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Homosexualität

Der Mord am kenianischen LGBTQI-Model Edwin Chiloba

CORRECTS NAME TO Edwin Chiloba - LGBT activist Edwin Chiloba poses in Eldoret, Kenya, in this undated photo. Police in Kenya are investigating the death of Chiluba, an LGBT activist whose body was fou ...
Edwin Chiloba in einer eigenen Kreation.Bild: keystone

Der Mord am kenianischen LGBTQI-Model Edwin Chiloba

12.01.2023, 20:0814.01.2023, 08:32

Am 4. Januar 2023 starb das kenianische Model Edwin Kiprotich Kiptoo alias Edwin Chiloba. Er wurde ermordet, in eine Metallkiste gepackt und am Strassenrand entsorgt.

Videos in den sozialen Medien zeigen, wie die Kiste geöffnet auf der Strasse in der Nähe der westkenianischen Stadt Eldoret steht – und der Leichnam im Staub daneben liegt.

Sterben musste der 25-Jährige wohl, weil er einer der bekanntesten LGBTQI-Aktivisten Kenias war.

Der Mord

Chiloba ist an Sauerstoffmangel gestorben. In seinem Mund befanden sich drei Socken und um sein Gesicht war eine Jeans gewickelt, wie der Pathologe Johansen Oduor am Mittwoch nach einer Autopsie mitteilte. Verletzungen habe der Leichnam nicht aufgewiesen.

Oduor wies somit indirekt ein Gerücht zurück, das in den sozialen Medien kursiert, dass Chilobas Augen ausgestochen worden sein sollen.

Weltweit haben Menschenrechtsgruppen den Mord mit der sexuellen Orientierung von Chiloba in Verbindung gebracht, denn dieser war homosexuell. Der UN-Menschenrechtsbeauftragte, Volker Türk, zeigte sich am Samstag «erschüttert» über den Tod des jungen Mannes.

In Kenia selber geht die Polizei anscheinend von einem Beziehungsdrama aus. Es wurden bereits fünf Personen im Zusammenhang mit dem Mord verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich auch Jacktone Odhiambo, der langjährige Freund Chilobas.

Laut einem Ermittler von der Polizei von Langas gilt Odhiambo als Haupttäter im Mordfall Chilobas: «Sie waren ein Paar und lebten zusammen. Es war ein Verrat von einem von ihnen.» Vor Gericht stritten Odhiambo und die anderen Beschuldigten ab, etwas mit dem Mord zu tun zu haben.

Auf Videos ist zu sehen, wie Chiloba kurz vor seinem Tod ausgelassen in einem Club feiert. Die Polizei teilte mit, dass sie noch Zeit brauche, um die Videos auszuwerten – und auch das Auto, in dem die Leiche wohl transportiert worden war, sei noch nicht von der Gerichtsmedizin untersucht worden.

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Edwin Chiloba in einer eigenen Kreation.Bild: keystone

Der aufstrebende Designer und Aktivist

In mehreren Medien wird das Ehepaar Pfaltzgraff aus den USA als «geistige Adoptiveltern» Chilobas genannt. Die Missionare sollen Chilobas Träume unterstützt haben, Modedesigner zu werden.

Chiloba zog dann 2019 auch von Nairobi nach Eldoret, wo er Mode studierte. Von dort führte er seine eigene Bekleidungsmarke namens ChilobaDesigns. Gleichzeitig erlangte er Bekanntheit durch sein Engagement für die kenianische LGBTQI-Community.

Mary Lize Biubwa, eine Freundin von Chiloba und Mitbegründerin der LGBTQI-Menschenrechtsgruppe Queer Republic, sagte der «Washington Post», dass Chiloba im vergangenen Jahr bereits zweimal angegriffen worden sei aufgrund seiner sexuellen Orientierung. Trotzdem sei er immer «voller Leben» gewesen.

Erst letzten Monat schrieb Chiloba auf Instagram, dass er immer für Inklusion kämpfen werde:

«Und wenn ich dagegen ankämpfe, wofür ich ausgegrenzt wurde, werde ich für alle ausgegrenzten Menschen kämpfen.»

Weitere LGBTQI-Morde in Kenia

Homosexualität ist in Kenia absolut tabu – genau wie in weiten Teilen Afrikas. Gleichgeschlechtlicher Sex kann im mehrheitlich konservativ-christlichen Kenia mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden.

Erst im Mai 2019 lehnte Kenias High Court die Aufhebung der diskriminierenden Paragrafen im Gesetz ab. Und diese Haltung wird von der obersten politischen Etage Kenias unterstützt: Der kürzlich gewählte Präsident, William Ruto, hat in Interviews erklärt, dass Homosexualität nicht mit christlichen Werten übereinstimme. Obwohl das Gesetz nur selten durchgesetzt werde, trage es zu einem «Klima der Diskriminierung und Gewalt» bei, so Human Rights Watch.

Biubwa bemerkte dazu, dass sie nach dem Angriff um die Sicherheit der gesamten LGBTQI-Community Kenias fürchte:

«Chiloba hätte wirklich jede queere Person sein können, und das ist das Traurigste.»

Der Mord an Chiloba ist nicht das erste Verbrechen in Kenia an einer LGBTQI-Person, das international Erschütterung auslöst und die kenianische queere Community verunsichert. So gelten mindestens drei Morde weiterhin als ungeklärt, nämlich die an Sheila Lumumba, Erica Chandra und Joash Mosoti. Sie alle setzten sich genau wie Chiloba für die Rechte sexueller Minderheiten ein.

Mehrere Menschenrechtsorganisationen – darunter Amnesty International und die kenianische Menschenrechtskommission – gaben ein gemeinsames Statement heraus, in dem sie Kenia auffordern, den Mord an Chiloba ernsthaft zu untersuchen und auch die unaufgeklärten Morde weiterzuverfolgen.

Die Organisationen schreiben:

«Die kenianische Verfassung garantiert allen Menschen das Recht auf Leben, Schutz und Gleichheit vor dem Gesetz sowie das Recht auf Würde – einschliesslich sexueller und geschlechtlicher Minderheiten. In der Realität ist dies jedoch nicht der Fall, wie die laxe Strafverfolgung in Mordfällen von LGBTQI-Personen zeigt.»

Der Richter, der die Verdächtigen im Mordfall Chilobas befragte, ordnete an, dass alle fünf bis zum 31. Januar weiter festgehalten werden dürften. Dann sollen sie erneut vor Gericht treten.

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