WM 2014
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Bild: AP/AP

«Es ist für mich ein klarer Penalty»

Viel Wirbel um Arjen Robbens Flugeinlage – aber die Experten schlagen sich auf seine Seite

Hollands 2:1 in der Nachspielzeit bricht den tapferen Mexikanern im Achtelfinal das Genick. Der theatralische Fall von Arjen Robben vor dem entscheidenden Pfiff sorgt für rote Köpfe – ein Penalty war es trotzdem.



78 Sekunden der Nachspielzeit sind verstrichen, als Arjen Robben beim Achtelfinal zwischen Holland und Mexiko für den grössten Aufreger des Abends sorgt. Kurz nach dem Ausgleich durch Wesley Sneijders Gewaltschuss schnappt er sich auf der rechten Flanke den Ball und gaunert sich via Grundlinie hinein in den mexikanischen Strafraum. Rafael Marquez braust heran, der Holländer fällt theatralisch – und Schiedsrichter Pedro Procena zeigt auf den Penaltypunkt.

Schalke-Knipser Klaas-Jan Huntelaar lässt sich die Chance nicht entgehen und setzt die Kugel cool zum 2:1 hinter Wunder-Keeper Guillermo Ochoa in die Maschen. Vier Minuten später folgt der Schlusspfiff. Mexiko, das Team des temperamentvollen Trainers Miguel Herrera, scheitert trotz einer starken Leistung zum sechsten Mal hintereinander im Achtelfinal. Entsprechend bitter sind die Tränen, bei den Oranje hingegen ist der Jubel grenzenlos.

Miguel Ponce tröstet seinen Teamkollegen Andres Guardado. Bild: EPA/EFE

Aber war die Entscheidung wirklich richtig? Die sozialen Netzwerke werden sofort von einem regelrechten Diskussions-Tsunami überrollt.

Experten schlagen sich auf Robbens Seite

Auch die TV-Experten müssen sich die Szene mehrmals anschauen, um zu einem Urteil zu kommen. Benjamin Huggel analysiert die Szene auf SRF klar zugunsten von Robben: «Für mich ist es schon ein Penalty. Marquez bringt eine schriftliche Einladung zu Arjen Robben, sich da fallen zu lassen.» 

«Marquez bringt eine schriftliche Einladung zu Arjen Robben, sich da fallen zu lassen.»

SRF-Experte Benjamin Huggel

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Die Verlangsamung zeigt: Marquez trifft Arjen Robben – und dieser lässt sich theatralisch fallen.

Schiri-Boss Bertolini bleibt wie immer diplomatisch «Es ist indiskutabel, dass es einen leichten Kontakt gibt. Dann stellt sich die Frage, ob das genügt, um ein Foul zu pfeifen. Die Verantwortung liegt beim Schiedsrichter und er hat sie mutig gefällt. Ich kann mit diesem Entscheid gut leben, umgekehrt wäre es aber auch akzeptabel.»

«Ich kann mit diesem Entscheid gut leben, umgekehrt wäre es aber auch akzeptabel.»

Schiri-Boss Varlo Bertolini

Noch eindeutiger ist die Sache für Mehmet Scholl in der ARD: «Es ist für mich ein klarer Elfmeter, weil er ihm auf den Fuss steigt. Robben fällt dann ein bisschen theatralisch, aber das ändert nichts daran.»

Erstes «Cooling Break» der WM

Beim Achtelfinal zwischen Holland und Mexiko ist es erstmals zu einer offiziellen Trinkpause für die Spieler gekommen. Der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proença unterbrach das Spiel in Fortaleza den Regeln entsprechend in der 31. und 75. Minute jeweils für drei Minuten.

Ein brasilianisches Arbeitsgericht hatte die FIFA kürzlich verpflichtet, bei einem Index ab 32 Grad der World Bulb Globe Temperature (WBGT) zwingend Trinkpausen vorzunehmen. Der WBGT wird durch Werte wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Windgeschwindigkeit errechnet. Die Temperatur in Fortaleza lag bei etwa 34 Grad. (si)

Ausgleichende Gerechtigkeit

Beim ganzen Trubel um die finale Entscheidung geht eine Sache fast unter: Wenn Holland als achtes europäisches Team ausgeschieden wäre, hätte man die Mitschuld zurecht auch beim Schiedsrichter gesucht. Schon beim Stand von 0:0 in den letzten Sekunden der ersten Halbzeit hätte Arjen Robben zwingend einen Penalty zugesprochen bekommen müssen. Als ihn Rafael Marquez im Strafraum eindeutig trifft, bleibt Procenas Pfeife zu Unrecht stumm. So gesehen, kann die Penaltyentscheidung zum Schluss auch von den grössten Skeptikern als ausgleichende Gerechtigkeit bewertet werden.

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Schon bei dieser Robben-Szene gegen Montero in der ersten Halbzeit hätte Holland einen Penalty zugesprochen erhalten müssen. GIF: SRF

Arjen Robben ist der ganze Trubel ohnehin egal. Seine Holländer stehen zum sechsten Mal im Viertelfinal einer WM und sind dort Favorit gegen  Costa Rica. Entsprechend tritt der Matchwinner nach dem Spiel mit einer Kühlweste und einem breiten Grinsen vor die Kameras und will sich einfach nur über die dramatische Wende freuen: «Wir haben gekämpft, alles versucht. Wir haben das Spiel in fünf Minuten gedreht, das war der Wahnsinn.»

>> Hier gibt's den Liveticker des Spiel zum Nachlesen

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