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Krebszellen

Krebszellen: Mit dem Alter steigt das Tumorrisiko. Bild: Shutterstock

Handystrahlen, Deos, Zucker

Sieben Wahrheiten über Krebs

Ist Krebs eine Krankheit der Moderne? Lassen Deos und Handystrahlen Tumoren wachsen? Einige weit verbreitete Aussagen über Krebs entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als falsch. Ein Überblick.

Nina Weber / Spiegel Online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Mehr als 470'000 Menschen erkranken in Deutschland pro Jahr an Krebs, neben Darm- und Lungenkrebs sind Tumoren in der Prostata oder der Brust die häufigsten Diagnosen. An den Folgen einer Krebserkrankung sterben laut Robert-Koch-Institut mehr als 217'000 Menschen. Entsprechend viel wird über die Krankheit berichtet und gesprochen – doch nicht alles, was man darüber hört, stimmt. Wir haben sieben Aussagen über Krebs überprüft. 

Krebs in der Schweiz

In der Schweiz sterben jedes Jahr durchschnittlich rund 8900 Männer und 7200 Frauen. Das entspricht 30% aller Todesfälle bei den Männern und 23% bei den Frauen. Bei Männern von 45 bis 84 Jahren und bei Frauen zwischen 45 und 64 ist Krebs die häufigste Todesursache.

Bundesamt für Gesundheit (BAG), Bundesamt für Statistik (Bfs)

1. Ist Krebs eine Krankheit der Moderne?

Was daran stimmt: 

Einer der grössten Risikofaktoren für Krebs ist das Alter. In einer insgesamt älter werdenden Bevölkerung gibt es deshalb auch mehr Krebsfälle. Zudem erhöht eine – heute mögliche – ungesunde Lebensweise mit zu wenig Bewegung, Übergewicht, übermässigem Alkoholkonsum und Rauchen das Krebsrisiko. 

Was daran nicht stimmt: 

Krebs ist keine Krankheit des modernen Menschen. Verschiedene archäologische Funde belegen, dass Menschen auch schon vor mehreren tausend Jahren an Krebs erkrankten. Spuren von Knochenkrebs entdeckten Forscher unter anderem an einem rund 120'000 Jahre alten Fossilfund – auch unter den Neandertalern gab es demnach Krebskranke. 

Zucker Löffel

Ein Löffel mit Zucker: Treibstoff für Tumorzellen? Bild: Shutterstock

2. Lassen sich Tumoren durch Zuckerverzicht aushungern?

Was daran stimmt: 

Es gibt die schon alte Beobachtung, dass der Stoffwechsel vieler Krebszellen eingeschränkt ist. Deshalb benötigen sie in erster Linie Glukose (Traubenzucker), um zu überleben. Dies ist bekannt als Warburg-Hypothese. Andere Zellen können dagegen problemlos Fette und sogenannte Ketone verstoffwechseln. Die Grundidee, dass sich zumindest manche Krebszellen aushungern lassen, ohne den Rest der Zellen auch zu beeinträchtigen, ist plausibel. Einige Zell- und Tierversuche zeigen, dass eine sehr kohlenhydratarme Ernährung, eine sogenannte ketogene Diät, das Tumorwachstum reduzieren kann – aber auch, dass sich die Krebszellen anpassen können. 

Was daran nicht stimmt: 

Bisher gab es zu dem Thema nur kleine Studien mit Krebspatienten. Zur Frage, ob die Diät das Krebswachstum bremst oder nicht, zeigte sich dabei kein klarer Trend. Allerdings kam unter anderem eine Pilotstudie mit 16 schwerkranken Patienten zum Schluss, dass die stark einschränkende Diät viele Betroffene belastet. Von 16 Patienten schlossen nur fünf die Studie ab. Zwei starben vor Studienende, die anderen beendeten die Diät aus verschiedenen Gründen. Krebskranke magern, gerade wenn sie eine Chemotherapie machen, wegen der damit einhergehenden Appetitlosigkeit oder Übelkeit oft stark ab – ihre Ernährung weiter einzuschränken, ist also nicht unbedingt gut. In einer Übersichtsarbeit zu sogenannten Krebsdiäten nennt ein Forscherteam neben dem Gewichtsverlust auch Mangelerscheinungen, Schwindel, Verstopfung, Dehydrierung und Unterzuckerung als mögliche Nebenwirkungen.

3. Steigt mit der Körpergrösse das Krebsrisiko?

Das ist richtig:

Viele grosse Studien (unter anderem diese) belegen den Zusammenhang für diverse Krebsarten. Experten diskutieren dafür verschiedene Gründe: Es ist beispielsweise denkbar, dass Umweltfaktoren, die das Wachstum in Kindheit und Jugend ankurbeln, auch die spätere Krebsentstehung fördern. Ebenso ist es möglich, dass es genetische Voraussetzungen gibt, die beides gleichermassen begünstigen: Wachstum und eine leicht erhöhte Krebsanfälligkeit.

4. Verursachen Deos mit Aluminiumsalzen Brustkrebs?

Was daran stimmt: 

Aluminiumverbindungen können schädlich sein. In hohen Dosen sind sie giftig fürs menschliche Nervensystem, berichtet das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Im Tierversuch seien zudem schädliche Effekte auf die Embryonen nachgewiesen worden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat definiert, welche Aufnahmemenge von Aluminium über die Nahrung tolerierbar ist, der Wert liegt bei einem Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht pro Woche. Das BfR vermutet, dass bei einem Teil der Bevölkerung diese Menge tatsächlich schon über die Ernährung voll ausgeschöpft wird. Wer zusätzlich Deos mit Aluminiumsalzen oder andere Kosmetika mit Aluminiumverbindungen benutzt, könne die tolerierbare Menge dauerhaft überschreiten, sodass sich Aluminium im Körper anreichere, heisst es. Das BfR merkt an, dass man auf Deos ohne Aluminiumsalze ausweichen könne. Und es empfiehlt, aluminiumhaltige Antitranspirantien nicht unmittelbar nach der Rasur beziehungsweise bei geschädigter Achselhaut zu verwenden, um die vom Körper aufgenommene Aluminiumdosis zu senken. 

Was daran nicht stimmt: 

Dass Deos mit Aluminiumsalzen Brustkrebs verursachen, ist überhaupt nicht erwiesen, sondern lediglich eine Vermutung. Sie beruht vor allem auf Befunden, laut denen die Aluminiumkonzentration in Tumorgewebe erhöht sein soll. Andere Studien konnten diese Aluminiumanreicherung jedoch nicht bestätigen, heisst es beim BfR. Zudem könnten die erhöhten Konzentrationen auch eine Begleiterscheinung des Krebses sein und nicht der Auslöser. 

Weissr Hai

Weisser Hai: Haie können an Krebs erkranken. Bild: Shutterstock

5. Bekommen Haie keinen Krebs?

Nein, das ist vollkommen falsch:

Nach heutigem Wissen bekommen Haie zwar selten Krebs, ganz davor gefeit sind sie aber ebenso wenig wie Hund, Katze oder Maus. Sogar Pflanzen können Tumoren entwickeln. Allerdings kommt dies selten vor und ist für die Pflanze deutlich weniger gefährlich als für Mensch oder Tier

Extrakte aus Haiknorpel gelten in der Alternativmedizin als wirksam gegen Tumoren – dieses Denken beruht unter anderem auf dem Trugschluss, dass die Fische immun gegen Krebs seien. Dass Haiknorpel die Überlebenschancen von Krebspatienten nicht verbessert, zeigte unter anderem eine Studie von 2005.

6. Verursacht die Strahlung von Handys Krebs? 

Was daran stimmt: 

2011 stufte die Weltgesundheitsorganisation WHO hochfrequente elektromagnetische Strahlung, wie sie von Handys, aber auch von Rundfunk und Radar ausgeht, als «möglicherweise krebserregend» ein. Insbesondere eine Studie zeigte ein erhöhtes Risiko für Gliome – eine seltene Form von Hirntumoren – bei Menschen, die sehr viel mit dem Handy telefonierten. 

Was daran nicht stimmt: 

Dass Telefonieren per Handy tatsächlich das Krebsrisiko erhöht, ist nicht erwiesen, die WHO spricht deshalb lediglich davon, dass die Strahlung «möglicherweise» krebserregend ist. Die Daten zu einem erhöhten Hirntumorrisiko von Vieltelefonierern sind höchst umstritten. Dazu kommt: Eine plausible Erklärung dafür, wie die Handystrahlung zu Krebs führt, gibt es nicht. «Bisher konnten keine entsprechenden biologischen Mechanismen gefunden werden: Laborversuche ergaben keine aussagekräftigen Hinweise auf eine Zellschädigung», schreibt etwa der Krebsinformationsdienst

A radiologist looks at x-rays of a woman's breast at the Clinic Engeried in Bern, Switzerland, pictured on December 8, 2009. Mammography is a method for early detection of breast cancer (breast carcinoma). (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Radiologe betrachtet am 8. Dezember 2009 in der Klinik Engeried in Bern Roentgenbilder einer weiblichen Brust. Die Mammografie ist eine Methode zur Frueherkennung von Brustkrebs (Mammakarzinom). (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Mammografie-Aufnahmen: Früherkennung ist nicht das gleiche wie Prävention. Bild: KEYSTONE

7. Beugt das Mammografie-Screening Brustkrebs vor?

Nein, das stimmt nicht: 

Das Screening kann nicht verhindern, dass Brustkrebs entsteht. Es ist keine Massnahme zur Prävention beziehungsweise Vorbeugung, sondern es dient der Früherkennung: Tumoren sollen entdeckt werden, wenn sie noch sehr klein und damit besser behandelbar sind.

Über Nutzen und Risiken der Reihenuntersuchung streiten Experten seit Jahren. Erst vor Kurzem forderten Forscher und Politiker im «Spiegel» eine Neubewertung des Programms und dass Frauen besser über Für und Wider der Mammografie aufgeklärt werden sollten. Zur Vorbeugung von Brustkrebs empfehlen Mediziner unter anderem: einen aktiven Lebensstil mit regelmässiger Bewegung, eine ballaststoffreiche Ernährung mit wenig Fleisch, das Vermeiden von Übergewicht, einen höchstens moderaten Alkoholkonsum. Zudem wird Müttern empfohlen, ihren Säugling zu stillen.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Verdad 13.08.2014 21:42
    Highlight Highlight Liebe Frau Weber, gerne möchte ich zu Punkt 6 Stellung nehmen. Wie es aussieht lassen Sie sich von der modernen Wissenschaft blenden, resp. verfügen Sie nicht über die notwendigen Quellen um tatsächlich die Wahrheit aufzuzeigen. Dass es keine Beweise für den direkten Zusammenhang gibt , das stimmt leider so nicht. Es existieren seit vielen Jahren zahlreiche Studien, die das beweisen. Die Swiss Re stuft den Mobilfunk in die höchste Risikostufe ein: http://files.newsnetz.ch/upload/3/0/30072.pdf . Weitere Informationen: http://www.zentrum-der-gesundheit.de/handy-krebs-gefahr-ia.html.
    • Schne 01.10.2014 20:17
      Highlight Highlight "Als Molekülschwingung wird eine periodische Bewegung von benachbarten Atomen in einem Molekül verstanden. Diese Schwingungen treten in jedem Molekül auf. Sie können über die Zufuhr von Energie angeregt werden, beispielsweise durch die Absorption von elektromagnetischer Strahlung." Wikipedia
  • Alnothur 13.08.2014 16:26
    Highlight Highlight Die Mehrzahl von Tumor ist Tumore, nicht Tumoren...

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Nur ausgewählte Lebensmittel, nur bestimmte Hersteller, alles bis aufs letzte Gramm abgewogen. Aus dem Wunsch, sich gesund zu ernähren, wurde bei Nils Binnberg ein Zwang. Er litt jahrelang an Orthorexie.

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