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Endlager: Wie Schweden seinen Atommüll für 100'000 Jahre vergraben will

Wie Schweden seinen Atommüll für 100'000 Jahre vergraben will

Schweden will als zweites Land der Welt eine Mülldeponie für hoch radioaktiven Atommüll bauen. Wie die Pläne aussehen und wie weit die Schweiz bei der Suche einer Atommüll-Endlagerung ist.
28.01.2022, 13:5429.01.2022, 13:15

Die Frage stellt sich der Menschheit seit der Inbetriebnahme der ersten Kernkraftwerke Mitte der 50er Jahren: Was geschieht mit den nuklearen Abfällen?

1954 entstand das erste Atomkraftwerk in der damaligen Sowjetunion, das zweite folgte 1956 in Grossbritannien. Aktuell sind weltweit 436 Atomkraftwerke aktiv, 57 sind in Bau. Doch bislang hat kein Land der Welt ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle aus Atomkraftwerken in Betrieb genommen.

In Schweden scheint man nun eine Lösung für die Endlagerung nuklearer Abfälle gefunden zu haben. Die Regierung hat am Donnerstag ein Programm bewilligt, bei dem Kernbrennstoffe für 100'000 Jahre vergraben werden können. Während gut 40 Jahren hat das Land nach einer Lösung gesucht und gleichzeitig Forscher für die Entwicklung einer Atommüll-Endlagerung beauftragt.

Luftaufnahme des Kernkraftwerks Forsmark in Schweden.
Luftaufnahme des Kernkraftwerks Forsmark in Schweden. bild: wikicommons

Das schwedische Programm sieht vor, die radioaktiven Abfälle der Kernkraftwerke 500 Meter unter der Erde zu vergraben. Die abgebrannten Brennelemente will man in Kupferrohren versiegeln und unter dem Boden mindestens 100'000 Jahre lang lagern. Laut Experten vergehen mindestens mehrere zehntausend Jahre, bis radioaktive Abfälle für Mensch und Umwelt keine Gefahr mehr darstellen.

«Wir verfügen heute über Wissen und Technologie, sodass wir diese Verantwortung nicht auf unsere Kinder und Enkelkinder abwälzen müssen.»

Die Regierung rechnet damit, dass 2040 das letzte AKW vom Netz gehen wird. Bislang haben die schwedischen Kernkraftwerke seit der Inbetriebnahme in den 70ern rund 8000 Tonnen hoch radioaktive Abfälle produziert.

Die Endlagerung soll in der Nähe des Atomkraftwerks Forsmark gebaut werden, rund 130 Kilometer nördlich von Stockholm. Weiter untersucht wird der Standort des Kernkraftwerks in der Ostseestadt Oskarshamn, wo derzeit tonnenweise radioaktiver Abfälle zwischengelagert sind.

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bild: wikipedia

Greenpeace spricht von «grosser Unsicherheit»

Die Regierung ist zuversichtlich. Die Methode sei sorgfältig entwickelt und vorbereitet worden. Die schwedische Strahlenschutzbehörde hat die Methode als sicher eingestuft. Zudem könne man die Lagerung nicht auf unbestimmte Zeit verschieben. «Wir verfügen heute über Wissen und Technologie, sodass wir diese Verantwortung nicht auf unsere Kinder und Enkelkinder abwälzen müssen», sagt Annika Strandhäll, Ministerin für Umwelt und Klima.

Doch es gibt auch Kritik an der neu entwickelten Methode. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace spricht von einem unverantwortlichen Entscheid und verwies auf die «grosse Unsicherheit» des Projekts. Und auch einige Forscher wiesen darauf hin, dass Kupfer möglicherweise nicht korrosionsbeständig ist, was zu einem Leck führen könnte.

Finnland ist schon einen Schritt voraus

Ein Gericht soll nun die formellen Genehmigungen erteilen. Somit wäre Schweden nach Finnland das erste Land der Welt, welches einen solchen Schritt wagt. In Finnland ist man schon etwas weiter. Das atomare Endlager soll bereits in ein paar Jahren nach derselben Methode in Betrieb gehen. Der Zugangstunnel zum Endlager nahe dem Atomkraftwerk Olkiluoto an der Westküste Finnlands ist bereits ausgeschachtet.

So soll die Mülldeponie in Finnland unter der Erde aussehen.
So soll die Mülldeponie in Finnland unter der Erde aussehen.POSIVA.FI

Und wie sieht es in der Schweiz aus?

Seit Jahrzehnten ist die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (NAGRA) auf der Suche nach einem passenden Standort. «Wir sind ziemlich weit», sagt der NAGRA-Sprecher Patrick Studer auf Anfrage von watson.

Im Rennen sind aktuell die Regionen Jura Ost, Nördlich Lägern, Zürich Nordost. Im Herbst dieses Jahres will man einen Standort vorschlagen und zwei Jahre später das Rahmenbewilligungsgesuch einreichen. Die Eröffnung eines Endlagers ist für 2050 geplant. Doch das Gesuch unterliegt dem fakultativen Referendum. Studer schätzt, dass das Volk womöglich 2031 über den Standort abstimmt.

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