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Seltene Missbildung: Wieso hat der Puma Zähne auf dem Kopf?

In Idaho hat ein Jäger einen Puma mit seltsamer Missbildung erlegt: Aus dem Kopf des Tieres ragt die Spitze eines zweiten Unterkiefers. Wie kann das sein?

Julia Merlot



This Dec. 30, 2015, photo released by the Idaho Department of Fish and Game (IDFG), shows a deformed mountain lion with teeth growing out of its forehead. Biologists are trying to determine what caused the strange growth on the animal, which was legally killed by a hunter in southeast Idaho near the Utah border. (Idaho Department of Fish and Game via AP)

Ein Artikel von

Spiegel Online

«Das ist wirklich extrem ungewöhnlich», sagt Gudrun Wibbelt, Veterinärpathologin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Für Spiegel Online hat sie die Bilder eines Pumas untersucht, dem die Spitze eines zweiten Unterkiefers auf dem Kopf gewachsen ist. Am Montag machte ein Foto des Tiers in sozialen Netzwerken und internationalen Medien die Runde, auch Spiegel Online berichtete darüber.

Pumas, auch Berglöwen genannt, kommen in Nord- und Südamerika vor. Da die Tiere sehr scheu sind, begegnen Menschen ihnen nur selten. Im Winter allerdings, wenn das Wild in den Bergen grosse Höhen verlässt, um Kälte und tiefem Schnee zu entgehen, trauen sich auch die Raubtiere vom Berg herunter. In ausgewählten Regionen und zu festgelegten Zeiten dürfen Pumas dann in den USA gejagt werden.

Das ungewöhnliche Exemplar war im Dezember im US- Bundesstaat Idaho von einem Jäger erschossen worden, nachdem es versucht hatte, einen Hund anzugreifen. Als der Schütze seine Beute, wie vorgeschrieben, bei der Jagd- und Fischereibehörde meldete, fiel den Offiziellen die Fehlbildung am Kopf auf, allerdings war deren Ursache zunächst unklar. Nun lieferte die Behörde gleich mehrere Erklärungen.

Demnach könnte es sich bei dem Kieferstück am Oberkopf um ein sogenanntes Teratom handeln, einen Keimzelltumor, dem Haare und Zähne wachsen können. Die Berliner Forscherin Wibbelt, die sich auf Wildtierkrankheiten spezialisiert hat, hält das allerdings für ausgeschlossen. «Für einen Tumor ist die Anatomie viel zu korrekt», sagt sie. Man könne die Unterlippe gut erkennen, Fang und Backenzähne seien normal ausgeprägt.

Der Rest eines Zwillings

Grundsätzlich kommen Fehlbildungen bei Tieren wie Menschen immer wieder vor. So gibt es beispielsweise diverse Berichte von Kühen, die mit fünf oder gar sechs Beinen geboren werden. Auch beim Menschen gibt es das Phänomen. Betroffene haben aufgrund einer genetischen Besonderheit üblicherweise mehr als fünf Finger oder Zehen an jeder Hand beziehungsweise jedem Fuss.

«Bei dem Berglöwen aus Idaho handelt es sich aber um etwas ganz anderes», sagt Wibbelt. Sie ist überzeugt, dass das Stück Unterkiefer eine Art siamesischer Zwilling ist. «Wobei der zweite Puma nie vollständig existiert hat», erklärt Wibbelt. Stattdessen seien bei der Zellteilung in einem frühen Entwicklungsstadium die Grundlagen für eine weitere Unterlippe und Zähne am Kopf gelegt worden.

Für den zweiten Berglöwen, dessen Schädel, den Körper, Arme und Beine sowie wichtige Organe wie Herz und Lunge, fehlten aber genetische Informationen. In der Fachsprache heisst die Fehlbildung Craniopagus Parasiticus. Wie grosszügig der Unterkiefer im Schädel des Pumas angelegt war, könnte etwa eine Röntgenuntersuchung zeigen.

Craniopagus Parasiticus ist bei Mensch und Tier extrem selten. In vier bis sechs unter zehn Millionen Geburten beim Menschen ist ein Säugling zu finden, an dessen Kopf ein Teil eines Zwillings festgewachsen ist, der aber nicht zu einem selbstständig lebensfähigen Menschen herangewachsen ist. Nicht mal ein Dutzend solcher Fälle sind dokumentiert. Meist werden die betroffenen Kinder bereits tot geboren oder sterben kurz nach der Entbindung.

Der Berglöwe kam mit seiner Fehlbildung dagegen offenbar gut klar. Dennoch ist sein Fall ungewöhnlich. Bei einer kurzen Recherche in der Bibliothek ihres Instituts konnte Wibbelt keinen anderen Fall eines Pumas finden, dem Teile eines Unterkiefers aus dem Oberkopf gewachsen waren. Auch bei anderen Tieren ist das Phänomen in der Ausprägung kaum bekannt. «Was wir hier sehen ist eine absolute anatomische Ausnahme», so Wibbelt.

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