International
EU

Umfrage in Russland: Zwei Drittel sehen ihr Land nicht als «Aggressor»

Umfrage in Russland: Zwei Drittel sehen ihr Land nicht als «Aggressor»

Viele Menschen in Russland sehen sich einer Umfrage zufolge von ausländischen Feinden umzingelt, während sie ihr eigenes Land als Opfer betrachten.
28.01.2026, 04:3528.01.2026, 04:35

Dies sei eine Folge der unablässigen antiwestlichen Propaganda, sagte der russische Soziologe Lew Gudkow vom unabhängigen Lewada-Zentrum Moskau in Berlin bei der Vorstellung seiner Ergebnisse.

epa12629117 People walk on the Red Square during the New Year and Christmas holidays in downtown Moscow, Russia, 05 January 2026. Russians are preparing to celebrate Christmas, observed on 07 January, ...
Menschen auf dem Roten Platz in Moskau.Bild: keystone

Im Auftrag der deutschen Sacharow-Stiftung hat das in Russland als Auslandsagent eingestufte Institut die Weltsicht der Russen nach vier Jahren Ukraine-Krieg erforscht. In den mehr als 30 Jahren seit dem Ende der Sowjetunion habe Russland nur sechs Jahre lang keinen Krieg geführt, sagte Gudkow. Er sprach von einer «Militarisierung des Bewusstseins».

Polen ist Feind, USA grosser Konkurrent

Unter den mehr als 1'600 Befragten sahen 62 Prozent Polen und Litauen als feindselige Länder, gefolgt von Grossbritannien (57 Prozent), Deutschland (50 Prozent), Schweden (40 Prozent). Die USA wurden überwiegend als Konkurrent eingestuft (53 Prozent). Auf die Frage nach fünf befreundeten Ländern wurden am häufigsten Belarus, China, Kasachstan, Indien und Nordkorea genannt – mit Ausnahme von Indien repressiv bis diktatorisch regierte Staaten.

Das Bild der USA hat sich bei den Russen über die vergangenen Jahrzehnte mehrfach positiv oder negativ verändert. Es war schlecht unter Präsident Joe Biden wegen der Unterstützung für die Ukraine. Und es verbesserte sich mit dem Amtsantritt von Donald Trump, der ein rasches Ende des Kriegs versprach.

Trump soll den Frieden bringen, den Putin nicht will

«Die Menschen sind den Krieg leid», sagte Gudkow. Die Hoffnungen seien auf Trump übertragen worden, weil klar sei, dass Kremlchef Wladimir Putin den Krieg nicht beenden werde und daran auch nichts zu ändern sei. Die Sehnsucht nach Frieden bedeute aber keine Bereitschaft zu Kompromissen:

«Die Russen sind überzeugt, dass die Ukraine aufgeben und kapitulieren wird.»

Den Krieg sehen die Russen als vom Westen aufgezwungen an. Russland sei nie ein Aggressor oder Initiator von Konflikten mit anderen Ländern gewesen – im Jahr 1998 bejahten 36 Prozent der Russen diese Aussage. Bis 2024, als die Invasion in die Ukraine schon zwei Jahre dauerte, wuchs dieser Anteil sogar auf 65 Prozent. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nordkorea feuert wieder eine ballistische Rakete ab
Nordkorea hat erneut eine ballistische Rakete in Richtung des Meeres östlich der koreanischen Halbinsel abgefeuert.
Das Geschoss wurde am frühen Morgen aus dem Raum Wonsan gestartet und flog mehr als 700 Kilometer weit, wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das südkoreanische Militär berichtete.
Zur Story