Digital
Klima

«Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau» – WDR entschuldigt sich nach Shitstorm

«Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau» – WDR entschuldigt sich nach Shitstorm wegen Lied

28.12.2019, 21:5029.12.2019, 13:34

«Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad» gehört zu den Klassikern der witzigsten Kinderlieder. Nun aber hat der WDR mit einer von seinem Kinderchor gesungenen satirischen Verballhornung des Liedes eine Welle der Empörung ausgelöst. Stein des Anstosses ist der Vers: «Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau.»

Ein veritabler Shitstorm im Netz mit mehr als 15'000 Facebook-Kommentaren bis Samstagabend zog über den Westdeutschen Rundfunk hinweg. Der WDR hatte das Video schon am Freitagabend von der WDR2-Facebookseite gelöscht und entschuldigte sich «für die missglückte Aktion». Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) machte auf Twitter seiner Entrüstung Luft.

Hier das Video:

Schliesslich rief am Samstagabend sogar WDR-Intendant Tom Buhrow vom Spitalbett seines 92-jährigen Vaters in einer Spezialsendung von WDR 2 an. Dort bezeichnete er das Video als Fehler. «Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür.» Sein Vater habe immer hart gearbeitet. «Er ist keine Umweltsau», sagte Buhrow.

«Meine Oma fährt mit 'nem SUV»

Im Video sangen rund 30 Mädchen im Studio unter anderem die Zeilen: «Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau.» In einer anderen Strophe hiess es: «Meine Oma fährt mit 'nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator.» Auch die Themen billiges Discounterfleisch und Kreuzfahrten werden nicht ausgespart.

«Meine Oma fährt mit 'nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator.»

«Wir haben mit einem grossen Hammer auf einen relativ kleinen Nagel geschlagen», sagte WDR 2-Programmchef Jochen Rausch reumütig in der Spezialsendung und entschuldigte sich mehrmals. Man habe das Wort «Umweltsau» in Verbindung gebracht mit der «lieben Oma», die abends Geschichten vorlese. Man habe nicht mit der «nötigen sprachlichen Feinheit» gearbeitet und «nicht lange genug nachgedacht».

Doch es gab auch positive Reaktionen auf das Video. Zwar warfen viele Hörer und Nutzer den Verantwortlichen mangelnden Respekt vor Älteren und eine Instrumentalisierung von Kindern für ein «beschämendes» oder «ideologisches» Video vor. Andere aber lachten darüber.

«Satire muss man aushalten»

«Scheinbar können es viele Menschen nicht vertragen, wenn man ihnen den Spiegel vorhält», sagte eine Hörerin in der WDR-Sendung. «Satire muss man aushalten», sagte auch die 14-jährige Ricarda. «Was ist daran so schlimm?» Die Kinder seien alt genug, um zu wissen, was sie sängen. «Die haben ihre Grosseltern doch trotzdem lieb.»

Das Redaktionsteam bedauere, «dass die Satire die Gefühle eines Teils des Publikums verletzt hat», teilte der WDR mit. Dies sei nicht die Absicht der Aktion gewesen. «Es ging vielmehr darum, den Generationenkonflikt, der sich durch die Fridays-for-Future-Bewegung darstellt, mit den Mitteln der Satire aufzugreifen.»

Was hältst du vom Lied?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1794 Personen teilgenommen

Ministerpräsident Laschet kritisierte, Kinder würden in der Klimaschutzdebatte von Erwachsenen instrumentalisiert. Der WDR habe mit dem Lied «Grenzen des Stil und des Respekts gegen über Älteren überschritten», twitterte er. «Jung gegen Alt zu instrumentalisieren, ist nicht akzeptabel.»

Den Vorwurf, die beteiligten Kinder seien missbraucht worden, wies der WDR zurück. «Wir bedauern, dass offenbar dieser Eindruck vereinzelt entstanden ist.» Am Ende des Videos sieht man Chormädchen mit ernstem Blick die Lippen bewegen und hört die Stimme der Umweltaktivistin Greta Thunberg: «We will not let you get away with this» (Wir lassen Euch damit nicht davon kommen). (jaw/sda/apa/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Klimademo der Jungen (und auch der Alten)
1 / 19
Klimademo der Jungen (und auch der Alten)
In 13 Schweizer Städten haben am Samstag neben Tausenden Schülerinnen und Schülern auch ihre Eltern, Grosseltern und andere Sympathisanten für einen besseren Klimaschutz und die Ausrufung des Klima-Notstands demonstriert.
quelle: epa/keystone / laurent gillieron
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Extinction Rebellion blockiert Strasse in Lausanne
Video: srf
Amerikanische KI-Firmen sollen sich laut Trump selbst beaufsichtigen
Die in der KI-Entwicklung führenden Tech-Konzerne Google, Anthropic, Meta, Nvidia, OpenAI und Elon Musks SpaceXAI haben laut Donald Trump eine entsprechende Übereinkunft unterzeichnet.
US-Präsident Donald Trump will trotz Warnungen vor existenziellen Risiken Künstlicher Intelligenz die Aufsicht über die Technologie ihren Entwicklern selbst überlassen. Die Unternehmen würden sich selbst kontrollieren, sagte Trump.
Zur Story