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Rassismus

Daniele Ganser darf auch nicht in Nürnberg auftreten

Persona non grata: Daniele Ganser darf auch nicht in Nürnberg auftreten

Kritiker werfen dem umstrittenen Schweizer Historiker unter anderem Holocaust-Relativierung vor. Nun hat nach Dortmund auch die Stadt Nürnberg Konsequenzen gezogen.
07.02.2023, 09:1807.02.2023, 12:19

Weiterer Rückschlag für Daniele Ganser: Nachdem die Westfalenhallen in Dortmund dem als Verschwörungstheoretiker verschrienen Historiker seinen Auftritt in ihren Räumlichkeiten untersagt hatten, hat nun auch die Stadt Nürnberg eingegriffen: Ganser darf nicht in der Meistersingerhalle auftreten.

«Wir machen uns nicht gemein mit Verschwörungstheorien.»
Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König

Kritiker werfen Ganser vor, sein Geld mit Verschwörungstheorien zu verdienen und antisemitische Klischees zu bedienen.

Ganser bei einem früheren Auftritt. «Warum ist der Krieg in der Ukraine ausgebrochen?»: Das ist das Thema der aktuellen Vortrags-Tour, die den Schweizer in grössere Städte des deutschsprachigen Raums  ...
Ganser bei einem früheren Auftritt. «Warum ist der Krieg in der Ukraine ausgebrochen?»: Das ist das Thema der aktuellen Vortrags-Tour, die den Schweizer in grössere Städte des deutschsprachigen Raums führt.screenshot: youtube

Was sagen die Verantwortlichen?

Die Meistersingerhalle gehört als Kulturstandort der Stadt Nürnberg – entsprechend lag die Entscheidung über Gansers Auftritt auch im Rathaus. «Oberbürgermeister Marcus König hat sich entschieden, dass der Vertrag mit Daniele Gansers Agentur gekündigt werden soll», erklärte Andreas Franke, Sprecher der Stadt Nürnberg, am Montag auf Anfrage des watson-Medienpartners T-Online.

Man habe im Rathaus die Vorgänge, die zu der Absage in Dortmund geführt hatten, aufmerksam verfolgt. «Ebenso wie in Dortmund möchten auch wir nicht, dass Daniele Ganser bei uns auftritt», bestätigte Franke.

Die Entscheidung sei zunächst eine politische, so Franke: «Der Vertrag wird gekündigt. Der Auftrag ist bereits an die Leitung der Meistersingerhalle ergangen.» Ob Ganser oder seine Agentur juristisch gegen die Entscheidung vorgehen wollen, könne er nicht kommentieren.

Gansers Agentur widerspricht

Die Veranstaltungsagentur Nema, die Gansers Auftritte organisiert, hatte sich auf T-Online-Anfrage hin zunächst nicht zu der Absage geäussert – zu Ganser generell dagegen schon: «Durch üble Nachrede, falsche Behauptungen, hinterhältige Hetze und garstige Diffamierungen versucht man auf ziemlich unfaire und plumpe Weise, derzeit gegen Dr. Ganser Stimmung zu machen, ihn in ein schlechtes Licht zu rücken und seine Vorträge zu verhindern.»

Ganser setze sich für «Frieden, Völkerverständigung und ein gewaltloses Miteinander in einer ehrlichen, offenen Gesellschaft» ein. In seinen Vorträgen betone Ganser immer wieder, «dass jeder Mensch zur Menschheitsfamilie dazugehört. Er lehnt jede Form der Abwertung, Unterdrückung, Benachteiligung, Ausgrenzung und Rassismus entschieden ab!»

Von Ganser selbst liegt keine Stellungnahme vor.

Welche Reaktionen gibt es auf die Absage?

Wie der Bayerische Rundfunk (BR) online berichtet, werde die Absage von verschiedenen Seiten begrüsst.

Stephan Doll, Vorsitzender der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion, sagte, «das sei das richtige Signal für die Demokratie und die Menschenrechte.»

Auch der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Jo-Achim Hamburger, habe sich positiv überrascht gezeigt, dass eine solche Absage rechtlich möglich sei.

Der Ort, die Meistersingerhalle und deren Nähe zum ehemaligen Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten (in den 1930er-Jahren unter Adolf Hitler), hätten sicherlich dazu beigetragen. Die Stadtverantwortlichen hätten sich wohl gesagt, ein solcher Auftritt sei ein «No-Go» in Nürnberg.

Ganser und der Ukraine-Krieg
Für den Antisemitismus-Beauftragten der bayerischen Regierung, Dr. Ludwig Spaenle, zählt Ganser «zu den unverbesserlichen Akteuren der verschwörungsideologischen Szene im deutschsprachigen Raum». Der Schweizer habe sich in russischen Propaganda-Medien wie «Russia today» (RT) geäussert und stehe in Kontakt mit «Compact» von Jürgen Elsässer, welches vom deutschen Verfassungsschutz als «gesichert rechtsextremistisch» eingestuft werde.

Es könne nicht sein, dass Verschwörungsideologen über die Gründe für den Ausbruch des Ukraine-Krieges vermeintlich «aufklären», stattdessen aber russische Propaganda verbreiten. Die Ukraine sei brutal von Putins Militärmacht überfallen worden – daran bestehe kein Zweifel.

Spaenle schreibt in einer Stellungnahme, er teile die Auffassung seines baden-württembergischen Kollegen Michael Blume, der Ganser für «einen antiwestlichen Verschwörungsunternehmer» halte, der mit der Verbreitung von Verschwörungsmythen seit Jahren Geld verdiene.

Quellen

(dsc)

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