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Neuseelands erster Satellit ist eine Discokugel

Braucht die Menschheit einen spiegelnden Ball im Weltraum? Ja, sagt der Neuseeländer Peter Beck – um über unseren Platz im Universum nachzudenken.

Christoph Seidler



Ein Artikel von

Spiegel Online

In Sachen Coolness kann die Welt dieser Tage so einiges von Neuseeland lernen. Da ist zum Beispiel die Premierministerin. Jacinda Ardern ist mit 37 nicht nur die jüngste Regierungschefin der ganzen Welt. Am vergangenen Freitag trat sie ausserdem noch mit ihrem Lebensgefährten, dem TV-Moderator Clarke Gayford, vor die Presse - um ihre Schwangerschaft zu verkünden.

Damit wäre Ardern die zweite Regierungschefin überhaupt, die im Amt ein Kind bekommt. Sechs Wochen Mutterschaftsurlaub nach der für Juni erwarteten Geburt, dann soll's wieder ins Büro gehen. «Ich bin nicht die erste Frau, die arbeitet und ein Baby hat», so die selbstbewusste Ansage der Labour-Politikerin.

Zwei Tage später kam dann der grosse Auftritt für Peter Beck. Der Luftfahrtingenieur ist Chef der Firma Rocket Lab und betreibt in dieser Funktion einen Weltraumbahnhof auf der Mahia-Halbinsel an der Ostküste der Nordinsel. Einen – nicht komplett erfolgreichen – Startversuch hat es bereits gegeben. Nun aber hat eine Rakete mit dem Namen «Still Testing» von dort aus den ersten Satelliten Neuseelands ins All gebracht.

Er heisst «Humanity Star». Und ist eine Discokugel.

Im Ernst.

In this Nov. 2017 photo provided by Rocket Lab, Rocket Lab founder and CEO Peter Beck is pictured with his

Peter Beck, Chef von Rocket Lab, mit dem «Humanity Star» Bild: AP/Rocket Lab

In einem Orbit zwischen 293 und 521 Kilometern Höhe kreist der Silberball um die Erde.

«Heute ist der Beginn einer neuen Ära beim kommerziellen Zugang ins Weltall», jubelte Beck nach dem Start. Denn innerhalb von genau acht Minuten und 31 Sekunden hatte seine 17 Meter lange Rakete ihre Fracht ins All gebracht: den kleinen «Dove Pioneer»-Erdbeobachtungssatelliten für das Unternehmen Planet, zwei «Lemur-2»-Satelliten der Firma Spire zur Wetter- und Schiffsbeobachtung.

Und, wie Rocket Lab erst etwas später bekannt gab, noch den «Humanity Star». Im Satellitenkatalog ist er unter der Inventarnummer 43168 verzeichnet.

Der Satellit hat die Form einer sogenannten geodätischen Kugel. 65 Dreiecke bilden die Seitenflächen. Die Konstruktion besteht aus beschichtetem Kohlefasermaterial – und dreht sich schnell. Die reflektierenden Aussenflächen sollen das Sonnenlicht möglichst effektiv zur Erde werfen.

Das Ergebnis: ein neuer, heller, blinkender Punkt am Nachthimmel.

epa05988216 A undated handout photo made available by Rocket Lab on 25 May 2017 shows the Electron rocket being transported to a launch pad prior to liftoff at the Rocket Lab Launch Complex 1 on Mahia Peninsula, North Island, New Zealand. According to media reports on, the Electron Rocket lifted off from the Rocket Lab launch site at 04:20 GMT on 25 May 2017, after experienceing several delays due to weather conditions. The rocket did not carry any cargo, yet the US-based company plans to begin commercial flights with satellited and other cargo later in the year.  EPA/ROCKET LAB / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Eine Rakete von Rocket Lab wird zur Starrampe auf der Mahia Halbinsel gebracht.  Bild: EPA/ROCKET LAB

Einen praktischen Sinn hat das nicht – aber laut Beck einen spirituellen. Er wolle die Menschen damit zum Nachdenken bringen, so der Firmengründer. Über ihren Platz im Universum und darüber, was in ihrem Leben im Speziellen und für die Menschheit im Allgemeinen wichtig sei. «Egal, wo Sie auf der Welt sind oder was in Ihrem Leben passiert, jeder wird den «Humanity Star» am Nachthimmel sehen können», sagt Beck.

Weitere Skulptur im All geplant

Der Neuseeländer ist nicht der erste, der so eine Idee hatte. Der japanische Satellit «EGP» ist seit 1986 im All und macht eigentlich auch nichts weiter als funkeln, in knapp 1500 Kilometern Höhe. Um ihn zu sehen, brauchen Beobachter jedoch normalerweise zumindest ein Fernglas.

Und der US-Künstler Trevor Paglen will mit dem «Orbital Reflector» eine Art glänzender Skulptur ins All schicken. Das Nevada Museum of Art unterstützt das Kunstwerk. Es soll, verpackt in einem schuhkartongrossen Satelliten, als sekundäre Nutzlast auf einer SpaceX-Rakete ins All fliegen – und dort zu voller Grösse aufgefaltet zu werden.

Soll, wie gesagt. Doch der «Humanity Star» ist schon da. Er dürfte etwa neun Monate im Orbit bleiben. Dann werden ihn feinste Reste der Atmosphäre so stark abgebremst haben, dass er schliesslich zurück zur Erde stürzt und verglüht. Neuer Weltraumschrott sollte also nicht entstehen.

Bis zu 50 Starts pro Jahr geplant

Auch wenn die Sache mit der Discokugel vielleicht wie ein Witz scheint: Rocket Lab meint es sehr ernst – und will in Zukunft gutes Geld verdienen. Unterstützt wird die Firma von den Wagniskapitalgebern Khosla Ventures sowie vom Technologie- und Rüstungskonzern Lockheed Martin. Sie hoffen, in Zukunft Geschäfte mit kommerziellen Satellitenstarts machen zu können.

Dabei geht es – im Gegensatz zu bekannteren Privatraumfahrern wie SpaceX oder Blue Origin – um vergleichsweise kleine Raketen für vergleichsweise kleine Satelliten. Und um einen vergleichsweise kleinen Startpreis für die Kunden.

Der offizielle Hauptsitz der Firma liegt im US-Bundesstaat Kalifornien. Doch die zum Teil im 3D-Drucker gefertigten Raketen heben in Becks dünn besiedelter Heimat am Ende der Welt ab. Und das birgt den Vorteil, dass Starts in ungekannter Häufigkeit möglich sind: Rocket Lab peilt eine Marke von 50 pro Jahr an, die Genehmigung der Behörden erlaubt nach Angaben der Firma sogar 120.

Dabei können jeweils Nutzlasten von etwa 220 Kilogramm ins All befördert werden. Für grosse Weltraumteleskope oder ähnliches reicht das nicht, für ganze Flotten billiger, kleiner Erdbeobachtungssatelliten ist es dagegen ideal. Rocket Lab ist mit seinem Geschäftsmodell nicht allein. So hat sich auch das Unternehmen Virgin Orbit ähnliches vorgenommen. Doch denen fehlt bisher noch ein Start.

Und vielleicht auch eine öffentlichkeitswirksame Discokugel.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Maranothar 27.01.2018 07:51
    Highlight Highlight "Neuer Weltraumschrott sollte also nicht entstehen."

    Der Witz war gut. Das war schon vor dem Start Schrott.
  • Homunkoloss 27.01.2018 00:58
    Highlight Highlight Ich finde die Idee cool!
    Gefällt mir besser als der Tesla
    • dmark 27.01.2018 14:09
      Highlight Highlight Ist zumindest mal was fürs Auge ;)
  • Mutzli 26.01.2018 22:14
    Highlight Highlight Vielleicht wäre hier noch gut anzumerken, dass die Astrophysiker ganz und gar nicht über diese DIscokugel erfreut sind. Lichtverschmutzung ist für sie sowieso schon ein grosses Problem und die Befürchtung steht im Raum, dass es Nachahmer motivieren könnte.

    In den Worten eines Astrobiologen: "It’s definitely a reminder of our fragile place in the universe, because it’s infesting the very thing that we urgently need to cherish.”

    https://www.theguardian.com/world/2018/jan/26/space-graffiti-astronomers-angry-over-launch-of-fake-star-into-sky
  • stony1185 26.01.2018 19:45
    Highlight Highlight Ich möchte hier anmerkend das still testing der missions name ist. Die rakete hat den namen electron und setzt unter anderem auf elektrische treibstoff pumpen anstatt gas wie "herkömmliche" raketen. Aber cool darüber zu hören fasziniert mich jedes mal wieder aufs neue:)
    • stony1185 27.01.2018 18:38
      Highlight Highlight Danke für die Aufklärung
  • Trajane 26.01.2018 19:42
    Highlight Highlight "Nützliche" Discokugeln gibts schon länger im All, schon mal von LAGEOS gehört..?

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Erich von Däniken (84) ist einer der weltweit bekanntesten Schweizer. Er hat über 75 Millionen Bücher zum Thema «Ausserirdische» verkauft. Im Interview spricht er unter anderem über den Glauben an Gott, das Leben nach dem Tod, er erzählt über seinen Werdegang vom Hoteldirektor zum Bestseller-Autor und was beim Mystery Park schief gelaufen ist.

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