International
Forschung

Russland plant Forum für Meeresschutz, um den Westen zu beeinflussen

PRODUKTION - 13.04.2023, Schleswig-Holstein, Kiel: Die kanadische Meeresbiologin Angela Stevenson (r) und der irische Meeresbiologe Tadhg O
Meeresbiologen forschen in der Ostsee.Bild: keystone

Russland plant Forum für Meeresschutz – und will damit wohl etwas ganz anderes erreichen

Offiziell soll der Schutz der Ostsee im Mittelpunkt eines neuen russischen Forums mit westlichen Gästen stehen. Doch die eigentliche Idee ist wohl eine andere.
27.04.2023, 20:0027.04.2023, 20:00
Ein Artikel von
t-online

Russland will offenbar mithilfe einer Schein-Organisation Einfluss auf westliche Experten nehmen. Das hat eine Recherche von WDR, NDR und «Süddeutsche Zeitung» (SZ) und weiteren internationalen Medien ergeben. Sie beziehen sich auf entsprechende Papiere von Januar 2023 aus der russischen Präsidialadministration.

Demnach plane Moskau die Einrichtung eines neuen wissenschaftlichen Forums mit internationalen Teilnehmern, das sich offiziell mit der Verschmutzung der Ostsee beschäftigen soll. Westliche Experten sollen dem Bericht zufolge für das Forum «Baltische Plattform» umworben werden und damit «dann auch politische Botschaften im Sinne Moskaus platzieren».

Damit Vertreter aus europäischer Forschung, Kultur und Nichtregierungsorganisation wieder mit Russland ins Gespräch kommen, sei das Thema des Vorhabens den Papieren zufolge bewusst möglichst unpolitisch gewählt worden – die belastete Ökologie der Ostsee. Ziel seien Teilnehmer aus baltischen Staaten, Skandinavien und Deutschland, die bereits im Herbst 2023 zusammenkommen sollen.

Das Ziel der «Baltischen Plattform» soll laut der Recherche sein, einen «allmählichen Übergang der Diskussion von nicht-politischen Themen zu aktuellen politischen Inhalten» herzustellen. Westliche Sicherheitsbehörden sprechen dem Bericht zufolge von einer «klassischen nachrichtendienstlichen Einflussoperation», mit der Russland versuche, nach den westlichen Sanktionen wieder Verbindungen mit einzelnen Ländern Europas herzustellen.

13 Personen – hochrangige russische Beamte und regimetreue Rektoren namhafter russischer Universitäten – sollen dem Bericht zufolge ein Organisationskomitee zu dem Forum bilden. In den Papieren sollen auch mögliche Partner benannt sein, darunter das Baltic Sea Centre an der Universität Stockholm und die Helsinki Kommission, die 1974 zum Schutz der Ostsee gegründet wurde. Die Organisationen sind nicht für eine prorussische Haltung bekannt und erklären gegenüber WDR, NDR und SZ, dass es bislang keine Kontaktversuche gegeben habe.

(t-online, csi)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Lula gegen Bolsonaro-Sohn: Brasilien wählt zwischen zwei Polen
Die Präsidentenwahl findet in einem Klima politischer Polarisierung und anhaltender Gewaltkriminalität statt. Neben dem Staatsoberhaupt werden auch Parlament, Senat und die Gouverneure gewählt.
In Brasilien hat vor dem Hintergrund politischer Polarisierung und anhaltender Gewaltkriminalität die Präsidentenwahl begonnen. Rund 159 Millionen Wahlberechtigte sind dazu aufgerufen, über die politische Zukunft des grössten Landes Lateinamerikas zu entscheiden. Bis 17.00 Uhr (Ortszeit/22.00 Uhr MESZ) werden die Wahllokale geöffnet sein, erste vorläufige Ergebnisse werden in der deutschen Nacht auf Montag erwartet.
Zur Story