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Mammut

Noch kein vertrauter Anblick. Aber die DNA des Mammuts könnte man sich neu zusammensetzen mit CRISPR/Cas. Bild: Shutterstock

So versuchen Forscher, ausgestorbene Tierarten wiederzubeleben

Die «De-extinction» (Rück-Ausrottung) ausgestorbener oder akut vom Aussterben stehender Tierarten steht im Fokus von Wissenschaftern, die hoffen, etwas gegen den aktuell grassierenden Artenschwund auf der Erde unternehmen zu können.

14.07.18, 16:16 14.07.18, 17:01

Jörg Zittlau / Schweiz am Wochenende



Eigentlich ist das Nördliche Breitmaulnashorn ausgestorben. Denn seine letzten Exemplare – zwei ältere Weibchen – sind unfruchtbar, ihre Eileiter arbeiten nicht mehr. Es würde daher nichts bringen, sie mit dem Sperma der Bullen zu behandeln, das schon seit längerem in Labors auf seinen Einsatz wartet.

Doch ein internationales Forscherteam stellt Hilfe aus dem Dilemma in Aussicht: durch eine Introzytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Sie ist bislang eher als künstliche Befruchtungsmethode für den Menschen bekannt – jetzt soll sie helfen, eine fast schon verschwundene Tierart vor dem Aussterben zu bewahren.

Ein Forscherteam um Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung plant für September, den beiden letzten Weibchen einige Eizellen zu entnehmen, sie mit einer Injektionsnadel zu befruchten und den Kühen einer eng verwandten Nashornunterart, des Südlichen Breitmaulnashorns, zu implantieren.

Sie würden als Leihmütter fungieren und später ein Nördliches-Nashorn-Baby gebären. Wenn es gut läuft. Und davon ist Hildebrandt überzeugt, weil man im Labor bereits Hybrid-Embryonen aus dem Sperma von nördlichen und den Eizellen von südlichen Exemplaren erzeugen konnte. «Wir hoffen, dass die Nördlichen Breitmaulnashörner in drei Jahren wieder Nachwuchs haben werden», gibt sich Hildebrandt optimistisch.

Thomas Hildebrandt spricht im TED-Talk über die faszinierende Aufgabe

Video: YouTube/TEDx Talks

Dodo, Auerochse, Wollmammut ...

Das Projekt des deutschen Veterinärmediziners steht nicht allein. Die «De-extinction» (Rück-Ausrottung) ausgestorbener oder akut vom Aussterben stehender Tierarten steht im Fokus von Wissenschaftern, die hoffen, etwas gegen den aktuell grassierenden Artenschwund auf der Erde unternehmen zu können. Zu den heissen Kandidaten für die Wiederbelebung zählen Heidehuhn, Dodo, Wandertaube, Auerochse, Pyrenäensteinbock und sogar das Wollmammut.

Die dafür eingesetzten Methoden sind genauso unterschiedlich wie die auserkorenen Tierarten. So setzt man beim Auerochsen auf Züchtung und Vererbungslehre. Denn von diesem, vor rund 400 Jahren ausgestorbenen Paarhufer gibt es ja Nachfahren: unsere gewöhnlichen Hausrinder. In einigen ihrer Rassen steckt noch relativ viel Auerochsen-Erbgut, weswegen man diese nun so miteinander kombinieren und züchten will, dass die genetische Uhr zurückgedreht wird – und am Ende wieder ein Auerochse herauskommt.

Der Name dieses Projekts: Tauros. Die bisherigen Züchtungen sind bereits überaus athletisch und wehrhaft, könnten auch ein Wolfsrudel in die Flucht schlagen. In etwa 15 Jahren oder 5 Generationen soll man die Tauros-Rinder zumindest äusserlich nicht mehr vom Auerochsen unterscheiden können.

Bei Dodo, Mammut, Wandertaube und Pyrenäensteinbock setzen die Wissenschafter hingegen auf die Technik des Klonens. Die Erfolgschancen sind dabei umso grösser, je mehr funktionstüchtiges Erbgut man noch von dem ausgestorbenen Tier hat – und das ist der Fall, wenn sein Verschwinden noch nicht so lange her ist. Wie etwa beim Pyrenäensteinbock, dessen letztes Exemplar vor knapp 20 Jahren von einem umfallenden Baum erschlagen wurde.

Glücklicherweise hatten spanische Forscher kurz vorher Gewebeproben von ihm entnommen und eingefroren. Daraus konnte man genug Erbmaterial gewinnen, um es insgesamt 57 Ziegen und Ziegen-Hybriden einzupflanzen.

Von denen wurden zwar sieben schwanger, doch nur in einem Fall – einer Kreuzung aus einer Hausziege und einem spanischen Steinbock – entwickelte sich ein Kitz des Pyrenäensteinbocks. Es kam 2003 per Kaiserschnitt zur Welt. Allerdings überlebte es nur wenige Minuten, weil seine Lungen nicht ausentwickelt waren. Der Pyrenäensteinbock ist bislang die einzige Art, die mithilfe der Klontechnik erfolgreich wiederbelebt wurde – und die einzige, die zwei Mal ausstarb.

Züchten, klonen, DNA basteln

Von daher dürften die Chancen für eine Wiederkehr des Mammuts noch geringer sein. Denn seine sterblichen Reste liegen schon seit Jahrtausenden im Eis, und Zellen dürfen nicht länger als 16 Jahre tiefgefroren sein, wenn man sie noch zum Klonen verwenden will.

Doch auch hier arbeiten Forscher an einer Lösung für das Problem. Denn es gibt zwar kein intaktes und funktionierendes Mammut-Erbgut mehr, aber nach ausführlichen Fossiluntersuchungen weiss man mittlerweile, wie es aussieht. Die Forschung kennt seine genauen DNA-Sequenzen, und die hat man auch schon mit denen heutiger Dickhäuter verglichen.

Das Ergebnis: Der nächste noch lebende Verwandte des Mammuts ist der Asiatische Elefant. Die Wege dieser beiden haben sich erst vor rund sechs Millionen Jahren voneinander getrennt, sie sind also ähnlich nah verwandt wie Schimpanse und Mensch.

Ein Forscherteam um George Church von der Harvard University hat daher begonnen, bestimmte Stücke vom Erbgut des Asiatischen Elefanten auszuschneiden und sie durch DNA-Sequenzen zu ersetzen, die man nach Mammut-Vorbild konstruiert hat.

CRISPR/Cas

Möglich macht das ein Verfahren namens CRISPR/Cas, mit dem man DNA gezielt schneiden und verändern kann. 44 Abschnitte im Elefantenerbgut hat man damit bereits in Richtung Mammut dirigiert. Würde man Embryonen daraus erzeugen und einer Elefantenkuh einsetzen, könnte sie zumindest schon ein besonders robustes Elefantenkalb mit langem Fell gebären – denn die dafür zuständigen Gene wären bereits eingebaut.

Weitaus wahrscheinlicher wäre aber, dass bei dieser Schwangerschaft genauso wenig herauskommt wie beim Pyrenäensteinbock. Denn offenbar haben Embryonen in einer artfremden Leihmutter Probleme, sich zu einem überlebensfähigen Baby zu entwickeln. Church plant daher eine künstliche Gebärmutter, in der das Jungmammut bis zur Geburt heranwachsen soll. Eine entsprechende Studie dazu wird demnächst veröffentlicht.

Ähnlich wie bei den Mammuts haben Wissenschafter auch schon an der Wiederbelebung der Dinosaurier gearbeitet. Doch die sind schon seit 65 Millionen Jahren verschwunden und ihre nächsten, noch lebenden Verwandten sind die Vögel. Man müsste dort also sehr viele Erbgutstücke austauschen, um sie in Dino-Richtung zu verändern. Einen realen «Jurassic Park» wird es also in absehbarer Zeit nicht geben.

Das Massenaussterben läuft

«Resurrection Biology» (Auferstehungsbiologie) wurde lange als Utopie von Romantikern oder Science-Fiction-Fans belächelt, die aus der Erde eine Art Jurassic Park machen wollen. Doch mittlerweile wird sie unter Wissenschaftern sehr ernsthaft diskutiert. Der Grund: Die Natur wird derzeit von einem Massenaussterben heimgesucht, das man mit der Dinosaurier-Katastrophe vor 65 Millionen Jahren vergleichen kann.
Laut einem Bericht der Vereinten Nationen verschwinden – nicht zuletzt aufgrund menschlicher Aktivitäten – jeden Tag bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten. Warum sollte man davon, so das Argument der De-extinction-Forscher, nicht die eine oder andere wiedererwecken, um für mehr Biodiversität auf dem Globus zu sorgen?
Kritiker bemängeln allerdings, dass wiederbelebte Tierarten ja irgendwo angesiedelt werden müssten, wo sie dann das ökologische Gefüge durcheinanderbringen könnten. Und Tierarten wie das Nördliche Breitmaulnashorn müssten damit rechnen, erneut zum Opfer von Wilderern zu werden.

(aargauerzeitung.ch)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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29
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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Paternoster 15.07.2018 16:36
    Highlight Was gemacht werden kann, wird gemacht....
    Egal ob nötig, sinnvoll, das ist komplett egal.
    8 2 Melden
  • Paternoster 15.07.2018 16:29
    Highlight Also ein stärkeres Aphrodisiacum und ein "X endlich grösser Werderchen" Mittel von einem zermahlenen Mammutzahn kann sich ein Chinese doch gar nicht wünschen
    5 1 Melden
  • Gawayn 15.07.2018 06:19
    Highlight Ich denke auch, wie Viele Kommentatoren, das ausgestorbene Rassen zurück züchten zu wollen, keine Lösung ist.

    Klar für die Forscher ein lukratives Ziel.
    Doch selbst wenn man genügend von EINEM der Tiere zurück züchten könnte.
    Es bräuchte vermutlich mehr als ein DUTZEND. Die auch noch aus verschiedenen Blutlinien kämen.

    Wo sollten die dann leben?
    In Gefangenschaft, nur um zahlende Zuschauer zu belustigen?

    Besser die Mittel für den Erhalt der noch vorhandenen Arten einsetzen.
    26 1 Melden
    • Gawayn 15.07.2018 09:06
      Highlight @Larss
      Witziger, aber auch völlig sinnfreier Kommentar
      3 10 Melden
  • Troll Watson 14.07.2018 19:33
    Highlight Der Weg, den wir hier einschlagen, ist doch äusserst interessant.
    Jahrelang macht unsere Welt Fortschritte in rasendem Tempo, aber es hat auch lange gebraucht, um die Konsequenzen von diesen zu erkennen.
    Immer wieder muss ich Kommentare von Stammtischproleten lesen wie: "mimimi der Mensch ist Schlecht", "Der Mensch zerstört alles!", "Ohne Menschen wäre alles besser".
    Aber durch den Fortschritt, welchen wir erreicht haben, eröffnen sich gewaltige Möglichkeiten den Schaden rückgängig zu machen, welchen wir angerichtet haben.
    Zumindest sind wir schon mal so weit zu erkennen wo wir stehen.
    34 22 Melden
    • Fabio74 15.07.2018 06:59
      Highlight Man sollte eben zuerst denken und nicht wenn alles kaputt ist,sich fragen warum.
      Aber Profitgier, Kurzsichtigkeit und Dummheit verhindern dies
      12 2 Melden
    • Gawayn 15.07.2018 07:51
      Highlight Ohne diesen Fortschritt und diese "gewaltigen Möglichkeiten" gäbe es diese Probleme erst gar nicht, die man mit eben diesem Fortschritt lösen wollte.

      Man kann nichts rückgängig machen. Genauso wenig, wie man die Zeit zurück drehen kann.

      Das EINZIGE das helfen würde, wäre eine Kehrtwende.
      Nichts mehr herstellen, was nicht biologisch abbaubar wäre.
      Nichts abbauen, was nicht in gleichen Mengen nd Zeit wieder aufbaubar wäre.

      Das aber, wäre halt nicht lukrativ genug.
      8 2 Melden
    • zwan33 15.07.2018 09:34
      Highlight Auch ohne Einfluss des Menschen würde Tierarten aussterben. Allerdings wäre es dann tatsächlich kein Problem, da es niemanden kümmern würde.
      5 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 14.07.2018 19:32
    Highlight Die Rückzüchtung ausgestorbener Arten ist zwar ein hehres Ziel, aber wenn wir nicht die Gründe ausrotten, weshalb die Tiere ausgestorben sind, werden alle rückgezüchteten Tierarten wieder und wieder aussterben.
    71 7 Melden
    • zwan33 15.07.2018 09:30
      Highlight Du willst Meteoriteneinschläge ausrotten? ;-)
      1 5 Melden
    • lilie 15.07.2018 11:25
      Highlight @zwan: Dort würd ich anfangen! Und bei den Vulkanen!
      4 0 Melden
  • Pana 14.07.2018 17:53
    Highlight Jurassic Park, make it happen. Dank den Filmen sind wir auch für alle Notfälle bestens vorbereitet.
    57 12 Melden
  • The Origin Gra 14.07.2018 17:20
    Highlight Ich hoffe das bald wieder Ausgestorbene Arten zurückkehren
    23 23 Melden
    • blobb 14.07.2018 18:42
      Highlight Wozu das? Damit du sie im Zoo bestaunen kannst?
      27 12 Melden
    • The Origin Gra 14.07.2018 19:31
      Highlight Nein Blobb, um den Mammuts in der Sibirischen Tundra von genügend Abstand aus zusehen zu können, ohne Glasscheibe dazwischen.
      19 4 Melden
    • Tenno 14.07.2018 21:49
      Highlight Oder für einen Mammut Burger!
      32 3 Melden
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  • pinex 14.07.2018 17:18
    Highlight Sehr interessant aber auch ethisch fragwürdig...
    72 44 Melden
    • Beat Galli 14.07.2018 17:32
      Highlight Was den. Tiere auszurotten? Oder sie wieder zurückzuholen?
      31 5 Melden
    • NaSkivaL 14.07.2018 17:47
      Highlight Ich sag dir, was WIRKLICH ethisch fragwürdig ist.

      Dass die allgegenwärtige Zerstörung und Verschmutzung des Planeten durch Menschen es überhaupt erst nötig macht, über solche Dinge wie im Artikel nachdenken zu müssen.

      Ethisch fragwürdig find ich es auch, wenn jemand, der z.B. Auto fährt, in Urlaub fliegt oder allgemein nicht sehr nachhaltig lebt, die Ideen von Leuten niedermacht, die wenigstens darüber nachdenken, wie man die Zerstörung dieser wunderschönen Welt ausbremsen oder aufhalten könnte.
      32 31 Melden
    • blobb 14.07.2018 18:40
      Highlight Ich muss Pinex Recht geben.
      Nur wenn Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum leben können ist es ethisch korrekt. Für ausgestorbene Tiere gibt keinen solchen, darum sind sie ja ausgestorben.
      Man sollte sich lieber darauf konzentrieren, dass möglichst wenig HEUTE lebende Tiere verschwinden und nicht noch mehr Lebensraum zerstört wird.

      Abgesehen davon sind solche künstlich wiedererweckte Arten nicht überlebenfahig, da die Genvielfalt im Arsch ist.

      29 8 Melden
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