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Veränderung der Sonnenstrahlung im Vergleich von 1965 bis 1988 und 1989 bis 2012 - Rot zeigt die stärkste Zunahme, Orange und Gelb Zunahme; Blau eine Abnahme der Sonnenstrahlung. bild: blanka bartok/spiegel

Mitteleuropa und das Geheimnis des roten Sonnenflecks

In Europa scheint die Sonne stärker in den vergangenen Jahren – Messungen der Sonnenstrahlung offenbaren eine rote Zone, die bis nach Deutschland reicht. Was geht vor?

Axel Bojanowski



Ein Artikel von

Spiegel Online

Das Bild habe sie erstaunt, sagt Blanka Bartók. Eine solch krasse Umweltveränderung in Europa hatte die Klimaforscherin von der Universität in Cluj-Napoca in Rumänien nicht erwartet. Doch die Abbildung, gespeist aus Daten seit 1965, ist deutlich.

Die Karte zeigt, wie sich die Menge an Sonnenstrahlung, die auf der Erdoberfläche eintrifft, in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Rot, Orange und Gelb zeigen eine Zunahme der Strahlung.

Die Karte basiert auf einem europaweiten Messnetz der Sonnenstrahlung, das die Weltmeteorologische Organisation seit 1965 betreibt.

An der Sonne liegt es nicht

Sofort ins Auge springt ein knallroter Fleck über Bayern, Österreich, Nordostitalien und Tschechien. Doch auch der Grossteil des übrigen Europa ist orange oder gelb, nur der Nordosten, Nordwesten und Südosten sind blau – dort ist die Sonnenstrahlung schwächer geworden.

Was ist geschehen?

Veränderte Bewölkung kann nicht die Ursache sein, denn nur Messdaten unter blauem, wolkenlosem Himmel wurden ausgewertet. Und an der Sonne selbst kann es auch nicht liegen, sie scheint gleichmässig auf die Erde.

Schleier über der Erde

Bleibt nur eine Möglichkeit: Die Menge an Partikeln und Gasen in der Luft – den sogenannten Aerosolen – hätte sich verändert, sagt Blanka Bartók. Sie legen sich als Schleier über die Erde und blockieren Teile der Sonnenstrahlung.

Aerosole haben zwei Ursachen: Sie werden natürlich erzeugt, etwa bei Vulkanausbrüchen, Sandstürmen oder Waldbränden – oder von Menschen, beispielsweise in Fabriken, Kraftwerken und Autos.

Weil keine natürlichen Prozesse bekannt sind, die den Aerosolgehalt der Luft über Europa entscheidend verändert hätten, bleibt nach Meinung der Forscherin nur eine Erklärung: Die Eindämmung der Luftverschmutzung lässt mehr Sonnenstrahlung auf die Erde.

Die Karte beruht auf dem Vergleich von zwei Zeiten: Die Sonnenstrahlung von 1965 bis 1988 wird jener von 1989 bis 2012 gegenübergestellt.

Historische Wende

Beide Zeiträume unterscheiden sich in einer Hinsicht beträchtlich: Im ersten Abschnitt gab es lange Zeit sauren Regen, weil Fabrikabgase nicht gefiltert wurden. Im zweiten Abschnitt gab es zum einen Filter – und zum anderen mussten zahlreiche Fabriken in Osteuropa schliessen, weil die Länder nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ihre Wirtschaft umstellten.

Die Zunahme der Sonnenstrahlung sei also Folge geringerer Luftverschmutzung, berichtete Blanka Bartók nun auf der Jahrestagung der European Geosciences Union (EGU) in Wien, wo sie ihre Karte präsentierte. Warum aber der Effekt in Österreich und Umgebung besonders gross ist, sei unklar, ergänzt die Forscherin.

Bemerkbar mache sich vermutlich die Nähe zu Osteuropa und zum Gebirge, wo sich vor 1990 mehr Abgaswolken stauten. Auch strenge Umweltrichtlinien in Österreich dürften die Luft verbessert haben.

Wie stark hat die Sonnenstrahlung über Europa zugenommen? Um gut drei Watt pro Quadratmeter in Österreich und Umgebung, in weiten Teilen Deutschlands um knapp zwei Watt pro Quadratmeter, berichtet Bartók.

Himmel klarer

Sorge vor einem Übermass an Sonne aufgrund des Effekts muss niemand haben: Bei klarem Himmel liefert die Sonne in Deutschland mehr als 600 Watt pro Quadratmeter, drei zusätzlich machen nicht viel aus. Auf Solarkraftwerke und Vegetation aber dürfte sich der Effekt auswirken.

Vor allem aber, betont Forscherin Bartók, liefere ihre Karte einen Beweis für die Wirksamkeit von Umweltschutz. Messungen von Luftpartikeln über Europa sind lückenhaft, systematisch werden sie erst seit rund 20 Jahren erhoben.

Erst die Daten über Sonnenstrahlung dokumentieren, dass sich der Partikelschleier über Europa gelüftet hat – der Himmel ist klarer geworden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lexxus0025 15.05.2017 13:49
    Highlight Highlight Ich versteh die argumentation nicht:
    Mehr umweltschutz und weniger schmutzpartikel führen einerseits zur zunahme an energie (=wärme) welche von der sonne durch klarere luft am boden ankommt.
    Andererseits ist die gängige meinung, dass durch treibhausgase (=zwangsläufig mehr schmutz in der luft) eine klimaerwärmung stattfindet.
    Irgendwas geht da nicht auf. Wir haben wärmeres klima wegen treibhausgasen, oder wärmeres klima wegen sauberer luft: führt also so oder so zum selben ergebnis?
    • Culcat 15.05.2017 15:02
      Highlight Highlight Du übersiehst da was. Stärkere Sonneneinstrahlung bedeuted zwar schon wärmere Umgebung, aber dank der saubereren Luft kann die Wärme wieder in den Weltraum entweichen. Das CO2 hält die Wärme zurück.
      D.h., im diesem Fall kann die Erde wieder abkühlen in den kalten Jahreszeiten und wird nicht, wie mit zuviel CO2 ständig aufgeheizt.
    • Aki Zeta 5 15.05.2017 15:38
      Highlight Highlight Nein, das wäre nur der Fall wenn
      die Erwärmung durch eine klarere Atmosphäre
      gleich hoch wäre
      wie die Erwärmung durch einen hohen Gehalt von Treibhausgasen.
      Das ist nicht so (ersteres ist viel geringer).
      Ausserdem vergisst du, dass klarere Luft auch die Infrarotstrahlung von der Erde herkommend besser durchlässt und sich somit die Erde auch wieder besser kühlen kann.
    • crik 15.05.2017 18:14
      Highlight Highlight @Lexxus0025: Du übersiehst, dass Feinstaubpartikel und CO2 zwei verschiedene Sachen sind.
      Feinstaub: schirmt das Sonnenlicht ab, und führt zu Atemwegserkrankungen.
      CO2: Molekül, welches neben anderen für den Treibhauseffekt verantwortlich ist

      Filter zB in Kehrichtsverbrennungsanlagen filtern fast allen Feinstaub aus den Abgasen. CO2 wird nicht herausgefiltert. CO2 lässt sich in erster Linie vermindern, indem weniger fossile Brennstoffe verbrannt werden.

      Es geht also alles auf. Man muss nut ein bisschen überlegen und nicht einfach alles undifferenziert als "Schmutz" bezeichnen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Doolydoo 15.05.2017 13:00
    Highlight Highlight Donalds Trumpf fake news?
    • Kaviar 15.05.2017 18:58
      Highlight Highlight Nein. Phasik für Untergymnasiasten.
  • Grundi72 15.05.2017 08:58
    Highlight Highlight Bitte jeweils bei solchen Studien angeben von wen sie in Auftrag-, respektive finanziert wurde.

    Rumänien...
  • Kaviar 15.05.2017 08:36
    Highlight Highlight Das ist eine Wiederentdeckung eines Phänomens, das schon vor 20 Jahren bekannt war: Dass die gemessene Erderwärmung direkt auf die stark verminderten Aerosolemissionen zurückzuführen sind. Das ist vorallem immer schärferen Abgasvorschriften zu verdanken (zwecks Vermeidung von Atemwegserkrankungen, saurem Regen und giftigem Ozon), aber auch dem techn. Fortschritt. Seit den 50ern wurden die extrem stark aerosolemittierenden Holz-Kohleheizungen mit viel saubereren Öl-/Gasheizungen ersetzt. Statt mit Holz wird mit Strom oder Gas gekocht.
    Der Himmel über Europa ist viel klarer als vor 50 Jahren.
    • Posersalami 15.05.2017 11:23
      Highlight Highlight Und viel dreckiger als vor 500 Jahren. Was soll das sagen, ausser dass Umweltschutzgesetze tatsächlich etwas nützen?
    • Rabbi Jussuf 15.05.2017 12:32
      Highlight Highlight Das stimmt so nicht ganz.
      Im Artikel geht es nur um die Sonneneinstrahlung, nicht um die Erderwärmung. Da sind andere Ursachen ausschlaggebender, wie Triebhausgase. Im Vergleich dazu macht die leicht erhöhte Sonneneinstrahlung, die ja auch nur an Sonnentagen gemessen wurde, kaum etwas aus.
    • Kaviar 15.05.2017 13:36
      Highlight Highlight @Posersalami: Damals waren Luft- und Wasserqualität besonders in den Städten noch schlechter, als heute, weil es keine geregelte Abfall- und Abwasserentsorgung gab, bzw. nicht mehr gab, denn weitere 1500 Jahre früher war das im Römischen Reich noch Standard. Aber mit dem Zerfall des Römischen Reichess zerfiel auch der Lebensstandart mitsamt Wasserleitungs- und Abassersystemen.
  • mein Lieber 15.05.2017 08:06
    Highlight Highlight Die Klimaerwärmung ist somit auf eine Reduzierung der Luftverschmutzung zurückzuführen. [Ironie off]
    • dmark 15.05.2017 10:56
      Highlight Highlight Kann man so sagen, wenn man dieser Studie folgt.
      Nur...wie erkläre ich das nun meinen grünen Freunden, ohne dass sie mich sogleich mit Gegenargumenten bewerfen?
    • just sayin' 15.05.2017 11:54
      Highlight Highlight ich glaube du musst den begriff "[Ironie off]" den blitzli-typen erklären :-D
    • mein Lieber 15.05.2017 12:55
      Highlight Highlight Diese Erklärung ist optional :-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • dracului 15.05.2017 07:53
    Highlight Highlight Forscher beschäftigen sich weltweit schon länger mit dem Phänomen des "Global Dimming" bzw. "Brightening". Es scheint, dass sich gewisse Prozesse beschleunigen, wenn das Dimming abnimmt. Siehe auch: http://www.iac.ethz.ch/group/climate-and-water-cycle/research/radiation-and-the-hydrological-cycle/global-dimming-and-brightening.html

Ja, Herrgott nochmal, man darf fürs Klima streiken und in die Ferien fliegen!

Liebe Klima- und Umweltaktivisten-Kritiker, dieser Text ist für euch. Denn man kann sehr wohl für Klimaschutz kämpfen, ein Smartphone besitzen und in ein Flugzeug steigen.

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