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Faites l'amour: Macron will die Geburtenrate in Frankreich ankurbeln

President Emmanuel Macron and his wife the First Lady Brigitte Macron vote for the first round of the legislative elections at the Salle des Quatre Saisons in Le Touquet President Emmanuel Macron voti ...
Emmanuel Macron mit Anhängern in Le Touquet (Nordfrankreich).Bild: IMAGO / Bestimage

Faites l'amour: Macron will die Geburtenrate in Frankreich ankurbeln

Der französische Präsident schreibt den jungen Erwachsenen in Frankreich einen Brief des Inhalts: Macht mehr Kinder!
12.02.2026, 11:1712.02.2026, 11:17
Stefan Brändle, Paris / ch media

Frankreich war lange stolz auf seine hohe Geburtenrate. Sie galt als Produkt eines grosszügigen Sozialmodells und lief dem allgemeinen europäischen Abwärtstrend zuwider: Noch 2010 lag sie über zwei Kindern pro Ehepaar. Seither sinkt die Natalität aber auch in Frankreich. 2025 lag sie nur noch bei 1,56 Kindern – weit unter der biologischen Erneuerung der Gesellschaft.

Im abgelaufenen Jahr verzeichnet Frankreich sogar erstmals überhaupt mehr Todesfälle (651'000) als Geburten (645'000). Die Zahl der über 65-Jährigen liegt damit höher als die der unter 20-Jährigen.

Soziologen schlagen Alarm: In gut einem Jahrzehnt ist die Zahl der Neugeborenen um 24 Prozent gesunken. Präsident Emmanuel Macron hatte schon 2024 die biologische «Wiederaufrüstung» ausgerufen. Nun geht er einen Schritt weiter: Bis zum Sommer will er den 29-jährigen Französinnen und Franzosen einen Brief zukommen lassen, in dem er sie unverblümt zum Kindermachen auffordert.

«Es ist Zeit, sich zu überlegen, ob Sie ein Kind haben wollen oder nicht», beginnt das Schreiben laut dem Newssender France-Info. Auf den Punkt gebracht: Faites l’amour – macht Kinder! Gesundheitsministerin Stéphanie Rist erklärte weiter, der Brief enthalte «gezielte, ausgewogene und wissenschaftlich fundierte Informationen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit».

Massnahmen gegen die Kinderlosigkeit

Macron, der selbst kinderlos ist, bezieht sich im Wesentlichen auf einen 16-Punkte-Plan, den das Gesundheitsministerium vor ein paar Tagen vorgestellt hat. Er enthält in erster Linie Massnahmen gegen die zunehmende Unfruchtbarkeit. Sie betrifft heute 3,3 Millionen Personen – jedes achte Paar in Frankreich.

Für Frauen, die ihren Kinderwunsch erst später realisieren wollen, wird die Zahl von Zentren zur Eizell-Einfrierung landesweit von 40 auf 70 erhöht. Für Frauen zwischen 29 und 37 Jahren übernimmt der Staat die Kosten des Freezings.

Mehrere Experten kritisieren allerdings den Ansatz, vorab die Fruchtbarkeit direkt erhöhen zu wollen. Die Demographin Pauline Rossi erklärte, nötig wären auch bessere arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen, damit Frauen Beruf und Familie besser miteinander vereinen könnten. Frauenverbände regen an, den bezahlten Mutterschaftsurlaub von heute 16 Wochen um zehn Wochen zu erhöhen. Dazu fehlen dem französischen Staat aber die Finanzmittel. Bonuszahlungen für jedes geborene Kind werden heute für wenig wirksam gehalten. Sie zeitigen auch in Ländern wie Südkorea oder China nur beschränkte Erfolge.

Der Pariser Ökonom Dominique Seux führt den Geburtenrückgang weniger auf wirtschaftliche Gründe zurück. Er glaubt, der Kinderwunsch sei allgemein rückläufig. Verantwortlich sei die Zunahme der Scheidungen und Trennungen, aber auch der zunehmende Individualismus mit dem Vorrang persönlicher Bedürfnisse.

Zu Macrons Vorstoss befragt, nannten französische Jugendliche ferner Umweltbedenken sowie feministische Argumente gegen das Kinderkriegen. Darauf pocht auch die Essayistin Corinne Maier in einem soeben erschienenen Buch. Es trägt den programmatischen Titel «Non merci». (aargauerzeitung.ch)

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