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Wohin fliegt der Tesla im All? Forscher haben nachgerechnet

Ein altes Auto mit einer Puppe am Steuer zieht im Sonnensystem seit dieser Woche seine Bahn. Doch was ist seine Route?

Christoph Seidler / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Polizei von Westaustralien reagierte schnell. Es war in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch und Elon Musk hatte gerade ein Bild getwittert. Darauf zu sehen: Das rote Elektroauto, das der SpaceX-Chef gerade mit seiner neuen Schwerlastrakete «Falcon Heavy» ins All hatte schiessen lassen, am Steuer eine Puppe namens «Starman» in einem blütenweissen Astronautenanzug.

Und im Hintergrund die Erde. Australien, umgeben von viel Wasser.

Die Beamten begriffen, dass der Raketenstart nicht nur für Musk einmalige PR-Chancen bot, sondern auch für sie. Ein Auto, das mit mehreren Kilometern pro Sekunde unterwegs ist? Da muss ein Ordnungshüter, der was auf sich hält, doch einen saftigen Strafzettel wegen Raserei ausstellen. und genau das taten die Australier auf Twitter dann auch – und die Welt schmunzelte.

Aber wohin fliegen der «Starman» und sein Auto – das ist übrigens noch immer befestigt an der Oberstufe der Rakete – nun eigentlich?

Vor dem Start hatte Musk den Mars als Reiseziel ausgegeben. Das war aber mindestens missverständlich ausgedrückt. Denn dass das Auto dort tatsächlich landet, war nie vorgesehen. Es wäre aus Gründen der Planetaren Reinhaltung, also des Schutzes der Marsoberfläche vor Verunreinigungen von der Erde, auch extrem problematisch gewesen.

Nach dem Start hatte Musk dann erklärt, «Starman» sei vielmehr auf dem Weg in den Asteroidengürtel. Der liegt hinter dem Mars, in Richtung Jupiter sozusagen. Dorthin sei der Tesla nach einer letzten, kräftigen Zündung der Oberstufe unterwegs.

Doch auch das ist wohl Unsinn, wie Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) nach Analyse der bisher bekannten Daten herausgefunden hat.

Auto und Raketenstufe sind aktuell auf gutem Weg, der Gravitationswirkung des Erde-Mond-Systems zu entfliehen. Die Batterie der Oberstufe sind längst tot, Bilder von Bord gibt es also keine mehr. Auch eine Steuerung ist nicht mehr möglich, die Oberstufe der Rakete hat allen Treibstoff verbraucht.

Das Auto und all der ganze andere Technik-Rest werden auf einer elliptischen Bahn um die Sonne unterwegs sein – wie es auch alle Planeten und kleineren Himmelskörper sind. Mal werden sie auf dieser Bahn näher am Mars sein, mal näher an der Erde. Den Asteroidengürtel erreichen sie aber wohl nicht.

epa06506018 A handout photo made available by SpaceX on 08 Ferbuary 2018 shows a Tesla Roadster car in space after being launched with the SpaceX Falcon Heavy rocket, 06 February 2018. SpaceX, founded by Elon Musk, launched its Falcon Heavy rocket, the most powerful rocket in the world. As part of its payload the Falcon Heavy is carrying Musk’s cherry red Roadster from Tesla, his electric car company.  EPA/SPACEX /  HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Abtriebslos durch das All: der Spaceman in seinem Tesla Bild: EPA/SPACEX

Der sonnenfernste Punkt der Bahn liegt demnach nur minimal weiter aussen als die Marsbahn. (Für Feinschmecker: Der sonnennächste Punkt der Bahn wird laut aktuellen Schätzungen bei 0.986 Astronomischen Einheiten (AU) sein, der sonnenfernste bei 1.667 AU. Eine Astronomische Einheit (AU) entspricht dabei dem Abstand zwischen Erde und Sonne.)

Nach McDowells Berechnungen dürfte der Roadster das Mars-Orbit im Frühsommer erreichen. Der grösste Abstand zur Sonne wäre dann im November. Am sonnennächste Punkt käme der «Starman» im November kommenden Jahres an.

«Prognosen nur über kurze Zeiträume»

Wird er aber tatsächlich wie von Elon Musk vorausgesagt für Millionen Jahre seine Bahnen ziehen? Oder wird er mit Mars, Erde oder einem Asteroiden zusammenstossen? Wir die Gravitationswirkung des Jupiters ihn gar langfristig aus dem Sonnensystem befördern?

«Gute Prognosen über die Entwicklung der Flugbahn sind nur über kurze Zeiträume möglich», sagt Jürgen Oberst vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Berlin. Das Jet Propulsion Laboratory am California Institute of Technology sage die Bahn daher aktuell auch nur bis 2030 voraus.

Nicht nur zum Spass schickte Elon Musk dieses Auto ins All

abspielen

Video: watson

Eine grosse Unbekannte sei der solare Strahlungsdruck, erklärt Oberst. Also die Wirkung des Sonnenwindes. Um diesen zu berücksichtigen müsse man Gewicht, Grösse, Form, die Orientierung im Raum sowie die reflektierenden Eigenschaften der Oberfläche kennen.

Auf Basis der JPL-Daten geht Jonathan McDowell davon aus, dass sich der Tesla dem Mars am 8. Oktober 2020 einstweilen am stärksten nähern wird – in sieben Millionen Kilometern Entfernung. Für einen Absturz, verursacht durch die Mars-Gravitation ist das viel, viel zu weit entfernt.

Nur 45 Millionen Kilometer entfernt

Der erdnächste Vorbeiflug im kommenden Jahrzehnt wird für den März 2021 erwartet, in etwa 45 Millionen Kilometern Abstand.

Alan Fitzsimmons, Astronom an der Queen's University in Belfast geht davon aus, dass die Chancen auf einen Zusammenstoss mit einem Planeten «so gut wie null» sind. Das liegt auch daran, dass der Weltraum sehr, sehr leer ist. Und nur mal den hypothetischen Fall einer Kollision mit der Erde angenommen: Auto und Raketenstufe würden bei einem Sturz durch die Atmosphäre wohl einfach verbrennen.

Aber das ist, wie gesagt, Theorie. Der «Starman» wird eine ganze Zeit unbehelligt unterwegs sein. Vielleicht wird die Gravitationswirkung des Jupiters seine Bahn irgendwann stören. In langer, langer Zeit. Vielleich wird er dann das Sonnensystem verlassen. Er könnte aber genauso gut so abgelenkt werden, dass er in die Sonne stürzt.

Eines ist jedenfalls klar: Er bleibt auf absehbare Zeit viel zu weit von Australien weg, als dass ihm ein Polizist von dort ein Ticket zustellen könnte.

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    Alle Leser-Kommentare
  • heinrichfrei 10.02.2018 15:05
    Highlight Highlight Ich denke es wäre in den USA besser Wohnungen für die Obdachlosen zu bauen, statt ein Auto ins All zu schiessen. Die Amerikaner nahmen schon zweimal ein Auto ins All, den Mond mit. Der Amerikaner David McGowan nennt die US-Mondlandungen mit diesen Autos zwar eine St. Nikolaus und Osterhasenversion für Erwachsene, in seiner 192 seitigen Dokumentation, «Wagging the Moondoggie», über die US Mondlandungen:
    http://www.checktheevidence.com/pdf/Dave%20McGowan%20-%20Wagging%20The%20Moon%20Doggie.pdf, Deutsche Übersetzung https://viefag.files.wordpress.com/2015/05/wagging-the-apollo-moon-doggie.pdf
  • Share 09.02.2018 21:51
    Highlight Highlight Myon, bist du sicher, dass du das mit der Flaschenpost richtig verstanden hast?
  • Shin Kami 09.02.2018 18:12
    Highlight Highlight Some say he's driving a Tesla to mars. All we know is he's called the Stig.
  • Unbearable 09.02.2018 16:31
    Highlight Highlight Diese Flugbahn wurde schon lange vor dem Start so kommuniziert...

    SpaceX hat tatsächlich noch andere Kommunikationsformen als Elon Musk's Twitter-Account. Und dass auf Twitter meist vereinfacht geschrieben wird ist auch nichts neues.
  • Hardy18 09.02.2018 12:22
    Highlight Highlight In 300 Jahren wenn die Menschheit nur noch Velo fährt, sieht man plötzlichen das Vergessene Auto an uns vorbei fliegen und alle Welt denkt, jetzt kommen die Aliens 😂
    • Bynaus @final-frontier.ch 09.02.2018 14:14
      Highlight Highlight Ich würde jetzt so ziemlich alles mit dir wetten dass die Menschheit in 300 Jahren NICHT nur noch Velo fährt... :)
  • Olmabrotwurst 09.02.2018 12:01
    Highlight Highlight Was denken die Aliens wohl wenn da so ein Ding seinen eigen Orbit ?!!
    • Hardy18 09.02.2018 12:23
      Highlight Highlight Die werden denken wie die Menschen. Erst schiessen, dann fragen. 😁
    • El diablo 09.02.2018 13:05
      Highlight Highlight Denkt weiter. Wir bringen die Elektromobilität auf andere Planeten :D
  • Paddiesli 09.02.2018 12:00
    Highlight Highlight Müssen wir jetzt neben unserem Orbit auch noch das Weltall zumüllen, nur weils ein lustiger Gag ist? Unsere Erdsatelliten haben ja schon Probleme, den ganzen Schrott im Auge zu behalten und auszuweichen. Das ist nicht fahr-lässig, sondern fahrlässig.
    • Menel 09.02.2018 14:05
      Highlight Highlight Zumüllen? Mit was? Wir und alles was uns umgibt ist das Weltall. Ist es Müll, weil wir Atome in eine Form gebracht haben? Sind die Tonnen Gestein, die es auf die Erde regnet, kein Müll, weil nicht in Form gebracht?
    • Bynaus @final-frontier.ch 09.02.2018 14:16
      Highlight Highlight Die alternative Test-Nutzlast für die Falcon Heavy wäre ein grosser Betonklotz gewesen.

      Der wäre genauso "Müll" wie der Tesla, aber er hätte sicher auch viel weniger Views auf Youtube generiert. Und die Bilder davon wären viel weniger cool. 8)
    • fcsg 09.02.2018 14:45
      Highlight Highlight Es fliegen Milliarden von Asteroiden und Meteoriden durch unser Sonnensystem, da spielt es keine Rolle wenn sich ein Auto darunter mischt...
    Weitere Antworten anzeigen
  • 4TheHorde 09.02.2018 11:24
    Highlight Highlight Errinert mich n bischen an DayZ ...
    Benutzer Bild
    • glüngi 09.02.2018 11:54
      Highlight Highlight nur das dayz niemals fertiggestellt wird. und Dean Hall mit dem cash ab ist.
    • 4TheHorde 09.02.2018 13:10
      Highlight Highlight ja :'D bald soll ja die Beta erscheinen ... also schon das 3x ...
    • glüngi 09.02.2018 14:11
      Highlight Highlight selbst star citizen ist vorher fertig.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wambolium 09.02.2018 11:09
    Highlight Highlight Auf dem Board-Computers des Teslas steht Don't Panic :-D Per Anhalter durch die Galaxies lässt grüssen :-D
  • demokrit 09.02.2018 09:48
    Highlight Highlight Mit einem Wort: Dekadent.
    • Ali 09.02.2018 11:03
      Highlight Highlight nein, gutes marketing
    • demokrit 09.02.2018 11:07
      Highlight Highlight Wenn der Tesla wirklich im All ist, ist es trotzdem dekadent.
    • LaPaillade #BringBackHansi 09.02.2018 11:39
      Highlight Highlight Warum dekadent? Spielt es eine Rolle ob es jetzt ein Betonblock oder zu marketingzwecken ein Tesla ist?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bert der Geologe 09.02.2018 09:48
    Highlight Highlight Jedenfalls ist es fahrlässig Müll in den Weltraum zu schicken.
    • Hallo123 09.02.2018 11:14
      Highlight Highlight Stimmt, wir haben ja sooo wenig Platz im Weltall ;-)
    • Tornado 09.02.2018 11:25
      Highlight Highlight Wenn man weiss, dass schon kleinste Teile an Müll schon grosse Schäden an Satelitten etc. anrichten können, ist es wirklich wenig sinvoll ein ganzes Auto im All zu deponieren.
    • Bert der Geologe 09.02.2018 11:37
      Highlight Highlight @hallo123 Genau mit diesem Argument hatte früher man das Tobel aufgefüllt. Hat ja Platz. Wieso soll da einer Müll in den Weltraum schicken, nur für einen doofen Werbegag?
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