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Was steckt hinter dem Zeckenstich-Rekord? «Da muss etwas anderes am Laufen sein»

Niemand weiss, warum es dieses Jahr extrem viele Zeckenstiche gibt. Ein Forscher sagt, was vor dem Stich passiere, werde in der Schweiz kaum untersucht.

Sabine Kuster / Nordwestschweiz



Noch nie gab es so viele Zeckenstiche, gemessen von Anfang Jahr bis Ende Juli. Gemäss den neusten veröffentlichten Hochrechnungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wurden 10'800 akute Fälle von Borreliose gemeldet. Und statt wie sonst rund 70 bis 170 Fälle FSME-Infektionen bis Ende Juli gab es 262 Fälle.

Eine vollgesaugte Zecke, nachdem sie sich von einem Wirtstier hat abfallen lassen, aufgenommen am 1. Juli 2007 in Bruchkoebel. Der Impfstoff gegen die von Zecken uebertragene Hirnhautentzuendung (FSME) wird in einigen Regionen knapp. Der Grund liege in der deutlich hoeheren Nachfrage, teilte die Innungskrankenkasse (IKK) Thueringen am Dienstag, 24. Juli 2007, mit. Die vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen FSME-Risikogebiete seien von 96 auf 129 Kreise angestiegen. Auch der milde Winter und die damit verbundene massive Vermehrung der Zeckenpopulation spielten eine Rolle fuer den voruebergehenden Versorgungsengpass - An engorged tick is seen after it dropped off from a cat, July 1, 2007 in Bruchkoebel, Germany. (KEYSTONE/AP Photo/Claudia Ostrop)

Eine vollgesogene Zecke Bild: keystone/AP

Auch Zeckenforscher Werner Tischhauser von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) registrierte dies via der Zecken-App. Er sagt: «Natürlich war der feuchtwarme Frühling günstig für Zecken und die Leute hielten sich in Scharen draussen auf. Aber das alleine erklärt den extremen Anstieg an Zeckenstichen nicht. Da muss etwas anderes am Laufen sein.»

Bloss was? Gibt es tatsächlich mehr Zecken? Sind vielleicht die Wirte öfter Träger der FSME-Viren und Borreliose-Bakterien? Zecken sind nur die Überträger der Krankheiten, sie infizieren sich an Wirten wie Mäusen, Vögeln, Vieh oder sogar Eidechsen.

Was passier vor dem Stich?

Die Antwort kennt niemand. Tischhauser sagt: «Was vor dem Zeckenstich passiert, dazu wird in der Schweiz bedenklich wenig geforscht.» Für die Pharmaindustrie ist es nur interessant, Impfstoffe und Medikamente für nach dem Stich zu entwickeln.

Und auch beim BAG stehen Zecken nicht weit oben auf der Prioritätenliste – schliesslich gibt es für die potenziell tödlichen FSME-Viren bereits einen Impfstoff und die Borreliose kann den Menschen zwar ernsthaft schaden, verläuft aber nicht tödlich.

Zecken fallen übrigens nicht einfach von den Bäumen

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Video: srf

Nun, da es zu einem rekordhohen Anstieg an Zeckenbissen und -infektionen kam, ist es beunruhigend, dass nicht nach der Antwort geforscht wird. «Jetzt müsste man eigentlich zusammensitzen», sagt Tischhauser, «aus unserer App haben wir viele Daten, aber wir müssten sie mit dem BAG vergleichen, welches die Meldungen der Ärzte erfasst.»

Der Nachweis ist teuer

Generell ist die Datenlage noch lückenhaft: Die Leute wissen oft nicht genau, an welchem Ort und zu welcher Zeit sie gestochen wurden.

Das letzte Mal wurde in der Schweiz 2009 flächendeckend eine Feldstudie zu Zecken durchgeführt: An 200 Standorten zog die Armee Tücher über Wald und Wiese und sammelten so Zecken ein, die dann auf FSME-Viren untersucht wurden. Seither fanden nur punktuell Nachforschungen statt.

Wiederholt wurde der grossflächige Nachweis nicht. Denn das ist aufwendig und teuer. «Man müsste zwischen Frühling und Herbst achtmal an denselben Orten zu unterschiedlichen Tagszeiten Zecken einsammeln», sagt Tischhauser, «nur so liessen sich Modelle für einzelne Orte der Schweiz erstellen.»

Denn die Forschung in Deutschland hat ergeben: Zecken mit FSME-Viren sind nur an ganz speziellen Orten zu finden. «Schon 10 Meter links und rechts davon ist der Virus manchmal nicht mehr nachweisbar», so Tischhauser. Es gehe deshalb nur mit gründlicher Feldforschung, um eine Antwort auf den Anstieg der Stiche zu finden.

ZEcken FSME-Fallzahlen Quelle: BAG

Quelle: BAG Bild: Aargauer Zeitung / Mia

Es braucht viel Pech

So viele Zeckenbisse es heuer auch gibt: Wer gebissen ist, ist noch lange nicht infiziert. Blut saugen muss der Gemeine Holzbock nur dreimal im Leben. Und nur dann kann er sich selber anstecken. Aus dem Ei geschlüpft, sind die Larven in den allermeisten Fällen frei von Viren und Bakterien. Sie trinken irgendwo dort zum ersten Mal Blut, wo das Muttertier am Boden 2000 bis 3000 Eier ablegt hat.

Wenn die Larve zur Nymphe entwickelt ist, kann sie infiziert sein. Nymphen sind kleiner als die ausgewachsenen Tiere und werden deshalb viel seltener entdeckt. Sie brauchen noch einmal Blut, um sich in eine erwachsene Zecke verwandeln zu können. Diese benötigt zum dritten Mal einen Wirt, um selber Eier legen zu können. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Dogbone 14.08.2018 12:19
    Highlight Highlight Ich bin schon mein ganzes Leben lang sehr oft und überall draussen im Wald und auf Feldern unterwegs und habe mit 53 noch keinen einzigen Zeckenstich. Natürlich toll aber ich frage mich immer wieder, weshalb das wohl so ist🤔
    • swizz 16.08.2018 05:42
      Highlight Highlight Sei einfach froh 😄
  • swizz 14.08.2018 10:17
    Highlight Highlight Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Zecken dieses Jahr häufiger beissen resp. es mehr Zecken hat. Zudem hatten wir seit Jahrzehnten den ersten FSME-Fall und den ersten Borreliose-Fall in der Familie.
    • ARoq 14.08.2018 11:12
      Highlight Highlight Bei mir gab es nur im Frühjahr überdurchschnittlich viele Zecken, seit Juni habe ich keine einzige mehr gefunden.
      Ungefähr zur selben Zeit wie das Rotwild in höhergelegene Regionen verschwunden ist (ich wohne in den Bergen) sind auch die Zecken verschwunden.
  • Nominator 14.08.2018 09:43
    Highlight Highlight Schade, dass der Bericht dort aufhört wo eigentlich zur Sprache kommen müsste was denn anderes am Laufen sein könnte. Das riecht doch stark nach einem Versuch der Pharmaindustrie wieder einmal etwas anzukurbeln wie damals mit dem Tamiflu. Jetzt wo sie wegen der «normalen» Gesundheitskosten unter Druck kommen, wird wieder ein Notfall generiert. Die obligatorische Krankenversicherung funktioniert so nicht.
    • Bits_and_More 14.08.2018 10:32
      Highlight Highlight Gegen FSME gibt es schon einen Impfstoff und bei Borrelisose wirken zahlreiche Antibiotika, welches es auch schon auf dem Markt gibt.
      Es ist nicht immer alles eine Verschwörung der bösen Pharma...
    • Nominator 14.08.2018 11:02
      Highlight Highlight @Bits_and_More das stimmt. Die Pharma ist nicht böse, sondern halt wie alle am Wachstum intereressiert. Und da sie nicht einfach eine Aktion wie Coop machen kann um den Absatz zu fördern, «laufen» manchmal Dinge die man übersieht. Ich hasse das Wort Verschwörung. Diese Vorgänge gibt es überall. Auch unter Privatpersonen gibt es «Verschwörungen».
    • Triple 14.08.2018 12:32
      Highlight Highlight Ein Zeckenstich wird über die Unfallversicherung abgedeckt. Insofern müsste ja Borreliose als folgeerkrankung ebenfalls über diese bezahlt werden.
  • goschi 14.08.2018 08:58
    Highlight Highlight Zecken stechen nicht, sie beissen
    Entsprechend muss es Zeckenbiss heissen.
    • atmo 14.08.2018 11:32
      Highlight Highlight woher diese Falschinformation, bitte informier dich doch selber zuerst bevor du postest.
      Zecken haben eine Stechwerkzeug und stechen demzufolge, beissen also nicht.
      Zeckenstich und nicht Zeckenbiss, aber was soll's...
    • nödganz.klar #161 14.08.2018 11:42
      Highlight Highlight Auch wenn es tausendfach wiederholt wird, ist es immer noch falsch. Eine Zecke sticht, sie besitzen einen Stechrüssel, mit dem sie die Haut perforieren.
    • Henzo 14.08.2018 11:54
      Highlight Highlight Das ist genau verkehrt, goschi.
      Liess mal hier:
      https://www.zecken.de/de/wissenswertes/zeckenbiss-oder-zeckenstich
  • Triple 14.08.2018 08:46
    Highlight Highlight Stimmt, dieses Jahr ist wirklich komisch. Ich hatte bis jetzt aussergewöhnlich viele Zecken, meine Katzen allerdings erstaunlich wenig. Ausserdem waren diejenigen die ich hatte im Vergleich zu den letzten Jahren sehr klein. Teilweise nicht mal einen Millimeter im Durchmesser.
  • My Senf 14.08.2018 08:37
    Highlight Highlight Müssen sollten könnten

    Ja, Hochtechnologie überall und doch scheitern wir an ganz einfachen Dingen!
    • RichPurnell 15.08.2018 01:49
      Highlight Highlight Genau einfach... steht doch im Artikel, dass es "aufwendig und teuer" ist.
      Also einfache Dinge sind laut Definition wohl eher nicht aufwendig und teuer....

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