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Aliens oder Scherzkekse? Der Glaubenskrieg um die Kornkreise

Sie faszinieren Esoteriker und verärgern Bauern: Kornkreise. Die mysteriösen Kunstwerke im Korn entstehen über Nacht und sind Anlass für einen Glaubenskrieg. 



Mitte Sommer ist Hochsaison für Kornkreise. Die Website grenzwissenschaft.de meldet allein für die zweite Junihälfte über ein Dutzend Kornkreise aus verschiedenen europäischen Ländern. Die Kornkreis-Saison beginnt im Mai und dauert bis August, doch Mitte Juli ist das Korn so reif, dass sich die Kreise am besten anlegen lassen. 

Magische Kraftorte ...

Freilich dürfte für manche Kornkreis-Interessierte bereits in der Formulierung «Kreise anlegen» eine unzulässige Interpretation des Phänomens liegen, da sie eine menschliche Urheberschaft impliziert. «Cerealogen», Kornkreis-Gläubige, gehen nämlich davon aus, dass zumindest die komplexeren Gebilde – sogenannte «echte» Kornkreise – nicht von Menschenhand geschaffen wurden. Manche sehen darin magische Kraftorte oder Botschaften von unbekannten, nicht-menschlichen Mächten, zum Beispiel Aliens. 

Neben UFOs werden auch magnetische Anomalien als Ursache ins Feld geführt. Ionisierte Flüssigkeiten im Getreide würden angeblich durch magnetische Kräfte beeinflusst. Dies ist wissenschaftlich indes ebenso wenig nachgewiesen wie die Annahme, es handle sich bei den Kreisen um eine Folge von bisher unbekannten gentechnisch veränderten Getreidesorten.

Cerealogen führen überdies an, dass es beim Getreide in den Kreisen zu Wachstumsveränderungen wie verdickten Nodien komme. Auch der Umstand, dass die Halme in der Regel nicht gebrochen, sondern nur gebogen werden, gilt als Hinweis auf eine nicht-menschliche Urheberschaft. Alle diese Veränderungen treten indes auch in Windbrüchen oder Traktorspuren auf, also dort, wo Getreide plattgelegt wurde. 

... oder Menschenwerk?

Skeptiker dagegen gehen davon aus, dass die geometrischen Formen in den Kornfeldern allesamt menschlichen Ursprungs sind. Sie berufen sich darauf, dass viele Kreise nachweislich von Menschen angelegt wurden, und nehmen an, dass dies auch bei jenen Kreisen der Fall ist, deren Herkunft unbekannt ist. 

Die Zweifler erhielten mächtig Auftrieb, als 1991 zwei britische Rentner ihr medienwirksames Coming-out hatten: Doug Bower und Dave Chorley bekannten sich in der Zeitung «Today» dazu, sie hätten seit 1978 ständig solche Kornkreise fabriziert und sich an der Aufregung ergötzt, die diese in der Öffentlichkeit und den Medien erzeugten. Inspiriert worden seien sie von Berichten über ein sogenanntes Nest, das ein UFO in ein Feld in Australien gewirbelt habe. 

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«Wie wir die Kreise machten und die Welt veräppelten»: Bower und Chorley 1991 im «Today»-Artikel.  Bild: ripsonar.wordpress.com

Mit Brettern und Seilen

Bower und Chorley, die ihren Plan an einem bierseligen Abend im Pub ausgeheckt hatten, bedienten sich für ihren planmässig angerichteten Flurschaden jeweils einfachster Werkzeuge: Mit Brettern und Seilen legten sie in Windeseile Kornkreise an. Auch für «Today» schufen «Doug 'n Dave» einen Kreis – den die Zeitung dann von einem nichtsahnenden Kornkreisforscher begutachten liess. Sein Verdikt: «Kein Mensch wäre in der Lage, so etwas zu erschaffen.»

Allerdings war klar, dass das britische Duo nicht für alle im Vereinigten Königreich angelegten Kornkreise verantwortlich sein konnte, und schon gar nicht für jene ausserhalb Britanniens. Überdies gab es nicht erst seit 1978 Kornkreise: Die älteste schriftliche Aufzeichnung über einen Kornkreis stammt aus dem Jahr 1590. Er wurde in einem Hexenprozess im französischen Assenencour als Beweisstück erwähnt. Im 17. Jahrhundert gab es Berichte über Kornkreise in Grossbritannien. In all diesen Fällen ist aber nichts Genaueres über deren Form bekannt. 

Immer grösser und komplexer

Zu einem Medienphänomen wurden die Gebilde freilich erst in den 80er Jahren in Grossbritannien. Seither sind die Gebilde immer grösser und komplexer geworden – falls es tatsächlich Ausserirdische sind, die uns per Kornkreis Botschaften zukommen lassen, so geben sie sich offenbar immer mehr Mühe damit. 

Was für Schaulustige eine Augenweide, für Wissenschaftler eine Herausforderung und für Esoteriker ein extraterrestrisches oder sonstwie paranormales Phänomen ist, ist für den Eigentümer des Kornfelds oft nur eines: ein Ärgernis, das auch finanzielle Konsequenzen hat. Aus diesem Grund verlangen Bauern, die den Flurschaden haben, oft Eintrittsgeld von Schaulustigen und Kornkreisforschern. Mit etwas merkantilem Geschick lässt sich dann aus einem schönen Kornkreis sogar Kapital schlagen. 

Kornkreise waren gestern – Jetzt gibt es Kunst im Reisfeld

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