Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Vorsicht beim Kuscheln 

Ihr Büsi ist vielleicht herzig, aber es ist auch eine Keimschleuder

Wenn eine Epidemie wie die Vogelgrippe in den Schlagzeilen ist, fürchten Menschen plötzlich, sie könnten sich bei ihrem Haustier anstecken. Viel wahrscheinlicher ist aber eine Infektion mit ganz gewöhnlichen Krankheiten. 

irene habich / spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online
kuscheln katze

Haustiere können Krankheitserreger in sich tragen, ohne selber zu erkranken. Bild: shutterstock

Es ist eine traurige Beobachtung: Wenn die Vogelgrippe ausbricht, setzten panische Tierhalter Kanarienvögel und Katzen aus – weil sie fürchten, sich bei ihnen anzustecken. Und in Spanien wurde der Hund einer Ebola-Infizierten sogar sicherheitshalber getötet. Solange es keinen Seuchenalarm gibt, sind viele Menschen hingegen völlig sorglos im Umgang mit ihren Haustieren.

Zwar ist das Risiko gering, sich beim tierischen Mitbewohner anzustecken, aber es ist vorhanden. «Tierhalter sollten wissen, dass ihre Haustiere Krankheitserreger in sich tragen können, ohne zwangsläufig selbst zu erkranken», sagt Peter Weidenfeller vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

So werden über den Kot von Hunden, Katzen und nahezu allen weiteren Haustieren Bakterien oder auch Würmer übertragen, die beim Menschen zum Beispiel Durchfallerkrankungen auslösen können. Nagetiere wie Hamster oder Meerschweinchen können Menschen mit Hautpilzen anstecken. Weil sie so weich und kuschelig sind, würden die Kleinnager häufig ans Gesicht gehalten, sagt Weidenfeller. Typischerweise treten dort dann juckende, schuppende Rötungen auf.

Tipps für den Umgang mit Tieren

Katzen können Toxoplasmen übertragen

Beim Umgang mit Katzen sollten vor allem Schwangere vorsichtig sein. Sie können sich über Katzenkot mit Toxoplasmen infizieren, Parasiten, die dem ungeborenen Baby schaden können. Weidenfeller empfiehlt: «Wenn bereits eine Risikoschwangerschaft besteht, sollte man darüber nachdenken, Katzen vorübergehend in einem anderen Haushalt unterzubringen.» Bei einer unproblematisch verlaufenden Schwangerschaft ist diese Vorsichtsmassnahme nicht notwendig. Schwangere sollten aber nach Möglichkeit nicht selbst das Katzenklo säubern – und falls doch, dabei Einmalhandschuhe tragen.

Gefährlich sind Bisse von Katzen: Weil ihre Zähne so lang und spitz sind, dringen dabei Bakterien tief in die Bisswunde ein. So können schlimme Entzündungen und sogar Blutvergiftungen entstehen.

Äusserst unwahrscheinlich sei es hingegen, sich bei seiner Katze mit Vogelgrippe anzustecken. Zwar bestehe theoretisch die Möglichkeit, dass Katzen daran erkranken – wenn sie einen Vogel fressen, der das Virus in sich trägt. Daher sollten die Vierbeiner in Vogelgrippe-Sperrgebieten möglichst keinen Freigang bekommen. «Das Virus würde sich aber nicht auf den Halter der Katze weiter übertragen, wenn der einen normalen Umgang mit dem Tier hat», sagt Weidenfeller. 

Was viele Haustierbesitzer nicht wüssten: Krankheiten können auch zwischen Mensch und Tier hin- und hergegeben werden. So können beispielsweise Hund und Katze als Reservoir für Bakterien wie den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) dienen. Eine MRSA-Infektion ruft Entzündungen und manchmal auch Blutvergiftungen hervor, die sich nur schwer behandeln lassen. Wenn ein befallener Mensch zu Hause den Keim auf sein Haustier überträgt, entsteht ein gefährlicher Kreislauf. «Selbst wenn der Tierhalter erfolgreich behandelt wurde, kann er sich bei seinem Haustier immer wieder erneut anstecken.»

Umfrage

Darf Ihr Haustier bei Ihnen im Bett schlafen?

  • Abstimmen

110 Votes zu: Darf Ihr Haustier bei Ihnen im Bett schlafen?

  • 45%Na klar
  • 16%Ja, aber nur manchmal
  • 18%Nein, nie
  • 19%Ich habe kein Haustier

Riskantes Kuscheln mit der Bartagame

Noch zu wenig bekannt sei das besondere Risiko, das von der Haltung exotischer Haustiere ausgehe, sagt Wolfgang Rabsch vom Robert Koch-Institut (RKI) in Wernigerode. Das RKI warnte im Epidemiologischen Bulletin 2013 davor, dass Reptilien Träger exotischer Salmonellen-Stämme sind und sich immer häufiger Kleinkinder bei den Tieren infizieren.

Salmonellenerkrankungen führen zu Erbrechen, schweren Durchfällen und Fieber. Sie können bei kleinen Kindern, aber auch bei Erwachsenen mit abgeschwächter Immunreaktion oder älteren Menschen tödlich verlaufen. In Österreich starb vor drei Jahren ein Einjähriger, der sich bei einem Waran mit Salmonellen angesteckt hatte.

«Eltern halten die feder- und haarlosen Reptilien oft für besonders sauber – zu Unrecht», sagt Rabsch. Weil sich die Tiere kriechend bewegen, kommen sie ständig mit ihrem eigenen Kot in Berührung. Dadurch verteilen sich Salmonellen, die sonst vor allem den Darm besiedeln, auf der Körperoberfläche der Tiere. Sie bilden dort einen widerstandsfähigen Biofilm und können beim Streicheln übertragen werden.

Und kleine Echsen wie zum Beispiel Bartagamen sind oft niedlich. «Sie sehen aus wie kleine Drachen, deshalb spielen Kinder gerne mit ihnen, küssen sie», sagt Rabsch. Viele Halter wüssten nicht, welche Gesundheitsrisiken von den Exoten ausgehen. Darüber hinaus hätten sie oft auch keine Ahnung, wie die Tiere richtig zu halten sind – und hielten sie in Terrarien mit der falschen Grösse oder Temperatur. «Bei den Tieren verursacht das Stress, und unter Stress scheiden sie besonders viele Salmonellen aus», sagt Rabsch.

Katzen im Weihnachtsbaum



Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

7 Dinge, für die die Wissenschaft keine Erklärung hat

Die Wissenschaft ist eine feine Sache. Sie erklärt uns die Welt und ermöglicht uns, im Internet Sommerloch-Artikel zu lesen. Aber es gibt ein paar Dinge, an denen sich die Wissenschaftler mit ihren Erklärungsversuchen bisher die Zähne ausgebissen haben. Hier sind sieben davon: 

Schon die alten Griechen kannten das Phänomen: Es gibt Leute, die müssen niesen, wenn sie plötzlich aus einer dunklen Umgebung ins Helle treten. Und zwar – bis auf wenige bedauernswerte Ausnahmen – maximal …

Artikel lesen
Link to Article