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Makaberer Fund: Eingemauerte Schädel im Tzompantli vor dem Templo Mayor in Tenochtitlan. Bild: Raúl Barrera Rodríguez

Schädelgestelle zeugen vom  grausamen Opferkult der Azteken

01.07.18, 19:11


Bernardino de Sahagún hatte viel gesehen, aber dieser Anblick entsetzte ihn zutiefst: Hunderte, wenn nicht tausende von Schädeln, auf Gestellen aufgereiht und von Fliegen umschwirrt, verströmten einen bestialischen Gestank. Der spanische Franziskanermönch, einer der besten Kenner der aztekischen Kultur, beschreibt in seiner «Historia general de las cosas de Nueva España» einen sogenannten Tzompantli. 

Die Azteken errichteten solche Holzgestelle, um darauf die Schädel von geopferten Menschen auszustellen. Der spanische Konquistador Bernal Diaz del Castillo berichtet in seinem Werk «Historia Verdadera de la Conquista de la Nueva España» von  einem Tzompantli, auf dem allein 100'000 Schädel aufgereiht gewesen seien. 

Doch solche Berichte der spanischen Eroberer über diese grässlichen aztekischen Praktiken galten in der kritischen Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts lange als massiv übertrieben. Es handle sich um Gräuelpropaganda, die die spanische Unterdrückung der indigenen Einwohner Mexikos rechtfertigen sollte. Archäologische Funde in Mexiko-Stadt – einst die aztekische Hauptstadt Tenochtitlan – zeigen nun aber, dass es solche riesigen Schädelgestelle tatsächlich gab, wie das Fachblatt «Science» berichtet.

«Feeding the gods: Hundreds of skulls reveal massive scale of human sacrifice in Aztec capital.» Science Magazine

Seit 2015 haben Forscher um Jorge Gómez Valdés vom mexikanischen Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH) Grabungen am Fuss des ehemaligen Templo Mayor, dem aztekischen Haupttempel, vorgenommen. Sie legten dabei Strukturen frei, die das Ausmass des dort errichteten Tzompantlis verdeutlichen: Das Schädelgestell bestand aus mehreren Reihen und war vermutlich 36 Meter lang, zwei bis drei Meter hoch und ebenso tief. Seitlich begrenzt wurde das Gestell von zwei etwa 1,7 Meter hohen Türmen, die aus eingemauerten Schädeln bestanden und einen Durchmesser von fünf Metern aufwiesen.

Darstellung eines Tzompantli. Auf dem riesigen Gestell konnten tausende von Schädeln zur Schau gestellt werden.  Bild: Youtube

Die Schädel fielen beim Opferkult der Azteken an, der den Fortbestand der Welt – insbesondere den täglichen Sonnenaufgang – sichern sollte. Die Menschenopfer waren gleichsam Nahrung für die Götter. Vornehmlich Huitzilopochtli, der Sonnen- und Kriegsgott, musste mit täglichen Opfern gnädig gestimmt werden. 

Blutiges Ritual: Menschenopfer für den Sonnengott.  Bild: Somoscultura.mx

Das Opfer wurde rücklings auf einen flachen Stein gelegt und festgehalten, während ein anatomisch versierter Priester ihm mit einer scharfen Obsidianklinge den Brustkorb öffnete, das noch schlagende Herz herausschnitt und der Sonne entgegenstreckte. Die Leiche wurde danach an einen anderen Ort gebracht, wo der Kopf abgetrennt und von Haut und Fleisch befreit wurde. Danach bohrte man zwei seitliche Löcher in den Schädel und reihte ihn dann auf einer waagrechten Holzstange im Gestell auf. 

Die Schädel wurden auf horizontale Stangen geschoben, die dann ins Gestell eingefügt wurden.  Bild: Wikimedia

Die Analyse von 180 bereits ausgegrabenen Schädeln aus der Fundstätte ergab, dass die geopferten Personen mehrheitlich Männer im Alter von 20 bis 35 Jahren waren. Rund 20 Prozent der Schädel stammten indes von Frauen und fünf Prozent von Kindern – dieser Befund überraschte die Forscher. Gemeinhin beschafften die Azteken sich die zu opfernden Gefangenen nämlich in sogenannten Blumenkriegen gegen andere mittelamerikanische Stämme, die ebenfalls Opfer benötigten. 

Darstellung im Codex Tovar (1587): Dem Kriegsgott Huitzilopochtli geweihter Tempel mit Tzompantli.   Bild: Wikimedia

Bei diesen Kriegen, die nicht der Eroberung von Territorium oder sonstwie der Machterweiterung dienten, traten Krieger in streng reglementierten Zweikämpfen gegeneinander an, wobei das Ziel darin bestand, den Gegner gefangen zu nehmen. Gefangene wurden gut behandelt; manchmal lebten sie monate- oder gar jahrelang in der Familie des Siegers, bevor sie geopfert wurden. 

Isotopenanalysen der Forscher bestätigten dies: Sie zeigten, dass die Opfer aus verschiedenen Teilen Mittelamerikas stammten. Sie dürften zu einem erheblichen Teil Kriegsgefangene gewesen sein und verbrachten vor ihrem gewaltsamen Tod mehrere Monate in Tenochtitlan. 

(dhr)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Herbert Anneler 01.07.2018 21:07
    Highlight Wäre ja einmal etwas für Hugo Stamm, statt immer das Christentum in den Dreck zu ziehen...
    38 98 Melden
    • loquito 02.07.2018 08:04
      Highlight Warum? Sogar hier haben die Christen alles überboten was es zu überbieten gibt...
      26 9 Melden
    • Astrogator 02.07.2018 19:18
      Highlight Das Christentum zieht sich selbst in den Dreck, Stamm ist nur der Bote.
      7 2 Melden
  • Ergenekon 01.07.2018 20:39
    Highlight Okultismus WoW...
    Findet sich in jedem Kirche, das in Altar, Ikonen, Galliosfiguren, Fresken.

    typisches Paganisten-Okultusmus eben was in Kirchen inszeniert wird.
    11 73 Melden
  • LordDiktator 01.07.2018 20:33
    Highlight Schnell weiter Fussball gucken XD
    72 12 Melden
  • LordDiktator 01.07.2018 20:31
    Highlight Was für eine niedliche Spezies der Mensch nur ist.
    115 9 Melden
  • loquito 01.07.2018 20:06
    Highlight 1X Opfer Inquisition googlen und das alles wirkt schon fast herzig... von bis zu 100 000 000 millionem Opfern geht man heute aus. Da waren die Azteken ja richtig human...
    19 89 Melden
    • balzercomp 01.07.2018 20:30
      Highlight Wieviele Opfer sollen das sein? 100 millionen millionen? Das wären also 100 Billionen (europäisch). Wenn ich extrem grosszügig von 10 Milliarden Menschen auf der Erde ausgehe, wäre das 10 Tausend mal die heutige Erdbevölkerung. Das ist schlicht unmöglich. Auch wenn die Inquisition schrecklich war, das hat auch sie nicht geschafft.
      140 13 Melden
    • Mischa Müller 01.07.2018 23:04
      Highlight 100 Millionen sollen das sein.
      18 6 Melden
    • loquito 02.07.2018 08:02
      Highlight Ja 100 Millionen... Sry...
      7 3 Melden
    • Pain in the Ass 03.07.2018 17:53
      Highlight Diese 100 Mio. Tote Lüge wird wohl ewig im Internet herumschwirren. Man geht heute von einer weitaus niedrigeren Anzahl Todesopfer aus. Es wird bereits seit Jahrzehnten von Historikern davor gewarnt von solch hohen Opferzahlen zu reden. Im Jahr 1998 ging man noch von ca 10 Mio. Tote aus. Heute vermutet man eine erheblich kleinere Zahl Todesopfer. Man geht davon aus, dass ca 1 bis 2% der Prozesse mit einem Todesurteil endeten.
      2 0 Melden
  • Goon 01.07.2018 19:53
    Highlight So eine Verschwendung von Ressourcen
    18 11 Melden
    • Nocciolo 01.07.2018 21:00
      Highlight Naja. Ohne das verharmlosen zu wollen. Die Mayas sind wahrscheinlich aufgrund mikroklimatischen Veränderungen wegen der Überbevökerung zugrunde gegangen. Somit könnten diese Menschenopfer auch einen positiven Effekt auf für die Gesamtbevölkerung gehabt haben.
      42 18 Melden

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