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Vom Osterhasen zum Cupfinal

10 Fragen zu Ostern – kennen Sie die Antworten?

Kreuzigung Christi (Ausschnitt), Holzstich von Gustave Doré. Bild: Shutterstock

Was hat das wichtigste Fest der Christenheit mit gefärbten Eiern und Hasen aus Schokolade zu tun?



Auf welchen Tag fällt Ostern?

Dieses Jahr fällt der Ostersonntag auf den 20. April. Das ist ziemlich spät; der letztmögliche Termin ist nämlich der 25. April. Letztes Jahr kam der Osterhase dagegen schon am 31. März, 2008 sogar extrem früh: am 23. März. Dieses kalendarische Hin und Her hat seinen Grund darin, dass Ostern ein sogenanntes bewegliches Fest ist, das heisst, es fällt nicht jedes Jahr auf dasselbe Datum wie zum Beispiel Weihnachten

Warum ist das so? Kreuzigung und Auferstehung Jesu, so überliefert es die Bibel, ereigneten sich während des jüdischen Pessach-Fests. Die junge christliche Kirche koppelte daher Ostern terminlich an Pessach. Da der jüdische Kalender den Frühlingsbeginn anders berechnet als der christliche, fallen heute Ostern und Pessach nicht mehr unbedingt zusammen. Zudem führten die westlichen Kirchen den Gregorianischen Kalender ein, darum weicht ihr Osterdatum von jenem der Ostkirchen ab. 

Wann ist nun aber Ostern? Die Regel besagt: Es ist der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Dieser fällt frühestens auf den 21. März – zumindest für die Kirche; astronomisch kann der Frühling auch schon mal am 20. oder gar 19. März beginnen. Damit ist der 22. März das frühstmögliche Datum für den Ostersonntag. Dieses Ereignis tritt freilich selten ein: Letztmals war es 1818, das nächste Mal wird es erst wieder im Jahr 2285 sein. Insgesamt gibt es vom 22. März bis zum 25. April 35 mögliche Ostertermine; am häufigsten fällt der Ostersonntag auf den 19. April. 

Sederteller mit traditionellen Speisen zum jüdischen Pessach-Fest. Auch hier gibt es ein Ei, aber es hat eine etwas andere Symbolik.  Bild: Wikipedia/PD

Woher kommt das Wort «Ostern»?

In vielen europäischen Sprachen – die slawischen einmal ausgenommen – erinnert der Name für Ostern an das jüdische Pessach-Fest: Von Albanisch pashkët über Französisch Pâques und Niederländisch Pasen bis zu Italienisch Pasqua – immer steckt das aramäische Wort pas-cha drin. 

Nicht aber im Deutschen und Englischen: Ostern und Easter stammen vermutlich vom altgermanischen Wort Austro für «Morgenröte» (verwandt mit lat. aurora und altgriech. Eos), das zugleich für die Himmelsrichtung Osten und vielleicht auch für ein germanisches Frühlingsfest stand. 

Oft ist zu lesen, Ostern sei von einer germanischen Frühlings- oder Fruchtbarkeitsgöttin namens Ostara abgeleitet. Deren Existenz ist jedoch eher zweifelhaft. Möglicherweise stand aber auch das Altnordische austr Pate: Es bedeutet «das Begiessen» und soll sich über das Taufritual mit Ostern verbunden haben, da früher vorzugsweise am frühen Ostermorgen getauft wurde.

Das Heil kommt von Osten: Morgenröte, Altgermanisch Austro Bild: Shutterstock

Wieso gibt es den Ostermontag?

Ein wichtiges christliches Fest, das etwas auf sich hält, hat einen zweiten Feiertag. Das gilt für Weihnachten und Pfingsten, mithin erst recht für Ostern, das höchste Fest der Christenheit. Wenn man so will, sind die zweiten Feiertage dieser drei Feste aber nur der klägliche Überrest einer längeren liturgischen Festzeit, der sogenannten Oktav, die jeweils vom Hochfest bis zum folgenden Sonntag dauert. 

Theologisch steht der Ostermontag wie der Ostersonntag ganz im Zeichen der Auferstehung Jesu. Am zweiten Feiertag steht aber die Erzählung der beiden Emmaus-Jünger im Zentrum: Auf dem Weg nach Emmaus gesellte sich der auferstandene Jesus zu ihnen, den sie aber erst am Abend erkannten, als er mit ihnen das Brot brach. 

«Abendmahl in Emmaus», Gemälde von Caravaggio (1606).  Bild: Wikipedia/PD

Wann auferstand Jesus?

Am Karfreitag starb Jesus am Kreuz; von den Toten auferweckt wurde er, wie uns die Bibel lehrt, am dritten Tag. Nach heutigem Verständnis wäre das erst der Montag, nicht der Sonntag. Was stimmt hier nicht? 

Die christliche Zählweise folgt aber der damaligen jüdischen, die den Anfangstag einer Frist miteinberechnete. Zählt man den Kreuzigungstag mit, findet die Auferstehung ordnungsgemäss am Sonntag statt, der dann der dritte Tag ist. Auch die Angabe «nach drei Tagen», die im Markusevangelium vorkommt, ist eher als «innerhalb von drei Tagen» zu verstehen. 

Allerdings kündigte Jesus selbst im «Zeichen des Jona» an, dass er dereinst drei Tage im Grab ruhen werde: «Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoss der Erde sein.» Diese Ankündigung steht in der Tat im Widerspruch zu einer Auferstehung am Sonntag.  

«Die Auferstehung» (Ausschnitt) von Matthias Grünewald.  Bild: Wikipedia/PD

Was ist das Osterlachen?

Fastenzeit und Karwoche waren eine ernste Angelegenheit für Klerus und Kirchenvolk. Die Frohbotschaft der Auferstehung Christi hingegen sollte fröhlich gefeiert werden. Ab dem 14. Jahrhundert förderten die Priester den Frohsinn am Ostersonntag: Der risus paschalis, das Osterlachen, schallte durch die Kirchenschiffe. Manche Priester gackerten wie die Hühner und zauberten Eier hervor, um das Volk in den Bänken zum Lachen zu bringen. Manche erzählten sogar schlüpfrige Anekdoten oder machten Handstände auf der Kanzel.  

Die Reformation sah solches nicht gern. Martin Luther nannte es ein «närrisch lächerliches Geschwätz». Der freudlose Protestantismus und die Aufklärung trieben dem Kirchenvolk das Gelächter aus, und am Ende verstummte es auch bei den Katholiken. Einzig als artiges Schmunzeln über brave «Ostermärlein» überdauerte es noch eine Weile. 

Mag der Klerus auch heute noch lachen, der risus paschalis ist längst verstummt. Bild: PD

Was bedeutet das «Kar-» in Karfreitag?

Das Geschehen, dessen die Christen am Karfreitag gedenken, ist kein fröhliches: Jesus, ihrem Glauben nach Gottes Sohn, wurde ans Kreuz geschlagen und starb. Die Trauer darüber steckt in der Vorsilbe «Kar-», die auf ein alt­hoch­deut­sches weib­liches Sub­stan­tiv zurückgeht: chara bedeutet «Trauer», «Busse»; das Verb charen «klagen», «trauern» (vgl. engl. to care). 

Andere Sprachen umschreiben den Karfreitag – auch «Stiller» oder «Hoher Freitag» genannt – mit den Adjektiven «gut» oder «heilig»: Auf Englisch heisst der Tag Good Friday, auf Niederländisch Goede Vrijdag. In den eher vom Katholizismus geprägten romanischen Sprachen überwiegt dagegen «heilig»: Auf Französisch ist der Karfreitag der Vendredi saint, auf Italienisch der Venerdì santo

Grablegung Jesu, unbekannter Künstler. Bild: Wikipedia/PD

Wie kommen die Eier ins Spiel?

Eier gelten von alters her als Symbol für Fruchtbarkeit. In China verschenkte man schon vor rund 5000 Jahren bunt gefärbte Eier zum Frühlingsanfang. Für Christen ist das Ei ein Symbol für die Auferstehung: So wie Jesus bei der Auferstehung sein Felsengrab öffnete, schlüpft neues Leben aus der Eierschale. Das zum Teil kunstvolle Färben der Ostereier kam im 12. und 13. Jahrhundert auf. Rotgefärbte Eier symbolisierten dabei das Blut, das Jesus für die Menschen vergossen hatte. 

Die Verbindung von Ostern und Eiern hat möglicherweise eine weitere Ursache: Während der Fastenzeit war der Verzehr von Eiern verboten, so kochte man sie und bewahrte sie auf. Bis Ostern hatte sich dann eine Menge davon angesammelt. 

Wie es dazu kam, dass schliesslich ein Hase die Eier brachte, lesen Sie im nächsten Abschnitt.

Symbol der Fruchtbarkeit und der Auferstehung: Bemalte Ostereier. Bild: Shutterstock

Was hat der Hase mit Ostern zu tun?

Sogar wer in Biologie einen Fensterplatz hatte, weiss genau, dass Hasen keine Eier legen. Verschiedene Theorien versuchen, die wunderliche Verbindung der Langohren mit dem Osterfest und den gefärbten Eiern zu erklären. So sollen ungeschickte Bäcker den Osterhasen unfreiwillig geschaffen haben, weil ihre traditionellen Osterlämmer aus Teig eher wie Hasen aussahen. 

Als eierbringender Osterhase ist Meister Lampe ohnehin erst seit gut zweihundert Jahren zugange. Vorher waren andere Tiere dafür zuständig: In Sachsen, Bayern und Österreich hatte der Hahn die Eier gebracht, in Thüringen und im Elsass der Storch, in Hessen der Fuchs und in der Schweiz der Kuckuck. 

Sicher ist, dass der FeldhaseLepus europaeus, aufgrund seiner phänomenalen Reproduktionsrate schon seit eh und je als Symbol für Fruchtbarkeit herhalten musste. In der Antike war er eines der Tiere, die der Liebesgöttin Aphrodite geweiht waren. Ebendiese ihm unterstellte Lüsternheit machte ihn aber lange der Kirche verdächtig, die in ihm den heidnischen Fruchtbarkeitskult verdammte und ihn als Anstifter zur Unzucht brandmarkte. 

Phänomenale Reproduktionsrate: Feldhase. Bild:

Was passiert mit den Schoggi-Hasen?

Um es gleich zu sagen: Unverkaufte Schoggihasen werden nicht recycelt – wohl aber das Gerücht, dass sie eingeschmolzen werden und dann in der Weihnachtszeit als Schoggi-Samichläuse wieder in den Regalen stehen. «Das ist ein Märchen, das jedes Jahr aufgewärmt wird», sagt Franz Schmid, Direktor des Branchenverbands Chocosuisse. Die Schoggihasen seien aufwendig verpackt; es wäre ein logistischer Alptraum und überdies unwirtschaftlich, sie wieder einzusammeln, zu transportieren, auszupacken und einzuschmelzen. 

«Obendrein ist die Rücknahme und Wiederverwertung von Produkten, die im Laden standen, aus Gründen der Lebensmittelsicherheit nicht zulässig», erklärt Schmid. «Gleich nach Ostern setzt der Handel nicht verkaufte Hasen im Preis herunter und verkauft sie», so Schmid. «Aber auch Personalverkäufe oder die Abgabe an gemeinnützige Einrichtungen sind ein Thema.»

Einschmelzen zu aufwendig: Osterhasen aus Schokolade. Bild: KEYSTONE

Warum findet der Cupfinal am Ostermontag statt?

Am Ostermontag findet im Berner Stade de Suisse der Cupfinal statt. Erstmals seit über 40 Jahren treffen wieder der FC Basel und der FC Zürich aufeinander. Alle drei bisherigen Spiele – 1970, 1972 und 1973 – gewann der FCZ. Die letzte dieser Begegnungen fand ebenfalls an einem Ostermontag statt, die beiden anderen jedoch an einem Pfingstmontag. 

Tatsächlich war lange Zeit der Pfingstmontag das traditionelle Datum für die Austragung des Cupfinals. Doch der internationale Spielkalender von FIFA und UEFA sowie die alle zwei Jahre stattfindenden Grossanlässe WM und EM, erklärt Daniel Eder vom Schweizer Fussballverband (SFV), führten dazu, dass man das Datum flexibel handhabt. 

Von den letzten zehn Finalspielen wurden zwei am Ostermontag (2004 und 2006) ausgetragen, drei am Pfingstmontag (2005, 2007, 2013). Die restlichen fünf fanden an einem anderen Datum statt. Damit ist klar: Der Cupfinal wird nur selten am Ostermontag ausgetragen.

Cupfinal 1973: Der Basler Verteidiger Siegenthaler im Zweikampf mit dem Zürcher Stürmer Künzli (Nummer 9). Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

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    Alle Leser-Kommentare
  • Frausu 19.04.2014 17:10
    Highlight Highlight Grosses Kompliment für diesen sehr informativen, vielseitigen, schön bebilderten und interessanten Beitrag!
  • papparazzi 18.04.2014 20:17
    Highlight Highlight Super recherchiert watson. Ein präziser und tiefgründiger Bericht über die Wurzeln und die Bedeutung des Auferstehungsfestes. Danke ut (dp)

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