Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Mehrere 100 germanische Krieger starben vor rund 2000 Jahren in Jütland.  Bild: Ejvind Hertz, Skanderborg Museum

Schädel und gepfählte Beckenknochen – makabere Zeugen eines germanischen Gemetzels

24.05.18, 21:35 25.05.18, 10:51


Schädel und andere Knochen, Speere, Äxte und Messer: Diese Überbleibsel zeugen von einem Massaker, das sich vor rund 2000 Jahren auf der dänischen Halbinsel Jütland ereignete. Zwischen 2 v. Chr. und 54 n. Chr. – diesen Zeitraum konnten die Archäologen mithilfe der Radiokarbonmethode eingrenzen – fand hier eine Schlacht statt. 

Heute befindet sich dort in einem Sumpfgebiet die Ausgrabungsstätte Alken Enge, die bereits in den 50er Jahren erforscht wurde. Die Archäologen interpretierten die Waffen- und Knochenfunde zuerst als Hinweis auf einen rituellen Opferplatz. Doch neuere Ausgrabungsergebnisse, die nun in der Fachzeitschrift PNAS präsentiert wurden, weisen auf einen blutigen Kampf hin. 

Germanen-Gemetzel in Jütland

Die Archäologen unter der Leitung von Mads Kähler Holst und Mette Lövschal von der Universität Aarhus legten bisher die Überreste von rund 80 Männern im Alter zwischen etwa 13 und 60 Jahren frei, die allesamt einen gewaltsamen Tod starben. Die Mehrzahl von ihnen war zwischen 20 und 40 Jahren alt.

«Die Knochen sind äusserst gut erhalten», sagte Lövschal, die vermutet, dass insgesamt die Überreste von mindestens 380 Männern auf dem Gelände liegen. Viele der Funde deuten darauf hin, dass den Kriegern noch nach ihrem Tod Verletzungen  zugefügt wurden. So weisen viele Knochen Schnittspuren auf, die zeigen, dass Gelenke gezielt durchschnitten wurden. 

Besonders auffällig sind vier Beckenknochen, die auf einem Pfahl steckten. Gemäss Lövschal könnte dies auf eine «sexuelle Erniedrigung» hindeuten. Die Knochen wurden auf diese Weise arrangiert, nachdem die Leichen bereits skelettiert waren. Offenbar wurden die Toten mindestens ein halbes bis ein ganzes Jahr liegen gelassen – dies zeigen auch Bissspuren von wilden Tieren an manchen Funden.

Unklar ist, wer hier kämpfte und starb. Bei den Toten handelte es sich mehrheitlich um unerfahrene Krieger, wie die Forscher aufgrund der Knochen annehmen –  es fanden sich nämlich kaum Hinweise auf verheilte Verletzungen. Die Krieger stammten wohl aus der Region und waren daher Nordgermanen. Darauf deuten die Keramik- und Waffenfunde. 

Römische Legionäre waren an der Schlacht vermutlich nicht beteiligt. Sie fand zwar in einem Zeitraum statt, in dem das Römische Reich nordostwärts expandierte. Die Römer versuchten, die Grenze vom Rhein an die Elbe vorzuschieben, erlitten aber um 9 n. Chr. eine verheerende Niederlage in der Schlacht im Teutoburger Wald. Auch danach drangen verschiedentlich noch römische Legionen in Germanien ein, wohl aber nicht bis nach Jütland. 

(dhr)

Schlachten der Weltgeschichte

Als Christen Christen schlachteten: Wie der verhängnisvolle Vierte Kreuzzug vom Ziel abkam

Warum die vergessene Schlacht am Jarmuk im Jahr 636 die Welt für immer veränderte

Schädel und gepfählte Beckenknochen – makabere Zeugen eines germanischen Gemetzels

Cannae – oder wie Hannibal Rom die blutigste Niederlage seiner Geschichte beibrachte

Dien Bien Phu – das Stalingrad der Franzosen in 5 Akten

In der Hölle von Stalingrad starb Hitlers Traum vom Endsieg

Vor 100 Jahren fand die grösste Seeschlacht aller Zeiten statt: «Irgendwas stimmt mit unseren verdammten Schiffen nicht»

100 Jahre Schlacht von Verdun: Das Grauen in Zahlen

Vor 200 Jahren verlor Napoleon seine letzte Schlacht: In diesem Quiz wirst du dein Waterloo erleben!

Spuren eines Völkermords: Cäsars Legionen schlachteten zwei Germanenstämme ab

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Warum die vergessene Schlacht am Jarmuk im Jahr 636 die Welt für immer veränderte

Nur wenige Schlachten hatten solch weitreichende Folgen – und sind heute trotzdem kaum noch bekannt.

Am kaiserlichen Hof in Konstantinopel nahm man die Sache nicht sonderlich ernst. Das islamisch-arabische Heer, das im Jahr 629 in die oströmische Provinz Palästina eingefallen war, hatte man mit vergleichsweise geringem Aufwand besiegt. Kein Vergleich zu den Schlachten, die Kaiser Herakleios eben noch gegen die persischen Sassaniden geführt hatte. 

Doch die Araber kamen wieder, und diesmal eroberten sie Damaskus in der Provinz Syrien. Jetzt musste Ostrom – das sich allmählich zum …

Artikel lesen