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Die gute Nachricht: El Niño geht die Luft aus. Die schlechte: La Niña kommt

Dürre, Stürme, Stromausfälle: El Niño hat so stark gewütet wie selten. Jetzt hat sich das Wetterphänomen selbst den Garaus gemacht – eine dramatische Wetterwende steht bevor.

21.04.16, 18:02 22.04.16, 06:28

Axel Bojanowski



Ein Artikel von

«Monster», «Biest», «Godzilla» – fallen auf wissenschaftlichen Tagungen solche Wörter, dann muss etwas Besonderes passiert sein. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geoforscher in Wien (EGU) waren die Begriffe für ein aktuelles Wetterphänomen reserviert: für El Niño.

El Niño habe den Pazifik aufgeheizt wie kaum je seit Beginn der Aufzeichnungen. Globale Hitzerekorde und Unwetter waren die Folge. Im März 2015 war er aufgezogen, im August wurde er zum Extrem erklärt. Doch jetzt hat sich der Wetterschurke selbst den Garaus gemacht – eine dramatische Weltwetterwende stehe bevor, prophezeien Forscher.

El Niño ist Teil einer Wetterschaukel, die alle paar Jahre hin- und herschwingt. Normalerweise pressen Passatwinde das Wasser des Pazifiks von Osten nach Westen; vor den Philippinen steht der Meeresspiegel deshalb knapp einen Meter höher als vor Chile.

Katastrophen weltweit

Im Westen ist der Ozean dann etwa acht Grad wärmer. Vor Südamerika aber wird der Weg frei für kühles nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe, es quillt an die Oberfläche – und sorgt für Fischreichtum.

Bei einem El Niño flauen die Passatwinde ab, das warme Wasser aus Asien schwappt zurück. Aus der Tiefe wälzt sich eine gigantische Warmwasserwelle nach oben und legt sich als Deckel auf das nährstoffreiche Tiefenwasser. Schliesslich entlässt der Pazifik riesige Mengen Wärme in die Luft.

Wetterwende: El Niño weicht La Niña

Die Folgen offenbarten sich in den letzten Monaten auf dramatische Weise. Auf der EGU-Tagung zogen Forscher Bilanz:

Gewöhnliche Auswirkungen von El Niño.
SPIEGEL ONLINE; Munich RE

El Niño brachte aber auch Vorteilhaftes:

Ob El Niño aber tatsächlich einen Allzeitrekord seit Beginn der Messungen aufgestellt habe, sei unklar, berichtete Michelle L'Heureux vom US-amerikanischen Wetterdienst NOAA auf der EGU-Tagung. Im Ostpazifik seien während der El Niños 1997 und 1982 noch höhere Temperaturen gemessen worden, im Westpazifik aber wurden diesmal Messrekorde gebrochen (siehe Grafiken in der Bilderstrecke).

Die pazifische Hitze trieb jedenfalls die globale Durchschnittstemperatur zu Höchstständen: Das vergangene Jahr war das wärmste seit Beginn der Messungen vor 136 Jahren. Die letzten elf Monate stellten jeweils Rekorde auf.

Jetzt scheint Schluss zu sein; El Niño hat sich gewissermassen selbst gekillt: Weil er besonders viel Wasser in den Ostpazifik schwappen liess, dürfte sein Ende besiegelt sein. Denn nun schwappt die Welle umso stärker nach Westen zurück. Sie erwarte, dass sich El Niño schon im Herbst in sein Gegenteil verkehren werde, sagt Michelle L'Heureux – La Niña werde aufziehen.

Starke El Niños seien aufgrund ihrer Wucht rasch in die Kältephase gekippt, berichtete NOAA-Mann Mike McPhaden auf dem Treffen in Wien. Nach dem letzten Super-El-Niño hätte sich im Frühjahr 1998 der tropische Pazifik binnen eines Monats um acht Grad abgekühlt.

Auch mit La Niña droht Ungemach

Schon jetzt zeigen Satellitenmessungen eine Zunge kühlen Wassers, die im Ostpazifik vor Mittelamerika erschienen ist (siehe Grafiken in der Bilderstrecke). Auch im Westen des Ozeans sei die Warmwasserschicht bereits auf 50 Meter ausgedünnt, berichtet McPhaden. Aus der Tiefe dringe eine Kaltwasserwalze.

Der erwarteten Abkühlung zum Trotz erwartet der Klimachef der Nasa, Gavin Schmidt, dass 2016 global das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen wird. Die ersten drei Monate des Jahres seien so viel wärmer gewesen als normal, dass selbst La Niña den Rekord nicht mehr verhindern könne.

Aber La Niña bringt keine Entwarnung, ein starkes Exemplar würde wiederum Unwetter aufziehen lassen: Etwa Starkregen in Nordost-Australien und Südostasien, mit Erdrutschen und Überschwemmungen.

Zusammengefasst: Das Wetterphänomen El Niño hat in den vergangenen Monaten so schwer gewütet wie selten zuvor. Forscher listen die entstandenen Katastrophen durch Dürren und Stürme in der Pazifikregion auf. Nun scheint die pazifische Wetterschaukel ins andere Extrem umzuschlagen – La Niña kommt. Wieder wären Unwetter die Folge.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • LeChef 21.04.2016 20:21
    Highlight Wäre noch interessant zu wissen, was das für das Wetter in Europa bedeutet.
    26 1 Melden
    • Hackphresse 22.04.2016 12:03
      Highlight Europa ist meteorologisch nicht nachweisbar betroffen. Da unsere Weterlagen vom subtropischenHochdruckgürtel (von dort kommen unsere Hochdruckgebiete [z.Bsp. Azorenhoch]) und von der subpolaren Tiefdruckrinne im Norden, beeinflusst werden. Bei uns kommt das wetter buchstäblich von allen Seiten. 😄😉
      Auch ein Faktor ist, dass sich auf der Nördlichen Hemisphäre viel weniger Wasserfläche befindet, die von den Passatwinden umhergeschoben werden kann.
      10 0 Melden
    • Hackphresse 22.04.2016 12:04
      Highlight Hier noch eineGrafik dazu. :)
      9 0 Melden
    • flv 25.04.2016 15:46
      Highlight Naja, das stimmt zwar grundsätzlich schon, aber die Auswirkungen von El Nino können ja auch auf der Nordhalbkugel nachgewiesen werden (Indien, Nordamerika, Ostasien). Ich kann mir gut vorstellen, dass unser überaus warmer Sommer davon beeinflusst wurde.
      Höhere Temperaturen im subtropischen Hochdruckgürtel -> subpolare Tiefdruckrinne wird weiter nach Norden geschoben -> wir schwitzen (können aber auch im Regen stehen, da die wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann...)
      1 0 Melden
  • Homes8 21.04.2016 18:25
    Highlight Schön, man hat in El Niño einen Schuldigen gefunden.
    Da aber einer allein nicht soviel Schaden verursachen kann, hat man jetzt noch La Niña kreiert.
    6 81 Melden
    • Benjmi 21.04.2016 19:29
      Highlight Wäre höchste Zeit mal wieder ein Schulbuch zu öffnen. El nino und la nina existieren seit das Wetter auf der Welt im heutigen Rahmen exisitiert und sind für die Pazifikregion (wenn nicht sogar für die Welt) das wichtigste Wettersystem. Und nein, da steckt weder Putin noch die SVP dahinter, das hat alleine die Natur kreirt, ob dus glaubst oder nicht.
      84 0 Melden
    • Luca Andrea 21.04.2016 20:22
      Highlight es gibt hinweise, dass el nino erst seit einigen tausend jahren existiert. das ganze phänomen ist schwierig zu erfassen, da es wie im artikel erwähnt an mehreren orten wirkt und mit mehreren zyklen zusammenhängt (zB Monsun).
      15 2 Melden
    • DerHugentobler 21.04.2016 21:13
      Highlight Allerdings ist auch nicht klar, inwiefern die Menschheit dieses Phänomen verändert/verstärkt. Das muss man zugeben. Aber es gibt diesen Naturzyklus zu lange, als dass bloss der Mensch als Auslöser in Frage kommt.
      21 0 Melden
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