Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Isaac Asimov
https://www.flickr.com/photos/roberlan/16150297746

Isaac Asimov war einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts.  Bild: Flickr

Was SciFi-Autor Isaac Asimov 1983 für das Jahr 2019 voraussagte – und was davon eintraf



Einen Blick in die nahe Zukunft werfen – wer könnte das besser als ein bekannter Science-Fiction-Schriftsteller? So oder ähnlich wird man Ende 1983 wohl auf der Redaktion der kanadischen Zeitung «The Star» gedacht haben, als man Isaac Asimov dazu einlud, seine Vision der Welt im Jahr 2019 zu schildern. 

Illustration Isaac Asimov

Asimov beschrieb vor dem «Orwell-Jahr» 1984 eine Welt im Jahr 2019.   Bild: Youtube

Anlass dazu war das damals unmittelbar bevorstehende «Orwell-Jahr» 1984. Der britische Autor George Orwell hatte seine berühmte Dystopie 1948 beendet und mit der umgedrehten Jahreszahl «1984» betitelt. Der Roman erschien 1949 – 35 Jahre vor 1984. Asimov sollte nun für «The Star» ebenfalls 35 Jahre in die Zukunft blicken. Seine Sicht auf unsere Gegenwart ist heute noch interessant – auch wenn nicht alle seine Voraussagen eintrafen, wie beispielsweise die BBC berichtet.

Drei Dinge stellt Asimov bei seiner Analyse in den Vordergrund: Atomkrieg, Computerisierung und Nutzbarmachung des Weltraums. Zur Möglichkeit eines Atomkriegs verliert er jedoch nicht viele Worte: Es sei zwar nicht auszuschliessen, dass es zu einem nuklearen Showdown zwischen den USA und der – damals noch existierenden – Sowjetunion komme, doch für diesen Fall könne man sich weitere Überlegungen zur Zukunft sparen. Diese Annahme hat sich zum Glück als tragfähig erwiesen. 

ARCHIV -- ZUM TAGESGESCHAEFT DER WINTERSESSION, AM DONNERSTAG, 29. NOVEMBER 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG -- This US Department of Energy photo obtained October 28, 2002 shows the cloud from XX-58 IVY MIKE, an experimental thermonuclear device or H-bomb, that was fired on Elugelab Island in the Enewetak atoll November 1, 1952.  The Mike device used liquid deuterium as the fusion fuel and created a fireball 3 miles wide. The

Ein Atomkrieg hätte alle anderen Voraussagen obsolet gemacht.  Bild: EPA, US DEPARTMENT OF ENERGY

Isaac Asimov

Der am 2. Januar 1920 in Russland geborene Isaac Asimov emigrierte mit seinen Eltern 1923 in die USA, wo er in New York aufwuchs. Der studierte Biochemiker wurde als Sachbuchautor, vor allem aber als produktiver und einflussreicher Science-Fiction-Schriftsteller bekannt. Insbesondere seine Robotergeschichten – er prägte den Begriff Robotik – gelten als Meilensteine der Science Fiction. Asimov formulierte die Drei Gesetze der Robotik, die verhindern sollen, dass Roboter Menschen schaden und ein eigenes Bewusstsein – mit unabsehbaren Folgen – entwickeln. 
Asimov starb am 6. April 1992 in New York. 

Wikipedia

Computerisierung

Zur Computerisierung macht Asimov ausführlichere, wenn auch einigermassen allgemeine  Prognosen. Sie werde ein schmerzhafter Vorgang sein, warnt er. Asimov vergleicht sie mit der Industrialisierung: Wie diese werde sie dazu führen, dass neue Jobs alte, überflüssig gewordene ersetzten. Diese neuen Jobs seien aber nicht identisch mit den alten, sondern verlangten spezifische Kenntnisse, die zahlreiche Menschen nicht mitbrächten.

Aus diesem Grund werde es eine Herausforderung sein, grosse Teile der Bevölkerung Computer-tauglich zu machen, damit sie den Anforderungen einer High-Tech-Welt gewachsen seien. Dies ist heute unter dem Stichwort Digitalisierung nach wie vor aktuell. 

Industrie-Roboter, Automobilproduktion

Mikroprozessorgesteuerte Industrieroboter sind schon seit den Siebzigerjahren im Einsatz. Bild: Shutterstock

Den unaufhaltsamen Vormarsch der Computer sieht Asimov erstaunlich klar. 1984 seien sie bereits unverzichtbar für die Regierungen der Industriestaaten, doch 2019 seien sie längst im Wohnzimmer angekommen. Auch «mobile computerisierte Objekte» – also Roboter – seien 2019 im Haushalt anzutreffen.

Die zunehmende Komplexität der Gesellschaft werde es unmöglich machen, ohne Computer auszukommen. «Jene Teile der Welt, die in dieser Hinsicht zurückfallen, werden so offensichtlich darunter leiden, dass ihre Regierungen so nach Computerisierung schreien werden, wie sie jetzt nach Waffen schreien.» 

Staubsauger-Roboter (Symbolbild)

Staubsauger-Roboter als Haushaltshilfe.  Bild: Shutterstock

Auch beim Thema Ausbildung sieht Asimov eine Revolution kommen, die durch den Computer ausgelöst werde: Es werde 2019 zweifellos noch Schulen geben, glaubt er, doch ein guter Lehrer könne nichts Besseres tun, als den Wissensdrang der Schüler zu wecken, den diese dann zuhause an ihrem Computer befriedigen würden. Asimov verwendet in diesem Zusammenhang jedoch nicht den Begriff «Internet», der uns hier unweigerlich in den Sinn kommt – und dies, obwohl die Anfänge des Internets 1983 längst Realität waren.

Asimov stellt sich vor, dass 2019 für jeden Schüler – oder eher für jeden Menschen – die Möglichkeit bestehen wird, das zu lernen, was er will, wie er es will und wie schnell er es will. Die Ausbildung werde zu einer Sache des Vergnügens, weil sie aus eigenem Antrieb und nicht durch äusseren Zwang erfolgen werde. Diese Prognose ist sicherlich nicht so eingetroffen. 

IM HINBLICK AUF DEN SCHULJAHRESBEGINN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUM EINSATZ VON DIGITALEN TECHNOLOGIEN IM UNTERRICHT ZUR VERFUEGUNG --- Class 5U pictured during an informatics lesson with teacher Rudolf Schmid (not in the picture) at the gymnasium of the Cantonal School Glarus, Switzerland, on May 17, 2018. The Cantonal School Glarus was founded in 1956 and consists of a gymnasium and a specialized upper secondary school (Fachmittelschule FMS). (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Auch wenn Computer in der Schule Einzug gehalten haben, haben sie die Schule nicht überflüssig gemacht.   Bild: KEYSTONE

Weltraum-Nutzung

Im anderen grossen Themenbereich, dem sich Asimov in seinem Stück widmet, greift er noch deutlicher daneben: Seine Annahme, dass die Menschheit 2019 bereits erste bedeutende Schritte zur Eroberung des Weltraums unternommen haben werde, hat sich nur in bescheidenstem Masse erfüllt.

So geht er davon aus, dass im Jahr 2019 eine Mine auf dem Mond existieren wird, in der ein internationales Team Rohstoffe gewinnen wird. Dieses Mondgestein werde dann zu anderen Orten im Weltraum gebracht, wo es zu Metall, Beton und anderen Baumaterialien verarbeitet werden könne.

Künstlerische Darstellung einer Mondstation, Mine

Künstlerische Darstellung einer Mine auf dem Mond. Bild: ESA

Mit diesen Materialien wiederum würden dann grosse Raumstationen im Erd-Orbit gebaut. Asimov sieht einen regelrechten Gürtel von Raumstationen über dem Äquator, die Sonnenenergie sammeln und auf die Erde strahlen. Die Staaten, die kooperieren müssten, um ein solches technisches Grossprojekt unterhalten zu können, wären deshalb nicht mehr in der Lage, untereinander Kriege zu führen.   

Wie wir wissen, ist aus diesen Voraussagen nichts geworden. Immerhin hat aber China just in den ersten Tagen des jungen Jahres erstmals eine Raumsonde auf der Rückseite des Mondes abgesetzt. Und Asimov liegt nicht mit all seinen Prognosen zum Weltraum falsch: So hat sich seine Annahme durchaus bewahrheitet, dass «Observatorien im All gebaut werden, die unsere Kenntnis des Universums unermesslich erweitern» werden. Hubble und andere Weltraumteleskope wie Chandra haben unseren Horizont in der Tat massiv erweitert. 

Auf den Spuren der Dunklen Materie

Weltraumwanderung für den Normalsterblichen

abspielen

Video: srf/SDA SRF

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • geronimo4ever 04.01.2019 20:29
    Highlight Highlight ... und nicht zuletzt ist seine ‚Encyclopedia Galactica‘ aus dem Foundationszyklus / Der Tausenjahresplan war sicher die Inspiration für Wikipedia...
  • ichibansenshi 04.01.2019 16:47
    Highlight Highlight Ich denke beim Thema Ausbildung hat er nicht ganz Unrecht.
    Ich denke da an YouTube und Skillshare. Zwar ist das nicht direkt mit der Schule und Schulfächer verbunden, aber im Bereich Freizeit oder Weiterbildung haben diese Plattformen genau das Erreicht. Jeder kann das Lernen wozu er gerade Lust hat. Sei es Grafikbearbeitung, Videoschnitt, Musikinstrumente usw...
  • geronimo4ever 04.01.2019 14:14
    Highlight Highlight Asimovs Zyklus ‚Der Tausendjahresplan‘ hat Big Data und predictive Analytics aber auch Trump vorausgesehen. Er hat den Einfluss der Medien und Verschwörungstheorien in Verbindung gebracht. Nicht zuletzt hat er uns die 3 Robotergesetze vererbt...
    • geronimo4ever 04.01.2019 18:27
      Highlight Highlight Die Frauen in den SciFi-Stories waren immer besonders starke Figuren. Die Susanne Calvin aus I, Robot war kein Huscheli oder Screaming-Girl wie im Film dondern klug und tatkräftig miz einer aschlüsselrole (Terminus: Ein Kreis hat kein Ende)
  • Mova 04.01.2019 13:12
    Highlight Highlight Interessiert es was Mike Shivs findet?
  • Skeptischer Optimist 04.01.2019 12:50
    Highlight Highlight Die BBC Story, die der Autor hier rezitiert, spühlt Asimov ziemlich weich.

    Seine Prophezeiungen zur Nutzung des Weltraums erscheinen geradezu lächerlich übertrieben, seine Einschätzung zum Fortschritt der Digitalisierung geradezu banal.

    Von seinen Weltraumfantasien ist nichts zu sehen. 1983 war der Mikroprozessor Stand der Technik, seine Weiterentwicklung für sehr viele absehbar. Der Computer ist bereits wenige Jahre später in den Wohnungen der Bürger angekommen, wenn vorerst auch nur als glorifizierte Schreibmaschine.

    Seine Aussagen zur Entwicklung Pädagogik sind nur wirrer Blödsinn.
    • Gigi,Gigi 04.01.2019 16:17
      Highlight Highlight Der wirre Blödsinn steht weitgehend so im Lehrplan 21 und wird an Schuken, die selbstorganisiert Lernen lassen, möglichst so umgesetzt.
    • _kokolorix 04.01.2019 20:41
      Highlight Highlight Leider ist die Pädagigik in der Tat im letzten Jahrtausend stehengeblieben. Dass ein derartiger Stillstand nach den Fortschritten der 70er und 80er Jahren eintritt, konnte sich Asimov sicher nicht vorstellen.
      Der beste Beweis für die Mängel der heutigen Pädagogik ist der obenstehende Kommentar...
      Vor allem konnte Asimov den nahen Zusammenbruch der Sowjetunion nicht vorhersehen. Dieser ist zum grössten Teil für die totale Erlahmung der Weltraumaktivitäten verantwortlich. Aber die Chinesen bringen ja dieser Tage etwas Dynamik in die Sache, dauert halt wieder ein paar Jährchen
  • flying kid 04.01.2019 12:33
    Highlight Highlight Hat Dani Huber eine Kristallkugel oder kann sonst in die Zukunft schauen?
    Weil im Titel steht, was 2019 eintraf... Das Jahr ist gerade mal knapp 4 Tage alt, hoffe es dauert noch etwas länger.
    Ansonsten spannender Text.
  • Tomtom64 04.01.2019 12:22
    Highlight Highlight Alles in Allem hat es Asimov aber recht gut getroffen. Beim Lehrplan 21 wird schon verstärkt auf "selflearning" gesetzt und es gibt in der Schweiz Privatschulen, wo die Schüler wirklich (fast) frei nach ihrem Tempo und Gusto lernen dürfen.
    Was die Nutzung des Weltraums angeht, so ist er vermutlich davon ausgegangen, dass die USA gleich rasch voranschreiten wie vor 1983. Dass spätere Regierungen aber lieber Steuern senken als Wissen
    generieren würden, hat er nicht ahnen können.
    Vielleicht wäre ein Zukunftsforscher zu noch treffenderen Voraussagen gekommen.
    • crik 04.01.2019 13:53
      Highlight Highlight @Tomtom64: Das ist jetzt aber eine sehr wohlwollende Einschätzung der Voraussagen. Montessori- und ähnliche Schulkonzepte gab es schon lange vor 1983, und haben sich bis heute nicht wirklich durchgesetzt. Gerade im Amerikanischen Schulsystem wird bis heute weitgehend auf das Auswendiglernen fokussiert.

      Hubble war 1983 längst im Bau (und auch die MIR), insofern war dies keine Vorhersage.

      Nur bei der Computerisierung hatte er weitgehend recht.
    • Plat0n 04.01.2019 15:53
      Highlight Highlight Herzlichen Glückwunsch zur Analyse! Es geht ums DÜRFEN. Asimov hat absolut recht, dass die Schule gar längst disruptiert wurde (siehe Khan Academy). Diese und höhere Bildungsinstitutionen - als Lobby - weigern sich allerdings den Schülern individuelles Lernen wahrhaftig zu ermöglichen - aus Selektionsgedanken heraus. Dass allerdings gerdade der Wert höherer Bildungszertifikate zerfällt, sieht man an aktuellen Stellenausschreibungen... Während high potential Unternehmen und führende Universitäten wie Harvard und das MIT gerade ebendiese durch Nanodegrees ersetzen (Udacity) - gooDIE School ;-)
  • "Das Universum" formerly known as lilie 04.01.2019 12:14
    Highlight Highlight Danke für den Überblick!

    Zu 1: Leider ist ja die Wahrscheinlichkeit für einen Antomkrieg gewachsen. Und 2019 ist noch nicht vorbei. 🙈

    Zu 2: Auch wenn Asimov hier zu idealistisch war, ist zumindest bei uns mehr individualisiertes Lernen entstanden, was mit Hilfe von Computer und entsprechenden Programmen ermöglicht wird.

    Zu 3: Da war Asimov definitiv zu optimistisch. Der Abbau von Rohstoffen im Weltall ist (noch) viel zu kostspielig als dass dies konkret verfolgt würde.

    Trotzdem ist die Faszination für den Weltraum wieder gestiegen.
    • Unicron 06.01.2019 23:09
      Highlight Highlight Klar, ich hab ja keine Ahnung, aber ich kann mir nicht vorstellen dass heute die Gefahr für einen Atomkrieg grösser ist als damals in den 80ern. Die Länder sind wirtschaftlich viel zu sehr verknüpft. Darum wird doch auch im "Handelskrieg" eher nur mit Drohungen als mit handfesten Mitteln gearbeitet. Wenn die USA China bombardieren würden, würden sie sich selber so sehr schaden dass sie sich davon wohl nie mehr erholen würden. Jedes Land welches Atomwaffen einsetzt wäre ausserdem automatisch total isoliert, da wird sich keiner dazu stellen wollen.
  • rundumeli 04.01.2019 11:47
    Highlight Highlight cool ... und hier sein originaltext :
    https://www.thestar.com/news/world/2018/12/27/35-years-ago-isaac-asimov-was-asked-by-the-star-to-predict-the-world-of-2019-here-is-what-he-wrote.html

    schön ist auch seine fiktive Idee der "Psychohistorik. Für den Aufbau der neuen Zivilisation wird das Tarnprojekt der Enzyklopädie-Foundation gegründet, deren vordergründiger Zweck die Sammlung allen Wissens in einer Encyclopaedia Galactica ist und die tatsächlich durch die Konzentration der besten Wissenschaftler ihrer Zeit Forschung und Entwicklung zu neuen Blüten treiben wird."

Es begann, als er Raumschiffe in der Bibel fand: Erich von Däniken und die Ausserirdischen

Erich von Däniken (84) ist einer der weltweit bekanntesten Schweizer. Er hat über 75 Millionen Bücher zum Thema «Ausserirdische» verkauft. Im Interview spricht er unter anderem über den Glauben an Gott, das Leben nach dem Tod, er erzählt über seinen Werdegang vom Hoteldirektor zum Bestseller-Autor und was beim Mystery Park schief gelaufen ist.

Feiern Sie auch Weihnachten?Erich von Däniken: Ja, ganz traditionell zusammen mit meiner Familie.

Sie erahnen, warum wir diese Frage stellen?Nein.

Mit ihren Theorien – die Götter waren ausserirdische Besucher, wir stammen von Ausserirdischen ab – kann der Eindruck entstehen, Engel seien bloss Astronauten.So ist es ganz und gar nicht. Ich bin in christlicher Tradition erzogen und nie ein gottloser Mensch geworden. Ich bin nach wie vor Mitglied der Katholischen Kirche und ich bete jeden Tag. …

Artikel lesen
Link zum Artikel