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Jean-Joseph Benjamin-Constan, «Kaiserin Theodora im Kolosseum». bild: wikipedia

Kaiserin Theodora von Byzanz: Die Frau, die ihre Vagina mitten im Gesicht trug

Willkommen zum dritten Teil unserer Serie «Frauen der Geschichte». Heute reisen wir ins 6. Jahrhundert – mitten hinein ins Herz des Byzantinischen Reichs, wo eine Hetäre zur Kaiserin wird.

15.03.17, 19:56 16.03.17, 07:06


«So zügellos gab sie ihren Körper den Ausschweifungen hin, dass es schien, als trage sie ihre Vagina nicht an dem natürlichen Ort, an dem die anderen Frauen sie tragen, sondern mitten im Gesicht.»

Prokop, «Geheimgeschichte»

Das sind also die wenig schmeichelnden Worte, die der Geschichtsschreiber Prokop über seine Kaiserin verliert. Deshalb heisst seine Schmähschrift auch «Anekdota», «unveröffentlichte Geschichte». Doch es wird noch lange dauern, bis Theodora die Schauspielbühne verlässt, um sich an der Seite Kaiser Justinians I. auf den Thron zu setzen.

Theodora wurde 497 in Konstantinopel (heutiges Istanbul), dem Herzen des Byzantinischen Reiches geboren. Ihren Namen bekam die Stadt von Konstantin dem Grossen, der sie im 4. Jahrhundert prachtvoll ausbaute und die Grundsteine für die Hagia Sophia legte – diese architektonische Grossartigkeit von einer Kirche. Mit ihrer gigantischen Kuppel, unter der sie die Christen für fast 1000 Jahre versammelte.

Doch in dieser Stadt war auch die hellenistisch-römische Kultur noch sehr lebendig, 500'000 Menschen lebten in ihr, betätigten sich auf Sportplätzen, lasen sich in Bibliotheken gescheit und liessen ihre Hautkrankheiten in Spezialkliniken behandeln. 

Rekonstruktion des Hippodroms in Konstantinopel, das aber seiner Bauform nach ein römischer Circus war. An derselben Stelle liegt heute der Istanbuler Sultan-Ahmed-Platz. bild: i0.wp

Für den Pöbel allerdings gab es den Circus, eine langgestreckte Arena, in der Wagenrennen und Tierhetzen stattfanden. Mitten in diese raue Welt wuchs Theodora hinein. Ihr Vater war Bärenwärter für die Grünen – eine der beiden Zirkusparteien.

«Das Wagenrennen hat bereits eine Reihe von grossen Städten zugrunde gerichtet. Das Parteiinteresse hat Vorrang vor der Familie, dem Haus, dem Land und dem Gesetz. Männer und Frauen leiden an einer Art Geisteskrankheit, und es herrscht ein allgemeiner Wahnsinn.»

Bericht eines Zeitgenossen

So darf man sich die Wagenrennen der Antike etwa vorstellen, Gemälde von Sándor Wagner.  bild: viticodevagamundo

Dieser Wahnsinn war Theodoras Wiege. Und als ihr Vater Akaios starb, stand die Mutter mit ihren drei Töchtern mittellos da. Sie heiratete einen anderen Mann, doch der bekam die Stelle seines Vorgängers nicht, weil sich der Chef der Grünen von einem anderen hatte bestechen lassen – und diesem den Job gab.

Die Mutter packte in ihrer Verzweiflung die fünfjährige Theodora und ihre zwei Schwestern, setzte Blumenkränze auf ihre kleinen Köpfchen und stellte sich mit ihnen mitten in die volle Arena. Sie flehte das Volk um Hilfe an. Die grüne Zirkuspartei blieb davon unbeeindruckt. Doch den Blauen fehlte ein Tierwärter – und so kam die Familie doch noch zu ihrem Posten.

Von der Bühne ins Bett der reichen Männer

Als Theodora etwa 16 Jahre alt ist, tritt sie auf der Bühne auf. Prokop, der in Theodoras Fall  – neben einigen Spuren in Chroniken, Gesetzestexten und Inschriften – die Hauptquelle darstellt, beschreibt ihr Gebaren so:

«Häufig zog sie sich im Theater vor dem gesamten Publikum fast ganz nackt aus und trug lediglich um Busen und Lenden ein Tuch, nicht etwa, weil sie sich geschämt hätte, sondern weil es niemandem gestattet war, sich ganz nackt zu präsentieren.

So angetan, lehnte sie sich zurück und legte sich rücklings auf den Boden, Diener, die mit dieser Aufgabe betraut waren, streuten ihr nun Gerstenkörner auf die Scham, die dann von Gänsen, die eigens dafür abgerichtet waren, einzeln mit ihren Schnäbeln aufgesammelt und gefressen wurden. Wenn sie sich dann wieder erhob, wurde sie nicht nur nicht einmal rot, sondern schien auf diese Darbietung auch noch stolz zu sein.»

Prokop, «Geheimgeschichte»

Auch römische Sportlerinnen betätigten sich in dieser Aufmachung; mit «Fascia pectoralis» (BH) und «subligaculum» (Lendenschurz), 4. Jahrhundert. bild: wikipedia

Jede Zeile trieft von Theodoras sexueller Unverschämtheit. Als wäre Prokop selbst im Publikum gesessen und hätte sich zu Tode geekelt – oder wäre vor Lust schier zergangen. Doch als Prokop nach Konstantinopel kam, war Theodora längst Kaiserin. Sein Bericht ist also vielmehr eine Suppe aus Erzählungen von anderen, zusammengebraut in der Gerüchteküche der Hauptstadt, und gewürzt mit der geflissentlichen Verachtung des Kochs für die mächtigste Frau im Byzantinischen Reich.

Was wir ihm aber glauben können, ist Folgendes: Theodoras niedere Herkunft, ihre Tätigkeit als Schauspielerin, die in der Spätantike tatsächlich sehr eng mit der Prostitution verwandt war.

Die Hetären arbeiteten in gut organisierten Bordellen, in öffentlichen Bädern, auf offener Strasse, stark befahrenen Linienschiffen oder eben im Circus. Die Vorstellung, dass Theodora ein nymphomanisches, nimmersattes Monster war, kann man aber getrost ins Reich der Fantasie verfrachten:

«Es gab keinen Menschen, der sich der Lust so hemmungslos hingab wie sie. Es kam oft vor, dass sie zu einem abendlichen Gelage ging mit zehn jungen Männern oder sogar noch mehr, die kräftig waren und in der Blüte ihres Lebens standen und die sich die Wolllust zu ihrer Aufgabe gemacht hatten. Sie schlief dann mit allen diesen Trinkgenossen die ganze Nacht hindurch.

Wenn aber alle schliesslich von diesem Treiben genug hatten, wandte sie sich deren Dienern zu, es konnten 30 sein oder mehr, und schlief mit einem jeden von ihnen. Sie wurde vom Sex niemals wirklich satt.»

Prokop, «Geheimgeschichte»

Mit mindestens 40 Männern soll sie in einer Nacht also geschlafen haben. Aber offenbar auch nur, weil eben nicht mehr Männer zur Verfügung standen.

Wir können uns abermals nur am Gerüst von Prokops obigem Bericht festhalten: Theodora ist von der einfachen Erotikschauspielerin zur begehrten Kurtisane aufstiegen.

Auf diese Weise muss sie auch ihren späteren Gatten Justinian kennengelernt haben. Den Mann mit dem «immer wilden und scharfen Blick», den Zweitmächtigsten im Staat – der wahrscheinliche Thronerbe Kaiser Justins. Er verliebte sich sofort in Theodora. Und seine Liebe war aufrichtig. Denn obwohl sie Anfangs nur seine Geliebte war, erhob er sie in den Adelsstand.

Ungefähr so mag die Sicht aufs Forum zur Zeit Justinians ausgesehen haben. Hinten ragt die Hagia Sophia in den Himmel, die der Kaiser nach dem Niederbrennen des Vorgängerbaus errichten liess: Sie ist die letzte imperiale Grosskirche des Römischen Reichs. bild: art-now-and-then

Um sie allerdings heiraten zu können, musste der Kaiser erst ein Gesetz erlassen, das Senatoren die Ehe mit ehemaligen Prostituierten gestattete. Dann ging alles sehr schnell: 524 gaben sich die beiden das Ja-Wort, zwei Jahre darauf starb Justin – Justinian wurde Kaiser und Theodora zu seiner rechtmässigen Mitregentin mit dem Titel Augusta

Die Hure auf dem Kaiserthron

Aus früheren Verbindungen hatte die Kaiserin einen Sohn und eine Tochter – gemäss Prokop gelang es ihr in diesen beiden Fällen nicht, rechtzeitig abzutreiben. Aus Angst, der Kaiser würde von ihrem vorehelichen Nachwuchs erfahren, habe sie ihren Sohn später umbringen lassen. 

Wieder lügt Prokop. Justinian wusste über Theodoras Vergangenheit Bescheid – und als sie ihre Kinder standesgemäss verheiratete, geschah dies zumindest mit seiner Billigung. 

Das Kaiserpaar hatte selbst keine Kinder. Selbstverständlich war das in Prokops Augen die Schuld Theodoras: Unfruchtbarkeit. Wegen der unzähligen Schwangerschaftsabbrüche.

Theodora I. mit ihrem Hofstaat auf einem Mosaik in der Kirche San Vitale, Ravenna. Ihr Mann Justinian steht links von ihr, mit einer Opferschüssel in der Hand. Theodora ist durch die grüngoldene Kuppel über ihrem Kopf deutlich als Mittelpunkt des Bildes zu erkennen. bild: wikimedia

Das ironische an der unaufhörlichen Verunglimpfung Theodoras ist, dass Prokop ihr dadurch erheblich mehr Macht zuerkennt, als sie in Wirklichkeit besass.

Als sich im Jahre 532 das Volk im Nika-Aufstand gegen den Kaiser erhob, soll Theodora vor den Kaiser und seine Berater getreten sein, die bereits die Flucht erwogen hatten. Laut Prokop hat sie die Männer zum Kampf aufgewiegelt: Ein Flüchtlingsdasein sei ihr unerträglich, niemals wolle sie den Tag erleben, an dem die Menschen sie nicht mehr als Herrin ansprechen.

«Mir jedenfalls gefällt ein altes Wort, dass der Kaiserpurpur ein schönes Totenkleid ist.»

Theodora laut Prokop, «Geheimgeschichte»

Eine vorlaute Theodora, die ihrem Mann sagt, was er zu tun hat. bild: pinterest

Und so schickte der Kaiser seinen Feldherrn Belisar, um den Aufstand blutig niederzuschlagen. Prokop wollte Theodora vorlaut und frech, als machtbessenes Weib darstellen, doch damit verlieh er ihr vielmehr eine Entscheidungsmacht, die sie in dieser Situation, als Frau des Kaisers, mit Bestimmtheit nicht hatte. 

Ihre Spuren hinterliess Theodora allerdings woanders: Sie befreite dem syrischen Chronisten Ioannes Malalas zufolge 500 Mädchen aus den Fängen ihrer Zuhälter. Theodora kannte das Gewerbe. Sie wusste, dass die Mädchen aus verarmten Dörfern rekrutiert und mit falschen Versprechungen in die grosse Stadt gelockt wurden. Und dass manche von ihnen nicht einmal zehn Jahre alt waren. Direkt am Schwarzen Meer, in einem alten Kaiserpalast, gründete die Kaiserin das Kloster der Reue, ein Asyl für ehemalige Prostituierte. 

Nach Prokop geschah dies selbstverständlich auf böswillige Weise:

«Sie sperrte die Huren ins Kloster Metonia, damit sie ihre Lebensweise änderten. Einige davon stürzten sich nachts von der Höhe herab und entzogen sich so der unfreiwilligen Besserung.»

Prokop, «Geheimgeschichte»

Justinians Kriege und Theodoras Einfluss auf die Gesetzgebung

Justinians Traum eines wieder erstehenden römischen Weltreichs sollte sich nicht wirklich erfüllen. Zwar holte er sich Nordafrika von den Vandalen zurück und beendete die Herrschaft der Ostgoten über Italien in einem zermürbenden, 19 Jahre währenden Krieg, doch der Preis war hoch: Das einstige Herz des römischen Reichs wurde von den Kriegswirren, Hungersnöten und der Pest völlig ausgeblutet.

Und auch der «Ewige Friede» mit dem Feind im Osten sollte seinem Namen keine Ehre machen: Der persische Grosskönig Chosrau I. brach 540 den Vertrag und fiel ins römische Syrien ein – und Justinian musste sich in einen neuen, langen und blutigen Krieg begeben.

Das Byzantinische Reich entstand nach der Reichsteilung von 395 aus der östlichen Hälfte des Römischen Reiches. Nach rund 1060-jährigem Bestehen, das geprägt war vom Abwehrkampf an den Grenzen gegen äussere Feinde, ging es 1453 durch die Eroberung der Osmanen unter. bild: wikipedia

Justinian hinterliess den Menschen jedoch etwas anderes: Die Niederschrift des Corpus Iuris Civilis, die Sammlung des römischen Rechts. Angehängt waren ihr des Kaisers eigene Gesetze. Und zwei von ihnen tragen die Handschrift seiner Frau:

Das Verbot der Zuhälterei und dasjenige gegen die vertraglichen Verpflichtungen von Schauspielerinnen, die sie ein Leben lang an die Bühne zu fesseln vermochten. Diese beiden Gesetze betreffen die Lebensrealität der jungen Theodora – und auch wenn die Kaiserin sie nicht selbst aufsetzte oder in Auftrag gab, so brachte sie sie doch durch ihren Gatten zu Papier.

28. Juni 548: Der Kaiser verliert seine Frau

Theodora stirbt in Prokops Überlieferung in einem Nebensatz. Mitten in der Berichterstattung über Justinians Krieg mit Persien. Justinian verlor mit ihr die Liebe. Seine Mitregentin und Partnerin, die ihm stets beratend zur Seite stand. Der greise Kaiser besucht mit 77 noch ein letztes Mal das Grab seiner Frau in der Apostelkirche. 

Theodora wurde fünfzig Jahre alt. In der Chronik des Bischofs Victor von Tunnuna war es der Krebs, der den ganzen Körper der Kaiserin zerfressen hatte.

Man dichtete ihr den primären Tumor allerdings noch lange Zeit in den Unterleib hinein. Dorthin, wo der Krebs eine Hure eben befallen musste.

Das für den Artikel verwendete Buch:

Thomas Pratsch: Theodora von Byzanz. Kurtisane und Kaiserin. Dr. Thomas Pratsch forscht an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und lehrt Philologie und Geschichte des Byzantinischen Reiches an der Freien Universität Berlin.

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45
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45Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • SuicidalSheep 24.03.2017 10:30
    Highlight Herzlichen Dank für den spannenden Artikel.
    5 0 Melden
  • Murky 16.03.2017 09:29
    Highlight Toller Artikel, vielen Dank! 😃
    20 1 Melden
  • Dingsda 15.03.2017 23:53
    Highlight Immer wieder ein Genuss, Frau Rothenfluh.
    42 5 Melden
    • Anna Rothenfluh 16.03.2017 10:40
      Highlight Danke Dingsda!
      8 1 Melden
  • Abel Emini 15.03.2017 22:46
    Highlight Justinian I. war Illyrer :)
    6 8 Melden
    • Luca Brasi 15.03.2017 23:04
      Highlight Sein Name deutet aber auf thrakische Herkunft. ;)
      14 1 Melden
    • Dingsda 15.03.2017 23:52
      Highlight In damals illyrischem Gebiet (heute FYROM) geboren, thrakischer Herkunft.
      11 1 Melden
  • postmaterial 15.03.2017 22:36
    Highlight Ich behaupte, dass einiges sich etwas differenzierter betrachten liesse.
    Theodora wurde zu allen Zeiten interpretiert, man konstruierte sich Bild von ihr stets so, dass es dem eigenen Frauenbild entspräche. Voltaire sah ihren weiblichen Einfluss als Beleg für die Dekadenz Ostroms.
    Seit den 70ern sieht man es umgekehrt (was kein Beleg für Wahrhaftigkeit ist). Dieses stets unvollkommene Bild ergibt sich auch aus diesem Artikel.
    Beispiel: Prokop hebt im Werk De Aedificiis hervor, dass Theodora auch viele Kirchen bauen liess und sehr fromm gewesen sei, was hier nirgends erwähnt wird, warum wohl?
    22 32 Melden
    • Anna Rothenfluh 15.03.2017 22:50
      Highlight Das ist richtig. Er hat zwei Werke geschrieben, in der Geheimgeschichte lässt er kein gutes Haar an ihr, in der Schrift über die Bauten erwähnt er sie allerdings nur am Rande. Und es war ein Auftag, also klar in lobenden Worten für Justiniano gehalten, weshalb die Geheimschrift "authentischer" ist, im Sinne von: das hielt der Autor wirklich von Theodora.
      58 9 Melden
    • postmaterial 15.03.2017 23:18
      Highlight Er schrieb mindestens 3 Werke.
      Ob die Geheimgeschichte authentischer ist, gilt als sehr umstritten, siehe auch die Forschungen von Frau Cameron.
      Zudem hat die Darstellung der Theodora und die Justinians in der Geheimgeschichte eine gewisse Funktion, hier geht es auch um Rollen, die des Tyrannen und die der bösen Hexe etwa, nicht alles ist wörtlich zu nehmen, vieles ist Stilistik.
      Es ist problematisch, moderne Frauenbilder, die ich durchaus teile, in antike Frauen hineinzuinterpretieren. Theodora muss keine schwache/starke/? Frau gewesen sein, es lässt sich nur keine Wahrheit daraus ableiten.
      20 31 Melden
    • Anna Rothenfluh 15.03.2017 23:49
      Highlight Ja, er hat auch noch über die gotenkriege geschrieben, da wird ihr Tod im Nebensatz erwähnt. Dieser Artikel hat nichts von Prokop wörtlich genommen, es ging ja gerade darum, Informationen herauszuschälen, die unter seinen Übertreibungen und Stil-Turnereien liegen. Ausserdem geht es nirgends um ein modernes Frauenbild, sondern um die Berichtigung des Bildes der Kaiserin im 6. Jahrhundert. Welchen Einfluss sie hatte und welchen eben nicht, aber eine Wertung, dass sie schwach oder stark gewesen sei, interpretierst du höchstens selber rein.
      46 10 Melden
    • postmaterial 16.03.2017 00:27
      Highlight Es schmerzt mein Gräzistenherz was sie hier als Stilturnerei abtun...
      Ich interpretiere in diesen Artikel hinein, dass es hier nicht um Berichtigung sondern um Infotainment geht (richtiges Medium, knackiger Titel, falsch platzierter Kritikversuch).
      Verzeihen sie meine deutlichen Worte, aber manchmal juckt es mich doch einfach in den Fingern.
      21 37 Melden
    • Anna Rothenfluh 16.03.2017 09:00
      Highlight Natürlich hab ich versucht, den Artikel möglichst unterhaltsam zu schreiben. Ich glaube, das liegt im Interesse des Lesers und ist weder ein Verbrechen, noch muss es der Wissenschaftlichkeit einen Abbruch tun. Dass sich Intellektuelle (ich nehme an, das sind Sie) immer so gegen das Vergnügen sträuben! Zudem hat der amüsante Teil Prokop selbst geschrieben. Ich habe mich bei meiner Berichtigung von Theodoras Bild an Thomas Pratschs Buch gehalten, der ein Experte für das Byzantinische Reich ist. Wenn Sie mir eine konkrete Stelle nennen, können, wo ich die Wissenschaftlichkeit verrate, her damit.
      47 8 Melden
    • Murky 16.03.2017 09:34
      Highlight Ich finde Infotainment dann gut wenn ich das Gefühl habe dass es gut recherchiert und nicht zu einseitig geschrieben ist. Deshalb gefällt mir der Artikel sehr gut. Aber auch ihre Kommentare helfen die Geschichte besser zu verstehen.
      33 1 Melden
    • Luca Brasi 16.03.2017 10:15
      Highlight @Frau Rothenfluh: Ich stelle mir gerade vor wie Sie bei jedem Ihrer Artikel ein Mail eines Professors erhalten. :)
      10 2 Melden
    • Anna Rothenfluh 16.03.2017 10:39
      Highlight Haha, tatsächlich war es umgekehrt. Bei dem Boudica-Artikel musste ich meinen Professor anschreiben. Ich hatte mal eine Arbeit über sie geschrieben, aber sie nirgends mehr gefunden. Er hatte sie aufbewahrt und sie mir dann geschickt. Ich glaube, meine ehemaligen Professoren treiben sich nicht allzu oft auf watson rum haha.
      23 3 Melden
    • Luca Brasi 16.03.2017 11:10
      Highlight Dann müssen Sie eben mit uns obskuren Usern zurechtkommen. :P
      7 2 Melden
    • postmaterial 16.03.2017 13:59
      Highlight Danke für die Antwort.
      Sicherlich verstehe ich nicht allzu viel davon, einen unterhaltsamen Artikel zu schreiben, der dann auch angeklickt wird.
      Herrn Pratschs Buch ist ziemlich umstritten (http://www.sehepunkte.de/2012/07/20914.html), gilt als schlecht recherchiert.
      Ich denke, dass hier einfach ein unvollkommenes Bild der Theodora gezeigt wird, in dem z.B. die damals eminent wichtigen Punkte wie Theodoras Miaphysitismus nicht berücksichtigt werden (ist natürlich aus moderner Sicht relativ langweilig). Theodora als Gesetzgeberin für arme Mädchen hört sich cool an, ist aber völlig spekulativ.
      6 15 Melden
    • Anna Rothenfluh 16.03.2017 14:16
      Highlight Ja, das mit dem Monophysitismus hab ich ausgelassen, weil das zu weit geführt hätte. Ihre Sympathie (oder Anhängerschaft?) der Lehre war wohl auch der Grund, weshalb sie dann von den syrischen Quellen so verklärt wurde. Darüber steht allerdings auch was bei Pratsch. Das mit den Gesetzen ist aber nicht (nur) spekulativ. Ihr Name wird zumindest einmal wörtlich erwähnt (beim Gesetz zum Ämterkauf). Dass sie Einfluss auf das Schauspierinnen-Gesetz hatte, scheint mir sehr logisch, warum sonst sollte der Kaiser sowas erlassen? Aber vielleicht können wir uns auf Folgendes einigen:
      13 3 Melden
    • postmaterial 16.03.2017 14:19
      Highlight Vollends (etwas überreagierend) auf die Palme trieben mich ihre Noten zu Prokop, mit dem ich mich auch schon zuvor beschäftigt habe und ihn wie eine Glucke verteidige.
      P. erscheint hier wie ein spätantiker Breitbart-Fake News-Produzent, ein Lügner.
      Zum Verständnis wäre es nötig, das Werk einzuordnen. Warum schrieb P. über solchen Klatsch? Aus Neid? Weil nichts davon übertrieben war? Oder vielleicht weil er die Sakralität des Kaisertums zu bewahren versuchte? Zur Kontingenzbewältigung? Alles keine einfach zu beantwortenden Fragen, die vermutlich das Volumen eines solchen Artikels überstiegen.
      6 14 Melden
    • Anna Rothenfluh 16.03.2017 14:22
      Highlight Ich hab keine Forschungsarbeit geschrieben. Ich versuche lediglich die alten, verstaubten Geschichten für ein grosses Publikum aufzubereiten. Das hab ich nach bestem historischen Wissen getan. Und dabei den Fokus auf die Hauptquelle gelegt. Dass das Bild nicht vollständig ist, ist klar. Wovon haben wir schon ein vollständiges Bild? Ich hoffe einfach aufgezeigt zu haben, wie die Historiker arbeiteten, wie sie systematisch versucht haben, Theodora zu verunglimpfen – und dass man daraus doch ein paar Fünklein "Wahrheit" herauspicken kann.
      19 4 Melden
    • Luca Brasi 16.03.2017 14:31
      Highlight @Frau Rothenfluh: Sie meinen "Geschichtsschreiber" nicht Historiker. Kleiner Unterschied. Ein Historiker wären ja Sie. Und Sie würden uns doch nie belügen und immer die Wirklichkeit abbilden, nicht wahr? ;)

      6 1 Melden
    • Anna Rothenfluh 16.03.2017 14:36
      Highlight @Luca Brasi: Ich lügen, niemals, haha. Ja, Geschichtsschreiber, Sie haben völlig recht. Ich war im Schuss. So. Friede sei mit euch allen.
      14 3 Melden
    • Anna Rothenfluh 16.03.2017 14:43
      Highlight @postmaterial: haha. Sie müssen nicht auf die Palme hinauf. Sie dürfen nur nicht erwarten, dass ich für watson eine ganze Quellenkritik schreibe. Vielleicht könnten Sie sich ja stattdessen ein bisschen freuen, dass auf einem Newsportal über so alte Geschichten diskutiert wird, die üblicherweise selten ihre winzigen Expertenkreise verlassen.
      25 4 Melden
  • EmMa42 15.03.2017 22:22
    Highlight Vielen Dank Anna für diesen weiteren sehr interessanten Artikel!
    Kann man eigentlich noch Vorschläge machen?
    Wu Zetian (aka Empress Wu) einer der mächtigsten Frauen in China. Sowieso mal was aus dem fernen Osten fände ich super interessant!
    32 7 Melden
    • Anna Rothenfluh 15.03.2017 23:03
      Highlight Klar, her mit den Vorschlägen, ich versuch sie zu berücksichtigen. Und Danke für die lieben Worte!
      27 4 Melden
  • Herr Je 15.03.2017 22:06
    Highlight Die Opferschale auf dem Ravenna-Mosaik wird von Theodora gehalten, nicht von Justinian, will mich dünken.
    9 0 Melden
    • Murky 16.03.2017 09:52
      Highlight Stimmt. oder sie halten sie zu zweit. Ich muss mal nach Ravenna.
      3 0 Melden
  • fabsli 15.03.2017 21:51
    Highlight Sie hat offensichtlich ihr leben genossen und hat sich nicht beirren lassen von den Meinungen ihrer männlichen Neider.
    Da kann sich heutzutage manch eine Frau (und manch ein Mann) eine Scheibe von der Geschichte abschneiden.
    18 5 Melden
  • The Origin Gra 15.03.2017 21:38
    Highlight Eine Interessante Frau
    Danke Anna

    Gibt es bald einen weiteren Beitrag? Bitte mehr
    29 2 Melden
  • lilie 15.03.2017 20:46
    Highlight Ach, wie liebe ich diese Artikel! 😊

    Das einzige, was mich wirklich stört, ist der männliche Blickwinkel. Der ganze Artikel befasst sich mit Gerüchten, Klatsch und Tratsch, so dass wir nur erfahren, wie ein Mann ihrer Zeit sie sah - was mehr über ihn verrät als über sie.

    Denn viel bleibt bei all den Fabeln von der echten Person nicht gerade übrig.

    Gibt es keine Versuche, aus dem gesammelten Wissen über diese Zeit ein genaueres Bild der Person zu zeichnen?
    12 20 Melden
    • Alnothur 15.03.2017 22:07
      Highlight https://de.wikipedia.org/wiki/Bücherverluste_in_der_Spätantike
      6 2 Melden
    • Anna Rothenfluh 16.03.2017 09:05
      Highlight Liebe lilie, ein weiblicher Blickwinkel findest du in dieser Zeit leider gar nicht. Die Quellen sind begrenzt, lügnerisch und parteiisch. Was ich aber daran mag, ist genau das: Man kann dann versuchen, den Kern der Wahrheit herauszuschälen. Man sieht an der Verunglimpfung ganz genau, was dem Schreiber nicht passte. Das ist sozusagen eine Mehrinformation, eine zusätzliche Meta-Ebene, die man bei einer "objektiven" Berichterstattung nicht bekommt.
      9 3 Melden
    • lilie 16.03.2017 10:44
      Highlight @Anna: Danke dir für die Rückmeldung! :)

      Das stimmt natürlich, man erfährt so viel über die Mentalität der Zeit (die sich offenbar nicht gross von unserer unterschied, denn Prokop liest sich für mich etwa wie die moderne Boulvardpresse).

      Dass es aus der Zeit keine weibliche Perspektive gibt, ist mir auch klar. Das war auch nicht mein Punkt. Mir ging es um die Rekonstruktion einer neutralen, sachlichen Sichtweise.

      Dafür müsste man nicht nur literarische Quellen auswerten, sondern auch Kunst, archäologische Grabungen etc. So entsteht ein Bild von der Person im Kontext ihrer Zeit.
      3 1 Melden
    • Anna Rothenfluh 16.03.2017 11:12
      Highlight Ah sorry, da hab ich an dir vorbeigeredet. Ja, das wird natürlich schon versucht, aber im Fall von Theodora sind die Spuren spärlich. Es gibt von ihr nur dieses Mosaik in Ravenna und dann ist da noch eine Büste im Castello Sforzesco, Mailand, die ihr nicht mit letzter Sicherheit zugeschrieben werden kann. Begraben wurde sie in der Apostelkirche, die steht aber nicht mehr und die Gräber wurden geplündert.
      4 1 Melden
    • The oder ich 16.03.2017 11:40
      Highlight Nach gewöhnlich gut informierten Quellen (Fox bzw. Breitbart o. ä.) soll Theodora auch mal was mit Delphen gehabt haben. Dass Anna das unterdrückt, ist natürlich wieder mal klar
      5 0 Melden
    • Alnothur 16.03.2017 11:46
      Highlight @lilie, die Römer waren in Sachen Frauen weiter, als man oft denkt - und definitiv weiter als so manches spätere Jahrhundert ;) Ob das im christianisierten Byzantinischen Reich (Ostrom) immer noch so war, weiss ich aber nicht.
      2 1 Melden
    • lilie 16.03.2017 12:09
      Highlight @Anna: Ah, super, dann haben wir uns jetzt verstanden. Na, dann hoffen wir doch, dass die Quellenlage immer besser wird. Freue mich jedenfalls auf die nächsten Artikel! 😀

      @The oder ich: Genau an solch seriösen Hintergründe hatte ich gedacht! Endlich erfahren wir die Wahrheit! 😅

      @Alnothur: Also, ich habe gelernt, dass die Römer eine reine Männergesellschaft waren. Selbst ihre amourösen Gelüste stillten sie lieber mit Lustknaben, da der Verkehr mit Frauen den Mann schwäche.

      In welchen Punkten sollen denn die Römer fortschrittlich gewesen sein in Bezug auf Frauen?
      2 1 Melden
    • Alnothur 16.03.2017 14:02
      Highlight z.B., und das kam Ende Republik recht häufig vor, wurden immer weniger traditionelle Ehen geschlossen, weil dadurch die Frau zum "Eigentum" des Ehemanns wurde (wie überdies jeder Römer "Eigentum" des Pater Familiares war). Auch kam zumindest in der Mittel- und Oberklasse auf, da man rechtlich seine eigenen Kinder nicht aus diesem "Eigentum" entlassen konnte, die Frau symbolisch an jemanden zu "verkaufen", der sie dann umgehend "freiliess" - damit war sie den Männern rechtlich komplett gleichgestellt.
      Um mal die bekanntesten Dinge zu nennen.
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  • Mehmed 15.03.2017 20:36
    Highlight hochgeschlafen?
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  • Luca Brasi 15.03.2017 20:35
    Highlight Ach ja, das Oströmische Reich. Ich vermisse es dieser Tage. Ich fände es auch nicht so schlimm, wenn der Männerverschleiss keine Fantasie wäre. Immerhin besser als sexuell verklemmte Mädels.

    PS: Ist die eine Karte ohne Quellenangabe etwa Wikipedia? ;)
    Und Sie als alte Lateinerin schreiben Corpus Iuris Civilis mit J, Frau Rothenfluh?Sie sind ja ein weiblicher Indiana Jones: :D
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    • Anna Rothenfluh 15.03.2017 22:54
      Highlight Haha. Ja!
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  • Sheez Gagoo 15.03.2017 20:31
    Highlight Hihi. Kaiserin Mösenfresse.
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  • Sapere Aude 15.03.2017 20:21
    Highlight Offenbar gab es damals schon Fakenews :D gelungener Text Anna.
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