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Perfekt kopiert: Das Auto von Schriftsteller Thomas Meyer mit der selbstentworfenen Beschriftung. bild: Thomas meyer

Thomas Meyer erklärt sein Amt für Ironie

«Der Amtsdirektor schreitet bei allen Arten der Humorlosigkeit ein»

Der Zürcher Schriftsteller Thomas Meyer hat sich einen Scherz erlaubt und sein Auto mit dem offiziellen Logo der Stadt Zürich und dem Zusatz «Amt für Ironie» beschriftet. Im Interview erklärt er, was er damit wollte, und wie es jetzt weiter geht.



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bild: Lukas Lienhard

Thomas Meyer

Der Schriftsteller wurde 1974 geboren und lebt in Zürich. Er arbeitete als Texter, Reporter und Kolumnist. Seit 2012 ist er freier Schriftsteller. Mit seinem Debütroman «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» stand er 46 Wochen lang auf der Schweizer Bestsellerliste. Seine Neuerscheinung «Rechnung über meine Dukaten» handelt in Preussen im Jahre 1716. (egg)

Herr Meyer, wie kamen Sie auf die Idee, ein offizielles Logo der Stadt zu kopieren, darunter «Amt für Ironie» zu schreiben und es auf Ihr Auto zu kleben?
Thomas Meyer: Das hat mich die Polizistin auch schon gefragt, als sie den Kleber auf meinem Auto gesehen hat.

Und, was war es denn nun?
Ich fand es eine witzige Idee. Es stand kein Plan dahinter.

Aber was soll das Amt für Ironie sein?
Das sagt doch der Name. Ich würde diesem Amt gern vorstehen und diese wichtige Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit der Bevölkerung ausüben.

Welche Aufgaben hätte der Amtsdirektor?
Er würde bei allen Arten der Humorlosigkeit einschreiten und dafür sorgen, dass die Menschen sich nicht so wichtig nehmen. Sitzungen in Werbeagenturen und Marketingabteilungen wären ein sehr dringendes Operationsgebiet.

Und, hatten Sie bisher Ihren Spass?
Ja, definitiv. Ich bin ein halbes Jahr mit dem Auto herumgefahren und hatte keine Ahnung, dass der Kleber überhaupt Aufsehen erregt, ja, dass er sogar bereits die Rechtsabteilung der Stadt beschäftigt. Dann fiel ein Baum auf mein Auto, und als die Stadtpolizei vor Ort war, fragte mich die Polizistin: «Was soll das?» Sie fand es selber allerdings auch lustig.

Mit diesem Facebook-Post von Thomas Meyer fing alles an:

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bild: facebook

Was passiert jetzt?
Es läuft eine interne Anfrage bei der Stadt, ob mein Kleber missbräuchlich ist. Es geht offenbar um das Wappenschutzgesetz.

Wie lautet der Vorwurf?
Der Aufkleber könne zu Missverständnissen führen.

Die Stadt hat Angst, dass ich mich als Mitarbeiter der Stadt ausgeben könnte.

Offenbar ist ein Brief von der Stadtpolizei an mich unterwegs.

Mit welchem Inhalt?
Soviel ich weiss, will mir die Stadt ein Ultimatum stellen, damit ich den Kleber entferne.

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Das Auto des Anstosses ziert inzwischen auch Thomas Meyers Facebook-Page. bild: facebook

Machen Sie das?

Meiner Meinung nach habe ich nichts Strafbares getan. Weder ziehe ich kommerziellen Nutzen aus dem Kleber, noch masse ich mir ein Amt an.

Zudem ist es offensichtlich, dass die Beschriftung scherzhaft gemeint ist. Aber wenn mir tatsächlich ein juristischer Verstoss nachgewiesen werden kann, nehme ich den Kleber weg – und mache einen neuen.

Wie soll der aussehen?
Man könnte die Löwen auf dem Zürich-Wappen durch Clownhupen ersetzen und die Krone durch eine Narrenkappe oder so ähnlich. Wer dann noch denkt, es bestehe Verwechslungsgefahr, dem kann ich auch nicht helfen.

Aber der Witz ist dann irgendwie auch weg.
Ja, das stimmt. Vielleicht mache ich auch eine ganz neue Beschriftung.

Versteht die Stadt Zürich keinen Spass?
Nein, das würde ich nicht sagen. Die Polizistin fand es ja sehr lustig. Und ich sage auch nicht, «das ist typisch Zürich, die sind humorlos». Trotzdem:

Ich finde die Reaktion der Stadt übertrieben. Der einzige Schaden besteht ja darin, dass die Leute lachen.

Was ist Ihre Meinung zur Idee des Schriftstellers? Und wäre ein Amt für Ironie und Humor eine sinnvolle Sache? Schreiben Sie es im Kommentar unten im Input-Feld (falls Sie nicht eingeloggt sind, einfach kurz auf den pinkfarbenen W-Button links unten klicken und anmelden). 

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