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Verschwörungstheorien: Studie zeigt, warum viele Leute an sie glauben

Alu-Hut-Alarm: Darum glauben so viele Leute an Verschwörungstheorien

24.10.2017, 08:1524.10.2017, 09:48

Die Mondlandung: ein Fake. Nine-Eleven: ein Inside-Job. Das Charlie-Hebdo-Attentat: eine False-Flag-Operation. Die Klima-Erwärmung: ein Hoax. Verschwörungstheorien sind kein neues Phänomen, aber sie haben Konjunktur – beinahe jeder zweite Amerikaner glaubt gemäss Umfragen an mindestens eine Verschwörungstheorie. In den neuen Medien finden diese Theorien zudem den Resonanzraum, der ihnen früher verwehrt blieb. 

Nine-Eleven, Terroranschlag New York, 11. September 2001
Die derzeit wohl beliebteste Verschwörungstheorie: Nine-Eleven war ein Inside-Job.  Bild: Keystone

Kein Wunder, dass die Forschung sich mit dem Phänomen befasst. Warum sind unbegründete, unwissenschaftliche und unlogische Annahmen über die Welt unter normalen, psychisch gesunden Menschen so verbreitet? Eine neue Studie, die im European Journal of Social Psychology erschienen ist, bringt die Anfälligkeit für irrationale Überzeugungen mit der Wahrnehmung von imaginären Mustern zusammen. 

Muster zu erkennen ist eine überlebenswichtige kognitive Fähigkeit. Sie erlaubt uns, sinnvolle Beziehungen zwischen Ereignissen herzustellen – etwa zwischen einer roten Ampel und der Gefahr durch den Verkehr. Allerdings ist nicht jede Beziehung sinnvoll. Wenn ich beispielsweise davon überzeugt bin, dass meine roten Socken mir Glück bringen, weil ich sie während einer erfolgreich verlaufenen Prüfung getragen habe, verbinde ich Dinge miteinander, die nichts miteinander zu tun haben. Die Psychologen nennen dieses Verhalten «illusory pattern perception» (etwa «Wahrnehmung von Scheinmustern»). 

Empirische Daten

Die These, dass das Gehirn dazu neigt, dort Muster zu erkennen, wo in Wahrheit gar keine sind, ist schon früher vorgebracht worden. Das niederländisch-britische Forscherteam um Jan-Willem van Prooijen von der Vrije Universiteit Amsterdam (VU) hat nun jedoch empirische Daten dazu vorgelegt. Die Wissenschaftler führten insgesamt fünf Testreihen durch. 

Zuerst massen die Psychologen die Affinität der 264 Versuchspersonen zu neun gängigen Verschwörungstheorien. Sie wurden gebeten, auf einer Skala von 1 bis 5 anzugeben, wie stark sie zum Beispiel einer Aussage wie «Die US-Regierung wusste zuvor von Nine-Eleven Bescheid» zustimmten. Danach mussten sie in gleicher Weise frei erfundene Verschwörungstheorien bewerten, zum Beispiel «Red Bull enthält illegale Substanzen, die das Produkt begehrenswerter machen». 

In einem nächsten Schritt evaluierten die Forscher die Affinität der Probanden zu übernatürlichen Phänomenen, indem sie die Zustimmung zu Aussagen wie «Ich glaube, ich könnte lernen, die Gedanken anderer Leute zu lesen, wenn ich wollte» oder – umgekehrt – «Zahlen wie 13 oder 7 haben keine besondere Macht» massen. 

Muster in Münzwürfen

Danach mussten die Testpersonen eine Reihe von zufällig generierten Münzwürfen auf einer Skala von 1 («völlig zufällig») bis 7 («völlig determiniert») bewerten. Jene, die in den beiden vorangegangenen Tests hohe Zustimmungswerte erzielt hatten, neigten signifikant eher dazu, in der Abfolge von Kopf und Zahl ein Muster zu erkennen – für sie waren die Ergebnisse nicht zufällig, obwohl sie das in Wahrheit waren. 

Da sämtliche Münzwürfe zufällig waren, konnte die Versuchsanordnung jedoch nicht ausschliessen, dass irrationale Annahmen mit einer generellen Tendenz korrelieren, Muster zu erkennen – egal, ob diese real oder imaginär sind. Deshalb führten die Forscher mit anderen Probanden einen weiteren Test durch, bei dem diese je neun Gemälde von Jackson Pollock und von Victor Vasarely zu sehen bekamen.  

Jackson Pollock, "Number 1, 1949" (1949)
Unstrukturiert: Jackson Pollock malte sein Gemälde Number 1, 1949 im «Drip-Painting»-Verfahren.  Bild: Artsy.net
Victor Vasarely, "Untitled Serigraph, 1976" (1976)
Klare Muster: Victor Vasarelys Gemälde Untitled Serigraph, 1976 ist ein Beispiel für «Op Art». Bild: Artbrokerage.com

Das Resultat: Nur die Wahrnehmung von Mustern in den chaotischen Pollack-Gemälden korrelierte mit Zustimmung zu Verschwörungstheorien und Glauben an übernatürliche Phänomene. Dagegen gab es keine Korrelation zwischen diesen irrationalen Annahmen und der Wahrnehmung von Mustern in den Bildern von Vasarely. Mit anderen Worten: Nur die Wahrnehmung von imaginären Mustern («illusory pattern perception») korreliert mit einem Hang zu Verschwörungstheorien. 

Reale oder imaginäre Muster?

Die Psychologen weisen darauf hin, dass zufällig generierte Abfolgen von Münzwürfen manchmal Sequenzen enthalten, die wie ein Muster wirken. Die Unterscheidung zwischen realen und imaginären Mustern sei für die Versuchspersonen in solchen Fällen schwierig – und genau dies sei ein Grund, warum viele Leute irrationale Annahmen plausibel fänden.

Sie unterschätzten die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufälliger Prozess Ergebnisse produziere, die nicht zufällig erscheinen – es aber sind. Dies gelte auch für den Alltag, wo es oft zu Koinzidenzen komme, die als nicht-zufällig oder sinnhaft empfunden würden – wie das berühmte Beispiel von der Person, an die man denkt, und die dann prompt anruft. 

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Unsichere Zeiten, betonen die Forscher, seien ein guter Nährboden für diese Art von Überzeugungen. Sie seien ein Mittel, um ein unberechenbares und potenziell gefährliches Umfeld als berechenbarer zu erfahren. «Die Resultate bieten empirische Belege für die Rolle, welche die Wahrnehmung von Scheinmustern bei irrationalen Annahmen spielt», heisst es in der Studie. «Wir folgern, dass die Wahrnehmung von Scheinmustern ein zentraler kognitiver Bestandteil des Glaubens an Verschwörungstheorien und übernatürliche Phänomene ist.»  

Der Befund der vorliegenden Studie deckt sich mit dem Resultat einer früheren Untersuchung, wonach Leute, die religiös sind oder an paranormale Vorgänge glauben, eher dazu neigen, dort Gesichter zu erkennen, wo es gar keine gibt
Eine frühere Studie unter der Leitung von Jan-Willem van Prooijen kam überdies zum Schluss, dass das Bildungsniveau negativ mit dem Glauben an Verschwörungstheorien korreliert. 
John Oliver macht sich über Verschwörungstheorien lustig.Video: YouTube/LastWeekTonight

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(dhr)

Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur

Video: srf
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302 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Asmodeus
24.10.2017 09:47registriert Dezember 2014
Alle Wochen/Monate wieder ein Beitrag darüber warum Verschwörungstheorien Blödsinn sind.

Dabei werden gerne hirnrissige Theorien (Elvis lebt noch, aber auf dem Mond) mit durchwegs plausiblen Theorien (Teile der US-Regierung/Geheimdienste wussten im Vorfeld über 9/11 Bescheid) bis hin zu nachträglich bewiesenen Theorien (NSA spioniert uns alle aus. Die USA lässt via CIA Regierungen sabotieren etc.) kombiniert damit ALLES wie Blödsinn wirken soll.
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Snowy
24.10.2017 10:21registriert April 2016
Tonkin- Zwischenfall Vietnamkrieg = Lüge vom Kriegseintritt
Pearl Harbor = Lüge vom Kriegseintritt
Chemiewaffen / Brutkasten + Baby-morde = Lüge Kriegseintritt Irak
Putsch in Iran, Chile und zig anderen Staaten

Das sind nur die prominentesten ehemals Verschwörungstheorien mit US-Beteiligung, welche mittlerweile nachgewiesen sind und die mir grad spontan in den Sinn gekommen sind.

Die USA hat als Staat so extrem viel Glaubwürdigkeit verspielt, dass sich niemand wundern muss, dass man gar nichts mehr glaubt und, dass eben auch z.T. abstruse Verschwörungen Hochkonjunktur haben.
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Bruno S.1988
24.10.2017 08:38registriert Juli 2016
Nun alle nicht gängigen Versionen gewisser Geschehnisse Pauschal als Verschwörungstheorie zu bezeichnen, ist genau so undifferenziert und unsinnig wie an Reptilien-Menschen zu glauben!
GEHEIMDIENSTE existieren, das ist Fakt!
Und es ist die Aufgabe dieser Geheimdienste GEHEIM zu agieren! Wenn nötig wird auch gelogen gemordet und Revolutionen angezettelt. Alles um die übergeordneten Ziele der Regierungen zu erreichen!
Der Militärisch-Industrielle-Komplex ist machtvoll und betreibt sehr erfolgreich Lobbyismus. Frieden generiert keine Aufträge für Kriegsmaterial!
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