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Aztekischer Schädelturm

Makaberer Fund: Eingemauerte Schädel im Tzompantli vor dem Templo Mayor in Tenochtitlan. Bild: Raúl Barrera Rodríguez

Schädelgestelle zeugen vom  grausamen Opferkult der Azteken



Bernardino de Sahagún hatte viel gesehen, aber dieser Anblick entsetzte ihn zutiefst: Hunderte, wenn nicht tausende von Schädeln, auf Gestellen aufgereiht und von Fliegen umschwirrt, verströmten einen bestialischen Gestank. Der spanische Franziskanermönch, einer der besten Kenner der aztekischen Kultur, beschreibt in seiner «Historia general de las cosas de Nueva España» einen sogenannten Tzompantli. 

Die Azteken errichteten solche Holzgestelle, um darauf die Schädel von geopferten Menschen auszustellen. Der spanische Konquistador Bernal Diaz del Castillo berichtet in seinem Werk «Historia Verdadera de la Conquista de la Nueva España» von  einem Tzompantli, auf dem allein 100'000 Schädel aufgereiht gewesen seien. 

Doch solche Berichte der spanischen Eroberer über diese grässlichen aztekischen Praktiken galten in der kritischen Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts lange als massiv übertrieben. Es handle sich um Gräuelpropaganda, die die spanische Unterdrückung der indigenen Einwohner Mexikos rechtfertigen sollte. Archäologische Funde in Mexiko-Stadt – einst die aztekische Hauptstadt Tenochtitlan – zeigen nun aber, dass es solche riesigen Schädelgestelle tatsächlich gab, wie das Fachblatt «Science» berichtet.

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«Feeding the gods: Hundreds of skulls reveal massive scale of human sacrifice in Aztec capital.» Science Magazine

Seit 2015 haben Forscher um Jorge Gómez Valdés vom mexikanischen Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH) Grabungen am Fuss des ehemaligen Templo Mayor, dem aztekischen Haupttempel, vorgenommen. Sie legten dabei Strukturen frei, die das Ausmass des dort errichteten Tzompantlis verdeutlichen: Das Schädelgestell bestand aus mehreren Reihen und war vermutlich 36 Meter lang, zwei bis drei Meter hoch und ebenso tief. Seitlich begrenzt wurde das Gestell von zwei etwa 1,7 Meter hohen Türmen, die aus eingemauerten Schädeln bestanden und einen Durchmesser von fünf Metern aufwiesen.

Aztekisches Schädelgestell, Tzompnatli

Darstellung eines Tzompantli. Auf dem riesigen Gestell konnten tausende von Schädeln zur Schau gestellt werden.  Bild: Youtube

Die Schädel fielen beim Opferkult der Azteken an, der den Fortbestand der Welt – insbesondere den täglichen Sonnenaufgang – sichern sollte. Die Menschenopfer waren gleichsam Nahrung für die Götter. Vornehmlich Huitzilopochtli, der Sonnen- und Kriegsgott, musste mit täglichen Opfern gnädig gestimmt werden. 

Aztekisches Menschenopfer

Blutiges Ritual: Menschenopfer für den Sonnengott.  Bild: Somoscultura.mx

Das Opfer wurde rücklings auf einen flachen Stein gelegt und festgehalten, während ein anatomisch versierter Priester ihm mit einer scharfen Obsidianklinge den Brustkorb öffnete, das noch schlagende Herz herausschnitt und der Sonne entgegenstreckte. Die Leiche wurde danach an einen anderen Ort gebracht, wo der Kopf abgetrennt und von Haut und Fleisch befreit wurde. Danach bohrte man zwei seitliche Löcher in den Schädel und reihte ihn dann auf einer waagrechten Holzstange im Gestell auf. 

Aztekisches Schädelgestell, Tzompantli

Die Schädel wurden auf horizontale Stangen geschoben, die dann ins Gestell eingefügt wurden.  Bild: Wikimedia

Die Analyse von 180 bereits ausgegrabenen Schädeln aus der Fundstätte ergab, dass die geopferten Personen mehrheitlich Männer im Alter von 20 bis 35 Jahren waren. Rund 20 Prozent der Schädel stammten indes von Frauen und fünf Prozent von Kindern – dieser Befund überraschte die Forscher. Gemeinhin beschafften die Azteken sich die zu opfernden Gefangenen nämlich in sogenannten Blumenkriegen gegen andere mittelamerikanische Stämme, die ebenfalls Opfer benötigten. 

Aztekisches Schädelgestell, Tzompantli

Darstellung im Codex Tovar (1587): Dem Kriegsgott Huitzilopochtli geweihter Tempel mit Tzompantli.   Bild: Wikimedia

Bei diesen Kriegen, die nicht der Eroberung von Territorium oder sonstwie der Machterweiterung dienten, traten Krieger in streng reglementierten Zweikämpfen gegeneinander an, wobei das Ziel darin bestand, den Gegner gefangen zu nehmen. Gefangene wurden gut behandelt; manchmal lebten sie monate- oder gar jahrelang in der Familie des Siegers, bevor sie geopfert wurden. 

Isotopenanalysen der Forscher bestätigten dies: Sie zeigten, dass die Opfer aus verschiedenen Teilen Mittelamerikas stammten. Sie dürften zu einem erheblichen Teil Kriegsgefangene gewesen sein und verbrachten vor ihrem gewaltsamen Tod mehrere Monate in Tenochtitlan. 

(dhr)

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Herbert Anneler 01.07.2018 21:07
    Highlight Highlight Wäre ja einmal etwas für Hugo Stamm, statt immer das Christentum in den Dreck zu ziehen...
    • loquito 02.07.2018 08:04
      Highlight Highlight Warum? Sogar hier haben die Christen alles überboten was es zu überbieten gibt...
    • Astrogator 02.07.2018 19:18
      Highlight Highlight Das Christentum zieht sich selbst in den Dreck, Stamm ist nur der Bote.
  • Ergenekon 01.07.2018 20:39
    Highlight Highlight Okultismus WoW...
    Findet sich in jedem Kirche, das in Altar, Ikonen, Galliosfiguren, Fresken.

    typisches Paganisten-Okultusmus eben was in Kirchen inszeniert wird.
  • loquito 01.07.2018 20:06
    Highlight Highlight 1X Opfer Inquisition googlen und das alles wirkt schon fast herzig... von bis zu 100 000 000 millionem Opfern geht man heute aus. Da waren die Azteken ja richtig human...
    • balzercomp 01.07.2018 20:30
      Highlight Highlight Wieviele Opfer sollen das sein? 100 millionen millionen? Das wären also 100 Billionen (europäisch). Wenn ich extrem grosszügig von 10 Milliarden Menschen auf der Erde ausgehe, wäre das 10 Tausend mal die heutige Erdbevölkerung. Das ist schlicht unmöglich. Auch wenn die Inquisition schrecklich war, das hat auch sie nicht geschafft.
    • Mischa Müller 01.07.2018 23:04
      Highlight Highlight 100 Millionen sollen das sein.
    • loquito 02.07.2018 08:02
      Highlight Highlight Ja 100 Millionen... Sry...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Goon 01.07.2018 19:53
    Highlight Highlight So eine Verschwendung von Ressourcen
    • Nocciolo 01.07.2018 21:00
      Highlight Highlight Naja. Ohne das verharmlosen zu wollen. Die Mayas sind wahrscheinlich aufgrund mikroklimatischen Veränderungen wegen der Überbevökerung zugrunde gegangen. Somit könnten diese Menschenopfer auch einen positiven Effekt auf für die Gesamtbevölkerung gehabt haben.

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