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Nicht erst seit der Bluttat von Rupperswil – «Hunde-DNA wird bei der Fahndung immer wichtiger»

Nicht nur die DNA von Menschen kann Verbrecher überführen, sondern auch jene ihrer Haustiere. Nadja Morf vom Institut für Rechtsmedizin in Zürich hat sich auf die DNA von Hunden spezialisiert. Im Interview sagt sie, wie im Fall Rupperswil Thomas N. von seinen Huskies verraten worden sein könnte.

07.06.16, 08:23 12.07.16, 15:01


Thomas N., der geständige Mörder von Rupperswil, sitzt hinter Schloss und Riegel. Wie ihm die Fahnder auf die Schliche gekommen sind, weiss die Öffentlichkeit nach wie vor nicht. Die jüngste Theorie besagt, Hundehaare könnten zu Thomas N. geführt haben. 

Nadja Morf erstellt an der Universität Zürich Hunde-DNA-Profile. Sie weiss, was heute schon möglich ist und wie die Zukunft auf diesem Gebiet aussehen wird.   

Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, war Halter von Huskies. 
bild: screenshot tele m1

Können Hundehaare tatsächlich zu einem menschlichen Täter führen?
Nadja Morf: Ja, das ist so und mit den heutigen Mitteln möglich. Lässt ein Täter Haare von seinem Hund an einem Tatort zurück, dann muss er erklären, wie diese dorthin gekommen sind. 

Das müssen Sie Schritt für Schritt aufzeigen. Erstens: Wann werden Sie bei einem Verbrechen überhaupt beigezogen?
Findet die Polizei bei einem Verbrechen Hundehaare, die etwas mit der Tat zu tun haben könnten, schaltet sie uns ein. 

Nadja Morf

Die 35-jährige Nadja Morf ist Biologin am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Ihr Spezialgebiet ist tierische Forensik. Sie ist die einzige Fachfrau in der Deutschschweiz, die forensisch relevante DNA-Analysen von Hunden durchführen kann. Die DNA kann per Haare, Blut, Speichel oder Urin ermittelt werden. Morf war in keiner Weise in den Fall Rupperwil involviert. (feb) 

Was geschieht dann?
Wie bei den Menschen sucht die Polizei am Tatort nach allen möglichen DNA-Spuren und bringt diese zu uns. Das können tierische Blutstropfen sein oder eben Hundehaare. Dabei kommt es nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Qualität an. Blutstropfen enthalten mehr DNA als Hundehaare, wobei es qualitativ auch bei Blut grosse Unterschiede gibt. 

Welche denn?
Liegt ein Blutstropfen lange an der Sonne, verschlechtert sich seine DNA-Qualität, ebenso bei grosser Feuchtigkeit. 

Nehmen wir an, Sie finden genügend DNA in anständiger Qualität. Was folgt?
Wir erstellen ein DNA-Profil. Und danach müssen wir einen Vergleichshund haben, um unsere Arbeit fortsetzen zu können.

Das heisst, Sie müssen die DNA-Probe eines Hundes von einem verdächtigen Verbrecher einholen?
Ganz genau. Die Polizei holt die DNA mittels Wangenschleim-Hautabstrich des Hundes des Verdächtigen. Danach überprüfen wir die beiden Profile. Stimmen sie überein, hat der Hundehalter einiges zu erklären.

Wenn ich Sie richtig verstehe, ist es also nicht möglich, anhand von Hundehaaren die Rasse zu erkennen und so auf den Täter zu schliessen?
Die Rasse anhand von Haaren zu bestimmen ist fast unmöglich. Es gibt rund 400 verschiedene Hunderassen und die Haare unterscheiden sich zum Teil nur durch Kleinigkeiten. Husky-Haare wie im Fall Rupperswil kann höchstens ein sehr erfahrener Experte als solche erkennen. Wir nicht, das ist nicht unser Fachgebiet. Hat jedoch jemand in der Wohnung in Rupperswil Hundehaare verloren, könnten wir aufzeigen, dass diese nicht zum Hund der Opferfamilie gehören, dass da also noch jemand anderes war, der einen Hund besitzt. Ob das untersucht wurde oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Wir hatten nichts mit dem Fall zu tun. 

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Trägt ein Hundehalter immer Haare seines Haustieres auf sich? 
Davon gehen wir aus. Hundehaare verschwinden auch mit dem Waschen nicht. Selbst wenn sich jemand wirklich gründlich duscht und seine Kleider abrollt, können Haare seines Hundes zurückbleiben.

Wie gross ist die Chance, das Fälle dank Hunde-DNA gelöst werden? 
Wie bereits angetönt, kommt es auf die DNA-Qualität sowie auf die Menge an. Und ich muss einen Vergleichshund haben, sonst nützt alles nichts. 

Warum wird die Fahndungsmethode mittels Hunde-DNA immer wichtiger? 
Schlicht und einfach weil wir es können und weil Polizei und Staatsanwaltschaft heute wissen, dass es das gibt und wir sie bei der Fahndung unterstützen können. Die Methode etabliert sich, sie ist ein zusätzliches Fahndungsmittel. Zudem gibt es bei uns immer mehr Hunde und auch Katzen.

Wie viele Fälle bearbeiten Sie pro Jahr?
Eine Zahl zu nennen ist schwierig. Es dürften gegen 20 tierische Fälle sein. 

«Ob es unter Tierhaltern verhältnismässig viele Verbrecher gibt, kann ich nicht sagen. Das untersuchen wir nicht.»

Können Sie ein Beispiel machen?
Als an einem Ort ein Tier mehrere Rehe riss, wurden wir eingeschaltet und konnten per DNA nachweisen, welcher Hund dafür verantwortlich war. Wir bearbeiten aber auch immer wieder Fälle von Hundebissverletzungen bei Menschen. 

Stellt sich da nicht die Frage der Verhältnismässigkeit?
Das entscheiden nicht wir. Das ist Sache der Polizei und der Staatsanwaltschaft. ​

Weiten Sie Ihre Arbeit in Zukunft auf andere Tiere aus?
Weil es immer wieder zu Wilderei und auch zu Fahrerflucht im Zusammenhang mit Rehen kommt, folgen diese bei uns in der tierischen Forensik auf die Hunde. Grundsätzlich sind alle Tierarten möglich. In Deutschland arbeitet die Polizei etwa mit Katzen-DNA. 

Letzte Frage: Gibt es unter Tierhaltern verhältnismässig viele Verbrecher?
(Lacht). Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Das untersuchen wir nicht.

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13
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    Alle Leser-Kommentare
  • Fumo 07.06.2016 10:10
    Highlight "Gibt es unter Tierhaltern verhältnismässig viele Verbrecher?"

    Ernsthaft?
    26 6 Melden
    • Hexentanz 07.06.2016 13:53
      Highlight das..
      11 2 Melden
    • Tilman Fliegel 07.06.2016 15:20
      Highlight Die Sorte Tierhalter die Sachen sagt wie: "je besser ich die Menschen kenne umso mehr liebe ich die Tiere" hat schon psychopathische Züge finde ich.
      15 6 Melden
  • EvilBetty 07.06.2016 09:15
    Highlight «Lässt ein Täter Haare von seinem Hund an einem Tatort zurück, dann muss er erklären, wie diese dorthin gekommen sind. »

    Wohl kaum. Wenn er Täter ist, ist es ja schon klar dass er es war. Wenn er verdächtigt wird, würde dies eine Umkehr der Beweislast bedeuten. Das würde sich nicht durchsetzen lassen. Das wird einzig und allein als Druckmittel während eines Verhörs taugen.

    «Was weiss ich wer alles meinen Hund streichelt wenn ich im Coop bin.» Ademessi.
    19 2 Melden
    • Tomlate 07.06.2016 10:46
      Highlight Das mit den Vögeln und Haaren hab ich nicht gewusst 😂
      8 0 Melden
    • EvilBetty 07.06.2016 11:06
      Highlight Ja das meinte ich, das mit dem Coop war nir ein doofes Beispiel. 😊
      5 0 Melden
  • pfüdi 07.06.2016 09:07
    Highlight ich verstehe nicht wieso solche Sachen nicht stillgeschweigt werden... uns nützen diese Infos überhaupt nichts, spielen jedoch jedem Verbrecher in die Karten und zeigen, auf was er noch so alles achten muss. Für mich nicht verständlich, oder sehe ich das falsch?
    12 16 Melden
    • Felix Burch 07.06.2016 09:47
      Highlight Es ist nicht die Aufgabe der Medien, Informationen zurückzuhalten. Und: Jeder TV-Krimi behandelt Details, die für gewisse Personen hilfreich sein könnten.
      27 2 Melden
    • EvilBetty 07.06.2016 10:10
      Highlight Die Frage ist nicht wieso die Medien informieren, sondern wieso die Information an die Medien weitergereicht wird *aluhut*
      12 1 Melden
    • pfüdi 07.06.2016 15:36
      Highlight War nicht gegen watson gerichtet, eher gehen die Polizei. Die legen sich doch immer selber wieder ein Ei, wenn sie rumerzählen wie sie den Fall gelöst haben... den bekannten Schritt voraus, oder eben doch wieder nicht
      2 4 Melden
    • Fumo 07.06.2016 15:47
      Highlight Die Polizei kann nie einen Schritt voraus sein weil eine Tat erst begangen werden muss. Ausserdem ist das hier keine polizeiliche Information sondern eine Spekulation über eine Möglichkeit die zum Erfolg geführt haben könnte.
      Die Ermittler halten sich ja immer noch über genau Fakten bedeckt.
      6 1 Melden
    • _kokolorix 08.06.2016 07:23
      Highlight Geheimniskrämerei bietet sowieso nur eine Scheinsicherheit. Das Tierhaare einen Täter veraten können ist nichts neues und das diese heute mit DNA Proben ermittelt werden können liegt auf der Hand
      5 0 Melden

«Die Verschwörungs-Szene wird grösser, aggressiver und beängstigender»

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Das Buch heisst zwar «Verschwörung», aber eigentlich geht es um Daniele Ganser. Haben Sie ihn schon vor der legendären «Arena»-Sendung gekannt?Ich hatte von ihm gehört, persönlich gekannt hatte ich ihn nicht.

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