Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
This photo released by 20th Century Fox shows Matt Damon in a scene from the film,

Matt Damon als Mark Watney im Film «The Martian» alleine auf dem Mars. Bild: AP/20th Century Fox

Tomaten im All, Astronauten auf Hawaii – so proben Raumfahrer das Leben auf dem Mars

Saskia Gerhard / watson.de



Ein Sandsturm auf dem Mars zwingt die Crew der «Ares III», den roten Planeten zu verlassen und die Rückkehr zur Erde anzutreten. Doch der Sturm fordert ein Opfer. Den Astronauten Mark Watney erwischt eine abgebrochene Antenne. Sein Anzug geht kaputt, er stürzt, bleibt reglos liegen. Weil die Crew keine Signale mehr von ihm empfängt, lässt sie ihn zurück.

Als Watney wieder zu sich kommt, ist er allein auf dem Mars. Seine Essensvorräte reichen noch ein paar Dutzend Tage, mit der nächsten Marsmission von der Erde kann er in ein paar Jahren rechnen. Andere würden aufgeben. Watney aber fängt an, aus Raketentreibstoff Wasser abzuspalten und Kartoffeln anzubauen.

Dir mag diese Geschichte bekannt vorkommen, wenn du den Film «Der Marsianer» gesehen hast. Die Handlung hat so ihre Macken und ist nicht immer ganz akkurat – doch Landwirtschaft auf dem Mars ist keine komplett abgedrehte Idee. Die Raumfahrtagenturen NASA und ESA arbeiten nämlich seit einer Weile daran, Szenarien für das Leben auf fremden Himmelskörpern auszuprobieren.

Die ESA zum Beispiel: Schraubt an einem Satelliten, an dessen Bord Tomatensamen ins All geschossen werden sollen. Das Ziel ist kein geringeres, als sich einer Methode zu nähern, mit der auf Mond und Mars Landwirtschaft betrieben werden kann. Und die Raumfahrtforschung hat noch mehr auf Lager. Ein Überblick über drei Projekte, mit denen Raumfahrtagenturen die Landung auf dem Mars vorbereiten (und ganz vielleicht auch eines Tages das Leben auf anderen Planeten).

Eu:CROPIS

Eu:CROPIS ist das gerade erwähnte Tomaten-Projekt der ESA. Spannend ist, neben der Idee als solche, das Prinzip, das hinter den Weltraum-Gewächshäusern steckt.

Durch Rotation herrscht Schwerkraft

Während seiner Mission in 600 Kilometern Höhe soll sich der Satellit im All um die eigene Achse drehen und so in seinem Inneren für sechs Monate die Schwerkraft des Mondes (etwa ein Sechstel der Erdanziehungskraft) und anschliessend für weitere sechs Monate die Mars-Gravitation (etwa ein Drittel der Erdanziehungskraft) nachahmen.

Bild

bild: deutsches luft- und raumfahrtzentrum

Zwei Gewächshäuser – eines für die Mond- und eines für die Mars-Simulation

Wenn nach der Mond-Simulation nach sechs Monaten das zweite Gewächshaus unter Mars-Gravitation aktiviert wird, waren die Bakterien, Tomatensamen und Einzeller darin schon ein halbes Jahr der Weltraumstrahlung ausgesetzt. So lange würde auch ungefähr ein Flug zum Mars dauern.

Moment, Bakterien? Einzeller?

Genau. Die Gewächshäuser versorgen sich über ein ausgeklügeltes System nämlich selbst.

16 Kameras sollen aufzeichnen, wie die Samen keimen.

Bild

bild: deutsches luft- und raumfahrtzentrum

Alles für die Menschheit – auf dem Mond, Mars, aber auch der Erde

«Wir simulieren und testen letztendlich Gewächshäuser, die auf Mond oder Mars im Inneren eines Habitats stehen könnten und für eine Crew vor Ort frische Lebensmittel liefern, indem sie in einem geschlossenen System Abfälle kontrolliert in Dünger umwandeln», sagt der Biologe Jens Hauslage, der die Mission am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum wissenschaftlich leitet.

Aber für uns auf der Erde birgt das Projekt ebenfalls Erkenntnisse. Die Technik liesse sich weiterentwickeln, um:

vertical farming

So könnten die Gewächshäuser in Hochhäusern aussehen – «vertical farming» nennt sich das Prinzip Bild: shutterstock

Vorher muss der Satellit aber erst mal ins All (geplant war, dass das noch in diesem Jahr klappt). Und dann müssen die Tomaten Früchte tragen, was ein eher ambitioniertes Ziel ist: «Es ist schon ein Erfolg, wenn sie keimen und ein bisschen wachsen. Eine Frucht wäre perfekt», sagt Hauslage.

HI-SEAS

HI-SEAS ist eine Art Trainingslager für Mars-Missionen. Auf Hawaii hat unter anderem die NASA die Anlage in ungefähr 2500 Metern über dem Meeresspiegel aufgebaut.

Und so ist das Leben dort:

abspielen

Video: YouTube/NASA Goddard

Das Gelände kommt der Mars-Oberfläche relativ nah: Kaum Pflanzen oder Tiere leben auf dem steinigen, kargen Boden. Was dort wächst, ist weder selten noch geschützt. Die Forscher, die dort herumlaufen, gefährden also nicht die Artenvielfalt. Das Wetter bleibt das ganze Jahr ungefähr gleich: kühl und trocken.

Die echte Marsoberfläche:

Marsoberfläche

Bild: Youtube

Das Gebäude, das die Forscher beherbergt, ist mit sechs Schlafquartieren ausgestattet sowie einer Küche, einem Bad, einem Labor und einer simulierten Luftschleuse. Sogar der Funkkontakt zur Basis ist 20 Minuten verzögert – so wäre es auch auf dem Mars.

In der Anlage bewegen sich die «Astronauten» in richtigen Raumfahrtanzügen, sammeln Proben und erforschen das Gebiet. Ein grosser Unterschied zur echten Marsmission: Krankenhäuser sind im Notfall in einer Autostunde erreichbar.

EDEN-ISS

Seit mehr als einem Dreivierteljahr schon sitzen Forscher in der klirrend kalten Antarktis und züchten in einem Container Gemüse. Ihr Gewächshaus namens EDEN-ISS ist ausgelegt für klimatisch anspruchsvolle Regionen auf der Erde und eines Tages auch für den Einsatz auf längeren Raumfahrtmissionen, zum Mars zum Beispiel, aber auch zum Mond.

So sieht es drinnen aus:

abspielen

Video: YouTube/DLR

Seit Anfang dieses Jahres wirft das sich selbst versorgende Gebäude Früchte ab: «Die Ernte ist mittlerweile so reichlich, dass ein Teil nicht immer gleich direkt auf den Tisch kommt und wir nun den Luxus haben, manche Salate und Kräuter aufbewahrt im Kühlschrank über mehrere Tage verteilt zu verzehren», sagt Forscher Paul Zabel laut einer Mitteilung des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums.

Bild

Paul Zabel mit einer Kohlrabi aus dem antarktischen Gewächshaus. bild: deutsches luft- und raumfahrtzentrum

Salate, Gemüse und Kräuter wachsen in optimalen Bedingungen von 21 Grad Celsius und 65 Prozent relativer Luftfeuchte. Die Anbaufläche ist ungefähr 13 Quadratmeter gross und hat in rund neun Monaten schon einiges hervorgebracht:

Bild

Antarktische Radieschen. bild: deutsches luft- und raumfahrtzentrum

Eine Herausforderung sind laut Zabel immer noch Paprika und Erdbeeren. Die künstliche Bestäubung der Pflanzen funktioniert noch nicht so gut, deshalb tragen sie bislang noch keine Früchte.

So anstrengend ist der Gang zum Gewächshaus:

abspielen

Video: YouTube/DLR

Das geschlossene Gewächshaus, abgeschottet von Wetter, Sonne und Jahreszeiten, ermöglicht unabhängige Ernten und weniger Wasserverbrauch. Pestizide und Insektizide sind ebenfalls überflüssig.

All die Strapazen haben also auch einen irdischen Zweck: Die Weltbevölkerung wächst und wächst, der Klimawandel beeinflusst die Landwirtschaft massiv. Es müssen Wege her, Pflanzen auch in klimatisch rauen Gebieten anbauen zu können. Und vielleicht gewinnen wir mit Techniken wie dieser eines Tages den Kampf gegen den Welthunger.

(Mit Material von dpa)

Forscher finden unterirdischen See auf dem Mars

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen

Neue ETH-Studie zeigt: So simpel lässt sich der Klimawandel stoppen (eigentlich)

Bäume speichern riesige Mengen CO2. Das Crowther Lab der ETH Zürich forscht an naturbasierten Lösungen für den Klimawandel und hat nun im Fachblatt «Science» eine beeindruckende Berechnung präsentiert.

Es läuft harzig. Die Versuche der Menschheit, weniger CO2 auszustossen, fruchten nicht. Jahr um Jahr werden global mehr Treibhausgase ausgestossen. Umso stärker setzt die Welt ihre Hoffnungen in die Speicherung von CO2. Riesige Pumpen sollen das Gas aus der Luft filtern und im Boden verlochen, so die Zukunftsträume. Aber nicht nur ist der Effekt verschwindend klein, auch die Speicherung funktioniert noch nirgends.

Nun soll uns der Wald retten. Und in der Theorie könnte er das tatsächlich. Das …

Artikel lesen
Link zum Artikel