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bild: florian Burkhardt/electroboy

Electroboy basht heute für uns alle veganen Missionare. Christen und Schwule kommen nach Ostern dran

Electroboy ist ein Phänomen: Supermodel, Pionier-Nerd, Gott der Zürcher Partyszene, Filmheld, tragische Existenz. Jetzt lebt er in Berlin. Und denkt im Café Liebling in Prenzlauer Berg für uns über die Welt nach.
03.04.2015, 15:03

Ich muss Euch etwas gestehen: Ich bin heimlich Veganer. Aber wieso heimlich? Weil mir das ganze Getue um den Veganismus total auf den Sack geht. Am Anfang ging ich noch in vegane Cafés und Restaurants. Da wirst du gefragt: «Wie lange bist du denn schon Veganer?» Keine Ahnung, hab mir das Datum nicht notiert. «Hast du denn auch vegane Kosmetika?» Ja, habe ich. 

Dann hab ich's kapiert. Es ist eine neue Religion. Manche Veganer laufen mit Heiligenschein und ausgestrecktem Zeigefinger durch die Strassen, manch einer hat einen veganen Spruch auf dem T-Shirt stehen. Vor den veganen Lokalen sammeln sie sich, weshalb ich einen weiten Bogen um diese Örtlichkeiten mache, ich habe Angst, wieder von ihnen ins Kreuzverhör genommen zu werden. Ich will auch nicht aussehen wie sie. Mit grünen Haaren, alternativ gekleidet, barfuss und mit einer Jutetasche von «Veganz» unterwegs. 

Vegan sein bedeutet eine bewusste Einschränkung der Konsummöglichkeit aufgrund einer persönlicher Entscheidung. Wer dies auch visuell darstellen muss, von dem könnte man glauben, dass er es als Modetrend sieht, oder, wie so gerne behauptet wird: als allumgreifende Philosophie. Tatsächlich ist es aber lediglich eine tierfreundliche Konsumform. 

«Hollywood ist vegan, weil man so schlank bleibt. Andere sind vegan, weil sie so scheinbar 20 Prozent länger leben.»

Ich weiss, die Motivation ist eigentlich egal, wenn es einer guten Sache dient, aber bei vielen habe ich das Gefühl, dass sie wirklich aus Sinnesleere eine neue Religion suchen. Nachhaltigkeit und eben auch Veganismus bieten sich da an. Als Werkzeug, um sich als innerlich leerer und gelangweilter Vollzeitkonsument besser zu fühlen. Bei mir ist die Motivation etwas nüchterner: Ich fühle mich mitverantwortlich. Ich bin Veganer, weil ich Tiere mag. Hollywood ist vegan, weil man so schlank bleibt. Andere sind vegan, weil sie so scheinbar 20 Prozent länger leben. 

Der Entscheid zum Veganismus ist eine persönliche Reise. All die Sticker, die in ganz Prenzlauer Berg die Klos und Laternen bebildern, die mich darauf hinweisen, dass jeder Nicht-Veganer quasi ein Arschloch ist, helfen zumindest mir bei einer Vernunft-Entscheidung keinen Deut weiter. Im Gegenteil, sie fördern eine Antipathie für die vegane Welle. Also Leute, solange ihr missioniert, ist das abstossend.

«Missionieren als Werbung: Völlig unsexy. Lebt es vor.»

Aber wieso habt ihr das nötig? Veganismus macht ja Sinn. Und eben, Missionieren als Werbung: völlig unsexy. Lebt es vor. Setzt mit einer natürlichen Begeisterung für eure Sache und einer Toleranz für alles andere Interesse bei den anderen frei. Begeisterung ist ansteckend, während ein Zeigefinger kontraproduktiv ist. Beschränkt euch auf eigenes Handeln, kreiert weiterhin alternative Produkte und informiert auf Anfrage interessierte Menschen. 

Für mich gilt jedenfalls: Solange die vegane Gemeinschaft auf mich so stark moralisierend einwirken möchte, esse ich lieber heimlich vegan beim Chinesen, Inder oder Araber. Sojamilch für den Kaffee kann ich in jedem normalen Cafe bestellen. Und der Supermarkt «For Vegans Only» ist mir sowieso zu teuer und zu weit weg. Auf das Datingportal für Veganer kann ich auch verzichten, mein Partner muss nicht vegan leben. Ich bin tolerant. 

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