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REFILE - CAPTION CLARIFICATION - Steam and smoke rise over a 1-km-long fissure in a lava field north of the Vatnajokull glacier, which covers part of Bardarbunga volcano system, August 29, 2014. The eruption is at the tip of a magma dyke around 40 km from the main Bardarbunga crater and activity subsided to relatively low levels after peaking between 0020 and 0200 GMT, Iceland Met Office seismologist Martin Hensch said. Iceland's Meteorological Office on Friday downgraded its volcano alert level to orange from red and said a small eruption that started during the night is not a threat to aviation.  REUTERS/Marco Nescher  (ICELAND - Tags: ENVIRONMENT TPX IMAGES OF THE DAY)

Nach mehreren Erdbeben haben Forscher in der Nacht zum Freitag einen kleinen Ausbruch des isländischen Vulkans Bárdabunga registriert. Bild: X80002

Was passiert mit dem Magma?

Vulkanausbruch auf Island: Der Dampf macht Hoffnung

Der Vulkan dampft, Lava schmilzt den Gletscher, 30 Milliarden Liter Schmelzwasser lassen Seen anschwellen: Am isländischen Bárdabunga mehren sich die Zeichen für einen grossen Ausbruch. Oder erstarrt der Magmastrom im Untergrund?

Axel Bojanowski / spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Nur eine kleine Spalteneruption also. Die abgeklärten Geoforscher des Icelandic Met Office (IMO) kann der kleine Vulkanausbruch in Island nicht beeindrucken, noch nicht.

Nüchtern formulieren sie ihren täglichen Lagebericht. Ein Flugverbot über der Region haben sie trotz der Dampfschwaden rasch wieder aufgehoben. Gefahr bestehe derzeit nicht. Grössere Eruptionen des Bárdabunga samt Aschewolke seien gleichwohl möglich, in Tagen oder Wochen.

Indes: Veränderungen der Landschaft deuten auf Umwälzungen im Untergrund.

Seit Donnerstagnacht dampft der Vulkan aus einer 600 Meter langen Spalte in seiner nördlichen Flanke, zunächst begleitet von glühenden Lavafontänen, die Dutzende Meter in den Nachthimmel im Osten Islands schossen. Niemand weiss, was nun geschehen wird, auch nicht die routinierten Experten des IMO.

Interkontinentaler Riss

Doch Fotos der Forscher vom Bárdabunga künden von der Energie im Boden. Im Gletscher auf dem Vulkan öffnen sich 15 Meter tiefe Krater. Vermutlich taut Lava den Hunderte Meter dicken Eispanzer von unten, sodass er über den heissen Flecken absackt. Das Schmelzwasser strömt offenbar in den nahen Grímsvötn-See, der Wasserspiegel stieg um zehn Meter - etwa 30 Milliarden Liter Schmelzwasser müssen hinzugekommen sein.

Der Luftraum über dem größten Vulkan des Landes wurde für ein paar Stunden geschlossen. Bild: EPA/FRETTABLADID

Unter dem Trommeln Tausender leichter Beben weitete sich der karge Boden, bis zu drei Meter breite Spalten öffneten sich. Die geologischen Wunden künden von einem interkontinentalen Riss, der Europa und Amerika immer weiter auseinanderschiebt.

Entlang eines Tausende Kilometer langen Bruches am Boden des Atlantiks, dem sogenannten Mittelozeanischen Rücken, strömt in Schüben 800 Grad heisse Lava aus dem Boden. Nur in Island gelangt der Mittelozeanische Rücken über den Meeresspiegel. Dort herrscht so intensiver Lavafluss, dass sich die Vulkane Tausende Meter über den Meeresboden erhoben haben - und Island formten.

350 Milliarden Liter Gesteinsbrei steigen auf

Lavaeruptionen drücken die amerikanische und die eurasische Erdplatte stetig auseinander. Die auf den Platten liegenden Kontinente und Meeresböden entfernen sich mit der Gemächlichkeit wachsender Fingernägel, also mit mehreren Zentimetern pro Jahr. Würde Kolumbus heute den Atlantik queren, müsste er bis Amerika zwölf Meter weiter segeln als vor 500 Jahren.

epa04360685 (FILE) A file picture dated 17 April 2010 shows smoke rising as an eruption of the volcano near Eyjafjallajoekull glacier occured, some 120 km away from Reykjavik, Iceland. According to the Icelandic Meteorological Office, Iceland finds itself on high alert over its Bardarbunga volcano. The Icelandic Meteorological Office said on 18 August 2014 that it raised its warning level for air traffic amid increased seismic activity at the volcano in the south east of the country. A 2010 eruption of a volcano under the Eyjafjallajokull glacier severely disrupted European air travel for several weeks after ash spewed into the atmosphere.  EPA/S. OLAFS

Ausbruch im Morgengrauen: Glücklicherweise erreichte das Magma erst fünf Kilometer hinter der Grenze des Gletschers die Oberfläche. Das gefährlichste Szenario wurde somit vermieden: der Kontakt des Magmas mit Eis. Bild: EPA

Der aktuelle Hitzeschub unter der geologischen Nahtzone stammt von einem etwa 40 Kilometer langen Magmastrom, der sich durch die felsige Erdkruste unter dem Vulkan Richtung Norden frisst. 350 Milliarden Liter Gesteinsbrei steigen auf, die Menge entspricht der Ölmenge, die alle Öltanker weltweit im Jahr transportieren. Ob seine Spitze bei einer grösseren Eruption durch den Boden bricht, hängt vor allem davon ab, ob weiterer Gesteinsbrei aus dem Erdmantel nachströmt und den Druck erhöht.

Die Spuren des Magmastroms an der Oberfläche wirken, als ob sich in der Erde ein Drache regen würde: Die Beben sind in den vergangenen Wochen entlang einer geraden Linie nach Norden gewandert - mythologisch Begabte erkennen das sich hebende Rückgrat des Ungeheuers. Am nördlichen Ende reckt es nun also auch sein Haupt und speit Feuer: Dort hat der Magmastrom die Oberfläche erreicht und dampft.

Erstarrt der Magmastrom?

Glücklicherweise erreichte das Magma erst fünf Kilometer hinter der Grenze des Gletschers die Oberfläche. Das gefährlichste Szenario wurde somit vermieden: der Kontakt des Magmas mit Eis. Das Wasser verdampft dabei explosiv und zerfetzt Magma, Aschewolken steigen auf.

An der Stelle des Ausbruchs gibt es keinen Gletscher - eine größere Aschewolke blieb aus. Bild: EPA/MORGUNBLADID POOL

Damit es zu einer grossen Aschewolke wie 2010 am Eyjafjallajökull kommen könnte, müsste der Magmadruck im Bárdabunga aber noch zunehmen, meinen die IMO-Forscher. Der Gletscher über dem Eyjafjallajökull ist dünner als über dem Bárdabunga, dessen Eispanzer als robustes Schutzschild wirkt. Es könnte also sein, dass Lava dort weiterhin nur Schmelztrichter im Gletscher erzeugt, den Eispanzer aber nicht durchdringen kann.

epa04373768 A handout photo provided by the media unit of the National Icelandic Police on 29 August 2014 of an infrared (IR) image of 'hot spots' (dark areas) under the surface, taken by the Icelandic Coast Guard during their surveillance flight over the Holuhraun lava field north of the Vatnajokull glacier, Iceland, on 29 August 2014. Authorities lowered an aviation alert, hours after raising it to its highest level over a small lava eruption detected. The concern focused on Bardarbunga, a subglacial volcano that has been threatening activity for more than a week in the south-east. The newest fissure eruption began after midnight (0000 GMT) in the Holuhraun lava field north of the Vatnajokull glacier, the civil defence authority said.  EPA/ICELANDIC COAST GUARD/NATIONAL ICELANDIC POLICE/HANDOUT MANDATORY CREDIT: ICELANDIC COAST GUARD HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA/NATIONAL ICELANDIC POLICE

Die isländischen Geologen blicken aber bereits sorgenvoll zum Nachbarvulkan Askja. Der vordringende Magmastrom hat mittlerweile auch den Untergrund des Askja destabilisiert, zahlreiche Beben haben den Berg erschüttert. Die Warnampel steht nun auf Gelb, was Wachsamkeit bedeutet.

Zu hoffen wäre, meint der Vulkanforscher Dave McGarvie von der Open University in Edinburgh, dass es verstärkt dampfen würde aus den Spalten im Norden des Bardabunga. Der Vulkan könnte Druck ablassen, ohne dass er gefährlich würde.

Versiege dann auch bald der Magmanachschub, könnte der 40 Kilometer lange Glutstrom im Untergrund allmählich zum Erliegen kommen. Die Gesteinsschmelze würde zu Glas erstarren - und ein grosser Ausbruch wäre abgewendet.



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