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Männer: Ja, doch, sie werden gebraucht. Bild: shutterstock

Gute Frage: Warum gibt es eigentlich Männer?

Keine Sorge, die Frage zur Existenzberechtigung des starken Geschlechts stellt sich nur aus evolutionsbiologischer Sicht. Aber da ist sie durchaus sinnvoll. Ein Langzeitexperiment stützt jetzt eine prominente These. 

Nina Weber / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

«Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich», hat Herbert Grönemeyer gesungen, mit voller Überzeugung. Biologen haben da einen etwas anderen Angang. Angesichts der Tatsache, dass sehr erfolgreiche einzellige Lebewesen wie Bakterien ohne geschlechtliche Fortpflanzung auskommen, stellt sich durchaus die Frage: Warum leisten sich fast alle mehrzelligen Arten die sexuelle Vermehrung?

Die bringe schliesslich einige Nachteile mit sich, erklärt Matt Gage von der University of East Anglia im englischen Norwich. «Der offensichtlichste ist, dass nur die Hälfe der Nachkommen, die Töchter, tatsächlich Nachkommen hervorbringen können. Warum sollte also eine Art all die Energie für Söhne verschwenden?»

Der grosse Vorteil ist die sexuelle Selektion. Heisst: Nicht alle Vertreter einer Art werden Eltern, sondern nur die, die das andere Geschlecht hinreichend beeindrucken – wobei Biologen für die meisten Arten davon ausgehen, dass die Männchen miteinander konkurrieren und die Weibchen dann einen Partner wählen. Das führt dazu, so die Theorie, dass sich potenziell schädliche Mutationen im Erbgut nur im begrenzten Mass ansammeln können.

Wichtig für die biologische Fitness

Denn, dass sich kleine Fehler ins Erbgut einschleichen, ist ganz natürlich, wenn sie erst einmal nicht schaden. In der Summe aber können diese vielen kleinen Fehler zur Belastung für einen gesamten Bestand werden, insbesondere dann, wenn sich die Lebensbedingungen verschlechtern und schnelle Anpassung gefragt ist. Oder wenn ein Bestand schon geschrumpft ist, so dass es häufiger zu Inzucht kommt.

Dadurch, dass die sexuelle Selektion die Menge dieser Mutationen klein hält, bleibt die gesamte Population aus biologischer Sicht dennoch fit. Biologische Fitness steht nicht für ein schnelleres Lauftempo oder grösseres Können beim Dribbeln, sondern dafür, wie gut Lebewesen an ihre Umgebung angepasst sind und wie erfolgreich sie sich fortpflanzen.

Zehnjährige Käferzucht

Tribolium castaneum

Tribolium castaneum: Der Rotbraune Reismehlkäfer ist ein Modelltier in der Genetik Bild: Wikipedia/Peggy Greb

Gage und Kollegen haben in einem Langzeitexperiment den Effekt der sexuellen Selektion untersucht, wie sie im Wissenschaftsmagazin Nature berichten. Dazu bedienten sie sich eines Käfers, der als Modelltier in der Genetik bekannt ist: Tribolium castaneum, der Rotbraune Reismehlkäfer.

Ihr Experiment startete im Jahr 2005 mit mehreren Käfergruppen, deren Leben sich nur in einem Punkt unterschied: dem Ausmass, in dem sexuelle Selektion möglich war. Sie konnte in zwei Zweigen des Experiments einen starken Einfluss ausüben, weil über rund 50 Generationen immer 90 Männchen auf 10 Weibchen trafen oder aber fünf Männchen auf ein Weibchen.

Einen geringeren Einfluss hatte die sexuelle Selektion dagegen in den anderen zwei Gruppen, wo ebenfalls über rund 50 Generationen immer 10 Männchen auf 90 Weibchen kamen oder die Käfer als Einzelpaare zusammengesetzt wurden.

Wie lange überstehen die Nachkommen?

Mit den Nachkommen dieser Versuche begann dann das eigentliche, noch einmal drei Jahre dauernde Experiment, das die biologische Fitness der Tiere auf die Probe stellte. Fortan paarten die Forscher immer nur Geschwister miteinander. Durch Inzucht treten potenziell schädliche Mutationen von Generation zu Generation stärker zutage.

Während sich die von Vater und Mutter vererbten Gene meist unterscheiden und so Fehler in einem der beiden kompensiert werden können, vererben bei Inzucht beide Elternteile viele identische Gene. Schädliche Mutationen machen sich deshalb sofort bemerkbar.

Und tatsächlich: Die Käfer, deren Vorfahren starker sexueller Selektion ausgesetzt waren, hielten länger durch. Knapp neun Generationen vergingen im Schnitt, ehe sich die Geschwisterpärchen nicht mehr fortpflanzen konnten und die Linie ausstarb. Einige der Käfer pflanzten sich sogar nach 20 Generationen Inzucht noch munter fort.

Bei den Käfern, deren Vorfahren kaum oder gar keine sexuelle Selektion erfahren hatten, vergingen dagegen nur gut sechs Generation bis zum Aussterben. Es zeigte sich also: «Sexuelle Selektion ist ein wichtiger und effektiver Filter, der die genetische Gesundheit eines Bestandes erhält», sagt Gage.

Zusammenfassung: Herbert Grönemeyer hat recht – Männer sind einfach unersetzlich. Auch aus evolutionsbiologischer Sicht. Die sexuelle Selektion ist ein wichtiger Filtermechanismus, der verhindert, dass sich allzu viele potenziell schädliche Mutationen im Erbgut ansammeln – diese etablierte Theorie wird nun auch durch ein Langzeitexperiment mit Käfern belegt. 

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lil'Ecko 22.05.2015 21:23
    Highlight Highlight Weils sonst keine Magina Pics gäbe 😂😉
  • Mophisto 22.05.2015 06:39
    Highlight Highlight Endlich weiss ich wofür ich gut bin. Komm, gebenedeite Selektion!
  • Zeit_Genosse 21.05.2015 13:27
    Highlight Highlight Von den Käfern zu den Menschen. Die biologische Fitness ist nur gewährleistet, wenn die sexuelle Selektion über biologische Prozesse stattfinden. Datingplattformen mögen zwar mit Matchingpoints Paare zusammenbringen die gleiche Interessen haben, doch biologische Diversität sieht anders aus. Selektion über das Aussehen (Attraktivitätsgrad), über Geruch (Schweis und Speichel), über Bewegung (Rhythmus und Frequenz), über Kommunikation (Stimme, Stimmung, Gesten), usw. Die Erfolgskriterien kumulieren in gutem Sex (Austausch von Körperflüssigkeiten), der nun mal nötig ist. Ein Glück für die Männer.

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