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Methusalems der Meere

Geheimnis des Alterns

Was den Grönlandwal 200 Jahre leben lässt

Grönlandwale können über 200 Jahre alt werden und bekommen keinen Krebs. Genanalysen zeigen, was sie so widerstandsfähig macht. Nun hoffen Forscher, dass irgendwann auch der Mensch von den Erkenntnissen profitieren kann.

07.01.15, 11:04 07.01.15, 11:23

Ein Artikel von

Napoleon Bonaparte versuchte der Verbannung zu entfliehen, Friedrich Wilhelm III liess Preussen auf dem Wiener Kongress in zehn Provinzen unterteilen, und irgendwo im arktischen Ozean gebaren Grönlandwalweibchen ihre Kälber. Alle Ereignisse sind etwa 200 Jahre her, von den Protagonisten leben jedoch nur noch die damaligen Walkälber. Grönlandwale gelten als Säugetiere mit der höchsten Lebenserwartung. Was sie so lange gesund hält, haben Forscher nun untersucht. 

«Aus meiner Sicht ist es so, dass unterschiedliche Spezies verschiedene Tricks entwickelt haben, die ihnen ein längeres Leben ermöglichen», erklärt João Pedro de Magalhães von der University of Liverpool. «Indem wir die Tricks der Grönlandwale aufdecken, können wir diese Erkenntnisse möglicherweise auf Menschen übertragen, um typische Alterserkrankungen zu bekämpfen.» 

Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Krankheiten gehören viele Krebsarten zu den Krankheiten, an denen Menschen typischerweise im Alter erkranken. Der Grund: Krebs entsteht, wenn das Erbgut beschädigt wird. Je häufiger sich Zellen bereits geteilt haben, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit dafür. Grönlandwale allerdings bleiben bis ins hohe Alter gesund, obwohl sie tausendmal so viele Zellen besitzen wie der Mensch. Das deutet darauf hin, dass sie sich besser vor Krebs schützen können, berichten die Forscher um de Magalhães im Fachmagazin Cell Reports

Doppelter Schutz hält besser

Die Wissenschaftler haben das Genom der Grönlandwale unter anderem mit dem von Minkwalen verglichen. Die Arten sind eng verwandt und pflegen einen ähnlichen Lebensstil. Seit sie sich vor etwa 25 Millionen Jahren getrennt haben, hat der Minkwal es allerdings nur bis zu einer maximalen Lebenserwartung von etwa 50 Jahren geschafft. Was also macht den Grönlandwal so besonders? 

Die Forscher entdeckten, dass zwei Gene im Erbgut der Wale so verändert sind, wie bei keinen anderen der Vergleichstiere, darunter neben den Minkwalen auch Grosse Tümmler, Orkas, aber auch Kühe und Mäuse. Beide Gene haben Einfluss auf die Lebenserwartung: 

Langsamer, aber älter

Als nächstes wollen die Forscher nun Mäuse mit den speziellen Grönlandwal-Genen züchten und testen, ob sie durch die Veränderung des Erbguts länger leben oder länger gesund bleiben. Ausserdem wollen sie herausfinden, welchen Anteil das jeweilige Gen am langen Leben und am Krankheitsschutz hat. Verlaufen die Tests in den Mäusen erfolgreich, könnte auch geprüft werden, ob entsprechend veränderte menschliche Zellen widerstandsfähiger werden. 

Das Genom der Grönlandwale ist das erste fast vollständig entzifferte unter den grossen Walen. So könnten die Ergebnisse auch zu erklären helfen, wie sich die Tiere an ihre enorme Grösse angepasst haben. Die Zellen der Wale hätten einen deutlich langsameren Stoffwechsel als kleinere Säugetiere, berichten die Forscher. Ausserdem fanden sie Veränderungen in einem Gen, das die Körpertemperatur steuert. Ihre Daten stellen Magalhães und Kollegen anderen Wissenschaftlern online zur Verfügung

In Bezug auf die Langlebigkeit waren andere Wissenschaftler zuvor bei anderen Tierarten zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen wie die Forscher in der aktuellen Studie. Sie berichteten, dass langlebende Tiere wie etwa Nacktmulle, die älter werden als jedes andere Nagetier, ähnliche genetische Besonderheiten besitzen wie Grönlandwale. (jme)



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mr. Kr 12.01.2015 10:23
    Highlight Egal wie die Gene sind. Der Mensch wird leider auch diese Art ausrotten.
    1 0 Melden
  • Zeit_Genosse 12.01.2015 08:00
    Highlight Auch der Trash wird importiert. Die Highlights und für mich lohnende Eigenbeiträge von watson werden gefühlt weniger. Was mit einem guten Anlauf vielversprechenden Kurs nahm, scheint einer ermüdeten Beliebigkeit enden zu wollen. Wenn man schon so viele andere Portale den ganzen Tag durchforstet nach vermeintlich neuem (für die Schweiz?!), dann sollte man einen nützlichen Bezug zur Schweiz machen. Vieles hat für den Schweizer Leser keine Relevanz und driftet zur mässigen Unterhaltung. Blick und 20Min. sind verloren, die repetieren sich und den abgeschriebenen Trash gegenseitig. Watson muss davon wieder Distanz gewinnen, denn drei davon brauchts nicht. Die Spiegelartikel sind schon gut, überarbeitet diese durch kürzen und bringt Relevanz für die Schweiz rein. Kurz und konkret. Danke.
    1 0 Melden

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