechte als Auslese per Verdrängung. 

Die Evolution, glauben sie, sorge für das Überleben des Stärkeren, der sich stets gegen den Schwächeren durchsetze. Nach dieser Logik müsste die Erde heute von tonnenschweren Dinosauriern beherrscht sein, weil vor 65 Millionen Jahren alle Kleinlebewesen ausstarben. Bekanntlich ist das Gegenteil der Fall.

Nun geht es den Ideologen nicht um Logik. Herrschaft wird mit dem «Überleben des Stärkeren»-Missverständnis aus sich selbst heraus begründet: Wer sich durchsetzt, ist der Bessere. Und der Allerbeste sei natürlich der Europäer, von der Evolution im Kampf gegen die vor ihm in Europa hausenden Urmenschen (genau: Neandertaler) und widrige klimatische Verhältnisse nicht nur gestählt, sondern Wotan sei Dank auch gebleicht und blondiert. Der Neandertaler galt ihnen als von der Evolution verworfenes, vom europäischen Homo sapiens hinweggefegtes Auslaufmodell. 

Der Homo heidelbergensis hat sich auf dem Weg von Afrika in den Norden die blauen Augen, blonden Haare und die helle Haut des Neandertalers mittels Paarung zu Eigen gemacht und behalten.  Bild: AP 

Out of Africa: Eine Botschaft der Gleichheit 

Für diese Klientel war schon die Out-of-Africa-Theorie eine Zumutung. Die besagt, dass der Ursprung der Menschheit entlang des afrikanischen Grabenbruchs lag, von wo aus wir uns über die Welt verteilten. Unsere Urahnen waren demnach Schwarze. Eine bittere Pille für die, die ihre angebliche Höherwertigkeit aus ihrer Blässe definierten. Immerhin blieb ihnen der Trost, sich vorzustellen, sie seien das Produkt einer «Weiterentwicklung». Sapiens 2.0, sozusagen.

Seit 2010 wird das immer schwerer. Damals veröffentlichte die Forschergruppe um den Paläogenetiker Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie erste Teile des Neandertaler-Genoms. Seitdem produziert diese mittlerweile weltweit betriebene Analyse fast im Wochentakt Wissenschaftsschlagzeilen. Was wir so erfuhren:

Helle Augen, Haare und Haut übernommen

Am schwersten zu schlucken ist für die Rechtsausleger aber, was uns die Neandertaler konkret vererbt haben. Denn während wir zwar zahlreiche variierende Gen-Schnipselchen erbten, haben wir einige davon alle gemein. Und zwar ausgerechnet die Gene, welche die phänotypischen Merkmale bestimmen, die europäischen Rassisten seit Jahrhunderten als definierende Merkmale des edlen Europäers galten: Helle Haut. Helles Haar. Blaue Augen.

Was für eine herrliche Pointe: Die Farbmerkmale der angeblich überlegenden Rasse entpuppen sich als Erbe einer ausgestorbenen Menschenart, die vor 30'000 Jahren aus der Welt fiel, weil sie nicht mehr hineinpasste. Und die einzig verbliebenen, «reinrassigen» Homo sapiens (wie die irren Rassentheoretiker der Nazis das genannt hätten) sind die Schwarzafrikaner.

Wenn uns unsere Verwandtschaft zum Neandertaler aber eines lehrt, dann ist es das: So etwas bedeutet nichts, es besitzt in sich keinen Wert, es macht niemanden besser oder schlechter. Es ist nur interessant - und es erteilt uns einmal mehr eine Lektion über Evolution. Gene, schrieb einst der britische Biologe Richard Dawkins, seien "egoistisch": Sie setzen sich gegen andere Gene durch und werden weitergegeben, wenn sie für das Lebewesen in seinem Biotop vorteilhaft sind.

Auf dem Weg in den lichtschwachen Norden war es für unsere schwarzafrikanischen Vorfahren von Vorteil, zu erblassen. Wir liehen uns diese Eigenschaft von Wesen, deren Zeit bald darauf abgelaufen war. Dass diese Vermischung möglich war, lag nur daran, dass beide Unterarten des Homo so eng verwandt waren. Genau das ist und bleibt, was uns Menschen auszeichnet: Unsere enge, unlösbare Verwandtschaft miteinander. Wir alle sind Mischlinge mit Migrationshintergrund.



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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Martin Bader 08.02.2014 23:25
    Highlight Highlight In ein paar hundert Jahren wird sich hoffentlich niemand mehr getrauen, rassische Reinheit zu predigen. Bis dann werden Dank Migration und Globalisierung auch die reinsten Arier asiatische Züge oder schwarzes Krausehaar haben. Find ich gut. :D
  • papparazzi 08.02.2014 21:51
    Highlight Highlight Dann ist es ja endlich erwiesen. Der Klu Klux Klan kann einpacken und sollte ab jetzt nur noch schwarze Kaputzen tragen:-) ut (dp)

Quizz den Huber. Kann er seine 9 Punkte verteidigen?

Liebe Huberquizzer

Neun Punkte holte Dani Huber beim letzten Mal. Mit einem leisen Unterton des Vorwurfs liess er mich das die ganze Woche spüren. Es sei halt schon ein bisschen einfach gewesen. Ich glaube, heute wird es sogar noch ein bisschen einfacher. Wenigstens zu Beginn.

Viel Spass!

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