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Studierende verbringen die Pause zwischen den Vorlesungen im Lichthof in der Universitaet in Zuerich im Juli 2001. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) : Dia, Mittelformat,  Nr. 254871]

Der Lichthof an der Uni Zürich. Bild: KEYSTONE

Bildung

Neues Hochschulranking: Such dir deine Uni

Die EU-Kommission stellt vollmundig das «grösste Hochschulranking der Welt» vor. Auch  Schweizer Unis und Fachhochschulen sind darunter. Doch klare Sieger liefert sie nicht - und nur maue Infos über Unis ausserhalb Europas.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Lena Greiner / Spiegel

Wenn alles möglich wäre, keine Stadt zu fern und keine Aufnahmekriterien zu hart: Wo würde ein angehender BWL-Student, der weltweit nach einem Studienplatz sucht, die besten Bedingungen vorfinden?

Das neue Hochschulranking U-Multirank versucht jetzt, diese Frage zu beantworten. Seit Dienstagmittag ist die Seite online. Wie bei der Suche nach einer Urlaubsunterkunft sollen die Nutzer in einer Suchmaske ihre persönlichen Präferenzen angeben und so die Ergebnisse eingrenzen. Von der groben Suche (Welches Fach interessiert dich?) bis hin zu der Feinauswahl (Schliessen die Bachelor-Studenten in der Regelstudienzeit ab?), sollen sich Studieninteressierte so bis zu ihrer Wunschuni durchklicken können. 

«Eine der Stärken ist die Tatsache, dass Nutzer selbst entscheiden können, welche Indikatoren wichtig sind und ihr eigenes Ranking erstellen können», sagte EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou.

«U-Multirank ist das grösste Hochschulranking der Welt», sagt Franz van Vught vom niederländischen Forschungszentrum Center for Higher Education Policy Studies. 850 Hochschulen aus 74 Ländern wurden untersucht, alle Kontinente sind darunter, doch der Schwerpunkt liegt auf Europa: Alle EU-Staaten sind mit Hochschulen vertreten, die Schweiz mit Institutionen in Zürich, Lausanne, St. Gallen, Basel, Bern und Genf, sowie die Fachhochschulen der Westschweiz und der Nordwestschweiz. Dabei ist U-Multirank laut eigener Aussage das erste internationale Ranking, das alle Typen von Hochschulen berücksichtigt: Universitäten, Fachhochschulen und auch Privathochschulen.

Studenten sitzen am Mittwoch, 25. Mai 2005, vor dem Hauptgebaeude der Universitaet St. Gallen. Die Gebaeude der Universitaet St. Gallen aus den 60er-Jahren muessen umfassend saniert werden. Der Sichtbeton weist durch Verwitterung erhebliche Schaeden auf. Ueber das Projekt zur Sanierung und Erweiterung der Universitaet St. Gallen wird am Wochenende vom 5. Juni 2005 im Kanton St. Gallen abgestimmt. (KEYSTONE/Regina Kuehne)

Hochschule St. Gallen. Bild: KEYSTONE

Master in den USA? Die Seite hilft nicht so richtig

Allerdings ist die Endauswahl noch begrenzt: Sucht man nach einem Bachelor in BWL, an einer Uni in den USA mit internationaler Ausrichtung, spukt die ansonsten nutzerfreundliche Seite aus: nichts. Keine grosse Hochschule in den Vereinigten Staaten, die international aufgestellt ist, bietet einen Business-Bachelor an? Und einen Master in Sozialwissenschaften, Wirtschaft oder Jura bietet nur die University at Buffalo an? Obgleich der Fächerfokus in diesem ersten Jahr auf Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik, Physik und Betriebswirtschaft liegt? 

So wenig wie das Ranking den Anspruch auf eine grosse Auswahl erfüllt, gibt es einen Gesamtsieger, eine beste Uni oder eine Rangliste der hundert besten Hochschulen. Vielmehr werden einzelne Bereiche - 31 Indikatoren insgesamt - in fünf Notenstufen von A («sehr gut») bis E («schwach») bewertet.

Auffällig sei dabei die extreme Bandbreite zwischen Stärken und Schwächen: Diese Diversität der Hochschulen sei noch in keinem anderen internationalen Ranking sichtbar geworden, teilt das an dem Ranking beteiligte CHE Centrum für Hochschulentwicklung mit. So landeten zwar 90 Prozent der untersuchten Hochschulen zumindest mit einem Indikator in der Spitzengruppe, allerdings würden nur 12 Prozent der untersuchten Hochschulen, also ungefähr hundert, über die gesamte Breite sehr gut abschneiden.

Das unabhängige Ranking wurde von der EU-Kommission finanziert und von einer internationalen Forschergruppe durchgeführt, vor allem aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Um an dem Ranking teilzunehmen, konnten sich die Hochschulen selbst registrieren. Zusätzlich haben die Forscher darauf geachtet, die 500 forschungsstärksten Hochschulen der Welt mitaufzunehmen. Die Daten stammen aus unterschiedlichen Quellen: von den Hochschulen selbst, aus öffentlich zugänglichen Datenbanken sowie aus einer der grössten internationalen Studentenbefragung.

Heftige Kritik an Rankings

Hochschulrankings gibt es viele, auch die Kritik ist immer wieder gross: Die Ranglisten hätten nur die grossen und forschungsstarken Universitäten im Blick, lautet ein Argument. Sie verliessen sich zu stark auf die Reputation einzelner Hochschulen, die zudem nur von einer kleinen Gruppe aus Wissenschaftlern bestimmt wird, lautet ein anderes. So räumte der Macher des bekannten «Times» Ranking, Phil Baty, vor einigen Jahren ein, dass die bisherigen Ranglisten praktisch wertlos waren - viel zu wenig Hochschullehrer seien befragt worden, um substantielle Ergebnisse zu erhalten. 

Auch um dieser Kritik zu begegnen, nutzt U-Multirank eine andere Methode und errechnet keinen Gesamtwert. Ganz neu ist jedoch auch das nicht. Der Ansatz ähnelt dem des jährlichen CHE-Hochschulrankings, das laut CHE «umfassendste und detaillierteste Ranking deutscher Universitäten und Fachhochschulen». Auch dieses Ranking bezeichneten einige deutsche Forscher in Vergangenheit als subjektiv und unseriös; mehrere Hochschulen, Fachbereiche und Institute boykottierten es deshalb in den vergangenen Jahren sogar.



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