Zentralasien
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epa02666829 Gulnara Karimova (C), daughter of Uzbek President Uzbek President Islam Karimov, takes the applause after showing her brand GULI at the Mercedes-Benz Fashion Week Russia Fall-Winter 2011/12, in Moscow, Russia, 02 April 2011. Gulnara Karimova is a Doctor of political science, professor. Currently serves as Ambassador Extraordinary and Plenipotentiary of Uzbekistan to Spain and Permanent Representative of Uzbekistan to the United Nations Office and other International Organizations in Geneva.  EPA/SERGEI ILNITSKY

Bild: EPA

Machtkampf in Usbekistan

«Paris Hilton von Usbekistan»: die Tochter des Diktators hat Hausarrest

Jetsetterin, Oligarchin, Designerin, Popsängerin: Gulnara Karimowa war lange Jahre das schöne Gesicht einer hässlichen Diktatur. Die Tochter des usbekischen Präsidenten galt als Favoritin für seine Nachfolge. Jetzt steht sie unter Hausarrest und klagt über Schläge und Narben. Und: In der Schweiz wird gegen sie ermittelt.

Ein Artikel von

Spiegel Online

marcus bensmann, spiegel online

Reporter aus dem Westen gehörten bislang nicht zu den bevorzugten Ansprechpartnern von Usbekistans korrupter Herrscher-Clique. Das 30-Millionen-Einwohner-Land in Zentralasien ist eine Diktatur. Journalisten aus dem Ausland wird die Einreise verwehrt, Medien im Inland werden zensiert und unterdrückt. In Usbekistan wird gefoltert, und zwar laut Uno «systematisch».

Umso bemerkenswerter war das Schreiben, dass vor einigen Tagen im Büro des britischen Senders BBC landete. Der Absender war offenbar Gulnara Karimowa, die ebenso schöne wie ambitionierte Tochter von Usbekistans Präsident Islam Karimow. Sie werde von Sicherheitskräften in ihrem eigenen Haus gefangen gehalten. «Ich wurde geschlagen, mein Arm ist voller Narben», zitiert die BBC das Schreiben. Vom Sender engagierte Handschrift-Experten halten das Kassiber für echt.

«Paris Hilton Usbekistans»

An undated photo obtained by The Associated Press on Monday, March 31, 2014, showing Gulnara Karimova, the oldest daughter of Uzbekistan’s President Islam Karimov, while apparently under home arrest in the Uzbek capital, Tashkent. Independent media covering the region have reported that Karimova, 41, was earlier this year detained by security services in what appears to be part of an ongoing inter-elite struggle in the ex-Soviet Central Asian nation.  (AP Photo/UzNews)

Bild: AP UzNews

Gulnara Karimowa, 41, galt als «Paris Hilton Usbekistans». Jahrelang war sie das schöne Gesicht eines hässlichen Regimes. In besseren Zeiten betätigte sie sich als Dichterin, Designerin und unter dem Künstlernamen Googoosha als Pop-Sängerin. Mit dem französischen Schauspieler Gérard Depardieu verbindet sie eine langjährige Freundschaft. Karimowa gehörte zum internationalen Jetset, aber damit ist es vorbei. 

Seit Februar steht sie in der Hauptstadt Taschkent unter Hausarrest. Ihr Luxus-Apartment wurde von Spezialeinheiten gestürmt. Ihr Liebhaber Rustam Madumarow - früher mal Sänger der usbekischen Boy-Group Dado - wurde verhaftet.

Der handgeschriebene Brief, der die BBC erreichte, wirft ein Schlaglicht auf einen Machtkampf, der die Herrscher-Familie zerreisst und dessen Schockwellen auch in Europa zu spüren sind. Usbekistan ist ein enger Partner der Nato im Afghanistan-Krieg, die Bundeswehr unterhält in der Stadt Termes eine Luftwaffenbasis.

Krieg im Karimow-Clan

Man war nicht wählerisch auf der Suche nach Verbündeten, als der Westen in Afghanistan aufmarschierte. Usbekistan ist eines der brutalsten Regime der Welt. Islam Karimow herrscht bereits seit 1989, erst als Sekretär der Kommunistischen Partei, später als Präsident des unabhängigen Usbekistan. Er lässt Medien und Oppositionelle unterdrücken. 2005 liess er Soldaten in Panzerwagen einen Volksaufstand in der Stadt Andischan zusammenschiessen. Mindestens 500 Menschen kamen ums Leben, die genaue Opferzahl wurde nie bekannt. 

Seine Tochter Gulnara machte auch politisch Karriere: Sie war Botschafterin bei den Vereinten Nationen und als Diplomatin in Spanien. Vielen Beobachtern galt sie als wahrscheinlichste Thronfolgerin ihres Vaters.

Vivica Braun, 10, left, and her brother Carl Braun, 6, protest before the start of the GULI fashion show in New York, Thursday, Sept. 15, 2011. Over the weekend, the producers of New York's Fashion Week canceled a show by designer Gulnara Karimova amid pressure from a human rights group and a planned protest over the use of child labor in her country. Karimova's backers revived the event Thursday at Cipriani on 42nd Street.    (AP Photo/Seth Wenig)

Protest an einer New Yorker Modenschau gegen Kinderarbeit in Usbekistan. Die Vorführung von Karimowas Designerteilen 2011 wurde abgesagt. Bild: AP

epa04121712 (FILE) A file photo dated 02 April 2011 showing Gulnara Karimova (L), daughter of Uzbek President Uzbek President Islam Karimov, after showing her brand GULI at the Mercedes-Benz Fashion Week Russia Fall-Winter 2011/12, in Moscow, Russia. Switzerland has launched a money laundering investigation against a daughter of Uzbek President Islam Karimov over her role in a telecommunications deal, prosecutors in Bern said 12 March 2014.
Prosecutors have frozen more than 800 million Swiss francs (911 million dollars) of assets linked to Gulnara Karimova, who served as UN ambassador in Geneva until last summer. The probe centres on bribes allegedly paid by Nordic telecommunications group Telia Sonera when it made a deal in 2007 with Gibraltar-based company Takilant, which gave it a phone license in fast-growing Uzbekistan. Four people close to Karimova are also under investigation. Karimova lost her diplomatic immunity in autumn, allowing Swiss authorities to investigate her. Swedish prosecutors have opened a corruption probe. The chief executive of Stockholm-based Telia Soneria quit over the case, and the company fired several senior managers last year.  EPA/SERGEI ILNITSKY *** Local Caption *** 02666831

Karimowa als Modedesignerin Bild: EPA

Der Erstürmung von Gulnaras Wohnung war ein monatelanger Machtkampf vorhergegangen, der von einem Riesenkrach innerhalb des Karimow-Clans flankiert wurde. Via Twitter zog Gulnara über ihre sechs Jahre jüngere Schwester Lola und Mutter Tatjana her. Sie beschuldigte beide, gemeinsam mit der usbekischen Staatssicherheit Intrigen gegen sie zu schmieden. Karimowa hält den Chef des Geheimdienstes für den Drahtzieher der Angriffe. Sie warf ihm vor, für «Besäufnisse und Orgien» in seiner Behörde verantwortlich zu sein, ihre jüngere Schwester Lola hingegen vergnüge sich «auf ihrer eigenen Yacht mit Koks», die Mutter gebe sich dem Okkultismus hin.

In einer anderen Kurznachricht war die Rede davon, dass sich Mutter und Schwester selbst bereicherten. «Die Mutter versteckt Millionen unter der Badewanne», hiess es da. Tatsächlich muss niemand im Karimow-Clan darben. Karimowas jüngere Schwester Lola hat eine Luxusvilla in der Schweiz und ein 58-Millionen-Dollar-Anwesen in in Beverly Hills.

Schweiz beschlagnahmt 800 Millionen 

Gulnara Karimowas spitze Kommentare über die Verfehlungen anderer wirkten allerdings mehr wie ein Ablenkungsmanöver von ihrem eigenen Sündenregister. Karimowa war in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der mächtigsten Wirtschaftsgrössen in Usbekistan aufgestiegen. Das hatte sie allerdings weniger ihrem unternehmerischen Talent zu verdanken: Die schöne Präsidententochter nahm sich einfach, was sie kriegen konnte. US-Diplomaten bezeichneten sie in einer auf Wikileaks veröffentlichten Depesche als «Räuberbaronin» und als «meistgehasste Frau des Landes».

Hausarrest als Hinweis auf Zerfall des Regimes

Die Herrschaft von Präsident Islam Karimow zeigt erste Risse, glaubt der russische Zentralasien-Experte Pjotr Topitschkanow vom Carnegie-Institut: «Das System in Taschkent ist nicht mehr stabil», urteilt er über den zerfallenden Tyrannen-Clan - und das wirkt angesichts der Vorgänge noch zurückhaltend.



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