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Versteckter Hilferuf: Supermarkt stoppt Produktion von Karten in China

Versteckter Hilferuf von Arbeitssklaven: Supermarkt stoppt Produktion von Karten in China

22.12.2019, 14:3722.12.2019, 15:58

Nach der Entdeckung einer mutmasslich von Gefangenen verfassten Botschaft hat die britische Supermarktkette Tesco ihre Weihnachtskartenproduktion in einer chinesischen Fabrik gestoppt. Wie die «Sunday Times» berichtete, fand ein Londoner Mädchen am vergangenen Wochenende in einer von Tesco vertriebenen Weihnachtskarte einen Hilferuf mutmasslicher chinesischer Zwangsarbeiter.

Eine Unternehmenssprecherin zeigte sich am Sonntag «schockiert» über den Medienbericht – die Produktion in der betroffenen Fabrik in Shanghai werde «sofort gestoppt» und die Karten vorerst aus dem Verkauf genommen.

«Wir sind ausländische Gefangene im chinesischen Gefängnis Qingpu in Shanghai», soll laut «Sunday Times» in der Weihnachtskarte gestanden haben, die von Tesco für wohltätige Zwecke vertrieben wurde. «Wir werden gegen unseren Willen zur Arbeit gezwungen. Bitte helfen Sie uns und verständigen Sie Hilfsorganisationen.»

Die Tesco-Sprecherin sagte, das Unternehmen würde «niemals Gefangenenarbeit» in ihren Lieferketten akzeptieren. Die Karte sei von einer chinesischen Firma hergestellt worden, wo im November eine unabhängige Untersuchung der Produktionsbedingungen stattgefunden habe. «Es wurden keine Beweise gefunden, die darauf hindeuten, dass sie gegen unsere Regel, die den Einsatz von Gefängnisarbeit verbietet, verstossen haben», sagte die Sprecherin.

Untersuchung eingeleitet

Eine Untersuchung des Falls sei aber eingeleitet worden. Falls sich der Verdacht über die Zwangsarbeit bestätigen sollte, werde Tesco die Zusammenarbeit mit dem Zulieferer aufkündigen, sagte die Sprecherin.

(FILE) Tesco has posted a loss of almost £6.4bn for 2014, the biggest loss in its trading history. GLASGOW, SCOTLAND - OCTOBER 23: A general view of a Tesco supermarket on October 23, 2014 in Glasgow ...
Bild: Getty Images Europe

Wie aus dem Bericht der «Sunday Times» weiter hervorgeht, bat der Verfasser des Hilferufs darum, «Mr. Peter Humphrey» zu kontaktieren. Nach einer Internet-Recherche habe sich dieser als ein ehemaliger Journalist herausgestellt, der neun Monate im chinesischen Qingpu verbracht hatte. Der Vater des Londoner Mädchens, das den Hilferuf entdeckt hatte, nahm demnach Kontakt mit Humphrey auf, der die Geschichte schliesslich für die Zeitung aufschrieb.

Humphrey, der dem Bericht zufolge früher einmal für die Nachrichtenagentur Reuters gearbeitet hatte, habe ehemalige Häftlinge kontaktiert, die bestätigt hätten, dass ausländische Häftlinge an der Produktion von Tesco-Weihnachtskarten beteiligt waren.

Im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre um das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) waren Humphrey und seine Frau 2013 von chinesischen Behörden festgenommen worden. Beide arbeiteten damals für eine Firma, die multinationale Konzerne bei der Untersuchung von Korruptionsvorwürfen in China unterstützte. Im darauffolgenden Jahr wurden sie verurteilt und des Landes verwiesen.

Weihnachtskarten, deren Erlöse für gemeinnützige Zwecke gespendet werden, sind in Grossbritannien sehr beliebt und werden in Supermärkten zu niedrigen Preisen verkauft. Nach Angaben von Tesco spendet das Unternehmen jährlich rund 300'000 Pfund (383'000 Franken) seiner Erlöse aus dem Kartenverkauf an Wohltätigkeitsorganisationen. (aeg/sda/afp)

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