Houston, Swatch hat ein kleines Problem
Rund 1,2 Millionen Menschen weltweit wollten die neue, von Nick Hayek in limitierter Auflage präsentierte Monduhr erwerben. Nur 1969 kamen zum Zug. Die Wahrscheinlichkeit war also sehr klein, die Freude umso grösser, wie ein Leser erzählt. Nach langem Warten hat er die Meldung erhalten, dass sein Kaufantrag gutgeheissen wurde, vor rund zehn Tagen hat er dann seine Uhr in der Swatch-Boutique abgeholt.
Die Swatch galt schnell als Anti-Trump-Uhr, weil jeder, der eine kaufen wollte, wie für eine Reise in die USA ein ESTA-Formular mit 32 Fragen ausfüllen musste. «Hast du schon einmal einem Präsidenten eine goldene Tischuhr geschenkt?», lautete die erste Frage. Ein Seitenhieb gegen die Schweizer Wirtschaftsdelegation, die im November 2025 Donald Trump im Oval Office besuchte und ihm eine goldene Tisch-Rolex schenkte.
Doch die goldene, 500 Franken teure Monduhr aus der Kreativküche von Swatch ist nicht nur voller Anspielungen auf die US-Politik, sondern vor allem auch auf die Mondlandung. So erfolgte etwa die Lancierung am 16. Juli um 15.32 Uhr in Anlehnung an den Raketenstart. Die Stückzahl wurde in Referenz zum Mondlandungsjahr auf 1969 beschränkt – und etliche der 32 ESTA-Fragen hatten zur Apollo-11-Mission. Die aufwendig gestaltete Verpackung, die letztlich nur die auserwählten Käufer zu Gesicht bekommen, enthält nebst der Uhr unter anderem ein Zertifikat sowie ein goldfarbenes Büchlein.
Auf der Innenseite der Moonswatch-Box sind auf Englisch vier historische Fakten zur Mondlandung notiert.
- Apollo 11 verliess am 16. Juli die Erde.
- Am 21. Juli 1969 um 2.56 Uhr koordinierte Weltzeit (UTC) betrat Apollo-11-Astronaut Neil Armstrong die Mondoberfläche und machte damit «einen gewaltigen Sprung für die Menschheit».
- Apollo 11 kehrte am 24. Juli zur Erde zurück – mit Treibstoffreserven für weniger als 30 Sekunden.
- Die Astronauten brachten mehr als 20 Kilogramm Mondgestein zurück.
Doch beim dritten Punkt hat sich ein Fehler eingeschlichen. Das jedenfalls meint der glückliche Leser, der nicht nur ein Uhrenfan, sondern auch ein Mondlandungskenner ist. «Anders als auf der Innenseite der Verpackung behauptet, wurde der Sprit der Apollo 11 nicht bei der Landung auf der Erde knapp, sondern ein paar Tage zuvor bei der Landung auf dem Mond.»
Und der Leser hat recht, wie eine Nachfrage bei Guido Schwarz, einem Raumfahrtexperten an der Universität Bern, zeigt. «Es ist in der Tat so, dass der Sprit bei der Mondlandung knapp wurde», sagt Schwarz, der nebenbei noch das Swiss Space Museum im zürcherischen Regensdorf betreibt. Dort können Interessierte einmal im Monat Artefakte und Modelle der Raumfahrt und Weltraumforschung bestaunen.
Die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin hätten vor der Landung auf dem Mond noch einen Krater überfliegen müssen, erklärt Schwarz. Das habe zusätzlichen Brennstoff benötigt. Letztlich blieb dann in der Tat nur noch Sprit für «weniger als 30 Sekunden» übrig.
Für den Rückflug liessen die beiden Astronauten den unteren, für den Hinflug und die Landung relevanten Teil mit seinen vier spinnenartigen Beinen auf dem Mond zurück. Mit dem oberen Teil, ausgestattet mit eigenem Triebwerk und eigenem Sprit, flogen sie dann zur Kommandokapsel, die während der Mondlandung in der Mondumlaufbahn geblieben war.
Berner Beitrag zur Apollo-11-Mission
Auf die Erde zurückgebracht haben Armstrong und Aldrin aber nicht nur 20 Kilogramm Mondgestein, wie der Moonswatch-Box zu entnehmen ist, sondern auch ein Sonnensegel der Universität Bern. Dieses haben die beiden Astronauten während ihres Aufenthalts auf dem Mond aufgestellt, damit es Sonnenwindpartikel auffangen konnte. Vor Abflug haben sie es wieder zusammengerollt und eingepackt. Ausgewertet wurden die besagten Partikel dann in Bern. «Das war das einzige nichtamerikanische Experiment beim Apollo-11-Flug», sagt Schwarz nicht ohne Stolz.
Bei Swatch reagiert man mit Humor auf den Fehler: «Ja, das stimmt», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. «Es war tatsächlich während der Mondlandung, dass es ein Problem gab.» Und sie fügt mit Augenzwinkern an: «Wir hätten die ESTA-Genehmigung nicht bekommen.»
Korrigieren lässt sich der Patzer ohnehin nicht mehr. Alle 1969 Monduhren würden derzeit an die ausgewählten Swatch-Stores überreicht, sagt die Sprecherin. Der Leser freut sich trotzdem über seine Uhr.
Erst vor zwei Jahren hatte er sich eine Omega Speedmaster gekauft, also das Nachfolgemodell jener Uhr, welche die Astronauten bei der Mondlandung 1969 trugen. Nun hat er noch eine zweite. (schweizheute.ch)
