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In this July 16, 1969 photo provided by NASA, JoAnn Morgan watches from the launch firing room during the launch of Apollo 11 in Cape Canaveral, Fla. Morgan, who worked on the Apollo 11 mission in 1969, went on to become the Kennedy Space Center's first female senior executive. She retired in 2003. (NASA via AP)

JoAnn Morgan war vor 50 Jahren die einzige Frau im Nasa-Kontrollzentrum. Bild: AP

Wie die Frauen ansetzen, das Weltall zu erobern

Zwölf Menschen waren bislang auf dem Mond – alles Männer. Wie sieht es 50 Jahre nach der Mondlandung in Sachen Astronautinnen aus?



Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin vor 50 Jahren den Mond betraten, waren im Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa viele aufgeregte Männer zu sehen – und genau eine Frau.

«Ich habe einfach Raketentreibstoff in meinen Adern», sagt die heute 78 Jahre alte JoAnn Morgan in einem Interview dazu. Sie erinnert aber auch an den Sexismus zur Zeit der Mondlandung – sie bekam obszöne Anrufe wegen ihres Jobs. Heute arbeiten Frauen auf der Internationalen Raumstation ISS.

This July 5, 2019 photo shows JoAnn Morgan, NASA's first female launch controller, at her home in Bigfork, Mont. Morgan, who worked on the Apollo 11 mission in 1969, went on to become the Kennedy Space Center's first female senior executive. Retired since 2003, she splits her time between Florida and Montana, and encourages young women to study engineering. (AP Photo/Krysta Fauria)

JoAnn Morgan heute. Bild: AP

JoAnn Morgan kam 1958 zur Nasa und arbeitete sich bis zum «Apollo»-Programm hoch. Ihre Anwesenheit beim Start von «Apollo 11» 1969 hatte im Vorfeld für heftige Diskussionen gesorgt und musste offiziell vom damaligen Chef des Kontrollzentrums, Kurt Debus, abgesegnet werden. «Es gab Widerstand», sagt Morgan. Frauen waren nicht vorgesehen – es gab im Gebäudeteil noch nicht einmal eine Damentoilette.

Morgans Kollegin Frances «Poppy» Northcutt erinnert sich, wie Frauen bei der Nasa damals in einem «Meer an Sexismus» schwammen. «Es war überall, immer, wie die Schwerkraft», sagt sie. Gefeiert wurden ausschliesslich die Herren der Schöpfung. Alle zehn US-Astronauten, die bis 1972 den Mond betraten – Männer. Auch alle 13 bisherigen Chefs der Nasa – Männer.

Die Russen machten es besser

Bei den Russen lief das ganz anders. Bereits 1963 schossen sie Kosmonautin Valentina Tereschkowa in den Weltraum. Die erste Nasa-Astronautin Sally Ride musste sich dagegen noch Ende der 1970er Jahre die Frage gefallen lassen, ob 100 Tampons für den Trip ins All wohl ausreichen.

This image released by the United States Postal Service, shows America’s first female astronaut, Sally Ride, on a Forever stamp to be released on May 23, 2018 in Austin. (USPS via AP)

Die erste weibliche Astronautin – als Briefmarke verewigt. Bild: AP/USPS

Aber auch die Vereinigten Staaten wandelten sich. Von den 347 US-Astronauten, die bislang ins All abhoben, waren immerhin 49 Frauen. Heute ist fast die Hälfte des Teams weiblich, dazu ein Drittel der etwa 15'000 Nasa-Mitarbeiter.

Bei der Kult-Serie «Star-Trek» kommandierte ab 1995 Captain Kathryn Janeway. Der Erfolgsfilm «Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen» brachte dem Thema Frauen 2016 weltweite Aufmerksamkeit. Es ist die wahre Geschichte dreier afro-amerikanischer Nasa-Mitarbeiterinnen, die mit ihren Berechnungen die Grundlagen für die bemannte Raumfahrt legten.

Bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA gibt es seit 1988 gemischte Teams. Seit 20 Jahren ist der Anteil von 15 Prozent Frauen unter den Bewerbern aber gleich geblieben. Jüngst stellte die Italienerin Samantha Cristoforetti mit fast 200 Tagen im Weltraum einen Frauen-Rekord auf.

Astronautin gesucht

In Bremen hat es Claudia Kessler gereicht, dass immer nur deutsche Männer ins All fliegen. Alexander Gerst, bekannt als «Astro-Alex», nun sogar schon zwei Mal. Kessler, Luft- und Raumfahrttechnikerin, ist Personalvermittlerin in der hoch spezialisierten Weltraum-Branche. 2016 startete sie mit Verve privat den Wettbewerb «Die Astronautin» – mit dem Ziel, 2020 eine Frau aus Deutschland zur ISS zu schicken.

Anfangs als PR-Gag belächelt, geriet der ungewöhnliche Wettbewerb schnell zu einer Frauenpower-Schau. Mehr als 400 ernsthafte Kandidatinnen bewarben sich – darunter Ingenieurinnen, Kampfpilotinnen und Physikerinnen. 90 absolvierten in einer zweiten Runde die notwendigen psychischen und medizinischen Tests beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Das Rennen machten am Ende die Heidelberger Meteorologin Insa Thiele-Eich und die Kölner Astrophysikerin Suzanna Randall – beide promoviert. Die Ausbildung zur Astronautin absolvieren sie gerade, Piloten- und Tauchscheine sind schon gemacht. Das Training für die Schwerelosigkeit läuft.

Eine Möglichkeit zum Start gäbe es im Herbst 2020, sagt Astronautin-Sprecherin Inka Helmke. «Ein amerikanischer Startanbieter hält zurzeit einen ‹Seat› in seiner Kapsel frei.»

Doch was der Initiative weiter fehlt, ist Geld – viel Geld.

«Wir haben in die Ausbildung und Vorbereitungen dieser Mission bereits fast eine Million Euro gesteckt», berichtet Helmke. Dank vieler Unterstützer und Kooperationspartner wie Airbus und DLR sei das möglich gewesen.

Doch der reine Flug zur ISS mit 10 Tagen Aufenthalt und dem nötigen, rund neunmonatigen Training in den USA koste rund 50 Millionen US-Dollar. Diese Summe fehlt. «Wir hoffen auf eine Beteiligung aus Berlin», sagt Helmke. Nach elf steuerfinanzierten Männern sollte eine Beteiligung an einer Mission der ersten deutschen Frau im All doch möglich sein, findet sie. Und wenn nicht im nächsten Jahr, dann eben später.

Nicole Stott, Astronautin und Künstlerin

Die US-Astronautin Nicole Stott. bild: keystone

Anlässlich des 50. Jubiläums der Mondlandung will die Nasa noch einen Schritt weiter gehen. «Die erste Frau und der nächste Mann auf dem Mond werden beide amerikanische Astronauten sein, die mit amerikanischen Raketen von amerikanischem Boden abgehoben sind», hat US-Vizepräsident Mike Pence im März angekündigt.

Es werde eine der 12 Frauen sein, die derzeit unter den 38 aktiven Astronauten der Nasa sind, sagte der Chef der Raumfahrtbehörde Jim Bridenstine dem TV-Sender CNN. «Ich denke, dass das für junge Frauen nicht nur in unserem Land, sondern weltweit alles verändert.»

(dsc/sda/dpa)

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sherlock_Holmes 22.07.2019 00:36
    Highlight Highlight Unglaublich, was diese Frauen – und vor allem jene mit afroamerikanischer Abstammung – geleistet haben!

    Der Film «Hidden Figures» ist wirklich sehr empfehlenswert.

    Ihre Lebensgeschichten sind tief beeindruckend und enorm ermutigend.

    Diese Veränderungen dauerten –und dauern auch heute noch –unvorstellbar lange. Aber sie sind nicht mehr aufzuhalten.

    Zum grossen Vorteil und Gewinn der ganzen Menschheit.
  • Hüendli 21.07.2019 21:46
    Highlight Highlight Wir brauchen keinen Wettbewerb, wir haben Barbara Burtscher 🙊 (gell @dickmo 😉)
  • Diavolino666 21.07.2019 18:59
    Highlight Highlight Astronaut: Houston, wir haben ein Problem!!!
    Houston: Yo, was geht?
    Astronaut: Die Steaks sind uns ausgegangen!!!

    Astronautin: Houston, wir müssen reden...
    Houston: Was ist los?
    Astronautin: Ach nichts...
    Houston: ...

    *ZWINKER*
  • koks 21.07.2019 18:31
    Highlight Highlight Die Russen machten es besser. Soso. War ja auch 'nur' eine Diktatur, da kann man ja drüberhinwegsehen. Erinnert mich an den grünen Shootingstar der Deutschen Grünen, der kürzlich das zeitgenössische China als vorbildlich in Sachen Umweltschutz dargestellt hat, es könne ganz einfach alles von oben verordnet werden.
    • Azrat 22.07.2019 08:27
      Highlight Highlight Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Bei der NASA wurde sicherlich auch nicht demokratisch abgestummten wer ins All fliegt??
  • Knety 21.07.2019 16:05
    Highlight Highlight Yay Frauen!

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