Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Prostituierte

Prostituierte in einem Bordell. 
Bild: AP

Immer mehr junge Männer gehen ins Puff. Früher war das auch schon so

Käuflicher Sex soll bei jungen Männern wieder im Schwange sein. Früher erlebten Heranwachsende ihr erstes Mal oft in einem Bordell. 



Es soll ein Trend sein: Immer öfter würden 16- bis 18-Jährige Sex bei Prostituierten kaufen, berichtet der «Tages-Anzeiger». Falls dem so ist, wäre es eine Mode, die zurück in die Vergangenheit weist: Noch vor fünfzig Jahren verloren viele junge Männer ihre Unschuld in einem Bordell.

Seither hat sich jedoch die Gesellschaft stark gewandelt. Die Zeiten des Konkubinatsverbots – das in gewissen Kantonen auf dem Papier tatsächlich noch bis in die Neunzigerjahre überdauerte – sind endgültig vorbei. Rigide Regeln, die es den Jugendlichen verunmöglichen, sexuelle Kontakte zu haben, gibt es kaum mehr. Junge Männer müssen nicht mehr zu Prostituierten gehen, um sexuelle Erfahrungen zu machen. 

Prostituierte bieten sich an im Niederdorf am Donnerstag, 21. April 2011 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Käuflicher Sex: Prostituierte bieten sich im Zürcher Niederdorf an.
Bild: KEYSTONE

Bordellbesuch als Firmgeschenk

Trotzdem gibt es noch hartnäckige Reste des einst viel weiter verbreiteten Inititationsrituals, mit dem männliche Jugendliche in die Sexualität eingeführt werden. Vor gut drei Jahren berichtete das österreichische Nachrichtenportal derstandard.at unter dem süffigen Titel «Nach der Firmung ins Bordell», es komme in der Steiermark immer wieder vor, dass Firmpaten den frisch Gefirmten einen Bordellbesuch schenkten. Da Bordellbesuche von Minderjährigen untersagt sind, wurden die Behörden aktiv. Sie erstatteten in nicht weniger als 162 Fällen Anzeige gegen Jugendliche, Erziehungsberechtigte und Wirte. 

Sex antike griechische Vase

Sex-Szene auf einer antiken griechischen Vase. 
Bild: theracerx.files.wordpress.com

Die Prostitution wird nicht umsonst das «älteste Gewerbe» genannt, der Tausch von Gütern gegen Sex ist sogar schon bei den Bonobos, den nächsten Verwandten des Menschen, beobachtet worden. Käuflicher Sex als Initiationsritus, mit dem die Schwelle zum Erwachsensein überschritten wird, dürfte vermutlich auch sehr alt sein.

Prostitution in der Antike

Im antiken Griechenland, zumindest in Athen, war es für junge Männer schwierig, sexuelle Beziehungen mit freien Bürgerinnen zu haben. Vor dem 30. Lebensjahr konnten die Männer in aller Regel nicht heiraten. Für sie war es daher gesellschaftlich akzeptabel, zu Prostituierten zu gehen. Erste sexuelle Erfahrungen machten junge Griechen allerdings oft als der jüngere Partner in einer homoerotischen Beziehung – die Knabenliebe war bei den Hellenen gesellschaftlich anerkannt, wenn sie in bestimmten Formen ausgelebt wurde. 

Auch im alten Rom galt es für junge Männer als normal, Sex zu kaufen. Sogar die Ärmsten konnten sich dies leisten. Man darf annehmen, dass viele Männer ihr erstes Mal im Bett einer Prostituierten erlebten – oder eine Sklavin dazu zwangen. 

Erotische Wandmalerei Pompeij

Erotische Wandmalerei in Pompeij. 
Bild: PD

Von den Eltern empfohlen

Wenn adoleszente Männer aus gutem Hause Mitte des 18. Jahrhunderts in England ins Bordell gingen, um «ihre Hörner abzustossen», dann taten sie das nicht nur, weil sie von Gleichaltrigen dazu ermuntert worden waren. Oft hätten ihnen auch ihre Eltern den Bordellbesuch empfohlen, heisst es in einer Studie zum Männerbild in England

Auch etwas später, im nicht gerade für seine sexuelle Freizügigkeit bekannten Viktorianischen Zeitalter, verloren die meisten Söhne der Mittelschichts-Familien ihre Jungfräulichkeit bei einer «Femme facile». Je strikter es jungen Frauen aus bürgerlichem Hause verboten war, vor der Ehe sexuelle Erfahrungen zu machen, desto mehr Zulauf konnten die Bordelle verzeichnen. Während heranwachsende Männer der unteren Klassen eher bei Mädchen aus ihrer Schicht zum Zuge kamen, waren ihre Geschlechtsgenossen aus der Mittelschicht beinahe dazu verdammt, ihre ersten sexuellen Erfahrungen im Bordell zu machen. 

Prostituierte viktorianisches Zeitalter

Prostituierte in der Viktorianischen Ära.
Bild: sexualitythroughouttheages.wordpress.com

Schulknaben als Kunden

Dagegen konnte – oder vielmehr wollte – auch die Justiz nicht viel ausrichten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es den Bordellbetreibern in Frankreich gesetzlich verboten, Minderjährige oder Schulknaben als Kunden anzunehmen. In der Praxis fand jedoch auch dieses junge Klientel problemlos ihren Weg in die «Maisons de tolérance». Der französische Romancier Paul Bourget beschrieb es so: «Es ist in diesen Klostern der Lust, unter den beschützenden Augen der Polizei, dass fast alle jungen Jungfräulichkeiten geschlachtet werden.»

Ganz verschwunden sind diese «Rites de passage» auch heute noch nicht. Gerade in Milieus, wo eine traditionelle Männlichkeit hoch im Kurs steht, können Heranwachsende unversehens im Puff landen – beispielsweise im Berufsleben: Der Soziologe Udo Gerheim von der Universität Bremen berichtet in seinem Buch «Die Produktion des Freiers» von einem alljährlichen Betriebsausflug eines Handwerksbetriebs, bei dem die männliche Belegschaft eine Fachmesse in der Grossstadt besuchte. Danach habe das Ritual verlangt, dass die älteren Männer den neuen Lehrlingen einen sogenannten «Frei-Bums» im Bordell spendierten. Nicht alle der solchermassen Beglückten waren froh über dieses Geschenk: In einem Fall rief ein Lehrling hinter verschlossener Tür um Hilfe – sehr zum Amüsement der anderen Männer.

Ein intimer Blick in die Bordellzimmer dieser Welt

Das könnte dich auch interessieren:

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Achja 08.11.2015 22:00
    Highlight Highlight Bei uns war es üblich das wir während den Blockkursen in Bordelle gingen. Machte meine Lehre in einem männerdominierten Handwerksberuf, um die Jahrtausendwende. Wie das jetzt ist weiss ich nicht.
  • Miicha 07.11.2015 15:17
    Highlight Highlight Früher gab es auch das Internet nicht mit "Videos" die zeigen, was Sexualität sein soll. Die jungen Männer heutzutage kriegen mit Pornos und Prostitution ein falsches Bild vermittelt.
  • Loone 07.11.2015 12:57
    Highlight Highlight Das Buch von Udo Gerheim ist wirklich empfehlenswert. Es zeigt Zusammenhänge auf, wieso es seit jeher Freier gibt. Auch wird erklärt, wieso Prostituerte als "Abschaum" der Gesellschaft gelten: Einerseits, weil natürlich normale Frauen sie verurteilen und gewissermassen als Konkurrenz wahrnehmen. Andererseits werden sie auch von den Männer (die ihre Angebote nutzen!) stigmatisiert. Obwohl (oder gerade weil) Männer also abhängig sind von Prostituierten, reden sie sie schlecht. Die Doppelmoral lässt grüssen...
    • Loone 07.11.2015 14:18
      Highlight Highlight @Rhabarber
      Die Abhängigkeit der Frau hat in den letzten Jahren ja Gott sei Dank abgenommen. Demzufolge geht es heute vermehrt um Konkurrenz in der Sexualität als im Überleben.

      Natürlich werden Prostituierte auch heute noch abgewertet. Das zeigt sich nur schon, weil keine Frau offiziell zugibt, dass sie sich prostituiert. Daher kommt auch die Unterteilung der Frauen in Heilige (="normale" Frauen) und Hure (=Prostituierte).
      Ob diese Stigmatisierung jedoch mehr von den Männern oder von den Frauen her kommt, weiss ich nicht.

Die grosse Vertuschung: Streng geheime Tschernobyl-Dokumente veröffentlicht

Dokumente aus den innersten Zirkeln der sowjetischen Machtzentrale geben einen Einblick, wie der Kreml die Reaktorkatastrophe vertuschen wollte – und warum die USA das «PR-Fiasko» nicht ausnutzen wollten.

Als im Mai 1986 nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl die Opferzahlen steigen, steigen offiziell auch die Zahlen jener, die angeblich unversehrt die Krankenhäuser verlassen können.

Wie aus Dokumenten hervorgeht, die das «National Security Archive» nun zugänglich macht, liegt das an einem Trick des sowjetischen Gesundheitsministeriums: Der als kritisch erachtete Grenzwert für radioaktive Strahlung, der eine Person maximal ausgesetzt sein darf, wird schlicht um ein Vielfaches heraufgesetzt. …

Artikel lesen
Link zum Artikel