Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Szene aus «La vie d'Adèle». bild: Wild bunch

Du bist jung, weiblich und in deine beste Freundin verliebt? Dies erwartet dich <3

Eine kleine Ermutigung zum Coming Out Day am 11. Oktober.

11.10.16, 14:01 12.10.16, 14:11


Plötzlich weisst du es. Weisst: Du bist eine Frau, sie ist eine Frau, wir werden uns küssen. Jetzt. Ihr küsst euch. Und dann?

Ich könnte jetzt behaupten, dass diese Geschichte auch für junge Männer stimmt. Grob tut sie das sicher. Aber die Details müssten an dieser Stelle Männer liefern. Ich weiss nur, wie es ist, wenn man eine junge Frau ist und merkt: Verdammt, ich bin in eine Frau verliebt!

Zufällig ist sie deine Freundin. Zufällig seid ihr beide in einem Alter – sind 18 oder 20 oder 22 – wo noch nichts fest steht im Leben.

Alle Möglichkeiten liegen offen vor euch. Alle Träume. Und Gefahren. Ihr seid Heldinnen der Neugier.

Die Freundin anzuschauen, macht dir Freude. Ihr zuzuhören auch. Ihr Haar glänzt, die Haut ist schön, ihr versteht euch blind, ihr steht den ganzen Tag über im Austausch, in Gedanken, kurzen und längeren Botschaften. Ihr wart schon mal in den Ferien zusammen, die Fotos von ihr sind dein liebster Besitz. Ihr reden über «es». Über die Möglichkeit der Liebe zwischen Frauen.

«But I'm a Cheerleader». bild: cheerleader LLC

Zunächst bleibt die Möglichkeit bloss theoretisch. Denn es ist nicht so, dass ihr Männer nicht mögt. Ihr seid nur etwas müde, die Differenz der Lebenswelten von Männern und Frauen bedeutet logischerweise Beziehungsarbeit. Zwischen Frauen, habt ihr gelesen, drohe dafür die Symbiose, die Verschmelzung, die Aufhebung von zwei Menschen in einer breiigen Langeweile.

Ihr seid beide nicht als Lesben zur Welt gekommen, ihr seid einfach mitgegangen im Strom der Mehrheit, der da hiess: Mädchen + Jungs + Musik + Parties + Alkohol + Medien + Literatur = Pärchenbildung. 

Mit dem Reden über die Theorie wächst die Neugier ins Unendliche. Jedes Wort ist ein weiteres Vortasten, ist Annäherung. Und dann passiert's. Und ist – in diesem fiktiven Fall – nur grossartig. Es ist ganz anders als mit einem Mann. Fühlt sich feiner an, vertrauter, Ich ist die Andere, Ich ist doppelt, ein Traum, ein Trip, etwas psychedelisch, paradiesisch. So schön, dass es fast nicht zu glauben ist. Das zweite erste Mal. 

«La belle saison». bild: france 3 cinéma

Doch dann kommt die Ernüchterung in Form der Welt. Der Mann, der euch auf der Strasse nachrennt und ruft: «Ich hab noch nie Lesben in der Öffentlichkeit gesehen!» Die Eltern, die euch gemacht haben, weil sie noch nie etwas anderes als eine Familie sein wollten und jetzt ihren Traum von Gesellschaftsfähigkeit und Enkeln akut bedroht sehen. Denen ihr weh tut mit eurer Wahl, ganz egal, was sie behaupten, ganz egal, was die aufgeklärte westliche Welt und ihre Vorzeige-Lesben-Promi-Paare und lesbischen Stadtpräsidentinnen gerade behaupten. Und jetzt?

Jetzt spürt ihr, wie sehr eure Neugier eure alte Welt aus den Angeln zu heben vermag. Wie nichts mehr seine Ordnung hat, ein Freefall-Tower der überwältigenden Gefühle. Ihr seid nun sehr verletzlich. Ihr schaut euch im Internet Länder an, die ihr mit eurer Freundin nicht als Paar besuchen könnt. Unsere Gesetzeslage erscheint euch unfair und lückenhaft.

Gewiss hat auch der Papst wieder was Mitteldummes gesagt. Und wieso sehen Männer eigentlich so gerne Lesbenpornos?

Ihr fühlt euch jetzt als Minderheit. Neben dem persönlichen Glück schleicht sich der Gedanke der Diskriminiertheit ein. Er ist scheisse.

«Cruel Intentions». bild: columbia pictures corporation

Entweder entscheidet ihr euch jetzt, das Ganze als Experiment zu nehmen und abzubrechen. Oder ganz locker erstmal beides weiterzuleben – die Sache mit den Frauen UND den Männern –, und abzuwarten, bei welchem Menschen es euch am besten gefällt.

Oder ihr spürt, dass sich nichts richtiger anfühlt als das Neue. Dann braucht ihr jetzt Kraft und Geduld. Nicht mit euren Freunden. Sie sind euch eh freundlich gesinnt. Auch nicht mit euren Arbeitgebern. Vielleicht freuen sie sich sogar, weil sie sich einbilden, dass ihr mal keine Mutterschaftsurlaube und Kinderzulagen braucht.

Gebt euern Eltern Zeit. Erschreckt sie nicht. Fordert nicht sofort alles Verständnis der Welt. Es wird schon kommen. Menschen nehmen Veränderungen nun mal zuerst als Bedrohung wahr, und ihr seid eine Veränderung. Tragt Sorge zu euch und eurer Liebsten. Und wenn euch der Minderheiten-Gedanke mal zu sehr plagen sollte: Seid stolz darauf, ihr seid jetzt sowas wie eine subversive Kraft. Macht was draus!

Frauen-Porträts aus aller Welt – weil Vielfalt wahre Schönheit ist

Das könnte dich auch noch interessieren:

Papa ist super. Und Papa auch.

Die zehn genialsten Gay-Kampagnen – auf Platz 10 ist auch die Schweiz vertreten

Diese beiden hübschen Zwillinge sind schwul. Und das eröffnen sie jetzt ihrem Vater. Es ist herzzerreissend

Nach 72 gemeinsamen Jahren gibt sich dieses lesbische Paar endlich das Jawort

Pech im Spiel, Glück in der Liebe: Brasilianische Rugby-Spielerin erhält von Freundin Heiratsantrag

15 Gründe, warum du als schwuler Mann besser dran bist (Gründe 8 und 10 interessieren auch die Frauen)

Wie süss ist das denn! Wien bringt sich mit homosexuellen Ampeln in ESC-Stimmung

Adoption? Leihmutterschaft? Der lange Weg von Ron und Micha zu ihrem Väterglück

Achtung! Lesben verdienen 33 Prozent mehr als andere Frauen

Schwul ist schick, äh, Schick ist schwul

Diese acht (schwulen) Schauspieler machen in der Traumfabrik auf Hetero

Islam und Homosexualität: «Ich küsste ihn unaufhörlich auf seinen schneeweissen Mund»

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

28
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wehrli 17.10.2016 09:40
    Highlight Herzschmerz chüngelibumm. Jahr 2016, Züriunterstadt(downtown). Lesbische Pärchen? Etwa so neu und spannend wie Quinoasalat. Und dann der saublöde Spruch: "der Arbeitgeber freut sich insgeheim ..." So ein journi-sozi-superkack. Ich hab 22 Angestellte und so ein Scheiss motoviert mich alles hinzuschmeissen, dann sind all 22 auf der Strasse. Aber halt eben typisch sozis: für alle gleich viel Nichts. Hasta siempre la victoria ... Haha
    5 8 Melden
  • Paris 13.10.2016 08:31
    Highlight Schöner Text, einzig stört mich die Aussage: "Ihr seid beide nicht als Lesben zur Welt gekommen..."
    Doch, die Sexualität ist "angeboren", man kann sich nicht aktiv entscheiden, lesbisch, schwul, hetero usw. zu sein. Es ist keine freie Entscheidung, es ist wie es ist und entweder man lebt es aus oder versteckt sich, aber ändern kann man es nicht.
    10 7 Melden
  • Failai 12.10.2016 15:31
    Highlight danke für diesen Artikel!
    4 1 Melden
  • pamayer 12.10.2016 00:18
    Highlight einfach wunderschöner artikel.



    danke.
    23 7 Melden
  • Pikachu 11.10.2016 19:54
    Highlight Danke, liebe Simone, für diesen wundervollen Text. Ich bin mir sicher, er spricht vielen aus der Seele.
    37 10 Melden
  • Menel 11.10.2016 19:20
    Highlight Ich wünsche all meinen Kindern, dass sie Menschen in ihrem Leben finden, die sie lieben, mit denen sie glücklich sind und bei denen sie sich sicher fühlen und fallen lassen können. Alles andere ist mir egal. Meine Kinder müssen für mich nichts erfüllen. Ihr Leben gehört ihnen. Ich habe sie ja auch nicht gefragt, ob sie das überhaupt möchten. Wer bin ich dann, ihnen vorschreiben zu wollen, wie sie ihr Leben dann gestalten sollen?
    98 3 Melden
    • Ms. Song 12.10.2016 11:50
      Highlight Ein Herz für Menel <3
      14 1 Melden
  • Adualia 11.10.2016 18:29
    Highlight Hm, mit meiner bisexualität offen umzugehen nacht mir eig kein problem, aber trans zu sein, das ist in der schweiz auf dem land so ziemlich das schlimmste. Weiss jemand ob man zumindest in zürich akzeptiert wird?
    46 16 Melden
    • Schreiberling 11.10.2016 21:06
      Highlight Versteh nicht, wieso du da jetzt Blitze bekommst, ist keine blöde Frage. Da die Stadt anonymer ist, würde man sicher unbehelligter durchs Leben kommen. Ob die allgemeine Akzeptanz auch höher ist, kann ich dir nicht sagen.
      21 5 Melden
    • QueenDOJOJOD 11.10.2016 23:58
      Highlight Hallo Adualina,

      Ich bin selber Trans* und ,uss sagen, dass es ja nicht dein Problem ist, lebe selbst in einem konservativen 600 seelen Dorf... Und mir ist es egal was sie sagen... Sei ein Einhorn, ausser dunkannst dich selbst sein, dann sei dich selbst :)
      Und bei Fragen steht jederzeit der Checkpoint in zürich frage und antwort.

      Lg
      17 6 Melden
    • Adualia 12.10.2016 23:15
      Highlight Danke euch beiden :)
      0 0 Melden
  • Mulder 11.10.2016 18:17
    Highlight Wichtiges Thema, keine Frage. Der Artikel ist zwar gut gemeint, hat für meinen Geschmack aber zuviele "Gschpürsch-mi-Argumentationen ". Ich bin ein gebranntes Kind-aber schön wenn andere das mögen
    29 23 Melden
  • Stromer5 11.10.2016 15:54
    Highlight Schöner Artikel..

    Schade, kenne ich niemand der Homosexuell ist. Würde gerne jemanden in meinem Freundeskreis haben, der schwul oder lesbisch ist...
    19 75 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 11.10.2016 16:08
      Highlight Hast du ganz bestimmt! (;
      108 5 Melden
    • Stromer5 11.10.2016 16:43
      Highlight Naja, einfach weil ich eine neugieriege und offene Person bin. Ohne bestimmten Hintergrund.
      Habe noch nie bewusst mit einer homosexuellen Person gesprochen.
      Ich denke auf dem Land (wo ich wohne) ist es immer noch ein Tabuthema...
      47 7 Melden
    • Chrigu91 11.10.2016 18:46
      Highlight Wir können uns gerne kennenlernen ;)
      24 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • NewYork09 11.10.2016 15:09
    Highlight Wunderbar geschrieben. Genau so ist es. Das einzige, das ich noch anmerken möchte, auch mit 30, 40, 50 ist es nicht wirklich anders😉.
    80 12 Melden
  • pun 11.10.2016 15:02
    Highlight "Seid stolz darauf, ihr seid jetzt sowas wie eine subversive Kraft. Macht was draus!"

    Ein Tipp, der genau so an alle jungen Menschen raus geht! <3
    71 11 Melden
  • steSch 11.10.2016 14:58
    Highlight Wenn ich das so lese, dann ist da unendlich viel Liebe. Vielen Dank für den Artikel!
    89 8 Melden
  • Hydra Westghost 11.10.2016 14:54
    Highlight Sehr schöner Beitrag!
    41 7 Melden
  • Ohniznachtisbett 11.10.2016 14:28
    Highlight Das beschriebene ist doch nichts anderes als der Beginn einer jeden Beziehung. Ob schwul, lesbisch oder hetero. Wenn ich eine Neue Freundin habe, hat man, warum auch immer, auch schwitzige Hände wenn man sie dem Mami das erste mal vorstellt. Oder zum ersten mal bei den besten Freunden. Hoffentlich mögen sie alle etc. und mit 20 war das noch extremer. Ich bin mit Homosexuellen Päärchen befreundet, das ist so normal wie wenn mein Bruder mit Freundin. Ich glaube viele machen sich da einfach zu viele Gedanken... Liebt und lasst die anderen Denken was sie wollen...
    70 7 Melden
  • Scaros_2 11.10.2016 14:15
    Highlight Ich glaub wenn meine Tochter eine Lesbe ist oder mein Sohn schwul wäre - es wäre genau so ok wie eine beziehung haben. Ich bin fern ab von der ideologie das meine Gene weiter gehen müssen oder dergleichen. Wichtig ist, dass das Kind glücklich ist.
    90 5 Melden
    • béast 11.10.2016 14:46
      Highlight «Ich glaub wenn meine Tochter eine Lesbe ist oder mein Sohn schwul wäre - es wäre genau so ok wie eine beziehung haben....»

      interessant wäre jetzt zu erfahren, was genau du unter 'beziehung haben' verstehst und so, du weisst schon...
      26 6 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 11.10.2016 14:55
      Highlight Ha ha wahrscheinlich hätte da stehen sollen "eine normale Beziehung haben..." :) Was ist denn normal? Sind gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht normal? Da solltest du nochmals mit deinem Bauch reden. Im Kopf hast das Thema verstanden. Nun müsste auch noch dein Bauch...
      18 8 Melden
    • Scaros_2 11.10.2016 15:10
      Highlight da fehlt ein Wort vor Beziehung - Man weiss aber ja was man meint.

      @Wurst

      Was du wo und wie siehst ist eigentlich unerheblich. Ich sehe meinem Vater der damals in meinem Alter war auch 1:1 ähnliche, so sind Gene. Aber ich verspüre keinen Drang einem Kind zu sagen. Besort dir was vom andern Geschlchte, kriege Kinder und mach meine Gene stolz weil sowohl dein opa und dein urgrossvater etc. pipapo schon gestandene Persönlichkeiten waren. Tut mir ja leid das ich nicht auf deiner Gefühlsebene bin - ganz ehrlich ich denke über so was nicht nach. Mein Kind ist ein individum und mag jemanden ähneln
      14 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen

Lieber Röbi Rapp, leb wohl! Als Queer-Pionier bleibst du unsterblich. Merci!

Röbi Rapp und Ernst Ostertag lebten 62 Jahre lang die vielleicht grösste Liebesgeschichte der Schweiz. Ein Nachruf.

Es gibt Menschen, denen verdanken viele andere unendlich viel. So viel, dass es gerade schwer fällt, diesen Nachruf zu schreiben. Trauer ist eine besonders gründliche Form der Überwältigung.

Röbi Rapp war einer dieser Verdienstvollen. Der zarte Coiffeur aus Zürich, der sich in Jahren, als dies gefährlich war, auf der Bühne zur Frau verwandelt und singt, dass alle betört sind. Der 1956, im Alter von 26 Jahren, einen schönen Lehrer namens Ernst kennenlernt. 2003 lassen sie sich als erstes …

Artikel lesen